{"id":5315,"date":"2018-07-06T09:23:11","date_gmt":"2018-07-06T07:23:11","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=5315"},"modified":"2018-07-06T09:23:11","modified_gmt":"2018-07-06T07:23:11","slug":"luebeck-summer-academy-2018-neue-chancen-durch-kuenstliche-intelligenz-gefahren-durch-buerokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2018\/07\/06\/luebeck-summer-academy-2018-neue-chancen-durch-kuenstliche-intelligenz-gefahren-durch-buerokratie\/","title":{"rendered":"L\u00fcbeck Summer Academy 2018: Neue Chancen durch K\u00fcnstliche Intelligenz \u2013 Gefahren durch B\u00fcrokratie"},"content":{"rendered":"<p><strong>L\u00fcbeck (pm).<\/strong> Wie l\u00e4sst sich die K\u00fcnstliche Intelligenz (KI) in der Medizintechnik zum Wohle der Menschheit einsetzen? Was ist schon m\u00f6glich und wo gibt es noch Grenzen und Vorbehalte? Rund 250 Teilnehmer diskutierten aktuelle Themen und Technologien der Branche auf der siebten L\u00fcbeck Summer Academy on Medical Technology (LSA) in den L\u00fcbecker media docks. Eingeladen hatte die Industrie- und Handelskammer zu L\u00fcbeck (IHK) gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft. Tagungspr\u00e4sidentin war erneut die L\u00fcbecker Rechtsanw\u00e4ltin Professorin Dr. Heike Wachenhausen. Medizinproduktehersteller aus Schleswig-Holstein, dem Bundesgebiet und Europa informierten sich vor Ort bei f\u00fcnfzehn Ausstellern und 20 Vortr\u00e4gen \u00fcber technische Entwicklungen und Einsatzm\u00f6glichkeiten der KI. So k\u00f6nnen Mediziner in der Mikrofluidik, die sich mit dem Verhalten von Fl\u00fcssigkeiten auf kleinstem Raum besch\u00e4ftigt, Krankheiten wie Leuk\u00e4mie dank der KI fr\u00fchzeitig erkennen. Auf der Branchenveranstaltung ging es aber auch um neue EU-Verordnungen und den rechtlichen Rahmen f\u00fcr Medizinprodukte, der die Hersteller vor enorme Herausforderungen stellt.<\/p>\n<p>In der ersten Keynote zeigte Dr. Wolfgang Hildesheim, Head of Watson &amp; Artifical Intelligence bei dem Softwarehersteller IBM, die Potenziale und Einsatzm\u00f6glichkeiten der K\u00fcnstlichen Intelligenz auf. Dabei stellte er die semantische IBM-Suchmaschine \u201eWatson\u201c vor, die bereits in der Quizsendung \u201eJeopardy!\u201c selbstlernende Algorithmen demonstrierte. Seit Juni 2018 unterst\u00fctzt das KI-System in Form des Roboters \u201eCimon\u201c den Astronauten Alexander Gerst auf der Raumstation ISS.<\/p>\n<p>Hildesheim bezeichnete die K\u00fcnstliche Intelligenz als einen Megatrend mit riesigen Chancen: \u201eProdukte und Dienstleistungen werden intelligenter und die Art und Weise des Zusammenarbeitens wird sich massiv \u00e4ndern \u2013 \u00e4hnlich wie bei der Einf\u00fchrung des Internets\u201c. Bislang k\u00f6nne die KI einfache intellektuelle T\u00e4tigkeiten wie Bild- und Objekterkennung \u00fcbernehmen. In der Zukunft sollen KI-Anwendungen schneller und einfacher werden. Hildesheim sprach dabei von der Demokratisierung der KI: \u201eDie F\u00e4higkeiten Sprechen und H\u00f6ren, Lesen und Schreiben sowie das Sehen und Erkennen werden zu Smart Assistants kombiniert. Diese k\u00f6nnen dann in vielen Bereichen zum Einsatz kommen \u2013 etwa beim autonomen Fahren, bei komplizierten Medizinprodukten oder bei der Verwaltung von Krankenh\u00e4usern\u201c.<\/p>\n<p>Dr. Holger Hennig, Senior Managing Consultant bei IBM, erkl\u00e4rte wie Deep Learning in der Medizintechnik hilft, durch Algorithmen komplexe Muster im K\u00f6rper zu unterscheiden und etwa Krebszellen zu diagnostizieren. Auch Patienten in Schleswig-Holstein k\u00f6nnen wohl bald von KI-Technologien profitieren. Etwa durch den Sprachavatar \u201eHospital Genius\u201c, den IBM zusammen mit dem Universit\u00e4tsklinikum Schleswig-Holstein entwickelt hat.<\/p>\n<p>Nach der zweiten Keynote von Christopher Coenen, Institut f\u00fcr Technikfolgenabsch\u00e4tzung und Systemanalyse (ITAS) beim Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie (KIT), der sich mit der Medizintechnik in der Politik und Gesellschaft sowie mit ethischen Fragen auseinandersetzte, diskutierten die Teilnehmer in drei parallelen Workshops aktuelle Entwicklungen zu den Themen Regulatory Affairs, Mikrofluidik sowie K\u00fcnstliche Intelligenz und Deep Learning.<\/p>\n<p>Vor allem bei der Zulassung von Medizinprodukten bestand gro\u00dfer Gespr\u00e4chsbedarf zu der ab 2020 greifenden Medical Device Regulation (MDR). \u201eDie MDR dient der Harmonisierung von Vorschriften f\u00fcr Medizinprodukte und bildet eine gemeinsame Plattform f\u00fcr das Inverkehrbringen von Medizinprodukten. Sie definiert Anforderungen an die Herstellung, Pr\u00fcfung und Entwicklung, um den freien Warenverkehr in Europa zu gew\u00e4hrleisten\u201c, sagte Klaus-Dieter Ziel von der Hamburger Medcert GmbH. Die neue Regelung l\u00e4sst bislang viele wichtige Fragen f\u00fcr die Hersteller offen. Viel mehr Hersteller als bisher brauchen laut Ziel k\u00fcnftig eine benannte Stelle und k\u00f6nnen sich nicht mehr selbst zertifizieren. Erhebliche \u00c4nderungen gebe es in dem Bereich der technischen Dokumentation \u2013 vor allem bei der klinischen Bewertung und den klinischen Daten m\u00fcssten die Unternehmen k\u00fcnftig mehr leisten.<\/p>\n<p>Laut der zu Beginn des Jahres 2018 ver\u00f6ffentlichten Studie \u201eDer \u00f6konomische Fu\u00dfabdruck des Clusters Life Science Nord\u201c besch\u00e4ftigt die Medizintechnik (inklusive Gro\u00dfhandel) in Hamburg und Schleswig-Holstein mehr als 15.000 Erwerbst\u00e4tige. Das bittere Fazit der Experten lautet, dass von der Bruttowertsch\u00f6pfung aufgrund der Umstellung auf die MDR in den kommenden Jahren etwa ein Viertel verloren gehen wird. Entweder weil f\u00fcr die Medizinproduktehersteller der Verwaltungs- und Dokumentationsaufwand zu hoch wird oder weil die Hersteller schlicht keine Benannte Stelle finden werden, die sie dazu zertifiziert, ihre Produkte mit der besonderen CE-Markierung f\u00fcr Medizinprodukte zu kennzeichnen. Zu bef\u00fcrchten ist ein dramatischer Umbruch der europ\u00e4ischen Medizintechnikindustrie, der auch vor Hamburg und Schleswig-Holstein nicht haltmacht und zudem unabsehbare Folgen f\u00fcr Patienten haben wird.<\/p>\n<p>Organisiert wurde die LSA 2018 von der IHK zu L\u00fcbeck mit Unterst\u00fctzung durch das Cluster Life Science Nord und Einrichtungen des L\u00fcbecker BioMedTec Wissenschaftscampus (Fachhochschule L\u00fcbeck, Universit\u00e4t zu L\u00fcbeck und Fraunhofer MEVIS).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L\u00fcbeck (pm). Wie l\u00e4sst sich die K\u00fcnstliche Intelligenz (KI) in der Medizintechnik zum Wohle der Menschheit einsetzen? Was ist schon m\u00f6glich und wo gibt es noch Grenzen und Vorbehalte? Rund 250 Teilnehmer diskutierten aktuelle Themen und Technologien der Branche auf der siebten L\u00fcbeck Summer Academy on Medical Technology (LSA) in den L\u00fcbecker media docks. 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