{"id":29439,"date":"2021-04-17T05:16:35","date_gmt":"2021-04-17T03:16:35","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=29439"},"modified":"2021-04-19T11:22:06","modified_gmt":"2021-04-19T09:22:06","slug":"spd-und-die-linke-fordern-lauenburgischen-klimawald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2021\/04\/17\/spd-und-die-linke-fordern-lauenburgischen-klimawald\/","title":{"rendered":"SPD und Die LINKE fordern Lauenburgischen Klimawald\u00a0"},"content":{"rendered":"<p><strong>Herzogtum Lauenburg (pm).<\/strong> Deutschlandweit ist eine dramatische Verschlechterung der W\u00e4lder zu beobachten, dies machte erneut der Waldzustandsbericht 2020 deutlich. F\u00fcr den Kreis Herzogtum Lauenburg, dem gr\u00f6\u00dften kommunalen Waldbesitzer Deutschlands, steht in diesem Jahr die Forsteinrichtung an \u2013 die Planung, was mit unseren W\u00e4ldern in der n\u00e4chsten Dekade geschehen soll.<\/p>\n<p>SPD und DIE LINKE haben auf Kreis- und Fraktionsebene unter Einbeziehung der Umweltverb\u00e4nde, unter ihnen BUND und NABU, ein Forderungspapier erarbeitet, mit dem sie in die anstehenden Beratungen zur Forsteinrichtung gehen.\u00a0 Hierzu erkl\u00e4rt die Fachsprecherin f\u00fcr Umwelt der SPD-Kreistagsfraktion, Anika Pahlke: \u201eIn Zusammenarbeit mit der Verwaltung wollen wir die Kreisforsten so fortf\u00fchren, dass sie zuallererst als Lebensraum, aber auch f\u00fcr nachfolgende Generationen als Erholungswald erhalten bleiben. Hierzu bedarf es einer St\u00e4rkung \u2013 gerade mit Blick auf die Herausforderungen und Ver\u00e4nderungen, die mit dem Klimawandel einhergehen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs freut mich sehr, dass wir aufgrund unserer Initiative nun auch partei\u00fcbergreifend f\u00fcr eine nachhaltige Bewirtschaftung unserer Kreisforsten und f\u00fcr den Erhalt des \u00d6kosystems Wald an einem Strang ziehen\u201c, unterstreicht Yvonne Treptow, Kreissprecherin DIE LINKE.<br \/>\n\u201eIm guten Austausch zwischen den Verb\u00e4nden und den Parteien SPD und DIE LINKE ist ein Papier entstanden, das richtungsweisend ist f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Ausgestaltung der Kreisforsten. Damit haben wir ein starkes Signal gesetzt f\u00fcr Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Artenvielfalt \u2013 denn dies beginnt immer vor der eigenen Haust\u00fcr\u201c, so Jens Meyer, Fraktionsvorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion.<\/p>\n<p>Dies unterstreicht auch Manfried Liedke, Fraktionsvorsitzender der Kreistagsfraktion von DIE LINKE, der erg\u00e4nzt: \u201eWir d\u00fcrfen eines nicht vergessen: Der Wald braucht uns nicht &#8211; aber wir brauchen den Wald um zu leben &#8211; daher sollte unsere gesamte Anstrengung darin liegen, diesen bedrohten Lebensraum m\u00f6glichst effektiv zu sch\u00fctzen.\u201c Dr. Nina Scheer, SPD-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete, begleitete ebenfalls die Austauschrunden. Scheer: &#8222;Wirtschaftlichkeit muss bei \u00f6ffentlichen W\u00e4ldern klar zur\u00fcckstehen, wenn dies Erhalt und Gesundung des Waldes einfordern, gerade mit Blick auf die sich versch\u00e4rfenden Belastungen durch den Klimawandel.\u201c<\/p>\n<p>Folgende Forderungspunkte enth\u00e4lt das gemeinsame Papier von SPD und Die LINKE:<\/p>\n<p>1. Um das Ziel einer naturnahen Waldwirtschaft kontinuierlich zu begleiten, wird ein Waldbeirat eingerichtet, der sich aus Interessenvertretern und Experten zusammensetzt. Dieser spricht dem Ausschuss regelm\u00e4\u00dfig Empfehlungen aus und erh\u00e4lt Rede- und Antragsrecht.<\/p>\n<p>2. Unter Ber\u00fccksichtigung der aktuellen und k\u00fcnftigen Herausforderungen des Klimawandels und des Zustandes der W\u00e4lder soll die Forsteinrichtung 2021 mindestens folgende Punkte enthalten:<br \/>\na) F\u00f6rderung einer naturnahen Baumvielfalt. In Nadelholzforsten, die unter Trockenheit und Kalamit\u00e4ten leiden, sollen heimische Laubbaumarten gef\u00f6rdert werden. Nadelforste sind kontinuierlich in naturnahe Laubmischw\u00e4lder zu \u00fcberf\u00fchren.<\/p>\n<p>b) Naturbelassene Waldfl\u00e4chen ohne jegliche forstliche Nutzung werden von heute 15 Prozent bis 2030 auf 30 Prozent durch \u00f6kologisch besonders wertvolle Gebiete erweitert.<\/p>\n<p>c) Keine Experimente mit nichtheimischen Baumarten auf bestehenden Waldfl\u00e4chen \u2013 auch nicht unter wissenschaftlicher Begleitung oder auf Versuchsfl\u00e4chen.<\/p>\n<p>d) Die Wasserentnahme aus den Forstb\u00f6den wird reduzieret, Entw\u00e4sserungssysteme auf kreiseigenen Fl\u00e4chen zur\u00fcckgebaut. Humusbildung wird gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>e) Besonders behutsamer Umgang mit alten Laubw\u00e4ldern sowie alten Waldstandorten.<\/p>\n<p>f) In naturnahen W\u00e4ldern ist ein geschlossenes Kronendach anzustreben. 70 Prozent Kronenschluss sind nicht zu unterschreiten. Bei der \u00dcberf\u00fchrung von naturfernen Forsten in naturnahe W\u00e4lder sind gr\u00f6\u00dfere Auflichtungen notwendig. Sie helfen, die Biodiversit\u00e4t zu erhalten und zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>g) Totholz als N\u00e4hrstoff- und Wasserspeicher sowie als N\u00e4hrboden f\u00fcr Biodiversit\u00e4t soll weitestgehend im Wald belassen werden. Die Entnahme von gesch\u00e4digten B\u00e4umen (Sch\u00e4dlinge, Trockenheit, Krankheitsbefall) ist auf ein Minimum zu beschr\u00e4nken.<br \/>\nh) Kein Einsatz von Pestiziden oder anderen Chemikalien im Wald.<\/p>\n<p>i) Vorhandenes Holz wird f\u00fcr m\u00f6glichst nachhaltige und langlebige Erzeugnisse verkauft \u2013 nur Reste d\u00fcrfen f\u00fcr Wegwerf-Produkte und Brennholz genutzt werden.<\/p>\n<p>j) Der Einschlag in die naturnahen W\u00e4lder muss auf ein Minimum reduziert werden. Im Durchschnitt (inkl. Kalamit\u00e4ten) sollen j\u00e4hrlich maximal 30.000 Festmeter (auf f\u00fcnf Jahre gesehen) eingeschlagen werden. In einem einzelnen Jahr d\u00fcrfen es aber nicht mehr als 40.000 Festmeter sein (inkl. Kalamit\u00e4ten). Bis der Wald sich erholt hat, wird in den Folgejahren eine Minderung von f\u00fcnf Prozent in jedem Jahr angestrebt. Hierbei wird bewusst auf m\u00f6glichen Einschlag verzichtet, um eine Klimareserve aufzubauen und die weitere Gesundung des Waldes bewusst zu f\u00f6rdern. Diese soll in Jahren mit besonderer Trockenheit und hoher Kalamit\u00e4t eine stabilisierende Wirkung entfalten. Die Wirkung der Ma\u00dfnahmen sind nach f\u00fcnf Jahren unter Beteiligung des Waldbeirats zu evaluieren.<\/p>\n<p>k) Eingriffe in die Best\u00e4nde werden auf ein notwendiges Minimum reduziert.<br \/>\nEs sollen m\u00f6glichst keine schweren Ger\u00e4te genutzt werden, die den Waldboden verdichten und damit sch\u00e4digen (etwa aus Kostengr\u00fcnden). Die Arbeiten sollen wieder verst\u00e4rkt durch eigenes Personal und eigene Maschinen erfolgen. Bodenschonende Ernte und Transportverfahren sind zu erproben. Der Harvestereinsatz muss die zu begr\u00fcndende und absolute Ausnahme sein.<\/p>\n<p>l) Die Infrastrukturfl\u00e4chen (Wege und Fl\u00e4chen f\u00fcr die Forsten) d\u00fcrfen max. 10 Prozent der bewirtschafteten Waldfl\u00e4che ausmachen. Dabei soll keine neue Infrastruktur geschaffen werden.<\/p>\n<p>m) Jagd: An dem flexiblen System der Jagd in Eigenregie und Begehungsscheinen wird weiter festgehalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzogtum Lauenburg (pm). Deutschlandweit ist eine dramatische Verschlechterung der W\u00e4lder zu beobachten, dies machte erneut der Waldzustandsbericht 2020 deutlich. F\u00fcr den Kreis Herzogtum Lauenburg, dem gr\u00f6\u00dften kommunalen Waldbesitzer Deutschlands, steht in diesem Jahr die Forsteinrichtung an \u2013 die Planung, was mit unseren W\u00e4ldern in der n\u00e4chsten Dekade geschehen soll. 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