{"id":58529,"date":"2024-03-03T06:27:00","date_gmt":"2024-03-03T04:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=58529"},"modified":"2024-02-27T11:29:57","modified_gmt":"2024-02-27T09:29:57","slug":"schleswig-holstein-bestand-an-sozialwohnungen-muss-bis-2030-um-ueber-16-900-steigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2024\/03\/03\/schleswig-holstein-bestand-an-sozialwohnungen-muss-bis-2030-um-ueber-16-900-steigen\/","title":{"rendered":"Schleswig-Holstein: Bestand an Sozialwohnungen muss bis 2030 um \u00fcber 16.900 steigen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Herzogtum Lauenburg (pm). <\/strong>Der Staat l\u00e4sst sich die Unterst\u00fctzung f\u00fcrs Wohnen im Herzogtum einiges kosten. Er zahlt bei den Mieten kr\u00e4ftig mit: Rund 5.600 Haushalte mit insgesamt 10.800 Menschen im Herzogtum Lauenburg unterst\u00fctzte der Staat im letzten Herbst bei den Kosten der Unterkunft (KdU). Dabei geht es um Mietzahlungen vom Job-Center f\u00fcr B\u00fcrgergeld-Empf\u00e4nger: Allein f\u00fcr die Kaltmiete zahlte der Staat im letzten Oktober bei den Kosten der Unterkunft im Kreis Herzogtum Lauenburg mehr als 2,5 Millionen Euro an die Vermieter.<\/p>\n\n\n\n<p>Das geht aus der aktuellen Statistik der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit hervor, auf die die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) jetzt verweist. \u201eDazu kommt Monat f\u00fcr Monat noch einmal eine stattliche Summe f\u00fcrs Wohngeld. Ebenso \u00fcbernimmt der Staat \u00fcber die Job-Center-Zahlungen hinaus die Kosten der Unterkunft f\u00fcr viele weitere Menschen, die darauf angewiesen sind: \u00c4ltere mit knapper Rente zum Beispiel\u201c, so die IG BAU Hamburg.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterm Strich gebe der Staat damit im Herzogtum viel Geld f\u00fcr Miete aus, um Menschen das Wohnen \u00fcberhaupt erm\u00f6glichen zu k\u00f6nnen. \u201eUnd das, obwohl das Herzogtum nicht gerade zu den wirklich angespannten Wohnungsm\u00e4rkten z\u00e4hlt. Immerhin liegen die gezahlten Mieten bei den Kosten der Unterkunft hier im bundesweiten Vergleich in der unteren H\u00e4lfte des Spektrums, in dem der Staat sonst KdU-Mieten bezahlt\u201c, so die Gewerkschaft. Dies gehe aus einer Auswertung von Daten der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit hervor, die das Pestel-Institut (Hannover) im Auftrag der IG BAU gemacht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUm es klar zu sagen: Es ist richtig und wichtig, dass der Staat Wohngeld zahlt und dass er die Kosten der Unterkunft \u00fcbernimmt. Noch besser sind aber Sozialwohnungen. Sie machen den Staat unabh\u00e4ngig von jeder Miet-Preistreiberei auf dem Wohnungsmarkt. Auf Dauer sind sie also die g\u00fcnstigere L\u00f6sung f\u00fcr die Staatskasse. Au\u00dferdem sind Sozialwohnungen die beste Mietpreis-Bremse f\u00fcr den Wohnungsmarkt\u201c, sagt Achim Bartels von der IG BAU Hamburg.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein wichtiger Punkt, der auch f\u00fcr mehr Sozialwohnungen im Herzogtum spreche, sei die Verteilungsfrage: \u201eDer Staat k\u00f6nnte dann n\u00e4mlich vor allem auch Menschen leichter mit einer Wohnung versorgen, die es auf dem Wohnungsmarkt immer schwer haben: Haushalte mit geringem Einkommen, Alleinerziehende, Schwangere, Familien mit \u2013 vor allem mehreren \u2013 Kindern. Insbesondere aber auch Behinderte, psychisch Kranke, Wohnungslose und Vorbestrafte. Sie alle h\u00e4tten dann endlich bessere Chancen, wieder leichter auf dem Wohnungsmarkt im Herzogtum Fu\u00df zu fassen\u201c, sagt IG BAU-Bezirksvorsitzender Achim Bartels.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gewerkschaft geht noch einen Schritt weiter: Die IG BAU wirft dem Staat ein \u201eMissmanagement bei der Unterst\u00fctzung f\u00fcrs Wohnen\u201c vor. Bund und L\u00e4nder h\u00e4tten den sozialen Wohnungsbau seit Jahrzehnten \u201emassiv vernachl\u00e4ssigt\u201c. Das sei auch in Schleswig-Holstein deutlich zu sp\u00fcren. \u201eDadurch haben wir jetzt landesweit einen dramatischen Mangel an sozialem Wohnraum: Allein in Schleswig-Holstein muss der heutige Bestand an Sozialwohnungen bis 2030 um mehr als 16.900 steigen. Bundesweit werden dann \u00fcber 910.000 Sozialwohnungen mehr gebraucht\u201c, so Achim Bartels.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vorsitzende des IG BAU-Bezirksverbands Hamburg beruft sich dabei auf eine aktuelle Studie, die das Pestel-Institut (Hannover) f\u00fcr das B\u00fcndnis \u201eSoziales Wohnen\u201c gemacht hat. Die IG BAU engagiert sich in dem B\u00fcndnis f\u00fcr mehr sozialen Wohnungsbau. Weitere Partner sind der Deutsche Mieterbund (DMB), die Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie (CBP) sowie zwei Verb\u00e4nde der Bauwirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJetzt steckt der Staat in einer Sackgasse: Er kann den Menschen, die dringend eine Unterst\u00fctzung beim Wohnen brauchen, keine Sozialwohnungen anbieten. Also m\u00fcssen die Job-Center die Mieten auf dem freien Markt akzeptieren. Und die sind in den letzten Jahren in vielen Orten durch die Decke gegangen\u201c, sagt Achim Bartels.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegensteuern k\u00f6nne der Staat nur, wenn er jetzt anfange, \u201ein die Schaffung von deutlich mehr Sozialwohnungen zu investieren\u201c. Der Bezirksvorsitzende appelliert daher an die Bundes- und Landtagsabgeordneten im Herzogtum, sich f\u00fcr die Schaffung von Sozialwohnungen stark zu machen \u2013 bundesweit, vor allem aber auch in Schleswig-Holstein: \u201eDenn jede einmalige F\u00f6rderung, durch die eine neue Sozialwohnung entsteht, erspart dem Staat erhebliche Summen, die er sonst auf Dauer f\u00fcr die Unterst\u00fctzung bei der Miete ausgeben m\u00fcsste. Das ist eine einfache Rechnung, die vor allem der Bund, aber auch das Land Schleswig-Holstein sp\u00e4testens dann beherrschen m\u00fcssen, wenn die Sozialausgaben durch die Decke gehen: n\u00e4mlich jetzt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb unterst\u00fctzt die IG BAU Hamburg die Forderung vom B\u00fcndnis \u201eSoziales Wohnen\u201c nach einem bundesweiten \u201eSofort-Budget Sozialwohnungsbau\u201c von 50 Milliarden Euro. \u201eBund und L\u00e4nder m\u00fcssen jetzt Geld f\u00fcr den Neubau von Sozialwohnungen bereitstellen. Das gilt auch f\u00fcr Schleswig-Holstein. Nur so kann die Bundesregierung es noch schaffen, ihr Versprechen nicht komplett zu brechen: N\u00e4mlich 100.000 neu gebaute Sozialwohnungen pro Jahr, die es geben soll. Und die dringend gebraucht werden\u201c, so Achim Bartels. Der \u201eBooster f\u00fcr die F\u00f6rderung des sozialen Wohnungsbaus\u201c m\u00fcsse rasch erfolgen. Denn der Mangel an Sozialwohnungen sei \u201eein Akut- und kein \u00dcbermorgenproblem\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem sollen f\u00fcr den Neubau von Sozialwohnungen k\u00fcnftig nur 7 statt \u2013 wie bisher \u2013 19 Prozent Mehrwertsteuer f\u00e4llig werden, fordert die IG BAU. \u201eDas gibt dem Neubau von Sozialwohnungen einen Schub. Und das macht die Mieten g\u00fcnstiger\u201c, sagt der Bezirksvorsitzende der IG BAU Hamburg.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus fordert die IG BAU eine \u201eSozial-Quote\u201c bei der Vergabe von Sozialwohnungen: \u201eEin 10-Prozent-Kontingent f\u00fcr benachteiligte Menschen \u2013 insbesondere auch f\u00fcr Menschen mit Behinderung\u201c, so Achim Bartels. Die IG BAU hat weitere Informationen zu einem Sonderverm\u00f6gen von 50 Milliarden Euro f\u00fcr den sozialen Wohnungsbau ins Internet gestellt. Die Forderung dazu kann online auch unterst\u00fctzt werden: https:\/\/deine.igbau.de\/wohnungsbau&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzogtum Lauenburg (pm). Der Staat l\u00e4sst sich die Unterst\u00fctzung f\u00fcrs Wohnen im Herzogtum einiges kosten. Er zahlt bei den Mieten kr\u00e4ftig mit: Rund 5.600 Haushalte mit insgesamt 10.800 Menschen im Herzogtum Lauenburg unterst\u00fctzte der Staat im letzten Herbst bei den Kosten der Unterkunft (KdU). 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