{"id":84458,"date":"2026-06-27T05:13:14","date_gmt":"2026-06-27T04:13:14","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=84458"},"modified":"2026-06-25T10:16:37","modified_gmt":"2026-06-25T09:16:37","slug":"pestel-institut-legt-untersuchung-vor-alterstauglichkeit-der-wohnungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2026\/06\/27\/pestel-institut-legt-untersuchung-vor-alterstauglichkeit-der-wohnungen\/","title":{"rendered":"Pestel-Institut legt Untersuchung vor: \u201aAlterstauglichkeit\u2018 der Wohnungen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Herzogtum Lauenburg (pm). <\/strong>L\u00e4ngst nicht alle Wohnungen sind fit f\u00fcrs Alter: Von den knapp 100.700 Wohnungen im Kreis Herzogtum Lauenburg sind nur rund 6.700 so gebaut, dass \u00e4ltere Menschen darin ideal klarkommen. Gerade dann, wenn sie auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind. \u201eDamit bieten nur rund 7 Prozent aller Wohnungen im Kreis Herzogtum Lauenburg den Standard, der n\u00f6tig ist, um mit k\u00f6rperlichen Einschr\u00e4nkungen oder auch als Pflegefall darin alt zu werden\u201c, sagt Matthias G\u00fcnther. Er ist Leiter des Pestel-Instituts. Dessen Wissenschaftler haben im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) eine regionale Wohnungsmarkt-Analyse gemacht.<\/p>\n<p>Im Fokus der Untersuchung: die \u201eAlterstauglichkeit\u201c der Wohnungen. \u201eGerade die ist auch f\u00fcr den Kreis Herzogtum Lauenburg wichtig: Immerhin gehen hier in den n\u00e4chsten zehn Jahren rund 34.100 Menschen in Rente \u2013 die Baby-Boomer n\u00e4mlich\u201c, sagt Katharina Metzger vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel. Ziel m\u00fcsse es deshalb sein, m\u00f6glichst schnell f\u00fcr mehr Seniorenwohnungen im Herzogtum zu sorgen. \u201eDenn die werden fr\u00fcher oder sp\u00e4ter gebraucht. Und auf Dauer ist jede altersgerechte Sanierung g\u00fcnstiger als ein Umzug ins Heim\u201c, so BDB-Pr\u00e4sidentin Metzger.<\/p>\n<p>Schon rein volkswirtschaftlich m\u00fcsse der Staat also ein Interesse daran haben, mehr Seniorenwohnungen zu schaffen. \u201eVor allem aber geht es um den Wunsch der Menschen selbst: Die meisten wollen in den eigenen vier W\u00e4nden alt werden und, solange es geht, zu Hause bleiben\u201c, sagt Katharina Metzger.<\/p>\n<p>Das funktioniert aber nur, so das Pestel-Institut, wenn gerade Altbauwohnungen f\u00fcrs Wohnen im Alter umgebaut werden: \u201eWichtig sind wenig Barrieren \u2013 also m\u00f6glichst keine Schwellen, Stufen oder ganze Treppen. Aber auch breite T\u00fcren und viel Platz, um sich mit einem Rollator oder Rollstuhl frei bewegen zu k\u00f6nnen. Vor allem im Bad und in der K\u00fcche ist das wichtig. Genau die sind aber oft zu klein gebaut.\u201c<\/p>\n<p>Doch das Problem f\u00e4ngt h\u00e4ufig schon ganz vorne an \u2013 beim Eingang: \u201e29 Prozent aller Hausflure im Kreis Herzogtum Lauenburg sind nicht breit genug, um mit dem Rollstuhl wirklich gut durchzukommen. Das betrifft immerhin rund 27.600 Wohnungen\u201c, sagt Matthias G\u00fcnther. Oft seien sogar schon die Haust\u00fcren zu schmal.<\/p>\n<p>Entscheidend wird es, so das Pestel-Institut, dann aber in den Wohnungen \u2013 vor allem in der K\u00fcche und im Bad: \u201eImmerhin haben zwar 72 Prozent der Wohnungen im Kreis Herzogtum Lauenburg eine K\u00fcche, die gro\u00df genug ist. Das bedeutet umgekehrt aber auch: In rund 28.500 K\u00fcchen k\u00f6nnen Menschen mit einem Rollstuhl nicht wenden\u201c, so Matthias G\u00fcnther. Bei den B\u00e4dern im Kreis Herzogtum Lauenburg seien 43.000 und damit 43 Prozent zu klein.<\/p>\n<p>Der wichtigste Punkt beim Badezimmer sei allerdings nicht unbedingt dessen Gr\u00f6\u00dfe, sondern eine begehbare, also bodengleiche Dusche: \u201eDie gibt es aktuell nur in rund 24.800 Wohnungen im Kreis Herzogtum Lauenburg\u201c, so der Wissenschaftler. Damit erf\u00fcllten lediglich 25 Prozent der Wohnungen \u201edas A-und-O-Kriterium, um in der eigenen Wohnung alt werden zu k\u00f6nnen\u201c, so Matthias G\u00fcnther.<\/p>\n<p>Der Chef-\u00d6konom des Pestel-Instituts r\u00e4t, beim altersgerechten Umbau von Wohnungen \u201eunbedingt das Bad anzupacken\u201c. Probleme k\u00f6nne es allerdings bei \u00e4lteren Geb\u00e4uden geben: \u201eGerade bei Wohnh\u00e4usern aus den 50er-Jahren ist oft die Decke zu d\u00fcnn, um eine bodengleiche Dusche einzubauen\u201c, sagt G\u00fcnther.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich habe das Herzogtum einen \u201eenormen Nachholbedarf, um den Wohnungsbestand fit f\u00fcrs Alter zu machen\u201c, so der Leiter des Pestel-Instituts. Genau hier sieht auch die Pr\u00e4sidentin des Deutschen Baustoff-Fachhandels ein Problem: \u201eIn den n\u00e4chsten zehn Jahren gehen die Baby-Boomer komplett in Rente. Der Bedarf an Senioren-Wohnungen, den das Herzogtum in den kommenden Jahrzehnten damit haben wird, ist also enorm. Neubau kann da zwar helfen. Aber die L\u00f6sung liegt ganz klar im seniorengerechten Umbau der Wohnungen, in denen die Boomer heute wohnen\u201c, sagt Katharina Metzger.<\/p>\n<p>Der altersgerechte Umbau sei jahrzehntelang zu kurz gekommen. Daher sei jetzt eine \u201eSenioren-Umbau-Offensive\u201c dringend notwendig. \u201eDas bedeutet: volle Kraft f\u00fcr den barrierearmen Umbau von Wohnungen. Die Mieter, Wohnungs- und Hauseigent\u00fcmer im Herzogtum brauchen daf\u00fcr allerdings R\u00fcckenwind aus Berlin: \u201aBoomer-Zusch\u00fcsse\u2018, mit denen sich aus Standard-Wohnungen mit Stufen und Stolperschwellen an der Dusche endlich barrierearme Wohnungen machen lassen\u201c, so Katharina Metzger.<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler vom Pestel-Institut fordern dazu, der Bund m\u00fcsse einen Gro\u00dfteil der Umbaukosten \u00fcbernehmen \u2013 und zwar als Zuschuss. \u201eDenn wer kurz vor der Rente seine Wohnung altersgerecht umbauen will, der scheut sich, daf\u00fcr noch einen Kredit aufzunehmen. Und die heute g\u00e4ngige staatliche Unterst\u00fctzung von 10 Prozent beim Bad-Umbau ist nichts anderes als ein \u201aPlacebo-Zuschuss\u2018. Der reicht auf keinen Fall, um eine effektive Umbauwelle f\u00fcrs Seniorenwohnen in Deutschland loszutreten\u201c, sagt Institutsleiter Matthias G\u00fcnther.<\/p>\n<p>Auch der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel erteilt dem \u201ebestehenden Mix aus F\u00f6rdert\u00f6pfen\u201c f\u00fcr den altersgerechten Umbau eine klare Absage: \u201eDie staatliche F\u00f6rderbank KfW, die Krankenkassen, die Pflegeversicherung \u2013 durch das F\u00f6rder-Dickicht muss man sich erst einmal durchk\u00e4mpfen. Der Sanierungsschub, der dringend notwendig ist, kommt so jedenfalls nicht zustande\u201c, kritisiert Verbandspr\u00e4sidentin Metzger. Der Bund m\u00fcsse das altersgerechte Umbauen endlich zum Schwerpunkt seiner Wohnungsbaupolitik machen und daf\u00fcr einen \u201emilliardenschweren Zuschuss\u201c bereitstellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzogtum Lauenburg (pm). 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