{"id":5653,"date":"2018-07-18T09:12:26","date_gmt":"2018-07-18T07:12:26","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=5653"},"modified":"2018-07-18T09:12:41","modified_gmt":"2018-07-18T07:12:41","slug":"auferstehungskapelle-in-schwarzenbek-verkauft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2018\/07\/18\/auferstehungskapelle-in-schwarzenbek-verkauft\/","title":{"rendered":"Auferstehungskapelle in Schwarzenbek verkauft"},"content":{"rendered":"<p><strong>Schwarzenbek (pm).<\/strong> Sie ist eine Friedhofskapelle, die man wohlwollend wahrscheinlich \u201efunktional\u201c nennt. Die Auferstehungskapelle in Schwarzenbek steht umringt von Rhododendronb\u00fcschen mitten auf dem neuen Friedhof. Der zweckm\u00e4\u00dfig eingerichtete Innenraum wird von der Gemeinde haupts\u00e4chlich f\u00fcr Trauerfeiern genutzt. Das geht irgendwie, aber sch\u00f6n ist anders.<\/p>\n<p>Das wird sich bald \u00e4ndern, denn Axel M\u00f6ller hat hier viel vor. Der 47j\u00e4hrige Bestatter hat die Kapelle von der Gemeinde angeboten bekommen und gekauft. Nun will er den Zweckbau aus den 60er Jahren in eine warmherzige, moderne Begr\u00e4bniskapelle umgestalten. \u201eTrauerfeiern sollten in einem m\u00f6glichst sch\u00f6nen, w\u00fcrdigen Rahmen stattfinden\u201c, findet er und erz\u00e4hlt mit leuchtenden Augen von seinen Umbaupl\u00e4nen.<\/p>\n<p>Klar, es wird eine energetische Sanierung gemacht, denn die sehr dunkle Einfachverglasung l\u00e4sst den Raum derzeit im Sommer dunstig und im Winter kalt werden. Und die Toiletten m\u00fcssen erneuert werden; da sei noch eine Kette zum Abziehen, nostalgisch, aber eben nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Der Brandschutz ist nicht auf dem Stand der Zeit, die K\u00fchlung f\u00fcr die Verstorbenen ist komplett veraltet, und das Wasser aus den Regenrinnen l\u00e4uft \u00fcberall hin\u2026. das wird alles mitgemacht. Und nat\u00fcrlich werden die neuen R\u00e4ume nach dem Umbau behindertengerecht sein. \u201eEs gibt einen sehr gro\u00dfen Sanierungsstau und hohen Investitionsbedarf\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>Das wei\u00df auch die Kirchengemeinde Schwarzenbek, der bisherige Eigent\u00fcmer der Auferstehungskapelle. Sie ist f\u00fcr den Erhalt von zwei gro\u00dfen, kirchlichen Zentren verantwortlich und hat dort in den letzten Jahren kr\u00e4ftig investiert, da ist die kleine Kapelle auf dem Friedhof ein wenig zu kurz gekommen. \u201eDas Zentrums unseres Gemeindelebens sind die Kirche St. Franziskus mitten in Schwarzenbek und das gerade frisch sanierte Familienzentrum St. Elisabeth in Nordost\u201c, berichtet Pastor Andreas Sch\u00f6er, \u201eAn diesen beiden Orte ist sieben Tage die Woche etwas los. Dort wollen wir unsere Kr\u00e4fte konzentrieren.\u201c In der Friedhofskapelle wird au\u00dfer zu Beerdigungsfeiern nur noch an zwei Tagen im Jahr Gottesdienste gefeiert.<\/p>\n<p>Bernd M\u00fcnchow beh\u00e4lt als Stellvertretender Vorsitzender des Kirchengemeinderates in der Gemeinde die Kosten im Auge. \u201eWir haben eine Sanierung der Auferstehungskapelle sch\u00e4tzen lassen, die Kosten belaufen sich auf mindestens 70.000 Euro, nur um den baulichen Status quo beizubehalten\u201c, sagt er. \u201eSchon dieses Geld haben wir nicht.\u201c Und der Erhalt des Status quo w\u00e4re aus seiner Sicht auch zu kurz gesprungen, denn auch an der Atmosph\u00e4re des Raumes hapert es. Die Orgel scheppert. Die B\u00e4nke sind hart und fest verschraubt. Die Beleuchtung ist sehr rustikal. \u201eWir haben in den Ausbau der beiden anderen Standorte viel Geld gesteckt, und auch hier h\u00e4tten wir sehr viel Geld ausgeben m\u00fcssen, damit es ein Ort wird, an dem man sich gern aufh\u00e4lt\u201c, sagt er. Das k\u00f6nne man finanziell bei sinkenden Einnahmen der Kirchensteuern nicht verantworten. \u201eWir sind zwar eine gro\u00dfe Gemeinschaft von 6100 Gemeindegliedern, aber diese Sanierung h\u00e4tte uns finanziell \u00fcberfordert.\u201c<\/p>\n<p>Der Kirchengemeinderat habe alle Optionen sorgf\u00e4ltig gepr\u00fcft, denn der Verkauf einer Kirche oder Kapelle will gut \u00fcberlegt sein. Die Kapelle kommt in gute H\u00e4nde: \u201eDer Verkauf unserer Kapelle an ein altehrw\u00fcrdiges, lokal gut vernetztes Beerdigungsunternehmen ist eine Win-win-Situation f\u00fcr alle\u201c, sagt Pastor Sch\u00f6er. Die Gemeinde k\u00f6nne hier weiterhin Gottesdienste feiern, der Raum steht nun f\u00fcr Trauerfeiern auch Angeh\u00f6rigen anderer Konfessionen und Konfessionslosen offen. Durch den Verkauf hat die Gemeinde nun sogar Einnahmen, denn der Grund und Boden geh\u00f6rt weiterhin der Kirche, der neue Besitzer zahlt eine j\u00e4hrliche Pacht an die Kirchengemeinde.<\/p>\n<p>\u201eDer Unterhalt einer Friedhofskapelle f\u00e4llt nicht einfach so mit ab\u201c, sagt Bernd M\u00fcnchow. Die Bestattungskultur hat sich ver\u00e4ndert. \u201eDie Sargbestattungen gehen immer mehr zur\u00fcck, wir haben heute zweidrittel Urnengr\u00e4ber. Und die Konkurrenz durch Friedw\u00e4lder lassen unsere Einnahmen einbrechen. Der Friedhof ist f\u00fcr uns derzeit ein Zuschussgesch\u00e4ft.\u201c Ohne gro\u00dfe Investitionen, da ist er sich sicher, wird die Zahl der Beerdigungen hier noch mehr zur\u00fcckgehen.<\/p>\n<p>Das soll sich \u00e4ndern, denn der neue K\u00e4ufer hat viele Pl\u00e4ne, die die kleine Kapelle ganz gro\u00df rauskommen lassen werden. M\u00f6ller will eine sechsstellige Summe investieren und die 500 Quadratmeter Nutzfl\u00e4che nicht nur sanieren, sondern auch neu gestalten. \u201eIm Eingangsbereich wird es zuk\u00fcnftig statt eines kleinen Windfanges ein gro\u00dfz\u00fcgiges Foyer geben, wo sich Trauerg\u00e4ste versammeln k\u00f6nnen, bevor es in die Kapelle geht\u201c, plant M\u00f6ller. Die Kapelle selbst soll flexibel bestuhlt werden, damit man viele verschiedene Formen des Abschieds gestalten kann. Eine moderne Musikanlage wird installiert, eine gute Beleuchtung konstruiert. Der zweite kleine Abschiedsraum wird vergr\u00f6\u00dfert, so dass hier zuk\u00fcnftig auch ein Raum f\u00fcr Abschiedsfeiern im engsten Familienkreis zur Verf\u00fcgung steht. Und wer wei\u00df, vielleicht sind in diesen R\u00e4umen dann auch kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen oder Konzerte m\u00f6glich?<\/p>\n<p>So erlebt man in Schwarzenbek den seltenen Fall, dass der Verkauf einer Kapelle alle gl\u00fccklich macht. \u201eBesser konnte es nicht gehen\u201c, schreibt Pr\u00f6pstin Frauke Eiben an die Gemeinde. \u201eMit der Kirchengemeinde Schwarzenbek freue ich mich, dass &#8211; nach einem einvernehmlichen Verhandlungsweg &#8211; die Sorge um die Auferstehungskapelle nicht mehr in der Verantwortung der Kirchengemeinde liegt.\u201c<\/p>\n<p>Aufgrund zur\u00fcckgehender Gemeindegliederzahlen und sich wandelnder Bedarfe der Menschen sind Ver\u00e4nderungen bei den kirchlichen Immobilien angezeigt. Im Dezember 2017 hat die Kirchenkreissynode daher ein Geb\u00e4udekonzept beschlossen. Alle 57 Gemeinden im Kirchenkreis L\u00fcbeck-Lauenburg sollen bis zum 31. Mai 2020 dar\u00fcber nachdenken, welche Liegenschaften f\u00fcr die Zukunft n\u00f6tig, sinnvoll und finanzierbar bleiben. \u201eDie Auferstehungskapelle ist im Rahmen des Geb\u00e4udeprozesses unseres Kirchenkreises die erste Liegenschaft, die nach gr\u00fcndlicher Pr\u00fcfung verkauft wird\u201c, gratuliert die Pr\u00f6pstin.<\/p>\n<p>Axel M\u00f6ller will jetzt z\u00fcgig einen Bauantrag stellen und ausschreiben. Die geplante Bauzeit betr\u00e4gt neun Monate. \u201eWenn alles klappt, fangen wir hier im Fr\u00fchjahr 2019 mit dem Umbau an.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwarzenbek (pm). Sie ist eine Friedhofskapelle, die man wohlwollend wahrscheinlich \u201efunktional\u201c nennt. 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