Mölln (pm). Am Ende gab es im ausverkauften Festsaal des Stadthauptmannshofes stehende Ovationen für das extra für diesen Abend am 24. Januar zusammen gestellte siebenköpfige Ensemble mit Künstlerinnen und Künstlern aus Afghanistan, Tadschikistan und Deutschland.
Das einzigartige Konzept für diesen afghanisch-europäischen Abend, eine unterhaltsame Mischung aus persischen Liedern in moderner Interpretation, abendländische Musik von europäischer Klassik bis zum jazzig interpretierten Volkslied und Texten aus Johann Wolfgang Goethes „West-Östlichem Divan“ zu präsentieren, ging für die Veranstalter, die Stiftung Herzogtum Lauenburg und die Initiative „Share my music“, voll auf. Zweihundert Jahre nachdem Goethe seinen Divan schrieb, trafen Orient und Okzident kulturell zusammen – und es passte sowohl künstlerisch als auch menschlich.
Durch den Abend führte Jörg-Rüdiger Geschke, der die Idee zum west-östlichen Kulturabend nach einem Besuch im Restaurant Seidenstraße in Mölln entwickelte. Dass der Inhaber Zabih Hidayat in seiner Heimat eine Sufi-Rock-Band hatte und Sänger ist, tat sein Übriges. Geschke las im Rahmen der Veranstaltung ausgewählte Texte aus der Gedichtsammlung, erläuterte Hintergründe zu Goethes Lyrik und gab dabei eine unterhaltsame Einführung in persische Mystik und Denkweisen des Sufismus, immer mit Blick auf Goethes Gedankenkosmos und vor allem dessen sehr aktuellen Poesie, in der die Gemeinsamkeiten von morgen- und abendländischem Denken gefeiert werden. Von unkonventionellen, mittelalterlichen Denkern und Dichtern des Islam war die Rede, aber auch von Goethes Kritik an der streng dogmatischen Koran- oder Bibelauslegung.
Dazu kamen persische Musik und Lieder nach Texten dieser Dichter, dargeboten neben Zabih Hidayat von Samin Zafar am afghanischen Nationalinstrument, der Kurzhalslaute Rubab, dem Gitarristen Shoaib Haidary und dem großartigen Rhythmiker Khayrullo Dadoboev aus Tadschikistan. Anna Bertram am Flügel, Peter Köhler am Cello und Jörg-Rüdiger Geschke an der Gitarre setzen europäische Akzente, wobei Anna Bertram mit der Interpretation zweier Kunstlieder von Felix Mendelssohn nach Texten aus Goethes Divan einen musikalischen Farbtupfer beisteuerte.
Ganz besonders verfing beim Publikum das Finale, bei dem alle Musiker eine Komposition von Zabih Hidayat gemeinsam mit improvisatorischen Einwürfen erklingen ließen. Nicht unausgesprochen blieb das Leid der Menschen im Iran und Afghanistan und umso intensiver erlebten Publikum und Künstler den – wie Zabih Hyídayat es auf den Punkt brachte – besonderen Moment geteilter Kultur und vereinten Empfindens.
Im Rahmen des Abends gab es neben iranischen und afghanischen Köstlichkeiten eine Ausstellung der Arbeit des Vereins Afghanistan-Schulen. Es kam eine erfreuliche Summe an Spenden zusammen, mit denen dieser Verein noch immer Schulen in Afghanistan unterstützten kann.










