{"id":8008,"date":"2018-10-17T09:26:59","date_gmt":"2018-10-17T07:26:59","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=8008"},"modified":"2018-10-17T09:26:59","modified_gmt":"2018-10-17T07:26:59","slug":"antisemitismus-gehoert-nicht-nur-in-den-geschichtsunterricht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2018\/10\/17\/antisemitismus-gehoert-nicht-nur-in-den-geschichtsunterricht\/","title":{"rendered":"&#8218;Antisemitismus geh\u00f6rt nicht nur in den Geschichtsunterricht&#8216;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Herzogtum Lauenburg (pm).<\/strong> Das Bundesmodellprojekt \u201eZUG\u00c4NGE SCHAFFEN\u201c \u2013 Konzeptwerkstatt \u201eAntisemitismus\u201c des Vereins Miteinander leben hat eine wichtige Zwischenetappe in seiner Arbeit erreicht, zeitgem\u00e4\u00dfe p\u00e4dagogische Konzepte und Lehrmedien zur Bearbeitung des Themenkomplexes \u201eAntisemitismus\u201c \u201c in historischer sowie aktueller Perspektive zusammen mit Experten aus der Region sowie \u00fcberregionalen Institutionen f\u00fcr den schulischen Einsatz zu erschlie\u00dfen, zu entwickeln und auszutesten. Seit 2016 arbeiten das Projekt- und Expertenteam um Projektleiterin Gabriele Hannemann daran, das bereits bestehende Unterrichtsangebot \u201eLeben mit dem gelben Stern\u201c mit seinem Schwerpunkt der \u201eHolocaust-Education\u201c um Themen zu aktuellen Formen des Antisemitismus zu erweitern.<\/p>\n<p>Dies ist aus Sicht von Gabriele Hannemann, selbst als Lehrerin im Schuldienst t\u00e4tig und \u00fcber ihre Vereinst\u00e4tigkeit bei Yad Ruth e.V. seit vielen Jahren mit dem Thema \u201eAntisemitismus\u201c befasst, dringend notwendig: \u201eAntisemitismus ist nicht nur etwas Historisches, das nach den Verbrechen der Shoa aus Deutschland endg\u00fcltig verschwunden ist. Im Gegenteil zeigt sich Antisemitismus heute wieder verst\u00e4rkt in unterschiedlichen Formen, sowohl in der Mehrheitsgesellschaft als auch in migrantischen Milieus. Entsprechend m\u00fcssen wir dar\u00fcber in den Schulen sprechen und nicht bei der Vermittlung des Holocaust, der vielfach vorbildlich etabliert ist im Unterricht, stehen bleiben.\u201c Es sind Themen wie der Nahost-Konflikt und die Rolle Israels, die schnell antisemitische Haltungen sch\u00fcren, aber auch die in den neuen Medien um sich greifenden Verschw\u00f6rungstheorien, die vielfach auf antisemitischen Haltungen fu\u00dfen oder solche Erkl\u00e4rungsmuster heranziehen. Und auch Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft ist wieder deutlich sp\u00fcrbar, wenn beispielsweise die historische Verantwortung Deutschlands f\u00fcr den Holocaust als \u201eSchuld-Kult\u201c relativiert und ein Ende des Gedenkens eingefordert wird.<\/p>\n<p>Zu all diesem Themenkomplexen hat Gabriele Hannemann erweiterte Lehrmodule entwickelt, die das erfolgreiche, seit 2002 etablierte Unterrichtsangebot zum Thema \u201eAntisemitismus\u201c zuk\u00fcnftig immer um die Gegenwartsperspektive erg\u00e4nzen und je nach Interessenslage der Sch\u00fcler*innen zum Einsatz kommen sollen. Die Entwicklung solcher schulischen Lehrmodule zeigte sich als Neuland und war nur mit Hilfe von Experten aus dem gesamten Bundesgebiet m\u00f6glich. Institutionen wie das Anne Frank Zentrum Berlin, die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KiGA) oder die Holocaustgedenkst\u00e4tte Yad Vashem wirkten daran mit und brachten eigene Lehr- und Unterrichtserfahrungen ein. Ausgewiesene Fachleute, insbesondere auch aus der j\u00fcdischen Gemeinde, gaben ebenfalls wichtige Erfahrungsimpulse in die Konzeptwerkstatt \u201eZUG\u00c4NGE SCHAFFEN\u201c .<\/p>\n<p>Entstanden sind Lehrmodule, die eine Erstbegegnung mit dem Judentum und der Shoa bereits in Klassenstufe vier der Grundschule erm\u00f6glichen, die unterschiedlichen Narrative des Nahostkonfliktes kritisch beleuchten, Verschw\u00f6rungstheorien behandeln oder an aktuellen Beispielen die Gegenwartsformen des Antisemitismus verdeutlichen. Ein neuer Flyer informiert jetzt Schulen \u00fcber dieses einzigartige Unterrichtsprojekt in Schleswig-Holstein, das auch das Bildungsministerium des Landeszusammen mit dem Institut f\u00fcr Qualit\u00e4tsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein (IQSH) seit vielen Jahren nach Kr\u00e4ften f\u00f6rdert und unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Das Ziel der Konzeptwerkstatt \u201eAntisemitismus\u201c, die vom Bundesprogramm \u201eDemokratie leben!\u201c gef\u00f6rdert wird, ist damit aus Sicht des Projektverantwortlichen allerdings noch nicht erreicht. So werden aktuell Begegnungsformate mit j\u00fcdischem Leben entwickelt, eine besonders wichtige Erg\u00e4nzung, da Sch\u00fcler*innen die pers\u00f6nliche Begegnung mit Juden zumeist v\u00f6llig fehlt. \u201eAntisemitische Haltungen sind f\u00fcr junge Menschen in ihren verschiedenen Facetten oft nur schwer als solche erkennbar, gerade auch, weil sie sich selten bis nie mit Juden dar\u00fcber austauschen k\u00f6nnen, insbesondere in ihrer Altersgruppe. So kann Antisemitismus unbemerkt und unkritisch gedeihen.\u201c Ebenso wird in der Konzeptwerkstatt an weiteren Unterrichtsformaten gearbeitet, die es erm\u00f6glichen sollen, das Thema auch in anderen Unterrichtsfeldern zu behandeln, beispielsweise in der Demokratiep\u00e4dagogik.<\/p>\n<p>\u201eUnsere Arbeit beschr\u00e4nkt sich dabei nicht nur auf die Unterrichtsgestaltung sondern umfasst auch auf die Lehrerfortbildung, die wir mit unseren Kooperationspartner seit 2016 deutlich intensivieren und noch weiter ausbauen wollen. Zudem schaffen mir mit einer eigenen Arbeitsgruppe \u00f6ffentliche, wiederkehrende Begegnungsangebote mit j\u00fcdischem Leben in der Region, mit dem Ziel, dem Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft pr\u00e4ventiv zu begegnen\u201c, erg\u00e4nzt Mark Sauer von Verein Miteinander leben e.V. die umfangreiche Aufgabenstellung der ehrenamtlich getragenen Konzeptwerkstatt \u201eZUG\u00c4NGE SCHAFFEN\u201c.<\/p>\n<p>Den entsprechenden Flyer k\u00f6nnen Sie <strong>hier<\/strong> herunterladen: <a href=\"https:\/\/2021.herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Zug\u00e4nge_Lay_230818.pdf\">Zug\u00e4nge_Lay_230818<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzogtum Lauenburg (pm). 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