{"id":30938,"date":"2021-07-06T11:28:05","date_gmt":"2021-07-06T09:28:05","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=30938"},"modified":"2021-07-10T09:41:50","modified_gmt":"2021-07-10T07:41:50","slug":"gastgewerbe-im-herzogtum-lauenburg-jeder-fuenfte-hat-die-branche-im-corona-jahr-verlassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2021\/07\/06\/gastgewerbe-im-herzogtum-lauenburg-jeder-fuenfte-hat-die-branche-im-corona-jahr-verlassen\/","title":{"rendered":"Gastgewerbe im Herzogtum Lauenburg: Jeder F\u00fcnfte hat die Branche im Corona-Jahr verlassen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Herzogtum Lauenburg (pm).<\/strong> Supermarktkasse statt Biertheke: Im Zuge der Corona-Pandemie verzeichnen die Hotels und Gastst\u00e4tten im Kreis Herzogtum Lauenburg eine dramatische Abwanderung von Fachkr\u00e4ften. Innerhalb des vergangenen Jahres haben im Kreis rund 500 K\u00f6che, Servicekr\u00e4fte und Hotelangestellte dem Gastgewerbe den R\u00fccken gekehrt \u2013 das ist fast jeder f\u00fcnfte Besch\u00e4ftigte der Branche, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gastst\u00e4tten (NGG) unter Berufung auf j\u00fcngste Zahlen der Arbeitsagentur mitteilt.<\/p>\n<p>Angesichts weiterer Lockdowns bis in den Mai hinein d\u00fcrfte sich der Personal-Schwund bis heute nochmals zugespitzt haben, bef\u00fcrchtet Silke Kettner, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der NGG-Region Hamburg-Elmshorn. \u201eViele Menschen sch\u00e4tzen es, nach langen Entbehrungen endlich wieder essen zu gehen oder zu reisen. Aber ausgerechnet in der Sommersaison fehlt einem Gro\u00dfteil der Betriebe schlicht das Personal, um die G\u00e4ste bewirten zu k\u00f6nnen\u201c, so Kettner. F\u00fcr die Lage macht die Gewerkschafterin insbesondere die Einkommenseinbu\u00dfen durch die Kurzarbeit verantwortlich: \u201eGastro- und Hotel-Besch\u00e4ftigte arbeiten sowieso meist zu geringen L\u00f6hnen. Wenn es dann nur noch das deutlich niedrigere Kurzarbeitergeld gibt, wissen viele nicht, wie sie \u00fcber die Runden kommen sollen.\u201c<\/p>\n<p>Wenn die gut ausgebildeten Fachkr\u00e4fte in Anwalts- oder Arztpraxen die B\u00fcroorganisation \u00fcbernehmen oder in Superm\u00e4rkten zwei Euro mehr pro Stunde verdienen als in Hotels und Gastst\u00e4tten, d\u00fcrfe es niemanden \u00fcberraschen, dass sich die Menschen neu orientierten. \u201eSchon vor Corona stand das Gastgewerbe nicht gerade f\u00fcr rosige Arbeitsbedingungen. Unbezahlte \u00dcberstunden, ein rauer Umgangston und eine hohe Abbruchquote unter Azubis sind nur einige strukturelle Probleme. Die Unternehmen haben es \u00fcber Jahre vers\u00e4umt, die Arbeit attraktiver zu machen. Das r\u00e4cht sich jetzt\u201c, kritisiert Kettner.<\/p>\n<p>Wirte und Hoteliers h\u00e4tten nun die Chance, die Branche neu aufzustellen. Zwar seien viele Firmen nach wie vor schwer durch die Pandemie getroffen. Doch wer k\u00fcnftig \u00fcberhaupt noch Fachleute gewinnen wolle, m\u00fcsse jetzt umdenken und sich zu armutsfesten L\u00f6hnen und besseren Arbeitsbedingungen bekennen. Dazu seien Tarifvertr\u00e4ge unverzichtbar, unterstreicht Kettner: \u201eAm Ende geht es um einen Kulturwandel. Auch Servicekr\u00e4fte haben ein Recht darauf, vor dem Dienst zu wissen, wann Feierabend ist. Sie haben Anspruch auf eine anst\u00e4ndige Bezahlung \u2013 unabh\u00e4ngig vom Trinkgeld. Und auf eine faire Behandlung durch den Chef.\u201c<\/p>\n<p>Gastronomen, die das Mittagessen so g\u00fcnstig anb\u00f6ten, dass sie davon das Personal nicht mehr bezahlen k\u00f6nnten, machten ohnehin grunds\u00e4tzlich etwas falsch. \u201eViele G\u00e4ste sind durchaus bereit, ein paar Cent mehr f\u00fcr die Tasse Kaffee zu bezahlen \u2013 gerade jetzt, wo den Menschen bewusst geworden ist, dass der Besuch im Stammlokal ein entscheidendes St\u00fcck Lebensqualit\u00e4t ist\u201c, so Kettner.<\/p>\n<p>Die Gewerkschaft NGG verweist zudem auf die umfassenden Finanzhilfen des Staates f\u00fcr angeschlagene Betriebe. So k\u00f6nnen sich Hotels und Gastst\u00e4tten im Rahmen der \u00dcberbr\u00fcckungshilfen in diesem Monat bis zu 60 Prozent der Personalkosten bezuschussen lassen, wenn sie Angestellte aus der Kurzarbeit zur\u00fcckholen (Restart-Pr\u00e4mie). \u201eKlar ist: K\u00f6chinnen, Kellner &amp; Co. freuen sich darauf, endlich wieder G\u00e4ste empfangen zu k\u00f6nnen. Viele arbeiten mit gro\u00dfer Leidenschaft im Service. Auf diese Motiviation k\u00f6nnen die Betriebe bauen \u2013 und sollten das Personal nicht erneut durch prek\u00e4re L\u00f6hne und schlechte Arbeitszeiten verprellen\u201c, so Kettner weiter.<\/p>\n<p>Nach Angaben der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit besch\u00e4ftigte das Hotel- und Gastst\u00e4ttengewerbe im Kreis Herzogtum Lauenburg zum Jahreswechsel 2.156 Menschen. Genau ein Jahr zuvor \u2013 vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie \u2013 waren es noch 2.675. Damit haben innerhalb von zw\u00f6lf Monaten 19\u00a0Prozent der Besch\u00e4ftigten die Branche verlassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzogtum Lauenburg (pm). Supermarktkasse statt Biertheke: Im Zuge der Corona-Pandemie verzeichnen die Hotels und Gastst\u00e4tten im Kreis Herzogtum Lauenburg eine dramatische Abwanderung von Fachkr\u00e4ften. 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