{"id":81582,"date":"2026-03-20T04:55:05","date_gmt":"2026-03-20T03:55:05","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=81582"},"modified":"2026-03-19T15:46:44","modified_gmt":"2026-03-19T14:46:44","slug":"uebergewicht-treibt-diabetes-bei-frauen-und-maennern-unterschiedlich-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2026\/03\/20\/uebergewicht-treibt-diabetes-bei-frauen-und-maennern-unterschiedlich-an\/","title":{"rendered":"\u00dcbergewicht treibt Diabetes bei Frauen und M\u00e4nnern unterschiedlich an"},"content":{"rendered":"<p><strong>Berlin (pm).<\/strong> \u00dcber neun Millionen Menschen in Deutschland leben mit Diabetes, mehr als 90 Prozent mit Typ-2-Diabetes. In den meisten F\u00e4llen steht die Erkrankung in engem Zusammenhang mit \u00dcbergewicht. Doch Studien zeigen: Starkes \u00dcbergewicht \u2013 Adipositas \u2013 wirkt sich bei Frauen und M\u00e4nnern unterschiedlich auf den Stoffwechsel und den Weg zum Diabetes aus. M\u00e4nner erkranken h\u00e4ufig fr\u00fcher \u2013 oft schon bei geringerem \u00dcbergewicht. Frauen entwickeln einen Typ-2-Diabetes dagegen meist sp\u00e4ter, dann h\u00e4ufig bei st\u00e4rkerem \u00dcbergewicht und mit ausgepr\u00e4gteren Stoffwechselst\u00f6rungen. Darauf weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hin und pl\u00e4diert daf\u00fcr, die Wechselwirkung von \u00dcbergewicht und Diabetes st\u00e4rker geschlechtsspezifisch zu betrachten.<\/p>\n<p>\u00dcbergewicht gilt als einer der wichtigsten Treiber f\u00fcr Typ-2-Diabetes. Doch derselbe Body-Mass-Index (BMI) geht nicht bei allen Menschen mit demselben Risiko einher, tats\u00e4chlich einen Diabetes zu entwickeln. Frauen haben bei identischem BMI im Durchschnitt einen h\u00f6heren K\u00f6rperfettanteil als M\u00e4nner. Gleichzeitig unterscheidet sich die Fettverteilung im K\u00f6rper zwischen den Geschlechtern deutlich.1,2<\/p>\n<p>Bei M\u00e4nnern sammelt sich Fett h\u00e4ufiger im Bauchraum. Dieses sogenannte viszerale Fett wirkt besonders stark auf den Stoffwechsel. Es f\u00f6rdert Insulinresistenz und erh\u00f6ht damit das Risiko f\u00fcr Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei Frauen hingegen lagert sich Fett zun\u00e4chst h\u00e4ufiger an H\u00fcften und Oberschenkeln ab. Dieses Fett wirkt weniger stark auf den Stoffwechsel.1,2,5<\/p>\n<p>\u201eDer BMI allein reicht nicht aus, um das individuelle Diabetesrisiko zu beurteilen\u201c, sagt Professorin Dr. Julia Szendr\u00f6di, Pr\u00e4sidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und \u00c4rztliche Direktorin der Klinik f\u00fcr Endokrinologie, Diabetologie, Stoffwechselerkrankungen und Klinische Chemie am Universit\u00e4tsklinikum Heidelberg. \u201eEntscheidend ist auch, wo sich Fett im K\u00f6rper verteilt.\u201c<\/p>\n<p>M\u00e4nner erkranken fr\u00fcher \u2013 Frauen oft erst bei st\u00e4rkerem \u00dcbergewicht<\/p>\n<p>Untersuchungen zeigen, dass M\u00e4nner im Durchschnitt 3 bis 4 Jahre fr\u00fcher an Typ-2-Diabetes erkranken als Frauen. Die Diagnose erfolgt bei ihnen h\u00e4ufig bereits bei einem um etwa 1 bis 3 kg\/m\u00b2 niedrigeren BMI.3,6<\/p>\n<p>Frauen entwickeln die Erkrankung dagegen meist sp\u00e4ter im Leben und h\u00e4ufig erst bei st\u00e4rkerem \u00dcbergewicht. Gleichzeitig zeigen viele Patientinnen bei der Diagnose bereits ausgepr\u00e4gtere Stoffwechselst\u00f6rungen, etwa eine st\u00e4rkere Insulinresistenz.3,6 \u201eViele Patientinnen haben bereits \u00fcber Jahre eine unerkannte Insulinresistenz entwickelt, bevor die Erkrankung diagnostiziert wird\u201c, so Szendr\u00f6di und begr\u00fcndet: \u201eAus der Praxis wissen wir, dass Frauen im mittleren Lebensalter ihre eigene Gesundheit oft durch anfallende Care-Arbeit in der Familie vernachl\u00e4ssigen.\u201c<\/p>\n<p>Schwangerschaft, Hormone, Wechseljahre \u2013 wann \u00dcbergewicht besonders wirkt<\/p>\n<p>Bei Frauen beeinflussen bestimmte Lebensphasen das Risiko zur Entstehung eines Diabetes zus\u00e4tzlich. Dazu geh\u00f6ren Schwangerschaft, hormonelle Ver\u00e4nderungen und die Menopause.<\/p>\n<p>So erh\u00f6ht ein Gestationsdiabetes \u2013 ein erstmals und nur in der Schwangerschaft auftretender Diabetes \u2013 das Risiko f\u00fcr einen sp\u00e4teren Typ-2-Diabetes deutlich. Studien zeigen, dass betroffene Frauen im sp\u00e4teren Leben etwa 7-mal h\u00e4ufiger an Typ-2-Diabetes erkranken.6<\/p>\n<p>Auch das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS), eine Hormonst\u00f6rung bei Frauen, geht mit einem deutlich erh\u00f6hten Risiko einher. Betroffene entwickeln etwa 4-mal h\u00e4ufiger einen Typ-2-Diabetes.3,6<\/p>\n<p>Mit den Wechseljahren ver\u00e4ndert sich der Stoffwechsel erneut. Sinkende \u00d6strogenspiegel f\u00fchren dazu, dass sich Fett h\u00e4ufiger im Bauchraum sammelt. Gleichzeitig steigt die Insulinresistenz. Studien zeigen zudem, dass eine fr\u00fche Menopause das Risiko f\u00fcr Typ-2-Diabetes um etwa 30 Prozent erh\u00f6hen kann.4 \u201eMit der Menopause und dem sinkenden \u00d6strogenspiegel verlieren viele Frauen einen Teil ihres nat\u00fcrlichen Stoffwechselschutzes\u201c, sagt Szendr\u00f6di. \u201eVorhandenes \u00dcbergewicht wirkt dann st\u00e4rker auf den Zuckerstoffwechsel.\u201c<\/p>\n<p>Risiken f\u00fcr diabetische Folgeerkrankungen sind bei Frauen gr\u00f6\u00dfer<\/p>\n<p>Frauen mit Diabetes erreichen wichtige Behandlungsziele seltener \u2013 etwa f\u00fcr Blutzucker, Blutdruck oder Blutfette. Dadurch steigt ihr Risiko f\u00fcr Herz-Kreislauf-Erkrankungen st\u00e4rker als bei M\u00e4nnern.1,5 \u201eVor den Wechseljahren sind Frauen meist besser vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesch\u00fctzt als M\u00e4nner\u201c, sagt Szendr\u00f6di. \u201eTyp-2-Diabetes kann diesen Vorteil weitgehend aufheben. Dadurch steigt das Risiko f\u00fcr Herzinfarkt und andere Gef\u00e4\u00dferkrankungen deutlich.\u201c<\/p>\n<p>Pr\u00e4vention muss \u00dcbergewicht und Diabetes gemeinsam betrachten<\/p>\n<p>Aus Sicht der DDG sollten geschlechtsspezifische Unterschiede in der medizinischen Versorgung st\u00e4rker ber\u00fccksichtigt werden. Dazu geh\u00f6rt ein gezieltes Screening bei Frauen mit erh\u00f6htem Risiko, etwa nach Gestationsdiabetes oder bei hormonellen Erkrankungen. Auch Lebensphasen wie die Menopause sollten st\u00e4rker in Pr\u00e4ventionsstrategien einbezogen werden.<\/p>\n<p>\u201eDie Medizin darf Unterschiede zwischen Frauen und M\u00e4nnern nicht ignorieren\u201c, sagt Szendr\u00f6di. \u201eEine geschlechtersensible Pr\u00e4vention und Therapie kann helfen, Diabetes bei Frauen fr\u00fcher zu erkennen und Komplikationen zu vermeiden.\u201c<\/p>\n<p>Die Fachgesellschaft begr\u00fc\u00dft daher die vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) ausgerufene Initiative, die Frauengesundheit mehr in den Fokus zu r\u00fccken. Gleichzeitig betont sie, dass auch die Pr\u00e4vention und Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes st\u00e4rker gemeinsam gedacht werden und durch konkrete politische, verh\u00e4ltnispr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen angegangen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Hierzu mehr: Agenda Diabetologie 2030 <a href=\"https:\/\/www.ddg.info\/fileadmin\/user_upload\/2025-02-10_Agenda_Diabetologie_2030.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.ddg.info\/fileadmin\/user_upload\/2025-02-10_Agenda_Diabetologie_2030.pdf<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Literatur (Auswahl)<\/p>\n<p>1Lizcano F, Guti\u00e9rrez C. Sex and Gender Differences in Obesity: Biological, Sociocultural, and Life Course Perspectives. International Journal of Endocrinology and Metabolism. 2025.<\/p>\n<p>2Zandani G et al. Sex- and Gender-Related Differences in Obesity. Narrative Review. 2024.<\/p>\n<p>3Mauvais-Jarvis F, Bairey Merz N, Barnes PJ et al. Sex and Gender: Modifiers of Health, Disease, and Medicine. Endocrine Reviews. 2022;43(2):308\u2013348.<\/p>\n<p>4Zhu D, Chung HF, Pandeya N et al. Age at natural menopause and risk of type 2 diabetes: a pooled analysis of 8 prospective studies. Human Reproduction. 2019;34(5):978\u2013987.<br \/>\n(zeigt u. a. ein erh\u00f6htes Typ-2-Diabetes-Risiko bei fr\u00fcher Menopause)<\/p>\n<p>5Aggarwal NR et al. The Impact of Obesity on Cardiovascular Disease in Women. Current Cardiology Reports. 2023.<\/p>\n<p>6Logue J, Walker JJ, Leese G et al. Association between BMI measured within a year after diagnosis of type 2 diabetes and mortality. Diabetologia. 2013; sowie Analysen zu Geschlechterunterschieden bei BMI und Diagnosealter von Typ-2-Diabetes.<\/p>\n<p>__________________________________________________________<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):<\/p>\n<p>Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9300 Mitgliedern eine der gro\u00dfen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterst\u00fctzt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich seit 1964 in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Pr\u00e4vention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als 9 Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivit\u00e4ten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin (pm). \u00dcber neun Millionen Menschen in Deutschland leben mit Diabetes, mehr als 90 Prozent mit Typ-2-Diabetes. In den meisten F\u00e4llen steht die Erkrankung in engem Zusammenhang mit \u00dcbergewicht. Doch Studien zeigen: Starkes \u00dcbergewicht \u2013 Adipositas \u2013 wirkt sich bei Frauen und M\u00e4nnern unterschiedlich auf den Stoffwechsel und den Weg zum Diabetes aus. 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