{"id":36265,"date":"2022-01-13T12:57:09","date_gmt":"2022-01-13T10:57:09","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=36265"},"modified":"2022-01-13T12:57:09","modified_gmt":"2022-01-13T10:57:09","slug":"kieler-zoll-kontrollierte-234-baufirmen-im-ersten-halbjahr-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2022\/01\/13\/kieler-zoll-kontrollierte-234-baufirmen-im-ersten-halbjahr-2021\/","title":{"rendered":"Kieler Zoll kontrollierte 234 Baufirmen im ersten Halbjahr 2021"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Herzogtum Lauenburg (pm<\/strong>). Unsaubere Praktiken im Visier: Das Hauptzollamt Kiel, das auch f\u00fcr den Kreis Herzogtum Lauenburg zust\u00e4ndig ist, hat im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres 632\u00a0Arbeitgeber in der Region kontrolliert. Im Fokus der Fahnder dabei illegale Besch\u00e4ftigung, Sozialbetrug und Verst\u00f6\u00dfe gegen geltende Mindestl\u00f6hne. <\/p>\n\n\n\n<p>Allein Baufirmen bekamen 234\u00a0Mal Besuch von der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Zolls, wie die Industriegewerkschaft\u00a0Bauen-Agrar-Umwelt mitteilt. Die IG BAU beruft sich dabei auf eine Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Beate M\u00fcller-Gemmeke (Gr\u00fcne). Demnach hatten es die Kieler Z\u00f6llner h\u00e4ufig mit Tricksereien beim Lohn zu tun. In der ersten Jahresh\u00e4lfte leiteten die Beamten in der gesamten Region 275\u00a0Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten ein \u2013 etwa weil Mindestl\u00f6hne unterschritten, gar nicht oder zu sp\u00e4t gezahlt wurden. Hierbei wurden Bu\u00dfgelder in H\u00f6he von rund 271.000\u00a0Euro verh\u00e4ngt, davon 33.600\u00a0Euro gegen Bauunternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Zahlen zeigen, dass es viele Firmen mit der Bezahlung ihrer Besch\u00e4ftigten nicht so genau nehmen. Sowohl bei den speziellen Branchenmindestl\u00f6hnen wie auf dem Bau als auch beim gesetzlichen Mindestlohn\u201c, kritisiert Matthias Maurer, Bezirksvorsitzender der IG\u00a0BAU Hamburg. Der Gewerkschafter begr\u00fc\u00dft die Pl\u00e4ne der Ampel-Koalition in Berlin, das gesetzliche Lohn-Minimum auf 12\u00a0Euro pro Stunde anzuheben. Allein im Herzogtum d\u00fcrften damit die Einkommen Tausender Menschen sp\u00fcrbar steigen. Allerdings m\u00fcsse der Staat sicherstellen, dass sich die Firmen auch an die Vorschriften hielten und f\u00fcr einen \u201eh\u00f6heren Kontroll-Druck\u201c sorgen. Das gelinge jedoch nur, wenn die FKS beim Hauptzollamt Kiel personell erheblich aufgestockt werde.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eKlettert der gesetzliche Mindestlohn auf 12&nbsp;Euro und bleibt es gleichzeitig bei der bisherigen Kontrollquote, ist die Gefahr f\u00fcr Arbeitgeber, bei Mindestlohnverst\u00f6\u00dfen ertappt zu werden, verschwindend gering. Da muss man dann schon von reinen ,Placebo-Kontrollen\u2018 sprechen\u201c, so Maurer. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts w\u00fcrden in Deutschland 7,2&nbsp;Millionen Besch\u00e4ftigte von einer Mindestlohn-Erh\u00f6hung auf 12&nbsp;Euro profitieren. \u201eDas sind 7,2 Millionen Lohnt\u00fcten, auf die der Staat zus\u00e4tzlich einen Blick werfen muss\u201c, betont Maurer.<\/p>\n\n\n\n<p>Die IG BAU kritisiert zudem ein \u201estaatliches Zust\u00e4ndigkeits-Wirrwarr\u201c bei den Kontrollen. Das f\u00fchre h\u00e4ufig dazu, dass Missst\u00e4nde ungeahndet blieben. So seien etwa die Arbeitsschutzbeh\u00f6rden, die \u00fcber die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften und Standards bei Unterk\u00fcnften ausl\u00e4ndischer Besch\u00e4ftigter wachen, personell unterbesetzt. Au\u00dferdem h\u00e4tten sie im Zuge der Pandemie weitere Aufgaben \u2013 wie die Kontrolle der Homeoffice-Verordnung \u2013 bekommen. Die FKS des Zolls hingegen k\u00fcmmere sich um die Pr\u00fcfung von Lohn- oder Steuerabrechnungen. Bei Verst\u00f6\u00dfen verh\u00e4nge die FKS zwar Sanktionen gegen die Firmen. Bauarbeiter m\u00fcssten sich dann aber um den Lohn, um den sie geprellt wurden, selbst k\u00fcmmern.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201ePerspektivisch brauchen wir eine staatliche Arbeitsinspektion, die als \u00fcbergeordnete Beh\u00f6rde die Einhaltung der Arbeitnehmerrechte und Sozialvorschriften sicherstellt\u201c, fordert Maurer. Eine solche \u201eArbeitskontrolle aus einer Hand\u201c habe sich etwa in Frankreich und Spanien bew\u00e4hrt. Entscheidend sei hierbei, die Tarifpartner zu beteiligen: \u201eWenn Gewerkschaften oder Betriebsr\u00e4te Hinweise an die Arbeitsinspektion herantragen, muss dies ebenfalls zu Ermittlungen f\u00fchren\u201c, so Maurer. Au\u00dferdem m\u00fcsse die Beh\u00f6rde etwa bei Mindestlohnverst\u00f6\u00dfen Nachzahlungen an Besch\u00e4ftigte veranlassen d\u00fcrfen. Die IG BAU setzt sich zugleich daf\u00fcr ein, auff\u00e4llig gewordene Firmen von der \u00f6ffentlichen Auftragsvergabe auszuschlie\u00dfen. \u201eWir brauchen ein ,S\u00fcndenregister\u2018 f\u00fcr Schwarzarbeit \u2013 eine \u00f6ffentliche Kartei, in der die Betriebe aufgelistet werden, deren Gesch\u00e4ftsmodell auf illegaler Besch\u00e4ftigung und Lohn-Prellerei beruht\u201c, unterstreicht Maurer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzogtum Lauenburg (pm). 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