Herzogtum Lauenburg (pm). Ob Smartphone, Tablet, Computer oder Spielkonsole – Kinder sind heute schon sehr früh und täglich mit digitalen Medien konfrontiert. Diese bieten viele Möglichkeiten, zum Lernen, Spielen und Entdecken. Allerdings stellt die Digitalisierung Familien auch vor neue Herausforderungen. Auch Experten sehen die Zeit, die Kinder im Kreis Herzogtum Lauenburg vor dem Bildschirm verbringen, kritisch. Der Medienkonsum ist hier häufig viel zu hoch. In Schleswig-Holstein verbringen bereits 47 Prozent der Vier- bis Sechsjährigen unter der Woche mehr als eine halbe Stunde vor TV, Laptop und anderen digitalen Geräten. Am Wochenende sind es sogar 78 Prozent. Das ergab eine Elternbefragung im Rahmen der AOK-Familienstudie aus 2022. Experten zufolge sollte der tägliche Medienkonsum für Kinder in dieser Altersgruppe jedoch eine halbe Stunde nicht überschreiten. Entscheidend sind aber auch die konsumierten Inhalte. „Medienkompetenz ist wichtig für Kinder. Ein zu hoher und falscher Medienkonsum kann sich nachteilig auf die Entwicklung und Gesundheit von Kindern auswirken. Vor allem dann, wenn sie sich zu wenig bewegen, sie ihre reale Welt nicht mehr erkunden und soziale Kontakte ausbleiben. Wenn Kinder unbeaufsichtigt nicht altersgerechte Inhalte konsumieren, kann das zudem Ängste auslösen“, sagt AOK-Serviceregionsleiter Reinhard Wunsch.

Kritisch ist der tägliche digitale Medienkonsum der Kinder in Schleswig-Holstein auch in der Altersgruppe der Sieben- bis Zehnjährigen zu sehen. Der von Experten maximal empfohlene Wert von einer Stunde täglich wird hier deutlich überschritten. Gleich 71 Prozent der befragten Eltern gaben an, dass ihre Kinder diese Werte am Wochenende deutlich überschreiten, unter der Woche sind es 26 Prozent. Laut der JIM-Studie (Jugendliche, Internet, Medien) aus 2025 des Medienpädagogischen Forschungsverbundes verbringen die Zwölf- bis 13-Jährigen, über 160 Minuten täglich vor dem Bildschirm. In der Studie wird auch die Medienkompetenz näher beleuchtet. Danach sehen sich nur 35 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 13 Jahren in der Lage, Deepfakes (mit KI erstellte realistisch wirkende Medieninhalte) zu erkennen und nur 33 Prozent kennen die Bild-Rückwärtssuche (hiermit lässt sich ermitteln, ob ein Bild schon im Internet veröffentlicht wurde).
Medienkompetenz ist eng mit gesundem Aufwachsen verbunden. Deshalb ist die AOK bereits seit 2020 Partnerin der bundesweiten Initiative „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“ und hat die Kooperation nun erneut verlängert. „Präventive Maßnahmen spielen für die AOK NordWest eine wesentliche Rolle – auch bei der Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen. Um Kindern ein gutes Aufwachsen mit Medien zu ermöglichen, müssen Eltern selbst gut informiert sein, aktuelle Medientrends und ihre Chancen und Risiken kennen und ihre Kinder bei der Mediennutzung unterstützen. Mit SCHAU HIN! werden Eltern gestärkt, damit sie ihre Kinder fit für die Nutzung digitaler Medien machen können“, sagt Wunsch mit Blick auf die langjährige Kooperation. „SCHAU HIN!“ ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, des öffentlich-rechtlichen Senders ZDF sowie der AOK. Die neuen „SCHAU HIN!-Medienkurse für Eltern“ – online, interaktiv, werbefrei und kostenlos sind ab Herbst verfügbar.
Laut der aktuellen AOK-Familienstudie begrenzen Erziehungsberechtigte die Bildschirmzeiten ihres Nachwuchses nicht mehr so stark wie vor einigen Jahren. Gaben 2018 noch 86 Prozent der Eltern an, ihren Kindern bis zum 14. Lebensjahr Grenzen bei der Mediennutzung zu setzen, waren es 2022 nur noch 76 Prozent. „Wir wollen Eltern dabei unterstützen, gemeinsam mit ihren Kindern einen verantwortungsvollen Umgang zu finden“, so Wunsch. Bereits bei Kindern zwischen drei und sechs Jahren werden wesentliche Grundlagen für die spätere Mediennutzung gelegt. Da Kinder durch Nachahmung lernen, bieten sich gute Chancen, wenn Eltern mit gutem Beispiel vorangehen.
Neben Nachhaltigkeit ist seit Jahren auch Medienkompetenz fester Bestandteil des AOK-Präventionsprogramms „JolinchenKids – fit und gesund in der Kita“. „Früher lag unser Schwerpunkt auf Ernährung, Bewegung und psychischem Wohlbefinden. Wir sehen gerade im Bereich der Medienkompetenz ein riesiges Gesundheitspotenzial und haben deshalb diesen Baustein hinzugefügt“, so Wunsch.
Digitale Elternabende mit Mediencoaches aus dem „SCHAU HIN“-Team für Eltern von mit der AOK NordWest kooperierenden Schulen, die Gesundheitsförderung fest in ihren Schulalltag integriert haben, stießen auf großes Interesse. Eltern nutzten die Gelegenheit, wertvolle Tipps zum Umgang mit digitalen Trends und Medien für die gesamte Familie zu bekommen.
Mehr Informationen zur Partnerschaft der AOK mit „SCHAU HIN!“ und wertvolle Tipps gibt es hier kostenfrei: https://www.schau-hin.info/











