{"id":36919,"date":"2022-02-02T16:44:00","date_gmt":"2022-02-02T14:44:00","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=36919"},"modified":"2022-02-02T18:44:20","modified_gmt":"2022-02-02T16:44:20","slug":"drk-krankenhaus-moelln-ratzeburg-geburtshilfe-muss-aus-medizinischen-gruenden-schliessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2022\/02\/02\/drk-krankenhaus-moelln-ratzeburg-geburtshilfe-muss-aus-medizinischen-gruenden-schliessen\/","title":{"rendered":"DRK-Krankenhaus M\u00f6lln-Ratzeburg: Geburtshilfe muss aus medizinischen Gr\u00fcnden schlie\u00dfen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ratzeburg (pm).<\/strong> Fehlende Beleg\u00e4rzte und sinkende Geburtenzahlen f\u00fchren dazu, dass das DRK-Krankenhaus M\u00f6lln-Ratzeburg seine Geburtshilfe zum 3. Februar 2022 schlie\u00dfen muss. \u201eWir bedauern diesen Schritt au\u00dferordentlich. Aber im Sinne unserer Patientinnen k\u00f6nnen wir vor dem Hintergrund der deutlich gesunkenen Geburtenzahlen und des fehlenden Fachpersonals medizinisch eine Aufrechterhaltung der Geburtshilfe nicht l\u00e4nger rechtfertigen\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Andreas Schmid, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und \u00c4rztlicher Direktor des DRK-Krankenhauses M\u00f6lln-Ratzeburg. Sinke die Zahl der Geburten im Jahr weit unter 500, fehle den behandelnden \u00c4rzten und Hebammen zum Beispiel die wichtige notwendige Praxis. Dies wiederum k\u00f6nne im \u00e4u\u00dfersten Fall zu einer steigenden Rate von Komplikationen f\u00fchren. Zudem sei durch umliegende Krankenh\u00e4user eine Versorgung der Region mit Geburtshilfestationen sichergestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDieser Schritt f\u00e4llt uns allen sehr schwer\u201c, so Dr. Schmid. Die Geburtshilfe habe im Krankenhaus eine lange und erfolgreiche Geschichte. Seit nahezu 30 Jahren besteht eine beleg\u00e4rztliche Abteilung Gyn\u00e4kologie und Geburtshilfe am DRK-Krankenhaus M\u00f6lln-Ratzeburg, wobei die \u00e4rztliche Versorgung der Patientinnen durch \u00c4rzte einer Frauenarztpraxis in Ratzeburg erfolgt und die pflegerische Betreuung und die Geburtsbegleitung durch Hebammen von Angestellten des DRK-Krankenhauses M\u00f6lln-Ratzeburg sichergestellt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcckgehende Geburtenzahlen<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 2001, noch vor der Fusion der beiden Krankenh\u00e4user in M\u00f6lln und Ratzeburg, waren an beiden Standorten zusammen insgesamt zirka 630 Geburten pro Jahr zu verzeichnen gewesen. Nach der Verlagerung der station\u00e4ren Versorgung auf den Standort Ratzeburg sanken die Geburtszahlen im Jahr 2004 auf rund 450 Geburten, welche mittlerweile ausschlie\u00dflich durch die Belegarztpraxis in Ratzeburg versorgt wurden. In den letzten drei Jahren fiel die j\u00e4hrliche Zahl der Geburten in Ratzeburg sogar auf unter 300 pro Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00f6here Anforderungen<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Andreas Schmid: \u201eDieser seit Jahren zu beobachtenden Geburtenreduktion am Standort Ratzeburg stehen zunehmende Anforderungen des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA), der Berufsverb\u00e4nde und der Krankenkassen an strukturelle und qualitative Voraussetzungen f\u00fcr geburtshilfliche Abteilungen gegen\u00fcber, welche 2013 vom GBA als Qualit\u00e4tssicherungsrichtlinie f\u00fcr Fr\u00fch- und Reifgeborene ver\u00f6ffentlicht wurde.\u201c So wird schon seit langem eine Mindestzahl von 500 Geburten pro Jahr f\u00fcr eine dauerhafte strukturelle und qualitative Tragf\u00e4higkeit geburtshilflicher Abteilungen gefordert.<\/p>\n\n\n\n<p>Mangel an \u00c4rzten<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00e4rztliche Betreuung des geburtshilflichen Bereichs am DRK-Krankenhaus M\u00f6lln-Ratzeburg erfolgte anf\u00e4nglich durch zwei Gyn\u00e4kologen, welche dann im Juli 2000 durch einen dritten Gyn\u00e4kologen erg\u00e4nzt wurde. Dazu Dr. Andreas Schmid: \u201eDemnach hatte seitdem jeder \u00e4rztliche Geburtshelfer zehn Bereitschaftsdienste \u00fcber 24 Stunden pro Monat zu absolvieren, in Urlaubszeiten sogar f\u00fcnfzehn Dienste pro Monat. Als vor einigen Jahren der Seniorpartner der Belegarztpraxis in den Ruhestand gegangen ist, gelang es nur nach langwieriger Suche unter gro\u00dfer M\u00fche, eine Gyn\u00e4kologin als Nachfolgerin f\u00fcr die Geburtshilfe zu finden und das \u00e4rztliche Minimalkontingent wieder aufzuf\u00fcllen.\u201c Zwischen April 2020 und Dezember 2021 ist nun allerdings das gesamte \u00e4rztliche Team aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden Zug um Zug mit seinen drei Funktionstr\u00e4gern aus der Geburtshilfe am DRK-Krankenhaus M\u00f6lln-Ratzeburg ausgeschieden.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Situation seien seit 2019 sowohl vom Praxisteam als auch vom DRK-Krankenhaus M\u00f6lln-Ratzeburg alle nur denkbaren Ma\u00dfnahmen ergriffen worden &#8211; darunter Anzeigen in Printmedien und elektronisch unter Beteiligung der Sozialen Netzwerke, Kontakte zu Personalvermittlungs-Agenturen, Head-Huntern und pers\u00f6nlichen Netzwerken -, um die Vakanzen zu f\u00fcllen. \u201eEs hat sich im Verlauf des Verfahrens leider gezeigt, dass der Bewerbermarkt f\u00fcr Geburtshelfer*innen in einer Belegarztpraxis quasi leergefegt ist\u201c, beschreibt Dr. Andreas Schmid. Diese unausweichliche Entscheidung aus Mangel an Funktionstr\u00e4gern in der Geburtshilfe betreffe ausschlie\u00dflich den Bereich der Geburtshilfe. Das Versorgungsangebot des DRK-Krankenhauses M\u00f6lln-Ratzeburg soll au\u00dferhalb der Geburtshilfe f\u00fcr alle Patientinnen und Patienten in Zukunft weiter ausgebaut werden, das betreffe ausdr\u00fccklich gerade auch den Bereich der gyn\u00e4kologischen Versorgung und Operationen vor Ort. Das vorhandene Personal werde daher dringend gebraucht und betriebsbedingte K\u00fcndigungen seien somit ausgeschlossen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ratzeburg (pm). Fehlende Beleg\u00e4rzte und sinkende Geburtenzahlen f\u00fchren dazu, dass das DRK-Krankenhaus M\u00f6lln-Ratzeburg seine Geburtshilfe zum 3. Februar 2022 schlie\u00dfen muss. \u201eWir bedauern diesen Schritt au\u00dferordentlich. 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