Ratzeburg (pm). Das alte Bootshaus am Karl-Adam-Weg ist für viele Ratzeburgerinnen und Ratzeburger mehr als ein Bootsunterstand. Es steht für aktiven Rudersport, Schulerinnerungen und ein Stück Stadtgeschichte. Nach der kontroversen Diskussion um die dringend notwendige Sanierung der Steganlage zeichnet sich nun eine weitere Lösung ab, die Hoffnung macht: Drei private Unterstützer aus Ratzeburg haben gegenüber dem Ehemaligenverein der Lauenburgischen Gelehrtenschule signalisiert, Verantwortung übernehmen und eine Übernahme des Bootshauses prüfen zu wollen.
Hintergrund ist die schwierige finanzielle Lage: Auch mit einer möglichen Förderung durch die AktivRegion Nord könnte der Ehemaligenverein die notwendige Vorfinanzierung der Sanierung nicht leisten, da die Fördergelder erst nach Abschluss der Arbeiten ausgezahlt werden. „Die erforderlichen Investitionen müssten wir als Eigentümer zunächst selbst tragen – eine Belastung, so Marc Hamdorf, Vorsitzender des Ehemaligenvereins, die für den ehrenamtlich geführten Verein nicht tragbar ist.“
In der Stadtvertretersitzung vom 22. Juni 2026 war dieser Konflikt deutlich geworden. Fraktionsübergreifend bestand der Wunsch, den traditionsreichen Ruderstandort am Ratzeburger See zu erhalten. Gleichzeitig gab es Sorge vor finanziellen Risiken, Haftungsfragen und langfristigen Verpflichtungen für die Stadt. Zwischen dem Willen zu helfen und der Verantwortung für öffentliche Mittel blieb eine Lücke.
Genau diese Lücke wollen die drei privaten Unterstützer schließen. Im Anschluss an die Sitzung kamen sie mit Vertretern des Ehemaligenvereins ins Gespräch und erklärten ihre Bereitschaft, eine Übernahme des Bootshauses zu prüfen, die Sanierung der Steganlage mit Unterstützung der AktivRegion auf den Weg zu bringen und bestehende Verpflichtungen zu übernehmen.
Im Mittelpunkt stehe dabei kein Renditeinteresse, sondern der Erhalt dieses besonderen Ortes. „Uns geht es darum, das Bootshaus für Ratzeburg zu bewahren“, sagt einer der Unterstützer. „Natürlich muss ein solches Vorhaben langfristig tragfähig sein. Aber entscheidend ist, dass dieser Ort erhalten bleibt und seine Bedeutung als Ruderstandort nicht verloren geht.“
Für den Ehemaligenverein ist besonders wichtig, dass eine mögliche Veränderung der Eigentumsverhältnisse keine Veränderung der schulischen Nutzung bedeutet. Die Rudersparte der Lauenburgischen Gelehrtenschule soll das Bootshaus weiterhin in dem bisherigen Umfang nutzen können. Auch die übrigen bestehenden Vereinbarungen sollen übernommen werden, damit der Schulsportbetrieb ohne Einschränkungen fortgeführt werden kann.
Perspektivisch sollen behutsame ergänzende Nutzungsmöglichkeiten geprüft werden, die zur Geschichte, Lage und Bedeutung des Bootshauses passen und zur Deckung laufender Unterhaltskosten beitragen könnten. Vorrang haben jedoch die schulische Nutzung, der Rudersport und der langfristige Erhalt des Standorts.
Beim Ehemaligenverein sorgt dieses Signal für große Erleichterung. „Wir haben intensiv nach einer tragfähigen Lösung gesucht. Dass sich nun Menschen aus der Ratzeburger Bürgerschaft bereiterklären, Verantwortung zu übernehmen, ist alles andere als selbstverständlich“, sagt der Vorsitzende Marc Hamdorf zu dieser Option. „Dieses Angebot der drei Ratzeburger werden wir zeitnah auf Vorstandsebene besprechen. Ziel muss es sein, eine verantwortungsvolle Lösung zu finden mit der das Bootshaus von Karl Adam erhalten bleibt und eine Nutzung durch die Lauenburgische Gelehrtenschule sichergestellt ist.“
Weitere Gespräche sollen folgen, Vertragsentwürfe sind im Sinne aller Beteiligten zu prüfen und abzustimmen, damit der Vorstand des Ehemaligenvereins eine zeitnahe Entscheidung treffen kann.
Sollte die Übernahme zustande kommen, könnte die Zukunft des traditionsreichen Bootshauses langfristig auf ein neues Fundament gestellt werden – ohne zusätzliche finanzielle Risiken für die Stadt und ohne Einschränkungen für den Verein, die Schule und den Rudersport.











