{"id":84071,"date":"2026-06-15T08:39:26","date_gmt":"2026-06-15T07:39:26","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=84071"},"modified":"2026-06-15T08:45:42","modified_gmt":"2026-06-15T07:45:42","slug":"justizministerkonferenz-fuer-standards-bei-der-befragung-von-kindern-und-jugendlichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2026\/06\/15\/justizministerkonferenz-fuer-standards-bei-der-befragung-von-kindern-und-jugendlichen\/","title":{"rendered":"Justizministerkonferenz f\u00fcr Standards bei der Befragung von Kindern und Jugendlichen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hamburg (pm). <\/strong>Die Justizministerinnen und Justizminister der L\u00e4nder haben sich auf ihrer Fr\u00fchjahrskonferenz am Freitag, 12. Juni auf Antrag Schleswig-Holsteins mit Befragungen von Minderj\u00e4hrigen in Strafverfahren befasst. F\u00fcr forensische Befragungen von Kindern und Jugendlichen, die k\u00f6rperliche oder sexuelle Gewalt erfahren haben, gibt es bislang keine einheitlichen, fl\u00e4chendeckenden Handlungsempfehlungen. \u201eAus der Justizpraxis ist an uns der Wunsch nach Erarbeitung von fachlich abgesicherten Standards f\u00fcr Befragungen Minderj\u00e4hriger herangetragen worden. Es handelt sich bei Kindern und Jugendlichen um eine besonders vulnerable Personengruppe. Der Umgang mit alters- und traumabedingten Besonderheiten stellt die Praxis regelm\u00e4\u00dfig vor Herausforderungen. Wir sind der Ansicht, dass die Etablierung allgemein anerkannter Standards die Durchf\u00fchrung von Befragungen Minderj\u00e4hriger im Strafverfahren wesentlich erleichtern und zugleich den Beweiswert der Befragungsergebnisse erh\u00f6hen w\u00fcrde&#8220;, erkl\u00e4rte Schleswig-Holsteins Justizministerin Kerstin von der Decken. \u201eWir wollen deshalb, dass eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Praktikerinnen und Praktikern aus der Justiz sowie Expertinnen und Experten aus den Bereichen (Rechts-) Psychologie, Kinderschutz und Traumatherapie einen Leitfaden f\u00fcr die forensische Befragung von Kindern und Jugendlichen erarbeitet.&#8220; Dies wurde von den Ministerinnen und Ministern antragsgem\u00e4\u00df beschlossen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Organisierten Kriminalit\u00e4t sieht die Konferenz der Justizministerinnen und Justizminister weiteren Reformbedarf im Strafrecht. Dies betrifft insbesondere die Beweisf\u00fchrung bei der Strafbarkeit der Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie bei verm\u00f6gensabsch\u00f6pfenden Ma\u00dfnahmen. Die Bundesjustizministerin wurde von den Justizministerinnen und Justizministern der L\u00e4nder gebeten, den aufgezeigten Handlungsbedarf zur besseren Erfassung Organisierter Kriminalit\u00e4t zu pr\u00fcfen und ggf. einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzulegen. Dar\u00fcber hinaus wurde sie gebeten, eine Expertengruppe einzuberufen, die insbesondere mit Blick auf die Organisierte Kriminalit\u00e4t strafrechtliche Regelungsvorschl\u00e4ge f\u00fcr Beweiserleichterungen bei der Verm\u00f6gensabsch\u00f6pfung vorlegt. \u201eWir haben in Schleswig-Holstein sehr gute Erfahrungen mit einer engen und guten Zusammenarbeit von Justiz und Polizei im Rahmen der 2024 gegr\u00fcndeten Task Force Geldw\u00e4schebek\u00e4mpfung gemacht&#8220;, sagte von der Decken. \u201eDie hervorragende Zusammenarbeit zwischen der Koordinierungs- und Ermittlungseinheit zur Bek\u00e4mpfung der Organisierten Kriminalit\u00e4t (KEOK) der Generalstaatsanwaltschaft und der Polizei steht beispielhaft f\u00fcr eine moderne, schlagkr\u00e4ftige Bek\u00e4mpfung Organisierter Kriminalit\u00e4t in Schleswig-Holstein.&#8220;<\/p>\n<p>Die Justizministerinnen und Justizminister haben auch einem Vorschlag Schleswig-Holsteins zugestimmt, das sog. selbst\u00e4ndige Beweisverfahren zu \u00fcberpr\u00fcfen. Dieses Verfahren im Zivilprozessrecht soll Beweise fr\u00fchzeitig sichern, tats\u00e4chliche Grundlagen vor einem m\u00f6glichen Hauptsacheverfahren kl\u00e4ren und dadurch eine au\u00dfergerichtliche Streitbeilegung erleichtern. Dieser Grundgedanke bleibt richtig, die gerichtliche Praxis zeigt aber, dass das Verfahren seinen Zweck in bestimmten Bereichen nicht mehr zuverl\u00e4ssig erreicht. Gerade in Bau- und Arzthaftungssachen wird es h\u00e4ufig nicht nur zur Sicherung einzelner Beweise genutzt, sondern zu einer umfassenden, dem Hauptsache- verfahren vorgelagerten Beweisaufnahme. \u201eDas kann zu langen Verfahrensdauern, erheblichen Sachverst\u00e4ndigenkosten und zus\u00e4tzlichen Belastungen der Justiz f\u00fchren&#8220;, erl\u00e4uterte von der Decken. \u201eWir schlagen deshalb eine ma\u00dfvolle Pr\u00fcfung der aktuellen gesetzlichen Regelung vor. Das Bundesjustizministerium soll pr\u00fcfen, ob die Voraussetzungen des selbst\u00e4ndigen Beweisverfahrens pr\u00e4zisiert und insbesondere die Anforderungen an das rechtliche Interesse klarer gefasst werden k\u00f6nnen. Dieses bew\u00e4hrte Instrument soll dort stark bleiben, wo kurzfristig Beweise zu sichern sind und Einigungen erm\u00f6glicht werden. Es sollte aber nicht dazu beitragen, dass vor dem eigentlichen Prozess ein zweites, zeit- und kostenintensives Verfahren gef\u00fchrt wird.&#8220;\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hamburg (pm). Die Justizministerinnen und Justizminister der L\u00e4nder haben sich auf ihrer Fr\u00fchjahrskonferenz am Freitag, 12. Juni auf Antrag Schleswig-Holsteins mit Befragungen von Minderj\u00e4hrigen in Strafverfahren befasst. 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