{"id":80516,"date":"2026-02-21T05:54:00","date_gmt":"2026-02-21T04:54:00","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=80516"},"modified":"2026-02-17T09:44:20","modified_gmt":"2026-02-17T08:44:20","slug":"gesundheitsministerin-von-der-decken-ueberreicht-100-000-euro-foerderbescheid-fuer-fachstelle-tabu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2026\/02\/21\/gesundheitsministerin-von-der-decken-ueberreicht-100-000-euro-foerderbescheid-fuer-fachstelle-tabu\/","title":{"rendered":"Gesundheitsministerin von der Decken\u00a0\u00fcberreicht 100.000 Euro-F\u00f6rderbescheid f\u00fcr Fachstelle TABU"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Kiel\/Neum\u00fcnster (pm). <\/strong>Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken hat heute (16.2.) einen F\u00f6rderbescheid \u00fcber 100.000 Euro an die Fachstelle TABU der Diakonie Altholstein zum Schutz vor weiblicher Genitalverst\u00fcmmelung (FGM\/C) offiziell \u00fcberreicht. Bei einem Besuch vor Ort in Kiel Gaarden machte sich die Ministerin ein Bild von der Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Ministerin von der Decken betont: \u201eDie Fachstelle TABU der Diakonie Altholstein leistet seit 2018 spezialisierte und hochsensible Arbeit zum Schutz vor weiblicher Genitalverst\u00fcmmelung in Schleswig-Holstein. Sie bietet ein landesweites Angebot, das sich gezielt an betroffene und gef\u00e4hrdete Frauen und M\u00e4dchen richtet. Mit der F\u00f6rderung tragen wir dazu bei, dass dieses wichtige Angebot verl\u00e4sslich betrieben werden kann. Wir wollen M\u00e4dchen und Frauen besser sch\u00fctzen. Denn kein M\u00e4dchen oder keine Frau sollte gezwungen werden, ihre Genitalien verst\u00fcmmeln zu lassen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber das Ministerium f\u00fcr Justiz und Gesundheit erh\u00e4lt die Fachstelle TABU die F\u00f6rderung in H\u00f6he von 100.000 Euro f\u00fcr das Jahr 2026. Die Landesfinanzierung erm\u00f6glicht es, die grundlegende Beratungsarbeit der Fachstelle fortzuf\u00fchren. Die F\u00f6rderung umfasst ein Beratungstandem in Teilzeit, bestehend aus einer sozialp\u00e4dagogischen Fachkraft sowie einer \u201eCommunity Coach&#8220; und sichert damit die kontinuierliche Unterst\u00fctzung von betroffenen Frauen und M\u00e4dchen. \u201eDie Arbeit unserer Fachstelle f\u00fcr Frauengesundheit bedeutet Schutz, Aufkl\u00e4rung und Unterst\u00fctzung f\u00fcr Betroffene und ist f\u00fcr viele ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Teilhabe&#8220;, erl\u00e4utert Vanessa Trampe-Kieslich, Gesch\u00e4ftsbereichsleitung Soziale Hilfen der Diakonie Altholstein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fachsstelle TABU erlebt t\u00e4glich, dass weibliche Genitalverst\u00fcmmelung auch in Schleswig-Holstein Realit\u00e4t ist. Der Beratungsbedarf h\u00e4lt unvermindert an. Insbesondere Anfragen im Zusammenhang mit FGM\/C und Asyl haben nach Angaben der Beratungsstelle in den vergangenen Jahren zugenommen. Insgesamt wurden im Jahr 2025 130 Personen pers\u00f6nlich beraten. Dar\u00fcber hinaus haben diverse Begleitungen zu \u00c4rzt*innen, Beh\u00f6rden u.a. stattgefunden. \u201eParallel w\u00e4chst die Nachfrage nach kollegialer Beratung durch sensibilisierte Fachkr\u00e4fte und Ehrenamtliche \u2013 ein deutliches Zeichen daf\u00fcr, dass das Thema st\u00e4rker wahrgenommen wird und zugleich weiterhin gro\u00dfe Unsicherheiten bestehen&#8220;, so Trampe-Kieslich.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorliegende Zahlen verdeutlichen die Dimension der Betroffenheit: Nach Sch\u00e4tzungen des Bundesfamilienministeriums (2024) sind in Deutschland rund 86.500 Frauen von weiblicher Genitalverst\u00fcmmelung betroffen, hinzu kommen 11.100 potenziell betroffene M\u00e4dchen sowie weitere 25.000 gef\u00e4hrdete M\u00e4dchen. Insgesamt sind damit bundesweit fast 123.000 Frauen und M\u00e4dchen von FGM\/C betroffen oder bedroht. F\u00fcr Schleswig-Holstein liegen spezifische Dunkelziffersch\u00e4tzungen von Terre des Femmes aus dem Jahr 2022 vor. Demnach sind im Land etwa 2.000 Frauen und rund 1.000 M\u00e4dchen betroffen, weitere 461 M\u00e4dchen gelten als potenziell gef\u00e4hrdet \u2013 insgesamt also rund 3.500 Frauen und M\u00e4dchen, die in Schleswig-Holstein von weiblicher Genitalverst\u00fcmmelung betroffen oder gef\u00e4hrdet sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei spiegeln die Beratungszahlen das tats\u00e4chliche Ausma\u00df der Betroffenheit nur eingeschr\u00e4nkt wider. \u201eViele gef\u00e4hrdete oder betroffene Frauen und M\u00e4dchen erreichen spezialisierte Angebote nicht \u2013 insbesondere in l\u00e4ndlichen Regionen. Frauen, die erst seit kurzer Zeit in Deutschland leben, suchen eine Beratungsstelle h\u00e4ufig erst dann auf, wenn FGM\/C im Asylverfahren relevant wird. Der Weg bis zur Kontaktaufnahme ist oft lang und von Unsicherheit gepr\u00e4gt&#8220;, erl\u00e4utert Trampe-Kieslich.<\/p>\n\n\n\n<p>Die neue Landesfinanzierung ist vor dem Hintergrund erheblicher finanzieller Herausforderungen von zentraler Bedeutung. Die Fachstelle TABU stand nach Angaben des Tr\u00e4gers zuletzt vor der Schlie\u00dfung, da die beiden EU-gef\u00f6rderten \u201eAMIF-Projekte&#8220;, \u00fcber die ein Gro\u00dfteil der Arbeit finanziert wurde, ausgelaufen sind bzw. in K\u00fcrze enden. Eine Anschlussfinanzierung \u00fcber AMIF war aufgrund der F\u00f6rderbedingungen nicht m\u00f6glich. Die Bewilligung eines neuen Antrags ist \u00e4u\u00dferst ungewiss. \u201eVor diesem Hintergrund ist die jetzige Landesf\u00f6rderung als Basis ein wichtiges und starkes Signal. Sie erm\u00f6glicht es, die etablierte Beratungsarbeit von TABU weiter aufrechtzuerhalten&#8220;, so Trampe-Kieslich, auch wenn die Arbeit aufgrund der ausgelaufenen Projekte nur auf einem deutlich reduzierten Niveau fortgef\u00fchrt werden k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWeibliche Genitalverst\u00fcmmelung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung. Die F\u00f6rderung des Landes ist ein wichtiges Signal und hilft, die Arbeit unserer Fachstelle zum Schutz von M\u00e4dchen und Frauen in Schleswig-Holstein zu sichern. Gleichzeitig braucht es langfristig tragf\u00e4hige Strukturen und weitergehende Investitionen, um Pr\u00e4vention und Versorgung fl\u00e4chendeckend zu st\u00e4rken&#8220;, betont Gesa Kitschke, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Diakonie Altholstein. \u201eDer Schutz vor einer Gewaltform, die h\u00e4ufig im Verborgenen stattfindet, braucht Sichtbarkeit, fachliche Expertise und verl\u00e4ssliche Rahmenbedingungen \u2013 damit betroffene und gef\u00e4hrdete M\u00e4dchen und Frauen dauerhaft wirksam unterst\u00fctzt werden k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Hilfe und Info f\u00fcr Betroffene:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.diakonie-altholstein.de\/den-alltag-meistern\/tabu-fachstelle-fuer-frauengesundheit\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Fachstelle TABU in Kiel | Diakonie Altholstein<\/a>\u00a0Telefon:<a href=\"tel:+4943126093119\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><u>0431 26093119<\/u><\/a> mehrsprachige Info unter:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.diakonie-altholstein.de\/den-alltag-meistern\/tabu\/schutzbrief\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.diakonie-altholstein.de\/den-alltag-meistern\/tabu\/schutzbrief<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kiel\/Neum\u00fcnster (pm). 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