Hamburg (pm). Gemeinschaftserlebnisse bleiben relevant: Rund eine Million Übernachtungen haben die Jugendherbergen in Schleswig-Holstein, Hamburg und dem nördlichen Niedersachsen im Jahr 2025 erzielt. Der Landesverband Nordmark des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) bewertet das Jahresergebnis vor dem Hintergrund mehrerer anspruchsvoller Umstände als stabil. Zwei davon betreffen gesellschaftliche Entwicklungen, die dem gemeinnützigen Träger der Kinder- und Jugendhilfe zunehmend Sorgen bereiten.

„2025 brachte stürmische Zeiten für unsere Jugendherbergen – dafür haben wir uns gut geschlagen“, fasst Stefan Wehrheim zusammen, Geschäftsführer des DJH-Landesverbands Nordmark e.V. In seinem 111-jährigen Jubiläumsjahr verzeichnete der eingetragene Verein rund eine Million Übernachtungen. Damit lag das Jahresergebnis der bekannten Gruppenunterkünfte etwas niedriger als im Vorjahr. „Doch wer in unsere Jugendherbergen reist, ist oft begeistert“, hält Wehrheim mit Blick auf die positiven Gästerückmeldungen fest, die der Landesverband über sein Online-Feedback-System und auch persönlich erhält.
Hier lagen die Herausforderungen
Gleich mehrere Faktoren waren für die Jugendherbergen in 2025 herausfordernd. Durch sie wird der leichte Rückgang der Übernachtungszahlen (-3,85%) erklärbar:
- Ungünstige Ferienzeiten: Da Ostern sehr spät lag, startete die Klassenfahrtsaison verspätet (traditionell nach den Osterferien). Im Vergleich zu Vorjahren war damit das Zeitfenster für Schulfahrten in 2025 kürzer. Es fanden weniger Klassenfahrten statt.
- Temporäre Schließungen: Beliebte Jugendherbergen waren zeitweise für den Gästebetrieb geschlossen, um notwendige Instandhaltungen und Modernisierungen durchzuführen. Dazu zählten Gästemagneten wie die Jugendherbergen Hamburg „Auf dem Stintfang“ und Lübeck „Altstadt“.
- Schlechtwetter: Viele Spontanbuchungen blieben aufgrund des durchwachsenen Wetters im Sommer aus.
- Reduktionen von Teilnehmenden: Die gebuchte Personenzahl von Schulklassen und weiteren Gruppen wurde häufiger nach unten korrigiert. Diese kurzfristig frei gewordenen Betten ließen sich oft nicht mehr so rasch belegen.
- Inflation trifft Zielgruppe hart: Der gesamte Lebensalltag ist deutlich teurer geworden. Daher sparen gerade Familien an zusätzlichen (Kurz-)Urlauben sowie an Gruppenfahrten wie Ferienfreizeiten, Trainingslagern und sogar Klassenfahrten. Diese Entwicklung bekommen besonders Gruppenunterkünfte wie die Jugendherbergen zu spüren.
Sorge um soziale Teilhabe
Insbesondere die beiden letztgenannten Faktoren, die vermutlich eng miteinander zusammenhängen, treiben den gemeinnützigen Verein um. „Wenn Familien die Mittel für außerschulische Fahrten fehlen, verpassen Kinder prägende Gemeinschaftserlebnisse und Chancen, sich persönlich und im sozialen Miteinander weiterzuentwickeln“, gibt Thies Grothe, Vorsitzender des DJH-Landesverbands Nordmark e.V., zu Bedenken. „Hier müssen wir als Gesellschaft dringend gegensteuern. Öffentliche Fördermittel für Schulfahrten, Ferienfreizeiten und Erholungsurlaube für Menschen mit geringem Einkommen sollten entsprechend der Inflation erhöht und leichter zugänglich gemacht werden“, so Grothe.
Gewohnt bunt gemischte Gästegruppen
Der Gästemix blieb 2025 bei den Jugendherbergen im Norden identisch: Fast die Hälfte aller Übernachtungen stammten wie gewohnt von Schulklassen auf Klassenfahrt (48%). Familien machten mit 18% die zweitgrößte Gästegruppe aus. Auch Sport-, Musik- und junge Seminargruppen (15%), Freizeitgruppen (10%) sowie Paare und Alleinreisende (9%) nutzten die Jugendherbergen rege. Insgesamt begrüßten die Herbergsteams mehr als 320.000 Gäste in den 40 regulär geöffneten Jugendherbergen in Schleswig-Holstein, Hamburg und dem nördlichen Niedersachsen.
Optimistischer Ausblick auf das Jahr 2026
„Die Prognosen sehen für 2026 wieder über eine Million Übernachtungen vor“, freut sich Geschäftsführer Stefan Wehrheim. „Somit blicken wir optimistisch auf das aktuelle Jahr.“ Seine wertebasierte Arbeit möchte der freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe in 2026 auch durch die „DJH Social Days“ sichtbar machen. Hier werden junge Ehrenamtliche aus dem Bundesfreiwilligendienst (BFD) sowie dem Freiwilligen Sozialen oder Ökologischen Jahr (FSJ/FÖJ) eigene lokale Aktionstage gestalten. Um Jugendherbergen energetisch zu sanieren und noch barriereärmer zu gestalten, hofft der DJH-Landesverband Nordmark e.V. auf Fördermittel aus dem schleswig-holsteinischen Investitionsprogramm mit Mitteln aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität. „Wir freuen uns, hierzu positive Signale aus der Kieler Landesregierung bekommen zu haben. Nun gilt es, in die Umsetzung zu kommen“, sagt Vorstandsvorsitzender Thies Grothe.
Über den DJH-Landesverband Nordmark e.V.
Zum gemeinnützigen DJH-Landesverband Nordmark e.V. gehören 42 Jugendherbergen in Schleswig-Holstein, Hamburg und dem nördlichen Niedersachsen (davon zwei Partnerhäuser anderer Betreiber in SH und zwei Häuser, die aktuell nicht im Regelbetrieb sind). Mit jährlich rund einer Million Übernachtungen und saisonal bis zu knapp 8.000 Betten zählt er zu den bedeutendsten freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe in Norddeutschland. Die gut 320.000 Gäste pro Jahr sind vor allem Schulklassen, Familien sowie junge Musik-, Sport- und Seminargruppen. Da die DJH-Jugendherbergen als eingetragener Verein organisiert sind, stehen ihre Leistungen nur ihren aktuell 175.000 Mitgliedern zur Verfügung. Im Durchschnitt arbeiten rund 900 Mitarbeitende aus 44 Nationen beim DJH-Landesverband Nordmark e.V.
Für den laufenden Betrieb erhalten Jugendherbergen keine öffentliche Förderung. Um möglichst vielen Menschen Gemeinschaftserlebnisse zu ermöglichen, setzt der DJH-Landesverband Nordmark e.V. auf eine kostendeckende Preispolitik. Dabei finanzieren und stützen sich die Häuser des Verbands im Solidarprinzip gegenseitig. Jugendherbergen sind außerschulische Lernorte und Räume der Begegnung. Sie vermitteln wichtige Werte wie Bildung, Toleranz, Weltoffenheit und Inklusion.









