{"id":85361,"date":"2026-07-28T08:42:00","date_gmt":"2026-07-28T07:42:00","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=85361"},"modified":"2026-07-28T08:42:00","modified_gmt":"2026-07-28T07:42:00","slug":"bauernverband-schleswig-holstein-fordert-trinkwasserschutz-braucht-augenmass-statt-pauschaler-verbote","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2026\/07\/28\/bauernverband-schleswig-holstein-fordert-trinkwasserschutz-braucht-augenmass-statt-pauschaler-verbote\/","title":{"rendered":"Bauernverband Schleswig-Holstein fordert: Trinkwasserschutz braucht Augenma\u00df statt pauschaler Verbote"},"content":{"rendered":"<p><strong>Rendsburg (pm).<\/strong> \u201eUnsere Landwirte haben ein gro\u00dfes Interesse an sauberem Trinkwasser. Sie leben mit ihren Familien im l\u00e4ndlichen Raum und unterst\u00fctzen wirksame Ma\u00dfnahmen zum Schutz der Wasserressourcen. Der vorliegende Verordnungsentwurf des Umweltministeriums, mit dem alle PFAS-haltigen Pflanzenschutzmittel in Wasserschutzgebieten verboten werden sollen, schie\u00dft jedoch \u00fcber das Ziel hinaus\u201c, betont der Pr\u00e4sident des Bauernverbandes Klaus-Peter Lucht. \u201eEin fl\u00e4chendeckendes Verbot zugelassener Pflanzenschutzmittel pauschal f\u00fcr alle Wasserschutzgebiete wirft erhebliche Zweifel auf, ob eine Verordnung des Umweltministeriums ausreicht oder ob nicht der Landtag solche wesentlichen Entscheidungen treffen muss. Wir m\u00f6chten au\u00dferdem an die Zusage im Koalitionsvertrag erinnern, wonach die Landesregierung europ\u00e4ische Vorgaben eins zu eins umsetzen will, um Rechtssicherheit und Vergleichbarkeit zu schaffen.\u201c<\/p>\n<p>Landwirt Thore Hansen (30) aus Mildstedt bewirtschaftet gemeinsam mit seinem Vater einen Milchvieh- und Futterbaubetrieb und w\u00e4re von der Verordnung unmittelbar betroffen. Rund 80 Hektar seiner Fl\u00e4che liegen im Wasserschutzgebiet Mildstedt-Husum. \u201eBei Inkrafttreten der angestrebten Verordnung,\u201c betont Thore Hansen, \u201ewerden Bodenbr\u00fcter auf diesen Fl\u00e4chen keine Chance mehr haben. Durch den Verlust der in der EU zugelassenen Pflanzenschutzmittel m\u00fcssen wir die Fl\u00e4chen wieder mit dem Pflug bearbeiten. Unsere Artenvielfalt w\u00fcrde darunter leiden und wertvoller Humus verlorengehen.\u201c<\/p>\n<p>Innerhalb Schleswig-Holsteins f\u00fchren regionale Anwendungsverbote trotz g\u00fcltiger EU-Zulassung zu Planungsunsicherheit und damit zu Wettbewerbsverzerrungen. Die Hauptursachen der PFAS-Belastung werden mit der Verordnung nicht wirksam ausger\u00e4umt. \u201eGew\u00e4sserschutz und eine leistungsf\u00e4hige heimische Landwirtschaft d\u00fcrfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wir brauchen praktikable und standortangepasste L\u00f6sungen, die Umwelt- und Trinkwasserschutz st\u00e4rken, ohne die Zukunft unserer Betriebe zu gef\u00e4hrden,\u201c so Klaus-Peter Lucht. Der Bauernverband Schleswig-Holstein fordert deshalb wissenschaftlich fundierte Entscheidungen, verl\u00e4ssliche Zulassungsverfahren und einen sektor\u00fcbergreifenden Ansatz zur Reduzierung von PFAS-Eintr\u00e4gen. Anstelle pauschaler Verbote sollten freiwillige Gew\u00e4sserschutzma\u00dfnahmen gemeinsam mit den landwirtschaftlichen Betrieben weiterentwickelt und angemessen honoriert werden.<\/p>\n<p>Hintergrund<\/p>\n<p>Mitte Juni 2026 hatte das Umweltministerium die Verb\u00e4ndeanh\u00f6rung zur \u00c4nderung der Landesverordnung \u00fcber gemeinsame Vorschriften in Wasserschutzgebieten gestartet. Der Bauernverband Schleswig-Holstein lehnt den Verordnungsentwurf ab und hat dies in einer ausf\u00fchrlichen Stellungnahme begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Nach Auffassung des Bauernverbandes sind Pflanzenschutzmittel in Schleswig-Holstein aufgrund der klimatischen Bedingungen ein unverzichtbarer Bestandteil einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Produktion. Bereits heute setzen die Betriebe auf den integrierten Pflanzenschutz mit modernen Ausbringungsverfahren, vielf\u00e4ltigen Fruchtfolgen und widerstandsf\u00e4higen Sorten. Der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel wird seit Jahren kontinuierlich reduziert und gezielter gestaltet. Gleichzeitig nimmt die Zahl verf\u00fcgbarer Wirkstoffe immer weiter ab. Dadurch fehlen den Betrieben wichtige M\u00f6glichkeiten, Resistenzen bei Unkr\u00e4utern, Pilzkrankheiten und Sch\u00e4dlingen wirksam zu verhindern. Weitere Verbote w\u00fcrden diese Entwicklung versch\u00e4rfen und die Erzeugung regionaler Lebensmittel gef\u00e4hrden. Vor diesem Hintergrund lehnt der Bauernverband das geplante Verbot PFAS-haltiger Wirkstoffe in Wasserschutzgebieten in Schleswig-Holstein ab.<\/p>\n<p>Pflanzenschutzmittel unterliegen bereits einem strengen europ\u00e4ischen Zulassungsverfahren, in dem Umwelt- und Gesundheitsrisiken umfassend bewertet werden. Weniger als zwei Prozent der gesamten PFAS-Emissionen in Europa stammen aus Pflanzenschutzmitteln. Die wesentlichen Eintragsquellen liegen nach Einsch\u00e4tzung der Europ\u00e4ischen Chemikalienagentur in anderen Bereichen wie Industrie, Textilien, Elektronik oder K\u00e4lte- und Klimatechnik. Hinzu kommt, dass mit dem Auslaufen der EU-Zulassung des Wirkstoffs Flufenacet Ende 2026 bereits der mengenm\u00e4\u00dfig bedeutendste PFAS-haltige Pflanzenschutzwirkstoff vom Markt verschwindet. Die Landwirtschaft leistet damit bereits einen wesentlichen Beitrag zur Verringerung m\u00f6glicher PFAS-Eintr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Der Bauernverband kritisiert au\u00dferdem, dass der Verordnungsentwurf keine nachvollziehbare Folgenabsch\u00e4tzung enth\u00e4lt. Weder die wirtschaftlichen Auswirkungen auf landwirtschaftliche Betriebe noch die tats\u00e4chlichen Effekte f\u00fcr den Gew\u00e4sserschutz seien ausreichend untersucht worden. Zus\u00e4tzliche Einschr\u00e4nkungen w\u00fcrden die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der schleswig-holsteinischen Landwirtschaft gegen\u00fcber anderen Bundesl\u00e4ndern und EU-Mitgliedstaaten schw\u00e4chen, ohne die Hauptursachen der PFAS-Belastung wirksam zu beseitigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rendsburg (pm). \u201eUnsere Landwirte haben ein gro\u00dfes Interesse an sauberem Trinkwasser. Sie leben mit ihren Familien im l\u00e4ndlichen Raum und unterst\u00fctzen wirksame Ma\u00dfnahmen zum Schutz der Wasserressourcen. 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