{"id":27093,"date":"2020-11-19T12:10:12","date_gmt":"2020-11-19T10:10:12","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=27093"},"modified":"2020-11-19T12:10:12","modified_gmt":"2020-11-19T10:10:12","slug":"ein-klaps-auf-dem-po-hat-noch-niemandem-geschadet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2020\/11\/19\/ein-klaps-auf-dem-po-hat-noch-niemandem-geschadet\/","title":{"rendered":"&#8218;Ein Klaps auf dem Po hat noch niemandem geschadet&#8216;?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ratzeburg (pm).<\/strong> Vor 20 Jahren, am 8. November 2000, trat in Deutschland das Recht jedes Kindes auf gewaltfreie Erziehung in Kraft. Trotz positiver Trends sehen viele Menschen in Deutschland k\u00f6rperliche Bestrafung weiter als angebracht an. Das zeigt eine neue repr\u00e4sentative Studie von Forscherinnen und Forschern der Klinik f\u00fcr Kinder- und Jugendpsychiatrie\/Psychotherapie Ulm um den renommierten Kinder- und Jugendpsychiater Professor Dr. med. J\u00f6rg Fegert im Auftrag von Kinderschutzbund und UNICEF.<\/p>\n<p>So ist jeder Zweite noch immer der Auffassung, dass ein Klaps auf den Hintern noch keinem Kind geschadet habe. Jeder Sechste h\u00e4lt es sogar f\u00fcr angebracht, ein Kind zu ohrfeigen.<\/p>\n<p>\u201e20 Jahre nach der Gesetzes\u00e4nderung bleiben Herausforderungen\u201c, sagt Ekin Delig\u00f6z, Vizepr\u00e4sidentin des Kinderschutzbundes. \u201eDenn das Recht jedes Kindes auf gewaltfreie Erziehung geht weit \u00fcber den Verzicht auf k\u00f6rperliche Bestrafungen hinaus. Es ist eine Frage der gesellschaftlichen Haltung. Die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz ist ein l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lliger Schritt, um die Rechte der Kinder auf Schutz, F\u00f6rderung und Beteiligung zu st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n<p>Insbesondere das Ausma\u00df und die negativen Folgen psychischer Gewalt gegen Kinder werden bis heute untersch\u00e4tzt. \u201eVielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass auch Strafen mit Nicht-Achtung, Liebesentzug oder auch Herabsetzung von Kindern Formen der Gewalt sind. Hier besteht noch viel Aufkl\u00e4rungsbedarf f\u00fcr einen Bewusstseinswandel\u201c, sagt Franz Albracht vom DKSB in Ratzeburg.<\/p>\n<p>Seit der Jahrtausendwende ist der Anteil der Menschen, die Gewalt anwenden bzw. als angebracht ansehen, zwar insgesamt gesunken. In den Jahren von 2016 bis 2020 stagnieren die Zahlen aber. Die Akzeptanz von k\u00f6rperlicher Bestrafung hat damit ein Plateau erreicht. Insbesondere leichtere K\u00f6rperstrafen bleiben bei einem Teil der deutschen Bev\u00f6lkerung weiter verbreitet.<\/p>\n<p><strong>Weitere Ergebnisse der Studie<\/strong><\/p>\n<p>Die Zustimmung zu K\u00f6rperstrafen bei Kindern ist bei M\u00e4nnern gr\u00f6\u00dfer als bei Frauen. So stimmen M\u00e4nner dem Klaps auf den Hintern mit 57,8 Prozent h\u00e4ufiger zu als Frauen mit 47,1 Prozent.<\/p>\n<p>Je \u00e4lter die Befragten sind, desto seltener lehnen sie K\u00f6rperstrafen ab. So lehnen 55,4 Prozent der Befragten unter 31 Jahren den Klaps auf den Hintern ab, verglichen mit 34,7 Prozent der Befragten \u00fcber 60 Jahren.<\/p>\n<p>Wer Gewalt erfahren hat, akzeptiert sie eher in der Erziehung. Teilnehmende, die selbst als Kind K\u00f6rperstrafen und emotionale Gewalt erlebt haben, stimmen K\u00f6rperstrafen in der Erziehung eher zu als Menschen, die ohne Gewalt gro\u00df geworden sind. So ist die Wahrscheinlichkeit, der Aussage \u201eEin Klaps auf den Hintern hat noch keinem Kind geschadet\u201c zuzustimmen, bei der Gruppe, die selbst K\u00f6rperstrafen in der Kindheit erlebt hat, fast 16-mal so hoch wie bei Menschen, die keine K\u00f6rperstrafen erlebt haben. Haben sie emotionale Gewalt erfahren, ist die Wahrscheinlichkeit doppelt so hoch.<\/p>\n<p><strong>Hintergrund<\/strong><\/p>\n<p>Im Auftrag von UNICEF Deutschland und dem Kinderschutzbund hat ein Forschungsteam der Klinik f\u00fcr Kinder- und Jugendpsychiatrie\/Psychotherapie des Universit\u00e4tsklinikums Ulm im Fr\u00fchjahr 2020 2.500 repr\u00e4sentativ ausgew\u00e4hlte Personen zu ihren Einstellungen zu K\u00f6rperstrafen in der Erziehung befragt. Die aktuelle Studie baut auf bestehenden Arbeiten zur Akzeptanz von K\u00f6rperstrafen auf und untersucht, wie sich Einstellungen seit Inkrafttreten des Rechts auf eine gewaltfreie Erziehung im Jahr 2000 ver\u00e4ndert haben.<br \/>\nDie Studie selbst kann unter <a href=\"http:\/\/www.dksb.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.dksb.de<\/a> abgerufen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ratzeburg (pm). Vor 20 Jahren, am 8. November 2000, trat in Deutschland das Recht jedes Kindes auf gewaltfreie Erziehung in Kraft. Trotz positiver Trends sehen viele Menschen in Deutschland k\u00f6rperliche Bestrafung weiter als angebracht an. 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