{"id":28677,"date":"2021-02-26T10:43:19","date_gmt":"2021-02-26T08:43:19","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=28677"},"modified":"2021-02-27T10:39:38","modified_gmt":"2021-02-27T08:39:38","slug":"herzogtum-lauenburg-wie-hat-sich-corona-auf-den-arbeitsmarkt-ausgewirkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2021\/02\/26\/herzogtum-lauenburg-wie-hat-sich-corona-auf-den-arbeitsmarkt-ausgewirkt\/","title":{"rendered":"Herzogtum Lauenburg: Wie hat sich Corona auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Herzogtum Lauenburg (pm).<\/strong> Die Corona &#8211; Pandemie bestimmt die Jahresbilanz zum Arbeitsmarkt f\u00fcr den Kreis Herzogtum Lauenburg. Die zuvor positive Entwicklung im Kreis wurde mit dem ersten Lockdown ausgebremst. Die Folgen f\u00fcr den Arbeitsmarkt waren deutlich, sind durch Kurzarbeit und wirtschaftliche Hilfsprogramme jedoch abgemildert worden. So konnte Besch\u00e4ftigung vielfach gesichert und eine h\u00f6here Arbeitslosigkeit verhindert werden.<\/p>\n<p>\u201eDer Arbeitsmarkt im Herzogtum Lauenburg hat sich bis auf die Phase nach dem ersten Lockdown insgesamt robust und widerstandsf\u00e4hig gezeigt und stand nicht still\u201c, sagt Kathleen Wieczorek, Chefin der Agentur f\u00fcr Arbeit Bad Oldesloe. \u201eDas Instrument der Kurzarbeit hat sich nach der Finanzkrise 2008 \/ 2009 erneut bew\u00e4hrt und viele Arbeitspl\u00e4tze gesichert. So konnte eine noch h\u00f6here Arbeitslosigkeit verhindert werden.\u201c<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr lag die Zahl der arbeitslosen Menschen im Kreis Herzogtum Lauenburg im Jahresdurchschnitt bei 5.785. Das waren 867 mehr als noch 2019. Der Zuwachs betrug 17,6 Prozent und war gemeinsam mit dem Kreis Pl\u00f6n der f\u00fcnfth\u00f6chste in Schleswig-Holstein (bei insgesamt 15 Kreisen und kreisfreien St\u00e4dten). \u201eIn Kreisen mit zuvor niedrigerer Arbeitslosigkeit fielen die anteiligen Zuw\u00e4chse zum Vorjahr insgesamt h\u00f6her aus. Der Zuwachs im Herzogtum lag leicht \u00fcber dem Landesschnitt von 15,6 Prozent\u201c, so Wieczorek.<\/p>\n<p>Der erste Lockdown im M\u00e4rz sorgte f\u00fcr den deutlichsten Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahr 2020. \u201eIm April waren auf einmal 631 Menschen mehr arbeitslos gemeldet als im M\u00e4rz, im Laufe des April kamen nochmals 320 dazu. Danach nahm die Arbeitslosigkeit langsamer zu, bis im Juli der Jahresh\u00f6chstwert mit 6.283 arbeitslosen Menschen erreicht war\u201c, res\u00fcmiert die Agenturchefin. \u201eAb September lie\u00df die saisonale Herbstbelebung die Arbeitslosigkeit wieder zur\u00fcckgehen. Der zweite Lockdown im Dezember l\u00f6ste im Gegensatz zum ersten im Fr\u00fchjahr keinen neuerlichen deutlichen Anstieg aus. Es blieb lediglich bei der \u00fcblichen saisonalen Entwicklung zum Jahresende. Ohne Kurzarbeit und die wirtschaftlichen Hilfsprogramme w\u00e4ren die Einschnitte am Arbeitsmarkt 2020 jedoch noch deutlicher ausgefallen.\u201c<\/p>\n<p>Die kreisweite Arbeitslosenquote lag im vergangenen Jahr bei 5,5 Prozent und damit gemeinsam mit dem Kreis Ostholstein auf Platz acht bei insgesamt f\u00fcnfzehn Kreisen und kreisfreien St\u00e4dten in Schleswig-Holstein. Sie stieg gegen\u00fcber 2019 um 0,8 Prozentpunkte. \u201eUnsere Statistik-Experten haben errechnet, dass der \u201eCorona-Anteil oder -Effekt\u201c 0,7 Prozentpunkte an der Gesamtquote ausmacht\u201c, erkl\u00e4rt Wieczorek. Hierbei haben sie unterstellt, dass sich die Arbeitslosigkeit 2020 ohne Corona in den Monaten April bis Dezember in dem Ma\u00dfe wie im Vorjahr 2019 ver\u00e4ndert h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Vom generellen Anstieg der Arbeitslosigkeit waren alle Gruppen betroffen, sowohl die j\u00fcngeren wie auch \u00e4ltere Menschen. Besonders deutlich fiel er bei den Menschen mit ausl\u00e4ndischer Staatsangeh\u00f6rigkeit aus. Bei ihnen lag die Arbeitslosenquote 2020 bei 18,7 Prozent, eine Zunahme um 2,2 Prozentpunkte zum Vorjahr. \u201eSie sind vielfach in den Bereichen t\u00e4tig gewesen, die mit am st\u00e4rksten von den Corona-Beschr\u00e4nkungen betroffen waren, wie zum Beispiel in der Gastronomie. Ebenso finden sich bei ihnen viele ungelernte Kr\u00e4fte, die in wirtschaftlich schlechteren Zeiten erfahrungsgem\u00e4\u00df am schnellsten den Arbeitsplatz verlieren\u201c, so Wieczorek.<\/p>\n<p><strong>Stellenangebote<\/strong><\/p>\n<p>Deutlich zur\u00fcckgegangen war w\u00e4hrend der Pandemie die Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften. \u201eIm April brach die Zahl der Stellenmeldungen regelrecht ein. Es wurden in dem Monat nur 102 neue Stellen gemeldet. Im Vormonat M\u00e4rz waren es noch 281 gewesen. Danach stieg die Zahl wieder langsam an und erreichte im September mit rund 260 neuen Stellen wieder ann\u00e4hernd einen Wert wie vor Corona\u201c, berichtet die Agenturleiterin. \u201eUnser Stellenbestand sank 2020 teilweise bis zu \u00fcber 20 Prozent unter den Vorjahreswert. Dies war deutlich und fiel im Vergleich zum Land Schleswig-Holstein zumindest nach der ersten Lockdown-Phase noch moderater aus. Leider haben sich Stellenbestand sowie die Neumeldungen zum Jahresende nicht erholen k\u00f6nnen und blieben unter dem Niveau wie vor Corona.\u201c<\/p>\n<p>Im Jahr 2020 blieben die Stellenmeldungen in allen Branchen unter dem Vorjahresniveau, nur aus zwei Bereichen gab es mehr Stellenmeldungen: \u201e\u00d6ffentliche Verwaltung\u201c und \u201eKunst und Unterhaltung, sonstige Dienstleistungen und private Haushalte\u201c. Im letztgenannten Bereich fiel das Stellenplus mit einem Plus 20 (122 zu 102 im Jahr 2019) zum Vorjahr (plus 19,6 Prozent) noch am deutlichsten aus.<\/p>\n<p><strong>Kurzarbeit<\/strong><\/p>\n<p>Dass der Verlust an Arbeitsl\u00e4tzen im Kreis Herzogtum Lauenburg nicht noch deutlicher ausfiel, h\u00e4ngt laut der Chefin der Oldesloer Arbeitsagentur vor allem mit der Kurzarbeit zusammen. \u201eSie war und ist das wichtigste arbeitsmarktpolitische Instrument zur Besch\u00e4ftigungssicherung\u201c, erkl\u00e4rt Wieczorek. Im Monat April 2020 lag die Inanspruchnahme der Kurzarbeit auf einem H\u00f6chstwert. \u201eFast 7.000 und damit gut jeder siebte Besch\u00e4ftigte war von einem Arbeitsausfall und damit von Kurzarbeit betroffen.\u201c<\/p>\n<p>Die Kurzarbeiterquote \u2013 das Verh\u00e4ltnis der Zahl der Personen in Kurzarbeit bezogen auf die Zahl der sozialversicherungspflichtig Besch\u00e4ftigten \u2013 betrug im Herzogtum im Monat Juni 10,2 Prozent und war die vierth\u00f6chste in Schleswig-Holstein. \u201eDie Quote gibt das relative Ausma\u00df und die Bedeutung der Kurzarbeit an. Die hohe Quote im Lauenburgischen zeigt, wie wichtig das Instrument f\u00fcr die Sicherung der Arbeitspl\u00e4tze war und ist. Genauso zeigt sie aber auch, dass die Unternehmen auf ihre Besch\u00e4ftigten setzen und sie perspektivisch ben\u00f6tigen\u201c, sagt die Agenturchefin.<\/p>\n<p><strong>Zur Struktur der Kurzarbeit:<\/strong><\/p>\n<p>Von Mai bis Juli 2020 (die aktuellsten drei Monate mit Daten zur tats\u00e4chlichen Kurzarbeit) haben im Durchschnitt 5.056 Besch\u00e4ftigte im Kreis Herzogtum Lauenburg kurzgearbeitet, davon 2.527 M\u00e4nner und 2.529 Frauen. Im Durchschnitt gab es in den drei Monaten in 742 Betrieben einen Arbeitsausfall.<\/p>\n<p>Bei 34,2 Prozent der Kurzarbeitenden betrug der Arbeitsausfall bis zu 25 Prozent, bei 40,7 Prozent Besch\u00e4ftigten lag der Ausfall zwischen 25 und 50 Prozent ihrer Arbeitszeit, bei 16,6 Prozent lag der Ausfall zwischen 50 bis 75 Prozent und bei 6,7 Prozent betrug er bis zu 99 Prozent. 100 Prozent und damit gar nicht arbeiten konnten 1,1 Prozent aller Kurzarbeitenden.<\/p>\n<p>Mit der Anzahl von 1.911 Kurzarbeitenden waren die meisten in Kleinstbetrieben (bis 19 Besch\u00e4ftigte) besch\u00e4ftigt. Es folgen 1.283 von Kurzarbeit betroffene Besch\u00e4ftigte in Kleinbetrieben mit 20 bis zu 99 Mitarbeitenden, 1.117 Kurzarbeitende in Mittelbetrieben mit 100 bis 499 Besch\u00e4ftigten und 318 in Gro\u00dfbetrieben mit einer Mitarbeiterzahl von \u00fcber 500. F\u00fcr 427 Kurzarbeitende fehlte eine Angabe zur Betriebsgr\u00f6\u00dfe.<\/p>\n<p>In 445 der insgesamt 742 Betriebe dauerte die Kurzarbeit bis zu drei Monate, in 286 Betrieben l\u00e4nger als drei bis zu sechs Monate und bei 11 \u00fcber sechs Monate an.<\/p>\n<p>Jedes f\u00fcnfte Unternehmen, in dem in den Monaten Mai bis Juli 2020 kurzgearbeitet wurde, war ein Betrieb aus der Branche \u201eHandel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen\u201c. Der Anteil betrug genau 20,6 Prozent. Einen Anteil von 16,8 Prozent machten Betriebe aus dem Gastgewerbe aus. 10,6 Prozent der kurzarbeitenden Unternehmen kamen aus dem Bereich \u201eVerarbeitendes Gewerbe\u201c und 8,9 Prozent aus dem Bereich sonstige Dienstleistungen \/ private Haushalte. Die verbleibenden Anteile von insgesamt 43,3 Prozent verteilen sich auf weitere dreizehn Wirtschaftszweige.<\/p>\n<p><strong>Fazit 2020:<\/strong><\/p>\n<p>Der Arbeitsmarkt im Kreis Herzogtum Lauenburg hat sich aus Sicht der Chefin der Agentur f\u00fcr Arbeit Bad Oldesloe trotz des Anstiegs der Arbeitslosigkeit insgesamt robust gezeigt: \u201eDie Auswirkungen der Corona-Pandemie haben viele Besch\u00e4ftigte getroffen, sei es, dass sie nur kurzarbeiten konnten oder sogar ihren Arbeitsplatz verloren haben. Die Betroffenheit der Wirtschaftsbereiche gestaltete sich ganz unterschiedlich. Durch Kurzarbeit und wirtschaftliche Hilfsprogramme konnte Besch\u00e4ftigung jedoch vielfach gesichert und eine noch h\u00f6here Arbeitslosigkeit verhindert werden. Ich hoffe, dass der Arbeitsmarkt im Kreis Herzogtum Lauenburg nach der Zeit der coronabedingten Beschr\u00e4nkungen zu seiner vorherigen Dynamik zur\u00fcckfindet und den Menschen im Kreis wieder mehr Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeiten bietet. Es zeichnet sich ab, dass gerade Fachkr\u00e4fte auch zuk\u00fcnftig sicher gebraucht werden. Deshalb bleiben die Ausbildung junger Menschen sowie die Qualifizierung Ungelernter die Handlungsfelder der Zukunft.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzogtum Lauenburg (pm). Die Corona &#8211; Pandemie bestimmt die Jahresbilanz zum Arbeitsmarkt f\u00fcr den Kreis Herzogtum Lauenburg. Die zuvor positive Entwicklung im Kreis wurde mit dem ersten Lockdown ausgebremst. Die Folgen f\u00fcr den Arbeitsmarkt waren deutlich, sind durch Kurzarbeit und wirtschaftliche Hilfsprogramme jedoch abgemildert worden. 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