{"id":77659,"date":"2025-11-12T08:48:04","date_gmt":"2025-11-12T07:48:04","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=77659"},"modified":"2025-11-13T08:33:19","modified_gmt":"2025-11-13T07:33:19","slug":"der-erste-bekannte-geesthachter-ein-ritter-und-kreuzfahrer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2025\/11\/12\/der-erste-bekannte-geesthachter-ein-ritter-und-kreuzfahrer\/","title":{"rendered":"Der erste bekannte Geesthachter \u2013 ein Ritter und Kreuzfahrer?"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Geesthacht (pm).\u00a0<\/strong>Geheimnisse und Besonderheiten der Geesthachter Geschichte l\u00fcftet jeden Monat in seinem \u201eArchivfund des Monats\u201c Geesthachts Stadtarchivar Dr. Jan Klu\u00dfmann. Im November begibt er sich auf die Spuren des ersten Mannes, von dem die historischen Schriften des Stadtarchivs berichten. &#8222;Tauchen Sie mit ihm in Geesthachts Geschichte ein&#8220;, sagen die Verantwortlichen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wer war die erste mit Namen \u00fcberlieferte Person aus Geesthacht? Die Antwort auf diese Frage stellt die mittelalterliche Geschichte des Ortes, der damals noch Hachede hie\u00df, in neues Licht.\u00a0Die Frage f\u00fchrt in die fremde Welt mittelalterlicher Urkunden. Der erste Personenname findet sich auf einer noch in Latein abgefassten Urkunde eines Ratzeburger Bischofs, von der nur noch eine mittelalterliche Abschrift existiert. Die Urkunde entstand um 1230 und regelte die Versorgung zweier wohl adliger Frauen, die sich als Nonnen von der Bergedorfer Kirche hatten aufnehmen lassen. Der Geesthachter findet sich in der Reihe der Zeugen am Ende der Urkunde, die f\u00fcr die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des Dokuments einstanden: Nach den Zeugen aus geistlichem Stand folgten mit den letzten vier Personen adlige Grundherren aus der Region. Sie werden zum Schluss als \u201emilites\u201c (Ritter) bezeichnet. Unter ihnen stand gleich an zweiter Stelle ein Mann, der je nach Lesart \u201eZozelinus\u201c oder \u201eJozelinus de Hachede\u201c hie\u00df (= J. von\/aus Hachede).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Bislang ging die Ortsgeschichte davon aus, dass Geesthacht von adliger Herrschaft immer frei gewesen sei. Man hat hier aber einen lokalen Adligen vor sich, der um 1230 in Geesthacht sa\u00df und \u00fcber den Ort geherrscht haben muss. Der Zusatz \u201ede Hachede\u201c d\u00fcrfte bereits als adliger, aus dem Stammsitz abgeleiteter Familienname zu lesen sein. Wo aber befand sich dieser Rittersitz? Magnus Pr\u00fc\u00df erw\u00e4hnt in seinem Heimatbuch 1929 eine heute verschwundene Burg am Sch\u00e4ferberg, also auf der Erhebung oberhalb der Zentralen Sportanlage. F\u00fcr diese Burg ist kein Besitzer bekannt, f\u00fcr die Kontrolle \u00fcber Ort und Landstra\u00dfe war ihre Lage jedenfalls perfekt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_77661\" aria-describedby=\"caption-attachment-77661\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-77661\" src=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Urkunde-Geesthacht-Ritter-2025-hfr-1-600x490.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"490\" srcset=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Urkunde-Geesthacht-Ritter-2025-hfr-1-600x490.jpg 600w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Urkunde-Geesthacht-Ritter-2025-hfr-1-768x627.jpg 768w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Urkunde-Geesthacht-Ritter-2025-hfr-1.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-77661\" class=\"wp-caption-text\">Erw\u00e4hnung des Ritters de Hachede (rot unterstrichen) im Hamburger Urkundenbuch, Bd. 1 (1842), Nr. 506: Edition des lateinischen Originaltextes, darunter die Zeugenliste (\u201eTestes sunt: \u2026\u201c = \u201eDie Zeugen sind: \u2026\u201c), der Name des Ritters hier als \u201eJozelinus\u201c gelesen; Datierung: Zwischen 1236 und 1244. Foto: Dr. Jan Klu\u00dfmann, hfr<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ungew\u00f6hnlich ist der Name unseres Ritters: Zozelinus hie\u00df und hei\u00dft kein Mensch. Auch andere vorgeschlagene Lesarten wie Dodelinus scheiden aus. Jozelinus dagegen war im Mittelalter verbreitet. Es ist die latinisierte Form des altfranz\u00f6sischen m\u00e4nnlichen Vornamens \u201eJoscelin\u201c, der mit den Normannen auch nach England gelangte. Joscelin von Hachede mag als wichtiger Urkundenzeuge um 1230 bereits ein reiferes Alter erlangt haben, d\u00fcrfte demnach um 1190\/1200 geboren worden sein. Damals kam man zu seinem Namen zumeist durch Familientradition oder durch die Taufpaten. Aber wie kam ein franz\u00f6sischer Vorname um 1200 an die Elbe? Direkte Beziehungen nach Frankreich gab es kaum. Aber es war zugleich die Zeit der ersten gemeinsamen europ\u00e4ischen Expansion nach \u00dcbersee, die Zeit der Kreuzz\u00fcge: Sie waren von Beginn an vom franko-normannischen Adel gepr\u00e4gt, und hier begegnet uns der Name Joscelin an prominenter Stelle: Das franz\u00f6sische Adelsgeschlecht Courtenay stellte unter anderen \u00fcber drei Generationen, von 1118 bis 1200, die Grafen beziehungsweise Titulargrafen von Edessa, einem der Kreuzfahrerstaaten: Sie alle hie\u00dfen Joscelin (I.-III.).<\/p>\n<figure id=\"attachment_77660\" aria-describedby=\"caption-attachment-77660\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-77660\" src=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Urkunde-Geesthacht-Ritter-2025-hfr-600x556.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"556\" srcset=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Urkunde-Geesthacht-Ritter-2025-hfr-600x556.jpg 600w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Urkunde-Geesthacht-Ritter-2025-hfr-768x711.jpg 768w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Urkunde-Geesthacht-Ritter-2025-hfr.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-77660\" class=\"wp-caption-text\">Erw\u00e4hnung des Ritters de Hachede (rot unterstrichen) in Schleswig-Holstein-Lauenburgische Regesten und Urkunden, Bd. 1 (1886), Nr. 549: Deutsche Zusammenfassung (sog. Regest) des Urkundeninhalts, darunter die Zeugenliste, der Name des Ritters hier als \u201eZozelinus\u201c gelesen; Datierung: Um 1236 (in anderen Arbeiten wird abweichend auch 1228 vorgeschlagen). Foto: Dr. Jan Klu\u00dfmann, hfr<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Am Dritten Kreuzzug (1189-1192) waren unter Kaiser Barbarossa dann auch viele Norddeutsche beteiligt und am sogenannten \u201eDeutschen Kreuzzug\u201c 1197\/1198 nahmen wiederum unter anderen hunderte von Kreuzfahrern aus dem L\u00fcbecker Raum teil. Denkbar also, dass dieser \u201eJozelinus\u201c im Heiligen Land als Sohn eines dieser Kreufahrer geboren wurde, und seinen exotischen Vornamen einem franz\u00f6sischen oder normannischen Taufpaten verdankte. Oder vielleicht war seine Mutter von entsprechender Herkunft und f\u00fchrte im Namen ihres Sohnes ihre Familientraditionen fort. Irgendwann sp\u00e4ter muss dann Joscelin nach Geesthacht, dem mutma\u00dflichen v\u00e4terlichen Heimatort, zur\u00fcckgekehrt sein.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">&#8222;Wir wissen sonst nichts \u00fcber ihn. Klar ist nur, dass die Ortsherrschaft seiner Familie sp\u00e4testens bald nach 1300 endete. Denn zu jenem Zeitpunkt befand sich Hachede bereits im unmittelbaren Besitz der lauenburgischen Herz\u00f6ge. Vielleicht ist unser Joscelin verwandt mit den nach 1300 in Hamburg und anderen St\u00e4dten der Region nachweisbaren Patrizierfamilien de Hachede, war seine Familie also erneut ausgewandert. Als &#8218;von Hacht&#8216; lebt der Familienname jedenfalls bis heute weiter&#8220;, schreibt Dr. Jan Klu\u00dfmann aus dem Stadtarchiv Geesthacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geesthacht (pm).\u00a0Geheimnisse und Besonderheiten der Geesthachter Geschichte l\u00fcftet jeden Monat in seinem \u201eArchivfund des Monats\u201c Geesthachts Stadtarchivar Dr. Jan Klu\u00dfmann. Im November begibt er sich auf die Spuren des ersten Mannes, von dem die historischen Schriften des Stadtarchivs berichten. &#8222;Tauchen Sie mit ihm in Geesthachts Geschichte ein&#8220;, sagen die Verantwortlichen. 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