{"id":59888,"date":"2024-04-11T10:12:43","date_gmt":"2024-04-11T08:12:43","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=59888"},"modified":"2024-04-11T10:12:45","modified_gmt":"2024-04-11T08:12:45","slug":"wenn-die-oelkaefer-krabbeln-ist-der-fruehling-da","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2024\/04\/11\/wenn-die-oelkaefer-krabbeln-ist-der-fruehling-da\/","title":{"rendered":"Wenn die \u00d6lk\u00e4fer krabbeln, ist der Fr\u00fchling da!"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Herzogtum Lauenburg\/Neum\u00fcnster (pm).<\/strong> &nbsp;Den NABU Schleswig-Holstein erreichen in diesen Tagen immer wieder interessierte, manchmal auch besorgte Anrufe von Spazierg\u00e4ngerInnen, aber auch BetreuerInnen und LehrerInnen von Kitas oder Schulen wegen \u201eso auff\u00e4lliger, schwarz-blau-violetter, auf den Boden kriechender, wurmartiger Tiere&#8220;. Viele Naturfreunde erkennen erst auf den zweiten Blick ein Insekt, noch weniger wissen, um was es sich handelt \u2013 \u00d6lk\u00e4fer. Diese mehrere Zentimeter gro\u00dfen, etwas tr\u00e4ge wirkendenden Tiere sind fr\u00fch im Jahr in den ersten warmen Tagen in G\u00e4rten, an B\u00f6schungen, an Weg- und Grabenr\u00e4ndern oder in lichten Auw\u00e4ldern unterwegs. Die dunklen K\u00e4fer muten durch ihre Gr\u00f6\u00dfe zwar manchen Menschen etwas sonderbar an, eine aktive Gefahr geht von ihnen jedoch nicht aus. Einfach beobachten und ruhig weiterziehen lassen, nicht auf die Hand nehmen und beim Spazierengehen etwas achtgeben, damit die interessanten Tiere nicht aus Versehen zertreten werden. Denn es dauert zwei Jahre, bis aus einem Ei ein erwachsener \u00d6lk\u00e4fer geworden ist!<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders in den Monaten M\u00e4rz bis Mai \u2013 in diesem Jahr teilweise sogar schon ab Ende Februar \u2013 fallen NaturfreundInnen die \u00d6lk\u00e4fer auf. Sie k\u00f6nnen nicht fliegen, daher auch ihr volkst\u00fcmlicher Name \u201eMaiwurm&#8220;. Die K\u00e4fer ern\u00e4hren sich von B\u00e4rlauch, Scharbockskraut, Buschwindr\u00f6schen sowie vielen anderen Bl\u00fctenpflanzen. \u201eFast immer handelt es sich dabei entweder um den Violetten oder Veilchenfarbenen Meloe violaceus oder um den sehr \u00e4hnlich aussehenden Schwarzblauen \u00d6lk\u00e4fer Meloe proscarabeus&#8220; erkl\u00e4rt NABU-Umweltberater Carsten Pusch: \u201eDie Weibchen der beiden Arten besitzen einen bis zu f\u00fcnf Zentimeter langen, gedrungenen K\u00f6rperbau.&#8220; Besonders die Weibchen der \u00d6lk\u00e4fer schleppen im Fr\u00fchjahr riesige Mengen an Eiern mit sich herum. Der Hinterleib der K\u00e4fer ist dadurch derart aufgedunsen, dass die Deckfl\u00fcgel nur noch wie kleine Anh\u00e4ngsel wirken. Die M\u00e4nnchen kann man anhand ihrer deutlich geringeren Gr\u00f6\u00dfe sowie ihrer geknickten F\u00fchler gut von den Weibchen unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDiese enorme \u00dcberproduktion von Eiern \u2013 mehrere Tausend \u2013 ist bei den \u00d6lk\u00e4fern notwendig, da es aufgrund ihrer hoch spezialisierten Lebensweise nur wenige Larven dieser Insekten schaffen, sich zum erwachsenen K\u00e4fer zu entwickeln&#8220; so Pusch weiter. \u201eNur aus etwa jeder tausendsten Larve entwickelt sich am Ende ein \u00d6lk\u00e4fer.&#8220; Die Eier werden in kleinen H\u00e4ufchen in der Erde vergraben und verbleiben zun\u00e4chst fast ein Jahr lang im Boden. Im folgenden Jahr schl\u00fcpfen die Larven und klettern auf einen Bl\u00fctenst\u00e4ngel: \u201eDort warten die Larven in der Bl\u00fcte und heften sich schlie\u00dflich mit Hilfe besonderer Haft-Klauen und ihrer Kiefer ins Haarkleid oder an die Borsten von Insekten, die diese Bl\u00fcten besuchen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Larven der beiden bekannten \u00d6lk\u00e4ferarten entwickeln sich in den Nestern solit\u00e4r lebender, bodennistender Wildbienen, z.B. Seiden- und Erdbienen. Sie klammern sich auch an viele andere Bl\u00fcten besuchenden Insekten an, k\u00f6nnen sich aber nur in Wildbienennestern fortpflanzen. Hat die \u00d6lk\u00e4fer-Larve sich an einer Wildbiene festhalten k\u00f6nnen, wird sie von dieser ins Nest eingetragen, wo sie sich zuerst \u00fcber das Ei der Biene und anschlie\u00dfend \u00fcber die eingetragenen Vorr\u00e4te ihres so genannten Wirtes hermacht. Die Entwicklungszeit vom Ei bis zum fertigen K\u00e4fer dauert bei beiden Arten zwei Jahre, die Lebensdauer der erwachsenen Tiere betr\u00e4gt hingegen nur etwa einen Monat.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant ist auch die Entstehung des Namens \u201e\u00d6lk\u00e4fer&#8220;: \u201eDieser bezieht sich auf die F\u00e4higkeit der erwachsenen K\u00e4fer dieser Familie, giftige Abwehrstoffe zu produzieren. Bei Gefahr k\u00f6nnen sie eine gelbliche Fl\u00fcssigkeit aus Poren an ihren Beingelenken austreten lassen. Diese erinnert an \u00d6ltr\u00f6pfchen und gab den K\u00e4fern ihren Namen.&#8220; so Pusch. Der Hauptwirkstoff ist Cantharidin, dieses sch\u00fctzt die K\u00e4fer vor allem vor Ameisen und Laufk\u00e4fern. Andere Fressfeinde wie Igel oder V\u00f6gel sind gegen das Gift immun. F\u00fcr einige K\u00e4fer-, Wanzen- und Gnitzenarten ist Cantharidin sogar sehr attraktiv. Diese Insekten suchen gezielt tote oder lebende \u00d6lk\u00e4fer auf, fressen sie oder stechen sie an. Das aufgenommene giftige Cantharidin wird dann f\u00fcr die eigene Verteidigung eingesetzt. Gar nicht selten kann man die kleinen Gnitzen auf den K\u00e4fern sitzen sehen, die an den h\u00e4utigen Stellen des Hinterleibes K\u00f6rperfl\u00fcssigkeit der \u00d6lk\u00e4fer aufnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Menschen hatte das Cantharidin bestimmter Arten fr\u00fcher eine Bedeutung als Aphrodisiakum (sogenannte \u201eSpanische Fliege&#8220;) und wurde auch als Medikament zum Beispiel gegen Darmerkrankungen genutzt. Allerdings sind schon geringere Mengen f\u00fcr den Menschen hochgiftig. Als Reiz- und Nervengift kann es zur Blasenbildung auf Haut und Schleimh\u00e4uten kommen. Zu Panik oder \u00fcbertriebener Angst vor den K\u00e4fern besteht allerdings kein Anlass. Vorsicht kann aber wie immer nicht schaden, wer sie einfach beobachtet und nicht anfasst, braucht sich keine Sorgen zu machen: \u201eWie immer sollte man unsere Wildtiere, dazu z\u00e4hlen nat\u00fcrlich auch unsere Insekten und andere Wirbellose, einfach in Ruhe und ihrer Wege ziehen lassen&#8220; appelliert der Umweltberater und hat noch einen Tipp: \u201eMan darf sich einfach an der Vielfalt unserer Tier- und Pflanzenwelt erfreuen.&#8220;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"667\" src=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/2_Oelkaefer_Meloe_violoaceus_MaennchenWeibchen_c_NABU_CarstenPusch_niedrigeAufl.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-59889\" style=\"width:619px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/2_Oelkaefer_Meloe_violoaceus_MaennchenWeibchen_c_NABU_CarstenPusch_niedrigeAufl.jpg 1000w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/2_Oelkaefer_Meloe_violoaceus_MaennchenWeibchen_c_NABU_CarstenPusch_niedrigeAufl-300x200.jpg 300w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/2_Oelkaefer_Meloe_violoaceus_MaennchenWeibchen_c_NABU_CarstenPusch_niedrigeAufl-768x512.jpg 768w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/2_Oelkaefer_Meloe_violoaceus_MaennchenWeibchen_c_NABU_CarstenPusch_niedrigeAufl-750x500.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ein P\u00e4rchen des Violetten \u00d6lk\u00e4fers: Das kleinere M\u00e4nnchen auf dem viel gr\u00f6\u00dferen Weibchen auf einem Feldstein. Foto: NABU, Carsten Pusch, hfr <\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die so genannten \u201eMaiw\u00fcrmer&#8220; leben in ganz Europa und Zentralasien. Der Schwarzblaue \u00d6lk\u00e4fer kommt in vielen verschiedenen Lebensr\u00e4umen vor, von Deichen an der K\u00fcste \u00fcber trockene Wiesen, Heiden und Waldr\u00e4nder bis hin zu G\u00e4rten. Der Violette \u00d6lk\u00e4fer besiedelt vor allem eher feuchte W\u00e4lder, Grabenr\u00e4nder und \u00e4hnliche Lebensr\u00e4ume. Entscheidend ist aber vor allem das Vorkommen geeigneter Wirte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzogtum Lauenburg\/Neum\u00fcnster (pm). &nbsp;Den NABU Schleswig-Holstein erreichen in diesen Tagen immer wieder interessierte, manchmal auch besorgte Anrufe von Spazierg\u00e4ngerInnen, aber auch BetreuerInnen und LehrerInnen von Kitas oder Schulen wegen \u201eso auff\u00e4lliger, schwarz-blau-violetter, auf den Boden kriechender, wurmartiger Tiere&#8220;. 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