{"id":37076,"date":"2022-02-08T10:33:06","date_gmt":"2022-02-08T08:33:06","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=37076"},"modified":"2022-02-08T10:33:06","modified_gmt":"2022-02-08T08:33:06","slug":"armut-durch-hoehere-loehne-und-kindergrundsicherung-bekaempfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2022\/02\/08\/armut-durch-hoehere-loehne-und-kindergrundsicherung-bekaempfen\/","title":{"rendered":"Armut durch h\u00f6here L\u00f6hne und Kindergrundsicherung bek\u00e4mpfen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Herzogtum Lauenburg (pm).<\/strong> Im Kreis Herzogtum Lauenburg sind aktuell 1.640\u00a0Menschen auf Sozialleistungen angewiesen \u2013 obwohl sie eine Arbeit haben. Damit ist jeder f\u00fcnfte erwerbsf\u00e4hige Hartz-IV-Bezieher im Kreis ein \u201eAufstocker\u201c (20\u00a0Prozent). Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gastst\u00e4tten (NGG) unter Berufung auf eine Statistik der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit mit.<br><br>NGG-Regionalchefin Silke Kettner spricht von \u201ealarmierenden Zahlen\u201c. Es k\u00f6nne nicht sein, dass so viele Menschen trotz Arbeit zum Jobcenter gehen m\u00fcssten. \u201eBesorgniserregend ist vor allem der hohe Anteil von Kindern, die unter Armutsbedingungen aufwachsen\u201c, so die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der NGG-Region Hamburg-Elmshorn. Laut Arbeitsagentur leben bei 780\u00a0Hartz-IV-Aufstockern im Herzogtum Kinder im Haushalt. 231\u00a0dieser Haushalte werden von Alleinerziehenden gef\u00fchrt \u2013 90\u00a0Prozent von ihnen sind Frauen.<br><br>Nach Beobachtung der Gewerkschafterin sind prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse eine Hauptursache des Problems: \u201eWer an der B\u00e4ckertheke oder im Restaurant arbeitet und dabei nur einen Mini- oder Teilzeitjob hat, f\u00fcr den wird es am Monatsende sehr eng.\u201c Zwar sei es k\u00fcrzlich gelungen, im schleswig-holsteinischen Gastgewerbe deutliche Lohnerh\u00f6hungen zu erzielen. Allerdings m\u00fcssten sich die Unternehmen auch an ausgehandelte Tarifvertr\u00e4ge halten, fordert Kettner. \u201eDie von der Bundesregierung geplante Erh\u00f6hung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro pro Stunde ist ein wichtiger erster Schritt, um Niedrigl\u00f6hne auf dem ganzen Arbeitsmarkt einzud\u00e4mmen.\u201c Es komme aber auch darauf an, dass Arbeitgeber mehr sozialversicherungspflichtige Stellen anb\u00f6ten \u2013 statt unsichere Jobs mit nur wenigen Wochenstunden, wie sie f\u00fcr Aufstockende die Regel seien.<br><br>\u201eBesonders wichtig ist es, die Lage von Kindern in Hartz-IV-Haushalten zu verbessern. Armut darf nicht vererbt werden\u201c, unterstreicht Kettner. Die von der Ampel-Koalition angek\u00fcndigte Kindergrundsicherung sei ein \u201erichtiger Schritt\u201c. Mit der Reform sollen bisherige Leistungen f\u00fcr Kinder geb\u00fcndelt und ein h\u00f6heres Existenzminimum festgelegt werden. \u201eHier ist entscheidend, das Armutsrisiko f\u00fcr Kinder zu minimieren \u2013 indem die Bedarfss\u00e4tze f\u00fcr Heranwachsende deutlich steigen\u201c, so Kettner.<br><br>Das von Bundesfamilienministerin Anne Spiegel (Gr\u00fcne) versprochene Gesetz dazu m\u00fcsse nun rasch auf den Weg gebracht werden. Nach Angaben des IAB steigt die Armutsgefahr von Hartz-IV-Empf\u00e4ngern durch Kinder stark an. Insbesondere f\u00fcr Alleinerziehende: Ihr Risiko, das Einkommen beim Amt aufstocken zu m\u00fcssen, liegt mit 40\u00a0Prozent am h\u00f6chsten.<br><br>Wichtig sei zugleich, dass Hartz-IV-System zu reformieren, damit auch Menschen, die derzeit keine Chance auf Arbeit h\u00e4tten, in W\u00fcrde leben k\u00f6nnten. \u201eDer aktuelle Regelsatz f\u00fcr Alleinerziehende von 449 Euro im Monat ist viel zu niedrig. F\u00fcr Lebensmittel sind gerade einmal 155 Euro vorgesehen \u2013 bei stark steigenden Preisen. Zu Jahresbeginn sind die S\u00e4tze nur minimal erh\u00f6ht worden. So gibt es f\u00fcr Kinder bis 13 Jahren in einer Bedarfsgemeinschaft gerade einmal zwei Euro mehr\u201c, erkl\u00e4rt Kettner. Da Hartz IV der Inflation schon lange hinterherhinke, komme die aktuelle Erh\u00f6hung von 0,76 Prozent einer K\u00fcrzung gleich. Mit einem menschenw\u00fcrdigen Existenzminimum habe das nichts zu tun.<br><br>Kettner begr\u00fc\u00dft die Pl\u00e4ne der Bundesregierung, Hartz IV durch ein sogenanntes B\u00fcrgergeld zu ersetzen. Hier d\u00fcrfe es nicht nur um eine Namens\u00e4nderung gehen, sondern es brauche eine echte Reform. Das B\u00fcrgergeld m\u00fcsse h\u00f6her sein als die bisherigen Leistungen aus der Grundsicherung \u2013 und f\u00fcr Betroffene leichter zu beantragen. Die bisherigen, oft sehr harten Sanktionen geh\u00f6rten grunds\u00e4tzlich auf den Pr\u00fcfstand. Dies habe im \u00dcbrigen das Bundesverfassungsgericht entschieden.<br><br>\u201eBeim Thema Aufstocker gilt aber auch: Die Unternehmen stehen ebenso in der Verantwortung. Sie m\u00fcssen armutsfeste, tariflich abgesicherte Jobs bieten, damit niemand \u00fcberhaupt erst aufstocken muss\u201c, so Kettner weiter. Faire L\u00f6hne und attraktive Arbeitsbedingungen seien zugleich der beste Schutz vor dem Fachkr\u00e4ftemangel in vielen Branchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzogtum Lauenburg (pm). Im Kreis Herzogtum Lauenburg sind aktuell 1.640\u00a0Menschen auf Sozialleistungen angewiesen \u2013 obwohl sie eine Arbeit haben. Damit ist jeder f\u00fcnfte erwerbsf\u00e4hige Hartz-IV-Bezieher im Kreis ein \u201eAufstocker\u201c (20\u00a0Prozent). Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gastst\u00e4tten (NGG) unter Berufung auf eine Statistik der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit mit. NGG-Regionalchefin Silke Kettner spricht von \u201ealarmierenden Zahlen\u201c. 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