Mölln (pm). Sie sind die Retter von morgen und wissen schon jede Menge über Feuerwehren: „Retten, bergen, löschen, schützen – das sind unsere Aufgaben“, sagt Timo Lindemann. Der Siebenjährige ist zwar erst seit kurzem Mitglied der Alt-Möllner Löschbande, doch das Wichtigste hat er schon parat.
Die Löschbande ist eine von 21 Kinderabteilungen der Freiwilligen Feuerwehren im Kreis Herzogtum Lauenburg. Und der ist in Sachen Feuerwehr-Nachwuchsarbeit Vorreiter: „Mit 21 Kinderabteilungen sind wir Spitzenreiter im ganzen Land“, sagt Kreisfeuerwehrchef Sven Stonies stolz. Tendenz weiter steigend. Auch bei den Jugendwehren steht der Kreis mit 38 Wehren sehr gut da. Dass das gute Abschneiden nicht ohne das freiwillige Engagement vieler Betreuer möglich ist, ist Stonies bewusst, der „allen dankbar ist, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den Nachwuchs auszubilden und in der Mitte der Feuerwehrfamilie aufzunehmen“.
Wie groß diese Familie ist, hat der Feuerwehrnachwuchs am vergangenen Sonnabend bei der Uhlenkolk-Rallye erlebt. Einmal im Jahr organisiert der Kreisfeuerwehrverband die Rallye durch den Möllner Naturpark als „besonderes Highlight für den Nachwuchs“, so Sven Stonies. 115 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis sechzehn Jahren aus dem gesamten Kreis haben sich an der diesjährigen und fünften Rallye durch den Uhlenkolk beteiligt. Dabei war Kreativität genauso gefragt wie Wissen zur Feuerwehr und über die Natur.
So lautete eine Frage: Wer ist die Polizei des Waldes? Kolkrabe oder Eichelhäher? Da kamen selbst einige Betreuer ins Schlingern. „Ich tippe auf Eichelhäher“, mutmaßt Katja Schnakenbek, stellvertretende Leiterin der Löschwölfe, der Kinderabteilung in Schwarzenbek. Mit dem Tipp liegt Schnakenbek richtig, denn der Eichelhäher warnt andere Tiere im Wald mit seinem lauten Ruf, wenn Feinde wie Eulen, Marder oder auch Menschen auftauchen.
Für Schnakenbek, ihren Mann Martin, den Leiter der Löschwölfe, und Tochter Leevke „ist es eine Herzensangelegenheit“, bei der Rallye mit zwölf von insgesamt 24 Löschwölfen dabei zu sein. „Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl“, sagt Martin Schnakenbek.
So sollen die fünfzehn Kindergruppen und drei Jugendgruppen beispielsweise ein Rad mit acht Speichen aus Naturmaterialien bauen, die sie im Wald finden. „Dabei sind teils richtige Kunstwerke entstanden“, sagt Anja Obermüller, Fachwartin der Kinderabteilungen im Kreisverband Herzogtum Lauenburg. Doch am Ende zähle nicht die Ästhetik, sondern dass die Gruppe die Aufgabe gemeinsam gelöst habe, so Obermüller. Deshalb gebe es bei der Rallye auch nur Gewinner und keine Verlierer. „Jede Gruppe geht mit einem Pokal nach Hause“, ergänzt Tobias Albrecht, Stellvertreter von Anja Obermüller.
Für die Jugendwehr aus Stubben ist es der erste Rallye-Pokal, „den wir uns mit viel Spaß und ohne Langeweile geholt haben“, sagt Jugendwartin Lisa-Marie Bosma. Im nächsten Jahr werden sie wieder dabei sein.
„Nach der Rallye ist vor der Rallye“, sagt Obermüller. Etwa ein Jahr dauern die Vorbereitungen, die insbesondere von den Freiwilligen im Sozialen Jahr (FSJ) beim KFV ausgearbeitet werden. 2026 wird es neue Fragen und andere Aufgaben geben, die der FSJler Tibor Dahl ausarbeitet. Die diesjährige Rallye haben die Schwartauer Werke mit Corny-Riegeln unterstützt, die Kreissparkasse Ratzeburg hat den Organisatoren finanziell etwas unter die Arme gegriffen, sodass jeder Teilnehmer einen Feuerwehr-Trinkbecher mit nach Hause nehmen konnte. Der Termin für die sechste Rallye steht bereits fest: 19. September 2026.
Ob dann allerdings Blomma, der diesjährige Star der Rallye, wieder dabei ist, ist noch offen. Blomma ist Mitglied bei der Rettungshundestaffel der Freiwilligen Feuerwehr Groß Sarau. Die siebenjährige Hundedame – ein Mix aus Münsterländer und Beagle – hat schon einige Menschen aufgespürt, die vermisst wurden, erzählt ihr Frauchen Meike Schmetting. Schmetting ist Feuerwehrfrau und stellvertretende Leiterin der Rettungshundestaffel in Groß Sarau.
„Rettungshunde dürfen keine Angst haben“, erklärt Schmetting, deshalb dürfen auch alle die Hündin streicheln. „Wenn Blomma jetzt aus Angst bellen oder beißen würde, wäre sie als Rettungshund nicht geeignet“, so die Feuerwehrfrau. Bis zu dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung zum Rettungshund, die Blomma bereits durchlaufen hat. Dafür allerdings müssen Hundeführer und Vierbeiner jede Menge Zeit investieren: Zweimal in der Woche – zusätzlich zu den Übungsabenden in der Wehr – treffen sich die Mitglieder der Staffel im Gelände, um mit den insgesamt acht Rettungshunden zu trainieren.
Für dieses große Engagement erntet Schmetting bei den Teilnehmern der Rallye großen Respekt. „Das ist viel Zeit“, sagt der zehnjährige Till Krüger, der „nur“ alle vier Wochen zum Üben in der Wache in Alt-Mölln ist.
Große Augen machten die Teilnehmer auch, als Lasse Dieckow und Jeremy Freitag, Auszubildende beim Rettungsdienst Kreis Herzogtum Lauenburg (HLR), mit großer Geduld, Ausdauer und Detailwissen den Mädchen und Jungen erklärten, welche Medikamente und medizinischen Geräte alle in einem Rettungsfahrzeug zu finden sind und warum es ein Geburtenfach an Bord gibt. „Erst kürzlich kam das bei einer Hausgeburt zum Einsatz, weil die Gebärende es nicht mehr bis ins Krankenhaus geschafft hat“, erzählt Dieckow.
So viel Aufregung gab es bei der Rallye glücklicherweise nicht, dafür jede Menge begeisterte Gesichter. „Richtig gut“, ist das Fazit von Timo Lindemann. (Undine Gerullis)









