{"id":32274,"date":"2021-09-16T08:26:09","date_gmt":"2021-09-16T06:26:09","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=32274"},"modified":"2021-09-16T08:26:09","modified_gmt":"2021-09-16T06:26:09","slug":"4-400-menschen-im-herzogtum-trotz-vollzeitjob-von-altersarmut-bedroht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2021\/09\/16\/4-400-menschen-im-herzogtum-trotz-vollzeitjob-von-altersarmut-bedroht\/","title":{"rendered":"4.400 Menschen im Herzogtum trotz Vollzeitjob von Altersarmut bedroht"},"content":{"rendered":"<p><strong>Herzogtum Lauenburg (pm).<\/strong> Ein Leben lang arbeiten \u2013 und trotzdem reicht die Rente nicht: Im Kreis Herzogtum Lauenburg sind rund 4.400 Vollzeitbesch\u00e4ftigte selbst nach 45 Arbeitsjahren im Rentenalter von Armut bedroht. Davor warnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gastst\u00e4tten (NGG) und beruft sich hierbei auf Zahlen der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit und der Deutschen Rentenversicherung. Demnach verdienen 15,5 Prozent aller Besch\u00e4ftigten, die im Herzogtum in Vollzeit arbeiten, weniger als 2.050 Euro brutto im Monat. Rein rechnerisch m\u00fcssten sie sogar mehr als 45 Jahre lang arbeiten, um auf eine Rente oberhalb der Grundsicherungsschwelle von aktuell 835 Euro zu kommen.<\/p>\n<p>\u201eAltersarmut ist kein Schreckensszenario in der Zukunft, sondern f\u00fcr viele Menschen l\u00e4ngst Realit\u00e4t. Die Rente derer, die zum Beispiel jahrzehntelang in einer B\u00e4ckerei oder Gastst\u00e4tten gearbeitet haben, reicht schon heute oft nicht aus. Rentenk\u00fcrzungen oder Forderungen \u00fcber ein sp\u00e4teres Eintrittsalter sind der falsche Weg. Stattdessen muss die Politik die gesetzliche Rente st\u00e4rken\u201c, so Silke Kettner, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der NGG-Region Hamburg-Elmshorn, mit Blick auf die aktuelle Debatte rund um die Alterssicherung. Das Rentenniveau, also die durchschnittliche Rente nach 45 Beitragsjahren bei mittlerem Verdienst, d\u00fcrfe nicht weiter absinken.<\/p>\n<p>Seit dem Jahr 2000 sei das Rentenniveau bereits von rund 53 Prozent auf aktuell 48 Prozent abgesenkt worden. \u201eKonkret bedeutet das, dass Geringverdiener mit einem Einkommen von weniger als 2.050 Euro brutto im Monat statt 42 nun fast 46 Jahre lang arbeiten m\u00fcssen, um \u00fcberhaupt noch die Grundsicherungsschwelle im Alter zu erreichen. Aber vier Jahre l\u00e4nger an der B\u00e4ckereitheke, in der Lebensmittelfabrik oder im Schlachthof am Band zu stehen, ist vielen Besch\u00e4ftigten gesundheitlich gar nicht m\u00f6glich. Jede Anhebung des Renteneintrittsalters ist somit faktisch eine Rentenk\u00fcrzung\u201c, unterstreicht Kettner. Die n\u00e4chste Bundesregierung m\u00fcsse das derzeitige Rentenniveau stabilisieren und perspektivisch anheben, um einen weiteren Anstieg der Altersarmut zu verhindern. Die von Wirtschaftsverb\u00e4nden geforderte \u201eRente mit 70\u201c sei der falsche Weg \u2013 und ein \u201eSchlag ins Gesicht der Menschen, die k\u00f6rperlich arbeiten und schon bis 67 nicht durchhalten k\u00f6nnen\u201c. Auch deshalb sei es wichtig, dass die Besch\u00e4ftigten ihre Stimme bei der Bundestagswahl am 26. September abg\u00e4ben \u2013 und sich informierten, was die Rentenkonzepte der einzelnen Parteien f\u00fcr sie bedeuteten, so die NGG.<\/p>\n<p>Zugleich seien die Unternehmen in der Pflicht, prek\u00e4re Besch\u00e4ftigung zur\u00fcckzufahren und Tarifvertr\u00e4ge zu st\u00e4rken. Gerade im Hotel- und Gastst\u00e4ttengewerbe gebe es einen enormen Nachholbedarf, um die Einkommen wirklich armutsfest zu machen \u2013 auch weil viele Firmen aus der Tarifbindung fl\u00fcchteten. Nach Angaben der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit verdienen in Schleswig-Holstein aktuell rund 10.800 von insgesamt 20.100 Vollzeitbesch\u00e4ftigten im Gastgewerbe weniger als 60 Prozent des bundesweit mittleren Monatseinkommens von 3.427 Euro. \u201eHier darf es niemanden \u00fcberraschen, dass w\u00e4hrend der Corona-Krise so viele K\u00f6che und Hotelangestellte ihre Branche verlassen haben\u201c, sagt Kettner.<\/p>\n<p>Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nimmt die Zahl der Menschen, die in der Altersgruppe ab 65 armutsgef\u00e4hrdet sind, weiterhin zu. Aktuell sind dies 18 Prozent. Im Jahr 2009 waren es noch vierzehn Prozent. Entscheidend sei nun, die gesetzliche Rente als zentrale S\u00e4ule der Altersvorsorge f\u00fcr die Zukunft zu st\u00e4rken. Daf\u00fcr m\u00fcssten angesichts des demografischen Wandels auch weitere Mittel aus dem Bundeshaushalt flie\u00dfen und die Rentenversicherung zu einer Erwerbst\u00e4tigenversicherung, in die alle einzahlen, weiterentwickelt werden.<\/p>\n<p>Dabei d\u00fcrften die Generationen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Sicherung der gesetzlichen Altersvorsorge komme gerade auch den J\u00fcngeren zugute. Denn sie m\u00fcssten einen weiteren Abfall des Rentenniveaus mit einem immer l\u00e4ngeren Arbeitsleben bezahlen. \u201eAm Ende geht es um den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft. Nach einem langen Berufsleben muss sich jeder darauf verlassen, den Ruhestand in W\u00fcrde genie\u00dfen zu k\u00f6nnen\u201c, so Kettner weiter.<\/p>\n<p>Die NGG verweist darauf, dass die neu eingef\u00fchrte Grundrente f\u00fcr Betroffene zwar zu h\u00f6heren Bez\u00fcgen f\u00fchren k\u00f6nne. Allerdings seien die H\u00fcrden mit erforderlichen 33 Beitragsjahren zu hoch und der Zuschlag falle oft gering aus. \u201eDie m\u00f6gliche Einkommensanrechnung, etwa des Lebenspartners, l\u00e4sst die Betr\u00e4ge weiter schrumpfen. Damit bekommen viele Menschen keinen oder nur einen geringen Zuschlag. Die Grundrente muss daher ebenfalls weiterentwickelt werden\u201c, unterstreicht Kettner.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzogtum Lauenburg (pm). Ein Leben lang arbeiten \u2013 und trotzdem reicht die Rente nicht: Im Kreis Herzogtum Lauenburg sind rund 4.400 Vollzeitbesch\u00e4ftigte selbst nach 45 Arbeitsjahren im Rentenalter von Armut bedroht. Davor warnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gastst\u00e4tten (NGG) und beruft sich hierbei auf Zahlen der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit und der Deutschen Rentenversicherung. 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