{"id":44656,"date":"2022-10-06T09:55:17","date_gmt":"2022-10-06T07:55:17","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=44656"},"modified":"2022-10-06T09:58:49","modified_gmt":"2022-10-06T07:58:49","slug":"gemeinsam-aus-der-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2022\/10\/06\/gemeinsam-aus-der-krise\/","title":{"rendered":"Gemeinsam aus der Krise"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ratzeburg (pm).<\/strong> \u201eWarum bleiben wir so ruhig, wenn das Leben um uns herum stirbt?\u201c fragt Dr. Tanja Busse sich in ihrem Er\u00f6ffnungsvortrag der Kultur- und Umweltwochen 2022 des Forums f\u00fcr Kultur und Umwelt Herzogtum Lauenburg letzten Freitag. Ein voller Saal lauscht ihr und den Begr\u00fc\u00dfungsreden vom Vorsitzenden des Lauenburgischen Kunstvereins Dr. William Boehart sowie dem Landrat Dr. Christoph Mager. Der Kristallleuchter des opulenten Rokkokosaals im Kreismuseum Ratzeburg glitzert behaglich, aber wenn man sich von den kunstvollen Stuckverzierungen nicht ablenken l\u00e4sst, sieht man die fix \u00fcbermalten Wassersch\u00e4den in den Ecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Krisen gibt es viele. Immer mehr werden sie auch f\u00fcr uns greifbar, da sie sich auf unser Leben auswirken: die Klimakrise, die Ern\u00e4hrungskrise, das H\u00f6festerben und Land Grabbing, soziale Ungleichheit, Krieg. Die Krise des Massenaussterbens von Arten wird dagegen noch immer \u00fcbersehen. Auch Tanja Busse wurde erst in der Recherche zu ihrem Buch \u201eDas Sterben der anderen \u2013 wie wir die biologische Vielfalt noch retten k\u00f6nnen\u201c bewusst, wie dramatisch die Situation ist. Denn Biodiversit\u00e4tsverlust ist irreversibel. Arten sind in einem \u00d6kosystem miteinander vernetzt \u2013 wenn eine verschwindet, hat es immer Auswirkungen und h\u00e4ufig verschwinden auch jene, mit denen sie interagieren. Das Verschwinden einer Art kann zum Kollabieren ganzer lokaler \u00d6kosysteme f\u00fchren, auf die wir als Menschen zum \u00dcberleben angewiesen sind. Oder anders herum: Die Existenz einer Art kann also ganze \u00d6kosysteme lebensf\u00e4hig erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wissenschaftler sagen, dass zirka eine Million Arten in den n\u00e4chsten Jahrzehnten verschwinden werden. Dies ist ein Massenaussterben von einem solchen Ausma\u00df, wie es zuletzt vor 66 Millionen Jahren gab &#8211; nicht das erste, aber das erste Massenaussterben hervorgerufen von einer Art, dem Menschen. \u201eDie Klimakrise bestimmt, wie wir leben werden, die Biodiversit\u00e4tskrise bestimmt, ob wir leben werden\u201c, zitiert Tanja Busse den Journalisten, Fernsehmoderator und UN-Botschafter f\u00fcr die Dekade biologische Vielfalt, Dirk Steffens.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber warum beunruhigt uns das nicht? Tanja Busse erkl\u00e4rt es sich durch shifting baselines, also unterschiedlichen Vergleichsma\u00dfst\u00e4ben f\u00fcr die Wahrnehmung von Ver\u00e4nderung, in diesem Fall der Biodiversit\u00e4t: \u201eWir k\u00f6nnen es nicht wahrnehmen, weil wir uns nur an das erinnern, was wir als Kinder kannten. Aber \u00fcber die letzten 150 Jahre gab es extrem viele Ver\u00e4nderungen\u201c. Den anderen Grund daf\u00fcr sieht Tanja Busse in einem \u00f6kologischen Analphabetismus: Stellen Sie sich Ihr n\u00e4chstgelegenes Naherholungsgebiet vor: so wundersch\u00f6n anzusehen, der Waldgeruch, das Glitzern des Sees. Nur die Spezialisten sehen sofort, wo die Missst\u00e4nde sind, wie sich die Auswirkungen der Zerst\u00f6rung von Lebensr\u00e4umen, invasiver Arten, Umweltgiften, der Klimakrise, der Fl\u00e4chenversiegelung und Jagd in der Natur bemerkbar machen &#8211; wir normalen B\u00fcrger haben es nicht gelernt, sondern sind Analphabeten auf dem Gebiet. Es kann uns also nicht erschrecken, was wir nicht sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei sei nicht eine Gruppe schuld betont Tanja Busse, sondern unsere (westliche) Art zu leben und zu wirtschaften. Zumal eine Schuldzuweisung zwecklos ist, denn wir alle sind daran beteiligt und es f\u00fchrt zu keiner L\u00f6sung. \u201eL\u00f6sungen zur Biodiversit\u00e4ts- und Klimakrise sind bekannt. Nur nicht, wie man sie erreicht\u201c Aber die Redakteurin, Journalistin, Moderatorin und Autorin hat dazu einen Vorschlag: \u201eDiese Krisen nicht als Einzelprobleme denken, sondern zusammen denken und gemeinsam l\u00f6sen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Leitbild f\u00fcr ihre Win-Win L\u00f6sung ist die Planetary Health Diet der EAT-Lancet-Comission, die unter dem Vorsitz von Walter Willett und Johan Rockstr\u00f6m etliche Wissenschaftler und Spezialisten aus 16 L\u00e4ndern aus unterschiedlichsten Gebieten wie dem Gesundheitswesen, Landwirtschaft, Politikwissenschaften und \u00f6kologischer Nachhaltigkeit zusammengebracht haben, um L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge f\u00fcr eine gesunde und gleichzeitig auch nachhaltige und auf unserem Planeten realisierbare Ern\u00e4hrungsweise zu geben. Tanja Busse fasst es so zusammen: \u201e Eigentlich alles, was wir jetzt auch essen \u2013 also auch Fleisch, aber weniger \u2013 minus das, was aus einer Plastikt\u00fcte kommt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles greift ineinander hinein: \u201eDie Vielfalt, die ich auf meinem Teller brauche, sehe ich dann auch im Au\u00dfen, in der Landschaft: Denn die (wenigen) K\u00fche, die drau\u00dfen auf wilden Weiden weiden, w\u00fcrden nicht nur Humus aufbauen, welcher CO2 speichert, sondern deren Fladen w\u00fcrden wieder V\u00f6geln Futter liefern\u201c. Um dies zu erreichen, m\u00fcsse resiliente Ern\u00e4hrung aber eine Pflichtaufgabe der Kommunen werden. In welchen, so schl\u00e4gt die Referentin vor, es regionale Foren gibt, die mit Wasserwirtschaft, Naturschutz, Landschaftsplanung, Kantinen, Landwirtschaft, Klimaschutz, Mediziner*innen, Kommunen, Schulen und Wirtschaft zusammenarbeiten. Also eine \u00f6ffentliche Beschaffung von regionalen Bio-Lebensmitteln als Treiber der Bew\u00e4ltigung dieser Krisen &#8211; mithilfe, am besten getragen, durch eine F\u00f6rderung f\u00fcr Agrarumwelt- und Klimaschutzma\u00dfnahmen nach dem niederl\u00e4ndischen Modell.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu kommt auch gleich ein Vorschlag zum Umsetzen in die Praxis aus dem Publikum mit Blick auf den Landrat Dr. Mager: \u201eEin guter und machbarer erster Schritt in diese Richtung w\u00e4re doch, unsere Dom\u00e4nen schrittweise auf biologische Bewirtschaftung umzustellen und die dort erzeugten Lebensmittel in unseren \u00f6ffentlichen Kantinen und Gro\u00dfk\u00fcchen zu verarbeiten!\u201c Nach einer regen Diskussion mit dem Publikum verlassen wir den (noch) wohltemperierten Saal und gehen nachdenklich und ideenreich unserer Wege.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine erg\u00e4nzende Weiterf\u00fchrung wird der Markt \u201eSo schmeckt die Region\u201c am 2. Oktober auf dem Ratzeburger Marktplatz sein: neben der Vorstellung regionaler Bio-Lebensmittel zum Kauf und Verzehr wird es auch Vortr\u00e4ge und Informationen \u00fcber Nachhaltigkeit, Naturg\u00e4rten, Zukunftspflanzen, Saatgut sowie der Gr\u00fcndung einer Slow Food Community geben\u2013 vielleicht mit genau diesem Thema. Und f\u00fcr Tanja Busses L\u00f6sungsansatz, an einem Tisch zusammenzukommen, gibt es auch schon einen Termin: den 20. November. Der LKV organisiert zusammen mit vier Kooperationspartnern (Tourist-Information RZ, Ev. Frauenwerk, Grenzhus, Kloster- und Stadtinformation Rehna) das Tagesseminar &#8222;Wo wollen wir hin?, Teil 2. M\u00f6glichkeiten der nachhaltigen grenz\u00fcbergreifenden Regionalentwicklung.&#8220; N\u00e4heres unter <a href=\"http:\/\/www.lkvrz.de\" data-type=\"URL\" data-id=\"www.lkvrz.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.lkvrz.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ratzeburg (pm). \u201eWarum bleiben wir so ruhig, wenn das Leben um uns herum stirbt?\u201c fragt Dr. Tanja Busse sich in ihrem Er\u00f6ffnungsvortrag der Kultur- und Umweltwochen 2022 des Forums f\u00fcr Kultur und Umwelt Herzogtum Lauenburg letzten Freitag. 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