{"id":7574,"date":"2018-09-29T12:05:06","date_gmt":"2018-09-29T10:05:06","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=7574"},"modified":"2018-09-29T12:11:30","modified_gmt":"2018-09-29T10:11:30","slug":"zerstoerung-in-ratzeburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2018\/09\/29\/zerstoerung-in-ratzeburg\/","title":{"rendered":"Die Zerst\u00f6rung Ratzeburgs"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><strong>Von Hartwig Fischer<\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Das Jahr 1693 spielt f\u00fcr die Stadt Ratzeburg eine verh\u00e4ngnisvolle Rolle, denn damals wurde fast die gesamte Stadt in einem massiven Bombardement durch die Truppen des K\u00f6nigs Christian V. von D\u00e4nemark dem Erdboden gleichgemacht. Am 29. September 1693 wurde heute vor genau 325 Jahren der \u201eHamburger Frieden\u201c zwischen den Kontrahenten geschlossen. Wie konnte es zu dieser Katastrophe kommen?<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Im Jahr 2012 j\u00e4hrte sich die erste urkundliche Erw\u00e4hnung einer Burg Ratzeburg &#8211; dem \u201ecastellum Racesburg\u201c &#8211; zum 950. Mal. Diese Burg d\u00fcrfte allerdings schon vor 1062 errichtet worden sein. Der F\u00fcrst Ratibor hatte als Herrscher \u00fcber die slawischen Polaben seinen Sitz auf der Ratzeburg. Ratibor war zwar nicht der Begr\u00fcnder der Ratzeburg, hat ihr aber mit der Kurzform seines Namens \u201eRat`se\u201c vermutlich seinen Namen gegeben. Der Standort der \u201eRatzeburg\u201c befand sich auf dem Gebiet, das noch heute den Namen \u201eSchlosswiese\u201c tr\u00e4gt. Aus der anf\u00e4nglichen Burganlage entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte durch eine umfangeiche Baut\u00e4tigkeit ein prachtvolles Schloss. Das Schloss ist Ende des 17. Jahrhunderts aus milit\u00e4rischen Gr\u00fcnden abgerissen worden und der ehemalige Schlossbereich besteht heute aus Gr\u00fcnanlagen und Parkpl\u00e4tzen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a name=\"_GoBack\"><\/a><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Leider sind aus der Zeit des Mittelalters keine \u00dcberreste der Burg beziehungsweise der Schlossanlage vorhanden, doch die ber\u00fchmte farbige Zeichnung der gesamten Burg und Stadt Ratzeburg von Gerdt Hane aus dem Jahr 1588 gibt Auskunft dar\u00fcber, wie diese Anlage fr\u00fcher einmal ausgesehen haben mag. Der Gerdt-Hane-Stich zeigt einen Ringwall, der alle Schlossgeb\u00e4ude dieser Residenz der Herz\u00f6ge von Sachsen-Lauenburg umschloss. Hiernach muss sich die gesamte Burganlage in Richtung Osten \u00fcber den jetzigen Kanal zwischen dem Gro\u00dfen Ratzeburger See und den K\u00fcchensee hinaus erstreckt haben. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Ratzeburg nicht nur die Besitzer, sondern auch die Besetzer. Als wehrhafte Burg pr\u00e4gte sie das Stadtbild Ratzeburgs. Der damalige Besucher erreichte die Stadtinsel mit dem Dom und der Stadtkirche von Westen her \u00fcber einen Damm, der von Klappbr\u00fccken unterbrochen wurde. Der Weg f\u00fchrte vorbei an dem gro\u00dfen Schloss mit dem wuchtigen \u201eMagnusturm\u201c und \u00fcber die \u201eLangenbr\u00fcckstra\u00dfe\u201c konnte die Insel in Richtung Osten wieder verlassen werden.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Ende des 17. Jahrhunderts geriet Ratzeburg zwischen die M\u00fchlen der gro\u00dfen Politik. Herzog Julius Franz von Sachsen-Lauenburg war 1689 \u00fcberraschend verstorben und sein Herzogtum musste als kaiserliches Lehen neu vergeben werden. Neben dem Haus L\u00fcneburg-Celle meldeten Kursachsen, Kurbrandenburg, Mecklenburg und sogar Schweden sowie D\u00e4nemark ihre Erbanspr\u00fcche an. Der Welfenherzog Georg Wilhelm von L\u00fcneburg\u2013Celle handelte blitzschnell und marschierte mit seinen Truppen im Herzogtum Lauenburg ein, um vollendete Tatsachen zu schaffen. Hierdurch bahnte sich ein Streit zwischen ihm und D\u00e4nemark an, das im benachbarten Holstein die politische Macht aus\u00fcbte. Der Konflikt zwischen D\u00e4nemark und dem welfischen Haus von L\u00fcneburg-Celle spitzte sich dramatisch zu, weil D\u00e4nemark eine Ausdehnung der welfischen Macht n\u00f6rdlich der Elbe in das Lauenburgische als eine Gef\u00e4hrdung der eigenen Herrschaft in Holstein und zugleich als eine konkrete Bedrohung der Stadt Oldesloe ansah.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_7576\" aria-describedby=\"caption-attachment-7576\" style=\"width: 1476px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/2021.herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Gerdt-Hane-Stich-von-1588-Braun-Hogenberg.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7576\" src=\"https:\/\/2021.herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Gerdt-Hane-Stich-von-1588-Braun-Hogenberg.jpg\" alt=\"\" width=\"1476\" height=\"1210\" srcset=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Gerdt-Hane-Stich-von-1588-Braun-Hogenberg.jpg 1476w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Gerdt-Hane-Stich-von-1588-Braun-Hogenberg-300x246.jpg 300w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Gerdt-Hane-Stich-von-1588-Braun-Hogenberg-768x630.jpg 768w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Gerdt-Hane-Stich-von-1588-Braun-Hogenberg-1024x839.jpg 1024w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Gerdt-Hane-Stich-von-1588-Braun-Hogenberg-696x571.jpg 696w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Gerdt-Hane-Stich-von-1588-Braun-Hogenberg-1068x876.jpg 1068w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Gerdt-Hane-Stich-von-1588-Braun-Hogenberg-512x420.jpg 512w\" sizes=\"(max-width: 1476px) 100vw, 1476px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7576\" class=\"wp-caption-text\">Ratzeburg. Altkol. Kupferstich von Gerd (Gert) Hane, 1588. Aus: Braun &amp; Hogenberg: Civitates Orbis Terrarum Bd.5, S.43. 32,5 x 39,5 cm (Klose-Martius,2). Im Kreismuseum in Ratzeburg.<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Die zunehmende Gefahr eines milit\u00e4rischen Angriffs durch die D\u00e4nen auf Ratzeburg machte drastische Sicherheitsma\u00dfnahmen erforderlich und diese sollten die Sterbestunde des alten Schlosses bedeuten. Bereits im Januar des Jahres 1690 hatte Herzog Georg Wilhelm verk\u00fcndet, dass er mit dem Schloss eine \u201eVer\u00e4nderung\u201c vorhabe. Hiermit meinte er konkret den Bau einer starken Festungsanlage nach dem Vorbild des franz\u00f6sischen Festungsbaumeisters Vauban. Herzog Georg Wilhelm, vom europ\u00e4ischen \u201eFestungsfimmel\u201c besessen, wollte wegen der sich abzeichnenden kriegerischen Auseinandersetzung mit D\u00e4nemark eine regelrechte Festung errichten. Die in dem Ratzeburger Schloss wohnende Herzoginwitwe Sibylla Hedwig wurde daher zum Auszug aus dem Schloss aufgefordert. Doch die alte Dame weigerte sich strikt. Um dem \u201eR\u00e4umungswunsch\u201c massiv Nachdruck zu verleihen, schaffte man Pulver und Artilleriematerial in die benachbarten R\u00e4ume. Doch erst als man mit dem Niederrei\u00dfen des Schlosses begann, wich die energische F\u00fcrstin der rohen Gewalt und siedelte in das Lauenburger Schloss \u00fcber.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Die milit\u00e4rische Befestigung Ratzeburgs wurde von D\u00e4nemark als ein kriegerischer Akt betrachtet, so dass K\u00f6nig Christian V. sich zu einem Angriff auf Ratzeburg entschied, um die Festungsanlagen zu zerst\u00f6ren. Am 12. August 1693 erschienen die d\u00e4nischen Truppen mit ihrem K\u00f6nig vor Ratzeburg und am 21. August 1693 begann in den fr\u00fchen Morgenstunden ein vernichtendes Bombardement auf die Stadt. Mit schwerem Kanonenbeschuss wurde Ratzeburg massiv unter Feuer genommen, so dass am Abend die gesamte Stadt fast v\u00f6llig in Schutt und Asche lag. Nur der Dom, die Petri-Kirche und vermutlich f\u00fcnf B\u00fcrgerh\u00e4user \u00fcberstanden das Inferno.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Am 24. August 1693 kam es zu einem Waffenstillstand zwischen den kriegsf\u00fchrenden Parteien und am 29. September 1693 konnten die Friedensverhandlungen mit dem \u201eHamburger Vergleich\u201c abgeschlossen werden. Mit der Auflage, alle Schanzen zu demolieren, hatten die D\u00e4nen erreicht, dass Ratzeburg \u201eentfestet\u201c wurde. Als Gegenleistung erkannte D\u00e4nemark die Besitznahme des Herzogtums Sachsen-Lauenburg durch Herzog Georg Wilhelm an. Die endg\u00fcltige Zerst\u00f6rung der Wehranlagen erfolgte im Jahr 1815. Diese Ereignisse schlagen sich in den Stra\u00dfennamen \u201eDemolierung\u201c und \u201eSchlosswiese\u201c nieder. Noch heute sind einige der Kanonenkugeln im Mauerwerk von einzelnen Ratzeburger H\u00e4usern nachtr\u00e4glich eingemauert. Insbesondere das ber\u00fchmte unvollendete \u201eKegelspiel\u201c aus acht Kanonenkugeln am n\u00f6rdlichen Querschiff sowie Kugeln an der Eingangshalle des Doms sollen auf die damalige Beschie\u00dfung Ratzeburgs hinweisen. Der langj\u00e4hrige Wiederaufbau Ratzeburgs erfolgte nach dem Grundrissplan der Stadt Mannheim, um nach diesem Vorbild einen strukturierten Stra\u00dfenverlauf zu schaffen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, serif;\">Im Verlauf dieser kriegerischen Auseinandersetzung haben die welfischen Verteidiger aus strategischen Gr\u00fcnden tats\u00e4chlich ernsthaft erwogen, den Ratzeburger Dom in die Luft zu sprengen. Diese uns heute unglaublich anmutende Idee ist nur aus dem Grunde nicht zur Ausf\u00fchrung gelangt, da die Berechnungen der Verteidiger ergaben, dass \u201eunser ganzer Vorrat an Pulver dazu schwerlich ausreichen w\u00fcrde\u201c. Es mutet wie ein Treppenwitz an, aber so wie im vorletzten Jahrhundert im Jahr 1863 die L\u00fcbecker Senatoren sich nur mit einer einzigen Stimme Mehrheit gegen den Abriss des Holstentors aussprachen, so scheiterte die Zerst\u00f6rung des romanischen Doms Heinrichs des L\u00f6wen und Wahrzeichen Ratzeburgs lediglich aus Mangel an Sprengstoff.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Hartwig Fischer Das Jahr 1693 spielt f\u00fcr die Stadt Ratzeburg eine verh\u00e4ngnisvolle Rolle, denn damals wurde fast die gesamte Stadt in einem massiven Bombardement durch die Truppen des K\u00f6nigs Christian V. von D\u00e4nemark dem Erdboden gleichgemacht. Am 29. 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