{"id":7995,"date":"2018-10-17T08:48:43","date_gmt":"2018-10-17T06:48:43","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=7995"},"modified":"2018-10-17T08:48:43","modified_gmt":"2018-10-17T06:48:43","slug":"metoo-missbrauch-aufklaeren-aber-die-kunst-muss-frei-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2018\/10\/17\/metoo-missbrauch-aufklaeren-aber-die-kunst-muss-frei-bleiben\/","title":{"rendered":"#meToo: Missbrauch aufkl\u00e4ren, aber die Kunst muss frei bleiben"},"content":{"rendered":"<p><strong>Borstorf (aa).<\/strong> Die \u201a#meToo\u2018 Debatte ist seit rund einem Jahr gef\u00fchltes Dauerthema in den \u00fcberregionalen Medien. Das Thema lie\u00df sich schon fr\u00fch nicht nur auf die Filmbranche Hollywoods reduzieren, in verschiedensten gesellschaftlichen Ebenen m\u00fcssen die jeweiligen Akteure ihr bisheriges Handeln hinterfragen und gegebenenfalls neu bewerten und ausrichten. Der Mustiner K\u00fcnstler Thomas Biller hatte sich bei der diesj\u00e4hrigen Auflage von \u201eD\u00f6rfer zeigen Kunst\u201c mit \u201ameToo\u2018 und dem Thema Sexismus k\u00fcnstlerisch auseinandergesetzt. Somit war er der perfekte Gespr\u00e4chspartner f\u00fcr das j\u00fcngste \u201aKunstgespr\u00e4ch\u2018 in der Werkstatt von Hans und Heidrun Kuretzky in Borstorf.<\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig l\u00e4dt das Ehepaar Kuretzky zum Kunstgespr\u00e4ch ein. Dieses Mal sind rund 20 G\u00e4ste vor Ort, die in der Werkstatt Platz nehmen. Nach einer kurzen Begr\u00fc\u00dfung und einleitenden Worten von Hans Kuretzky hat dann auch gleich Thomas Biller das Wort. Die \u201a#meToo\u2018 Debatte habe als Ph\u00e4nomen eine neue Bewusstseinsebene geschaffen, die endlich Schluss mache mit \u00dcbergriffigkeiten. \u201eDas ist richtig und finde ich wichtig. Sexuelle \u00dcbergriffe sind absolut widerlich und schrecklich\u201c, legt Biller gleich zu Beginn seine Position fest, bevor er zu seiner Ausstellung im Rahmen von \u201eD\u00f6rfer zeigen Kunst\u201c zu sprechen kommt. W\u00e4hrend seines Themenfindungsprozesses verfolgte er die Pressemeldungen zu #meToo. Dabei waren auch Berichte \u00fcber Museen, die als Reaktion auf die Debatte Bilder abh\u00e4ngten, oder ganze Ausstellungen, die abgesagt wurden. Biller: \u201eZum Beispiel wurden Bilder abgeh\u00e4ngt, weil barbusige Nymphen beim Baden zu sehen waren. Da machte es bei mir \u201aklick\u2018 &#8211; was passiert da gerade? Das eine sind rechtskr\u00e4ftige Verurteilungen, das andere sind Einschr\u00e4nkungen der Kunst. Das geht so f\u00fcr mich einfach nicht.\u201c Thomas Billers Reaktion darauf war die Ausstellung \u201eNaPur\u201c in Utecht, die unter anderem ein stark verfremdetes weibliches Dekollet\u00e9 zeigte. Doch ein Aufschrei blieb aus. \u201eEs passierte erstaunlich wenig. Die einzige Reaktion war die einer Dame, die fragte: \u201aWarum zeigt ihr nicht mal Schw\u00e4nze?\u2018\u201c, erinnert sich der Mustiner K\u00fcnstler. Ob es nun an der Unaufgeregtheit der l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung lag, oder daran, dass die erste Verunsicherung in der Kunstszene bereits wieder verhallt ist, bleibt offen. Denn inzwischen h\u00e4ngen viele Werke in den Museen wieder an ihrem Platz. Es w\u00fcrde aber trotzdem weiterhin in der Kunstszene diskutiert \u00fcber Zensur und Selbstzensur, k\u00fcnstlerische Freiheit und #meToo\u2018.<\/p>\n<p>Auch an diesem Abend in Borstorf ist das Publikum motiviert, sich dem Thema zu stellen. \u201eWas durch die ,#meToo\u2018 Debatte \u00fcberraschte, war, wie lange es dauerte, bis die Frauen sich trauten, etwas zu tun. Das hat mit Sexualit\u00e4t nichts zu tun, sondern mit Machtstrukturen\u201c, stellt Heidrun Kuretzky fest. \u201eEs geht um Macht, um Missbrauch, aber auch um allgemeine Machtstrukturen\u201c, erg\u00e4nzt Thomas Biller, der #meToo in diesem Sinne als einen Sammelbegriffe wahrnehme. Missbrauch sei immer da zu finden, \u201ewo Macht im Spiel ist, wo Menschen zu Dingen verf\u00fchrt werden, die sie eigentlich gar nicht wollen\u201c, so Biller weiter, \u201eBitte alles aufkl\u00e4ren! Aber das ist bitte zu trennen vom Einfluss auf die Kunst. Die Kunst ist frei! Sie darf provozieren, sie darf sogar Ekel erregen und Diskussionen anregen. Erotik und Sexualit\u00e4t sind f\u00fcr mich erstmal positiv besetzte Dinge.\u201c \u201eDie Frage ist immer, wann ist etwas \u00fcbergriffig oder verletztend\u201c, sieht hier Hans Kuretzky eine Grenze.<\/p>\n<p>War die (vermeintlich) tempor\u00e4re (Selbst-)Zensur wie in den Museen blinder Aktionismus? Oder gar eine \u00dcberforderung der Gesellschaft?, so einige Beitr\u00e4ge der weiteren Diskussionsteilnehmer. Einigkeit herrscht offenbar dar\u00fcber, dass man froh sei, dass das Thema \u201asexueller Missbrauch\u2018 endlich offen diskutiert wird. Jeder Einzelne sei auch selbstverantwortlich hinzuschauen, wo Missbrauch stattfindet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Borstorf (aa). Die \u201a#meToo\u2018 Debatte ist seit rund einem Jahr gef\u00fchltes Dauerthema in den \u00fcberregionalen Medien. Das Thema lie\u00df sich schon fr\u00fch nicht nur auf die Filmbranche Hollywoods reduzieren, in verschiedensten gesellschaftlichen Ebenen m\u00fcssen die jeweiligen Akteure ihr bisheriges Handeln hinterfragen und gegebenenfalls neu bewerten und ausrichten. 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