{"id":5324,"date":"2014-11-06T09:34:56","date_gmt":"2014-11-06T07:34:56","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=5324"},"modified":"2018-07-06T09:39:57","modified_gmt":"2018-07-06T07:39:57","slug":"25-jahre-grenzenlos-weltgeschichte-vor-der-haustuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2014\/11\/06\/25-jahre-grenzenlos-weltgeschichte-vor-der-haustuer\/","title":{"rendered":"25 Jahre grenzenlos \u2013 Weltgeschichte vor der Haust\u00fcr"},"content":{"rendered":"<p class=\"rtejustify\"><strong>Ratzeburg (pm\/aa). <\/strong>Heike und Hartwig Fischer aus Ratzeburg ver\u00f6ffentlichten j\u00fcngst ihr Buch \u201e25 Jahre grenzenlos \u2013 Weltgeschichte vor der Haust\u00fcr\u201c. Die Buchpr\u00e4sentation f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit erfolgt am Sonnabend, 8. November, um 10 Uhr im \u201eGrenzhus-Museum\u201c im mecklenburgischen Schlagsdorf. Im Anschluss an die Buchvorstellung erfolgt eine Diskussionsrunde mit Zeitzeugen der Grenz\u00f6ffnung.<\/p>\n<p class=\"rtejustify\">25 Jahre nach dem \u00fcberraschenden Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 und der \u00d6ffnung der innerdeutschen Grenze sind von den einst t\u00f6dlichen Grenzsperranlagen der DDR mit den Metallgitterz\u00e4unen, Panzersperren, Wacht\u00fcrmen und Kolonnenwegen nur noch wenige Relikte erhalten. In der Euphorie der Grenz\u00f6ffnung und der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 sind fast alle Elemente der Grenzanlagen abgebaut worden, so dass nur noch Zeitzeugen Auskunft \u00fcber Details der Grenze geben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"rtejustify\">&#8222;Wir sa\u00dfen am Abend des 9. November 1989 atemlos vor dem Fernseher. Es war sehr beeindruckend und wahrscheinlich der sch\u00f6nste Fehler, den ein Politiker je gemacht hat&#8220;, erkl\u00e4rt Hartwig Fischer bez\u00fcglich des Versehens des damaligen SED-Poltikers G\u00fcnter Schabowski, der die &#8222;unverz\u00fcgliche&#8220; \u00d6ffnung der Grenzen in die Mikrofone der Journalisten stammelte. Danach gab es f\u00fcr die B\u00fcrger der DDR kein Halten mehr und auch die Menschen im Herzogtum Lauenburg str\u00f6mten zu den Grenz\u00fcberg\u00e4ngen, um die lang vermissten Nachbarn aus dem Mecklenburgischen zu begr\u00fc\u00dfen. Lokalredakteurin Heike Fischer war mit ihrer Kamera stets dabei und hielt die Bilder fest, die noch heute zutiefst bewegend sind. In dem Buch, dessen erste Auflage auf 500 Exemplare limitiert ist, kann jeder ein St\u00fcck ihres Fotoarchivs mit nach Hause nehmen.<\/p>\n<p class=\"rtejustify\">Unter der Thematik \u201eGegen das Vergessen\u201c zeigt die Fotodokumentation an zahlreichen Beispielen, wie die DDR-Grenzsperranlagen zwischen dem Landkreis Nordwestmecklenburg und dem Kreis Herzogtum Lauenburg ausgesehen haben. Die Autoren schildern ferner anhand von zahlreichen Bildern, mit welcher unbeschreiblichen Begeisterung die Bev\u00f6lkerung im Lauenburgischen und Mecklenburgischen die \u00d6ffnung der Grenzen in Mustin\/Ratzeburg &#8211; Roggendorf, Wietingsbek &#8211; Schlagbr\u00fcgge\/Schlagsdorf, Marienstedt &#8211; Zarrentin, Sophiental &#8211; Zarrentin, Rosenhagen &#8211; Dutzow sowie in Rothenhusen &#8211; Utecht begr\u00fc\u00dft hat. Kein Zeitzeuge der Grenz\u00f6ffnungen wird je in seinem Leben diese Ereignisse vergessen, als sich Weltgeschichte unmittelbar vor der Haust\u00fcr abspielte.<\/p>\n<p class=\"rtejustify\">Die Fotodokumentation belegt exemplarisch, wie H\u00e4user und Geh\u00f6fte in unmittelbarer N\u00e4he der innerdeutschen Grenze durch die DDR-Beh\u00f6rden dem Erdboden gleich gemacht oder Sichtsperren in Form von Z\u00e4unen und Mauern wie in Dutzow errichtet wurden, um einen Kontakt der B\u00fcrger zwischen Ost und West zu unterbinden. Gleichzeitig wird auf die Zwangsaussiedlungen von systemkritischen DDR-B\u00fcrgern aus der 5-Kilometer-Sperrzone eingegangen. Bei diesen Aktionen unter den Namen \u201eUngeziefer\u201c und \u201eKornblume\u201c wurde den betroffenen B\u00fcrgern unendliches Leid zugef\u00fcgt, denn sie wurden ohne irgendeine Vorank\u00fcndigung innerhalb von wenigen Stunden in das Innere der DDR zwangsumgesiedelt und dort von der Staatssicherheit mit dem Stigma der politischen Unzuverl\u00e4ssigkeit belegt. Viele dieser Familien leiden noch heute unter diesem Trauma, denn vielfach ist ihnen die Sozialisation in ihre neue Gemeinschaft nicht gelungen.<\/p>\n<p class=\"rtejustify\">Unter der Thematik \u201eDamals \u2013 Heute\u201c verdeutlichen die Autoren mit vergleichenden Bildern, wie markante Grenzpunkte zwischen dem Lauenburgischen und Mecklenburgischen vor 25 Jahren ausgesehen haben und wie stark sich die Landschaft bis heute ver\u00e4ndert hat. &#8222;Sie finden heute manche Stellen teilweise gar nicht wieder&#8220;, beschreibt Heike Fischer die Schwierigkeit Anno 2014 die gleiche Fotoperspektive eines Bildes von 1989 wiederzuentdecken.<\/p>\n<p class=\"rtejustify\">Der historische Hintergrund zur Teilung Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg bis zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 ist in verschiedenen Kapiteln zur Erl\u00e4uterung der Ereignisse in die Bilddokumentation eingebettet. Der Leser erh\u00e4lt wichtige Informationen zum Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953 und zu Ulbrichts ber\u00fchmten Satz \u201eNiemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten\u201c. Die Autoren erl\u00e4utern den Schie\u00dfbefehl f\u00fcr die DDR-Grenzsoldaten und schildern unter der \u00dcberschrift \u201eSchabowskis Zettel\u201c wichtige Hintergr\u00fcnde zur legend\u00e4ren Pressekonferenz des SED-Politb\u00fcromitglieds Schabowski am 9. November 1989 und zur historischen abendlichen Tagesschau-Sendung des Moderators H.-J. Friedrichs. Ferner gehen die Verfasser auf den 9. November als \u201eSchicksalstag der Deutschen Geschichte\u201c ein und erkl\u00e4ren, warum nicht dieser Tag, sondern der 3. Oktober als Nationalfeiertag gew\u00e4hlt wurde. Die wichtige Rolle des sowjetischen KP-Chefs Michail Gorbatschow mit seiner Politik von \u201eGlasnost\u201c und \u201ePerestroika\u201c wird ebenso dargestellt wie der Mut vieler DDR-B\u00fcrger, sich mit dem Ruf \u201eWir sind das Volk\u201c gegen das diktatorische SED-System aufzulehnen. Ein weiteres Kapitel zeigt auf, wie stark der Wunsch nach der Einhaltung von Grundrechten wie Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit und Reisefreiheit in der Bev\u00f6lkerung verankert ist. Die Verfasser verdeutlichen, dass ein politisches System, in dem die Gewaltenteilung nicht praktiziert wird und in dem Andersdenkende politisch kriminalisiert werden, die Identifikation mit dem vorherrschenden Wertesystem in der Bev\u00f6lkerung verliert und zum Scheitern verurteilt ist.<\/p>\n<p class=\"rtejustify\">Die Autoren m\u00f6chten mit ihrer Fotodokumentation einen Beitrag zur deutschen Zeitgeschichte insbesondere f\u00fcr die Region vom Kreis Herzogtum Lauenburg und Nordwestmecklenburg leisten und \u2013 nicht nur f\u00fcr die j\u00fcngere Generation, die die monstr\u00f6sen Grenzanlagen nicht aus eigener Anschauung kennt &#8211; einen tiefen Einblick in authentisches Geschichtswissen vermitteln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ratzeburg (pm\/aa). 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