{"id":45903,"date":"2022-11-19T13:06:21","date_gmt":"2022-11-19T11:06:21","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=45903"},"modified":"2022-11-21T11:11:52","modified_gmt":"2022-11-21T09:11:52","slug":"freispruch-fuer-ratzeburgs-ex-buergermeister-koech","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2022\/11\/19\/freispruch-fuer-ratzeburgs-ex-buergermeister-koech\/","title":{"rendered":"Freispruch f\u00fcr Ratzeburgs Ex-B\u00fcrgermeister Koech"},"content":{"rendered":"\n<p><br><strong>Ratzeburg \/L\u00fcbeck (aa). <\/strong>Hat der inzwischen abgew\u00e4hlte B\u00fcrgermeister Ratzeburgs, Gunnar Koech, im Jahr 2019 die Unwahrheit gesagt und eine falsche eidesstaatliche Erkl\u00e4rung abgegeben oder nicht. Darum ging es kurz gefasst in der Gerichtsverhandlung, in der auch am heutigen zweiten Verhandlungstag Koech auf der Anklagebank Platz nehmen musste. Bereits vor vierzehn Tagen, am 4. November, wurden mit dem Ehepaar Magnus und Simona Klar die ersten beiden Zeugen vor dem L\u00fcbecker Amtsgericht befragt (Herzogtum direkt berichtete). Heute fand die Verhandlung ihre Fortsetzung mit positiven Ausgang f\u00fcr den Angeklagten.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Kern ging es im Folgendes: Gunnar Koech stellte sich 2019 zur Wahl, um neuer B\u00fcrgermeister von Ratzeburg zu werden. Im Ratzeburger Medienunternehmer Andreas Schipplick fand er einen Sponsor, der gro\u00dfes Teile seines Wahlkampf finanzierte. Kurz vor der Stichwahl erfuhr Schipplick, dass Gunnar Koech in 2006\/2007 eine Hanfplantage auf dem Dachboden seines Hauses in der Langenbr\u00fccker Stra\u00dfe gehabt haben soll, beziehungsweises diese zumindest in seinem Wissen dort aufgebaut wurde. Schipplick brach darauf mit Koech und lie\u00df am Tag vor der Stichwahl in Ratzeburg ein Flugblatt verteilen, in dem unter anderem dieser Vorwurf publiziert wurde. Koech gab eines eidesstattliche Erkl\u00e4rung ab, dass dieser Vorwurf unwahr ist und erwirkte per einstweiliger Verf\u00fcgung den Stop der Flugblattverteilung. Mehrere Zeugen st\u00fctzten aber die Hanf-Geschichte im Flugblatt mit eidesstattlichen Erkl\u00e4rungen ihrerseits sowie Aussagen bei der Polizei. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf, was nun in dieser Gerichtsverhandlung endete.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Zeuge des zweiten Verhandlungstages ist Ratzeburger Aydin G\u00fczel. Er gibt an, dass er 2002 bis 2011 eine Bar im Gewerbeobjekt von Gunnar Koech beziehunsgweise gleich nebenan von dessen Fahrradgesch\u00e4ft betrieben hatte. \u201eIch kenne Herrn Koech seit meiner Jugend. Er hat mich damals nach Ratzeburg gelotst\u201c, so G\u00fczel. In dem Zeitraum, wo er seine Bar in der Langenbr\u00fccker Stra\u00dfe hatte, habe er auch einen Teil des Dachbodens \u00fcber Koechs Fahrradgesch\u00e4ft als Lager nutzen. Dort oben sei er aber nur sehr selten gewesen. \u201eEinmal war ich aber oben und da stand dann mein Equipment vor dem Raum, in dem es sonst lagerte. Ich habe in dem Raum geguckt und habe da eine Platte mit Bepflanzungen gesehen\u201c, sagt G\u00fczel vor Gericht. Weiter gibt er an diesen Raum mit folierten Boden, Hanfstecklingen, einer gro\u00dfes Hanfpflanze in einer Ecke, Bew\u00e4sserungsanlage und W\u00e4rmelampen vorgefunden zu haben. G\u00fczel weiter: \u201eIch habe dann Herrn Koech darauf angesprochen und er hat mir alles erz\u00e4hlt. Dass er finanzielle Probleme hat und nur so daraus kommt.\u201c Sp\u00e4ter pr\u00e4zisiert G\u00fczel, dass sein Bruder Ahmed damals Gunnar Koech 250.000 Euro geschuldet habe. Die Hanfplantage sei der Versuch gewesen, das Geld wieder zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>G\u00fczel: \u201eEr hat mir alles gezeigt und gefragt, ob ich mitmachen m\u00f6chte. Ich habe dankend abgelehnt. Ich wollte ab da nichts weiter damit zu tun haben.\u201c Koech h\u00e4tte ihm zudem einen ganzen Ordner mit Pl\u00e4nen f\u00fcr die Hanfaufzucht gezeigt. Als G\u00fczel dann Jahre sp\u00e4ter erfahren habe, dass Koech f\u00fcr das Amt des B\u00fcrgermeisters kandidiere, rief er ihn an. \u201eIch hatte ihm vor der B\u00fcrgermeisterwahl dann etwas Angst eingejagt. Ich hatte ihm gesagt, dass ich ihn nicht f\u00fcr den richtigen Kandidaten halte: \u201aDu bist nicht der Richtige, in meinen Augen bist du ein Krimineller\u201c, erinnert sich G\u00fczel. Weiter erz\u00e4hlt er, dass er (Aydin G\u00fczel) kaum noch Kontakt zu seinem Bruder Ahmed G\u00fczel habe. Dieser h\u00e4tte damals auch ein sehr enges Verh\u00e4ltnis zu Koech gehabt. Vor zwei bis drei Monaten habe er aber mit seinem Bruder Ahmed telefoniert und erstmals erfahren, dass dieser vor seinem Auszug aus demselben Geb\u00e4ude damals eine Hanfpflanze im besagten Raum auf dem Dachboden hinterlie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Per Zufall habe er dann kurz vor der Stichwahl Andreas Schipplick w\u00e4hrend eines Handballspiels in Lauenburg kennengelernt. Er habe Schipplick gefragt, ob er denn wisse, wen er da \u00fcberhaupt unterst\u00fctzt. G\u00fczel habe dann Schipplick seine Informationen \u00fcber die Hanfplantage sowie zu einem fingierten Kreditvertrag weitergegeben, worauf dann Schipplick wie beschrieben mit Koech brach. Kurze Zeit sp\u00e4ter folgte ein Telefonat mit Simona Klar, die am ersten Prozesstag angab, dass Koech selbst ihr und ihrem Mann Magnus Klar gegen\u00fcber die Hanfplantage gebeichtet habe. \u201eIch habe den Klars die Geschichte best\u00e4tigt\u201c, beschreibt G\u00fczel das Telefonat.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Ahmed G\u00fczel selbst ist am diesem Tag als Zeuge vorgeladen, bleibt der Verhandlung jedoch fern, was sp\u00e4ter in der Verhandlung mit einer Geldstrafe quittiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>So folgt Andreas Schipplick als n\u00e4chster in den Zeugenstand. Er beschreibt zun\u00e4chst seine Motivation, weshalb er damals entschied Gunnar Koech in seinem Wahlkampf zu unterst\u00fctzen, wie er dann per Zufall auf Aydin G\u00fczel traf und danach Simona und Magnus Klar dessen Geschichte zur Hanfplantage untermauerten. \u201eDa f\u00fchlte ich mich verantwortlich\u201c, erkl\u00e4rt Schipplick. Nachdem er bereits im ersten Wahlgang ein Flugblatt f\u00fcr Gunnar Koech in dessen Auftrag produzierte und in der Stadt verteilen lie\u00df, wiederholte er dies am Sonnabend vor der Stichwahl. Allerdings enthielt die Publikation dieses Mal die bereits beschriebene Geschichte mit der Hanfplantage.<\/p>\n\n\n\n<p>Die letzten beiden Zeugen sind eine ehemalige Angestellte von Aydin G\u00fczel und ein ehemaliger Mitarbeiter aus Gunnar Koech Fahrradgesch\u00e4ft. Beide k\u00f6nnen best\u00e4tigen, dass sie damals den besagten Raum pr\u00e4pariert zur Aufzucht von Hanfstecklingen gesehen hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuguterletzt verliest Richterin Dr. Hans noch die Aussage, die der nicht anwesende Zeuge Ahmed G\u00fczel bei der Polizei gemacht hatte. Alle Anwesenden im Gerichtssaal erfahren nun, dass Ahmed G\u00fczel angab, dass er, unterst\u00fctzt und gebilligt von Koech, eine Hanfaufzucht auf dem Dachboden betrieben haben soll. Koech habe das Material gestellt, Ahmed G\u00fczel den Rest erledigt. Koech habe es beobachtet und auch geduldet. Laut Ahmed wussten aber nur er Koech von der Aufzucht. Sein Bruder Aydin h\u00e4tte es zwar auch gewusst, aber keine Einzelheiten. Dass die Hanfplantage wegen Geldschulden sei, treffe nicht zu. Sp\u00e4ter sei es zu einem Streit zwischen Ahmed G\u00fczel und Gunnar Koech gekommen, worauf G\u00fczel Ratzeburg verlie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Allen Zeugenaussagen des ersten und zweiten Prozessstags ist eines gemeinsam: alle Zeugen haben von der Hanfplantage entweder geh\u00f6rt (Simona und Magnus Klar sowie Andreas Schipplick) oder wollen diese sogar direkt gesehen haben. Alle Zeugen bis auf zwei konnten angeben, dass Koech ebenfalls von dieser Plantage wusste.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem an allen Aussagen ist, dass auch wenn sie sich im Kern gleichen, in zahlreichen Details voneinander abweichen, manchmal widersprechen und auch in sich selbst Widerspr\u00fcche aufzeigen. Immer wieder gaben die Zeugen an, dass die Ereignisse mit 2006\/2007 beziehungsweise 2019 zu lange her sind. Viele Erinnerungen sind verblasst. \u201eDies ist ein schwieriger, komplizierter Fall\u201c, bringt es dann der Staatsanwalt am Ende auf den Punkt. Es habe sich nicht mir Sicherheit feststelllen lassen, ob Koech die Unwahrheit gesagt habe oder nicht. Es seien aber auch keine gezielten Kampagnen oder gezielten Absprachen gegen den Angeklagten ersichtlich. Er gehe davon aus, dass es das Gespr\u00e4ch zwischen Gunnar Koech und Magnus und Simona Klar gab. Dennoch k\u00f6nne er darauf keine belastbaren Erkenntnisse ziehen. Er glaube den Zeugen Klar, aber letztlich misstraue er den Wahrnehmungen aus dem Gespr\u00e4chsverlauf. Da er davon ausgehe, dass Koech aufgeregt war, sei dieser mit seinen Aussagen \u201evielleicht \u00fcber das Ziel hinausgeschossen\u201c. Auf so eine \u00c4u\u00dferung k\u00f6nne keine Verurteilung basieren. Es habe wohl ein Zimmer mit einer Einrichtung zur Hanfsucht gegeben, aber wann lasse sich nicht feststellen. Die Widerspr\u00fcche in den Zeugenaussagen seien zu gro\u00df und die Animosit\u00e4ten zwischen den G\u00fczels und Koech seien zu gro\u00df. Daher sei Gunnar Koech freizusprechen. Richterin Dr. Hans folgte diesem Freispruch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ratzeburg \/L\u00fcbeck (aa). Hat der inzwischen abgew\u00e4hlte B\u00fcrgermeister Ratzeburgs, Gunnar Koech, im Jahr 2019 die Unwahrheit gesagt und eine falsche eidesstaatliche Erkl\u00e4rung abgegeben oder nicht. Darum ging es kurz gefasst in der Gerichtsverhandlung, in der auch am heutigen zweiten Verhandlungstag Koech auf der Anklagebank Platz nehmen musste. Bereits vor vierzehn Tagen, am 4. 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