{"id":82255,"date":"2026-04-13T05:50:01","date_gmt":"2026-04-13T04:50:01","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=82255"},"modified":"2026-04-12T10:56:43","modified_gmt":"2026-04-12T09:56:43","slug":"der-energiekrise-wirksam-begegnen-worauf-es-nun-ankommt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2026\/04\/13\/der-energiekrise-wirksam-begegnen-worauf-es-nun-ankommt\/","title":{"rendered":"Der Energiekrise wirksam begegnen \u2014 worauf es nun ankommt"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Herzogtum Lauenburg (pm).<\/strong> Dr. Nina Scheer l\u00e4sst die Leserinnen und Leser von Herzogtum direkt an ihrer Einsch\u00e4tzung zur Energiekrise teilhaben. Die Energiepolitische Sprecherin SPD-Bundestagsfraktion in deutschen Bundestag fasst ihre Erkenntnisse zusammen:<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_65690\" aria-describedby=\"caption-attachment-65690\" style=\"width: 426px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-65690\" src=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Nina-Scheer-Foto-hfr-300x206.jpg\" alt=\"\" width=\"426\" height=\"293\" srcset=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Nina-Scheer-Foto-hfr-300x206.jpg 300w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Nina-Scheer-Foto-hfr-768x528.jpg 768w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Nina-Scheer-Foto-hfr-750x516.jpg 750w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Nina-Scheer-Foto-hfr.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 426px) 100vw, 426px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-65690\" class=\"wp-caption-text\">Bundestagsabgeordnete Dr. Nina Scheer. Foto: hfr<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Europ\u00e4ischer Schulterschluss<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8222;Wir brauchen eine deutliche Initiative unserer Bundesregierung, allem voran von Bundeskanzler Friedrich Merz und von Wirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche, innerhalb Europas zu einer gemeinsamen Folgenbew\u00e4ltigung zu gelangen. Auch wenn dies ein steiniger Weg ist, muss er doch umso dringlicher angegangen werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Angesichts der Lage bed\u00fcrfte es eines kontinuierlich wirkenden Gestaltungsformats. Nicht ansatzweise ist dies zu erkennen, trotz existierender Gremien. Diese m\u00fcssen aber politisch und regierungsseitig ausgef\u00fcllt und gef\u00fchrt werden. Wo ist die Initiative Deutschlands als f\u00fchrender Volkswirtschaft Europas? Wir sind inmitten eines innereurop\u00e4ischen \u00dcberbietungswettbewerbs im Umgang mit steigenden Spritpreisen, der dringend gestoppt werden muss. Denn: Sollte in Europa erst eine physische Verknappung eintreten, werden sich die Lieferungen erst recht dorthin bewegen, wo f\u00fcr die Mineral\u00f6lkonzerne das meiste Geld zu verdienen ist; eine bislang faktisch nicht stattfindende oder zumindest unzureichende Koordination kann zu den gr\u00f6\u00dften innereurop\u00e4ischen Verwerfungen f\u00fchren. Bereits vor Eintritt der Verknappungsschwelle agiert aktuell jedes Land so, wie es dies aus dem Moment heraus und in seinen nationalen Grenzen f\u00fcr brauchbar h\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir m\u00fcssen erkennen, dass der Iran-Krieg die EU unmittelbar bedroht \u2014 und zwar nicht milit\u00e4risch. Zugleich erkl\u00e4rt Donald Trump unverbl\u00fcmt, dass er die EU nicht \u201eanerkennt&#8220;.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Energiepreiskrise w\u00e4chst sich bei anhaltendem Krieg absehbar zu einer massiven Ressourcenkrise aus und hat f\u00fcr den Zeitpunkt der dann auch in Lebensmittel und weitere M\u00e4rkte wie Produktketten hineinwirkenden Verknappung das Potenzial, den europ\u00e4ischen Binnenmarkt \u201ezu sprengen&#8220;. Da die EU ohnehin seit Jahren in ihrer Verfasstheit eine auf den Schutz des Binnenmarktes bezogene Schlagseite hat, droht damit zugleich die EU in G\u00e4nze zu zerbrechen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Innerhalb Deutschlands m\u00fcssen Ma\u00dfnahmen unterlassen werden, die dieses europ\u00e4ische Auseinanderdriften verst\u00e4rken. Es muss stattdessen um sinnvolle Entlastungen gehen, die zugleich einen Hebel zur Beschleunigten Energiewende setzen. Dies st\u00e4rkt unsere Volkswirtschaft wie Versorgungssicherheit und garantiert saubere und bezahlbare Energie f\u00fcr alle.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sofortma\u00dfnahme: \u201eEnergiewende-Gutschein&#8220;<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein<strong>\u00a0\u201eEnergiewende-Gutschein&#8220;,\u00a0<\/strong>der unterhalb einer zu taxierenden Einkommensgrenze wahlweise entweder dem Wert nach als zinsloser KfW-Kredit, f\u00fcr Elektromobilit\u00e4t, (erg\u00e4nzend zur ausk\u00f6mmlichen F\u00f6rderung im W\u00e4rmebereich) f\u00fcr weitere Sanierungsma\u00dfnahmen, (erg\u00e4nzend zum EEG und zu Netzentgeltentlastungen) f\u00fcr Energiegewinnungs- und Speichertechnologien oder f\u00fcr etwa f\u00fcnf Jahre f\u00fcr eine Verbilligung von \u00d6PNV und Bahnfahrten eingesetzt werden kann, entspr\u00e4che sowohl dem akuten politischen Handlungsbedarf als auch den zugleich lenkungsseitig zu erreichenden Zielen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine entsprechende Anwendungsbreite greift die\u00a0<strong>unterschiedlichen Lebensbereiche und Unterschiede von Stadt und l\u00e4ndlichen R\u00e4umen<\/strong>\u00a0auf und bezieht eine\u00a0soziale\u00a0<strong>Staffelung<\/strong>\u00a0ein. Sie hebelt zugleich den aktuell ben\u00f6tigten\u00a0<strong>Wertsch\u00f6pfungsbooster<\/strong>. Dabei k\u00f6nnten auch die \u201eBuy-European-Regeln&#8220; des &#8222;Industrial Accelerator Act&#8220; Anwendung finden sowie der Einsatz eingriffssicherer Technik, etwa bei Wechselrichtern und Smart Metern, zur St\u00e4rkung von Energiesicherheit und als Teil von kritischer Infrastruktur.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Sofortma\u00dfnahme: Stromsteuersenkung<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">M\u00f6gliche Hilfen d\u00fcrfen unsere Abh\u00e4ngigkeiten von Fossilen nicht vertiefen, sondern m\u00fcssen zugleich den Umstieg auf Alternativen f\u00f6rdern. Die\u00a0<strong>Stromsteuersenkung<\/strong>\u00a0auf das europ\u00e4ische Mindestma\u00df f\u00fcr alle und sofort erf\u00fcllt dies, da mit ihr zugleich Elektromobilit\u00e4t, Wasserstofftechnologien und der W\u00e4rmepumpenhochlauf \u00f6konomisch angereizt werden. Bereits der Koalitionsvertrag sieht diese Ma\u00dfnahme vor. Sie sollte nun f\u00fcr alle und sofort umgesetzt werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Stromkosten durch Netzfinanzierung aus Steuern senken<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein Drittel unserer Stromkostenbestandteile entf\u00e4llt auf Netzentgelte, die wiederum zu einem gro\u00dfen Teil dem Netzausbau- und Netzumbaufinanzierung geschuldet sind. Anders als den Stra\u00dfen- und Br\u00fcckenbau zahlen in Deutschland die Verbraucherinnen und Verbraucher \u00fcber die Netzentgelte den Ausbau und Umbau der Energieinfrastruktur. Die Stromkosten und Energiepreise zu senken verlangt somit, die Netzfinanzierung aus den Netzentgelten herauszunehmen und etwa aus Steuern und damit staatlich zu \u00fcbernehmen. Auch dies w\u00e4re eine wirksame wie zugleich transformatorisch sinnvolle Ma\u00dfnahme zur Entlastung der Menschen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Abzocke an der Wurzel beenden<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die\u00a0<strong>Abzocke der Mineral\u00f6lwirtschaft<\/strong>\u00a0muss an der Wurzel, die Erd\u00f6lf\u00f6rderunternehmen eingeschlossen, gestoppt werden; aber immer auch europ\u00e4isch, damit die Staaten \u00fcber gelenkte Lieferungen durch die Mineral\u00f6lkonzerne nicht gegeneinander ausgespielt und nicht verknappungsseitig erpresst werden. Dies gilt auch f\u00fcr eine sinnvolle\u00a0<strong>\u00dcbergewinnsteuer<\/strong>, soweit die Kartellrechtsversch\u00e4rfungen die erforderlichen Effekte nicht leisten. Das Bundeskartellamt ist nun am Zug, die gesetzlich geschaffenen M\u00f6glichkeiten zu nutzen. Die verpflichtende Darlegung der Preisgestaltung durch die Mineral\u00f6lkonzerne darf nicht erst auf Aufforderung durch das Bundeskartellamt geschehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erg\u00e4nzend muss angesichts des Agierens der Mineral\u00f6lkonzerne muss deren\u00a0<strong>Entflechtung<\/strong>\u00a0auf den Tisch. Verbotene Preisabsprachen suchen sich im Zeitalter der Algorithmen l\u00e4ngst Wege, die das Kartellrecht als zahnlosen Tiger zur\u00fccklassen. Solche Unterwanderungen des Rechtsstaates m\u00fcssen gestoppt werden. Und das betrifft offenkundig auch den Lebensmittelhandel. Marktm\u00e4chtige Umgehungen von Wettbewerbsregeln m\u00fcssen unterbunden werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Abh\u00e4ngigkeiten von Fossilen Ressourcen \u00fcberwinden<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wirkliche Hilfe verlangt, dort anzusetzen, wo ohne Hilfe \u00dcberforderung droht und zugleich die heutige Krisenanf\u00e4lligkeit zu \u00fcberwinden. Die fossile Ressourcennutzung, die weltweite Abh\u00e4ngigkeit von fossilen Ressourcen, wie sie tief in die Volkswirtschaften hineingreift, ist der wohl st\u00e4rkste Krisenfaktor unserer Zeit. Zugleich steht diese Abh\u00e4ngigkeit f\u00fcr den Hauptfaktor des uns gleicherma\u00dfen elementar bedrohenden Klimawandels. Der Klimawandel l\u00e4sst sich nicht aufhalten, ohne eine beschleunigte und konsequente Abkehr vom fossilen Ressourcenverbrauch und eben diesen Abh\u00e4ngigkeiten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der heutige Einsatz fossiler Ressourcen ist sachlich, zeitlich wie verf\u00fcgungsseitig ausschlie\u00dflich zur Realisierung dieser Abkehr zu rechtfertigen \u2014 um die Transformation, um den \u201eUmstieg&#8220; zu realisieren. Hingegen nicht, um fossile Ressourcennutzung weiter einzuplanen und als vermeintlich \u201enicht verzichtbar&#8220; zu verstetigen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein heute noch mit fossilen Kraftstoffen fahrender LKW, der Windturbinen transportiert, um uns zu erm\u00f6glichen, dass k\u00fcnftige LKWs mit Wind- und Solarstrom betrieben werden k\u00f6nnen, erkl\u00e4rt sinnbildlich diesen \u201eUmstieg&#8220;. Der Umstieg muss aber als Umstieg organisiert sein und nicht als Verstetigung.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das m\u00fcssen etwa auch das anstehende Netzpaket und die EEG-Novelle erf\u00fcllen: Ein Stopp, eine Verlangsamung des Ausbaus Erneuerbarer unter Verweis auf Netzengp\u00e4sse, bremst die Energiewende aus, statt die ben\u00f6tigten systemischen Schritte anzugehen. Die heutigen Netzengp\u00e4sse m\u00fcssen zum regulativen Hebel werden, um die ben\u00f6tigten Erneuerbaren, Speicher, Flexibilit\u00e4ten sektor\u00fcbergreifend und mit effizienter Netzauslastung in die Nutzung zu bringen. Dies zu erm\u00f6glichen und zu erwirken, ist unsere politische, regierungsseitige wie gesetzgeberische Aufgabe. Werden die Erneuerbaren hingegen nun nach Ma\u00dfgabe einer faktenfremd ausgerufenen \u201eSelbstt\u00e4uschung&#8220; ausgebremst, wird uns der Strom f\u00fcr die k\u00fcnftigen LKWs fehlen, wird uns der Klimawandel stressen und der Sprit immer teurer werden. Das ist keine L\u00f6sung!<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir m\u00fcssen die Abh\u00e4ngigkeit von fossilen Ressourcen so schnell wie m\u00f6glich \u00fcberwinden und alle Hebel danach ausrichten, dass dieser Umstieg auf allen Ebenen und in allen Anwendungsfeldern gelingt \u2014 auch bei m\u00f6glichen Direkthilfen. Dem Einsatz nachhaltiger Alternativen, dem Einsatz Erneuerbaren Energien, muss dabei immer Vorrang einger\u00e4umt werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Initiative f\u00fcr Frieden und zur Einhaltung des V\u00f6lkerrechts<\/strong><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Angesichts der Bedeutung \u00fcber Allem stehend: Es bedarf einer Initiative von Deutschland und Europa, auf ein Ende des v\u00f6lkerrechtswidrigen Iran-Kriegs hinzuwirken. Es reicht nicht der Hinweis, dies sei nicht unser Krieg. Es bedarf einer St\u00e4rkung der UN sowie die Initiative f\u00fcr einen Schulterschluss zu Staaten, etwa Spanien, die ebenfalls die Wahrung des V\u00f6lkerrechts einfordern. Dies gilt auch in Anbetracht der Folgewirkungen des Krieges.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Keine erdenkliche Hilfsma\u00dfnahme wird ausreichen, um die auf uns zurollenden Folgen zu stoppen, die mit einem Anhalten des Krieges oder dessen weiterer Eskalation, \u201eder Ausl\u00f6schung einer ganzen Zivilisation&#8220; \u2013 allein die Drohung ist ein V\u00f6lkerrechtsbruch, einhergehen. Es darf sich nicht das Recht des St\u00e4rkeren durchsetzen \u2014 weder im Tun noch durch Unterlassen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzogtum Lauenburg (pm). Dr. Nina Scheer l\u00e4sst die Leserinnen und Leser von Herzogtum direkt an ihrer Einsch\u00e4tzung zur Energiekrise teilhaben. 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