{"id":26475,"date":"2020-10-19T06:52:55","date_gmt":"2020-10-19T04:52:55","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=26475"},"modified":"2020-10-20T16:19:41","modified_gmt":"2020-10-20T14:19:41","slug":"die-schoensten-grusspostkarten-aus-alter-zeit-sonderausstellung-im-kreismuseum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2020\/10\/19\/die-schoensten-grusspostkarten-aus-alter-zeit-sonderausstellung-im-kreismuseum\/","title":{"rendered":"&#8218;Die sch\u00f6nsten Gru\u00dfpostkarten aus alter Zeit&#8216; &#8211; Sonderausstellung im Kreismuseum"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ratzeburg (pm). <\/strong>Das Kreismuseum Herzogtum Lauenburg in Ratzeburg zeigt in der Zeit vom 20. Oktober bis zum 18. November die neue Sonderausstellung \u201eDie sch\u00f6nsten Gru\u00dfpostkarten aus alter Zeit\u201c. Es sind zirka 900 Postkarten aus den Jahren von 1890 bis 1918 zu sehen. In dieser Zeit erlebte die Bild-Postkarte einen absoluten Boom. Sie wurden nicht nur als neuartiges Kommunikationsmedium verwendet sondern auch in prachtvoll gestalteten Alben gesammelt.<\/p>\n<p>Handschriftliche Texte des Absenders mussten zun\u00e4chst auf die Bildseite (!) geschrieben werden, was leider den optischen Eindruck erheblich st\u00f6rte. Die Gegenseite blieb (gro\u00dfz\u00fcgig bemessen!) ausschlie\u00dflich postalischen Angaben vorbehalten. Meistens brauchte man gar keinen eigenen Text, denn vorgefertigte S\u00e4tze wie \u201eWarum lie\u00dfest Du mich warten?\u201c oder \u201eSei wieder gut!\u201c auf sog. Spruchkarten boten auch sch\u00fcchternen Absendern die M\u00f6glichkeit zur Kommunikation. Gru\u00dfkarten f\u00fcr Verliebte, die einander h\u00e4ufig schrieben, gab es in ganzen Serien mit entsprechend sinnigen Texten, sich erg\u00e4nzenden Gedicht- oder Liedzeilen, die wohl auch zum Sammeln anregen sollten.<br \/>\nEiner der gr\u00f6\u00dften Hersteller von Ansichtskarten war die \u201eNeue Photographische Gesellschaft\u201c. Sie vereinfachte die Massenherstellung von Fotografien und war Erfinder der \u201eKilometer-Photographie\u201c, bei der Fotos nicht auf Fotopapier-B\u00f6gen, sondern auf kilometerlange Rollen belichtet wurden.<\/p>\n<p>Gru\u00dfkarten mit Ortsansichten \u2013 wie von Ratzeburg, M\u00f6lln und Lauenburg \u2013 gab es nicht nur mit vorgedruckten Urlaubsgr\u00fc\u00dfen, sondern auch zu Weihnachten, Neujahr, Ostern und anderen Anl\u00e4ssen. Man nutzte vorgefertigte Standard-Entw\u00fcrfe, in welche nur die jeweiligen Ortsansichten einkopiert werden mussten. Ob die Motive zur Stadt passten \u2013 wie etwa die Meeresmuscheln zu M\u00f6lln \u2013 war nicht besonders relevant.<\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg (1914-18) bot Anlass zum Versenden von Postkarten-Gr\u00fc\u00dfen der Soldaten aus dem Felde oder an sie dorthin, aber auch zum Austausch witzig gemeinter Postkarten untereinander. Auch hatten Karten zum \u201eAbschied\u201c besondere Hochkonjunktur. \u201eImmer Fachmann \u2013 Milit\u00e4rische Fachausdr\u00fccke im Spiegel des Humors\u201c nannte sich eine umfangreiche Serie von Soldatenpostkarten aus dem 1. Weltkrieg, deren humoristische Wirkung auf den Wortspielen der Titel und ihren amour\u00f6sen Darstellungen beruhte. Zum Osterfest fand neben religi\u00f6s gepr\u00e4gten Motiven (im Norden eher selten verschickt) auch Patriotisches auf die Karten, dessen Verbindung mit Ostern weit hergeholt war, aber dem Zeitgeist der deutschen Kaiserzeit entsprach. Wesentlich beliebter waren aber die Fotos von Kindern mit Hasen oder Ostereiern.<\/p>\n<p>Fotografierte Weihnachtsgru\u00dfkarten mit geschm\u00fcckten Christb\u00e4umen und Spielzeug auf dem Gabentisch geben einen interessanten historischen Einblick in die Weihnachtsbr\u00e4uche und Lebensumst\u00e4nde in der Zeit der Jahrhundertwende. Mit farbigen Chromolithographien, Kolorierungen, Pr\u00e4gedrucken und Goldauflagen kamen Weihnachtsgru\u00dfkarten besonders prunkvoll daher.<\/p>\n<p>Karten mit erotischen Motiven oder anz\u00fcglichen Witzen wurden wohl nur selten verschickt (alle in der Ausstellung gezeigten Karten sind nicht postalisch gelaufen), sondern fanden den Weg in Herrenbrieftaschen. Massenhaft produziert wurden Fotokarten von Frauen in Ganzk\u00f6rpertrikots, die Nacktheit nur vort\u00e4uschten \u2013 oder man imitierte antike Statuen.<br \/>\nAus dem vielf\u00e4ltigen Angebot an Gru\u00dfkarten mit Blumenmotiven stechen die Rosen als Sinnbilder der Liebe und Vergissmeinnicht als Symbole der Treue hervor. Fotos von sch\u00f6nen Damen wurden als Kartengr\u00fc\u00dfe gerne verschickt, wobei das Geschlecht von Absender und Adressat keine Rolle spielte. Oft waren die Damenk\u00f6pfe auch mit M\u00e4nnernamen versehen, die als Gru\u00df zum Namenstag gedacht waren und heute unfreiwillig komisch anmuten. Die Namen wurden von Hand individuell aufgemalt und mit Glitter beklebt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Grusskarten-2.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-26477\" src=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Grusskarten-2-192x300.jpg\" alt=\"\" width=\"362\" height=\"566\" srcset=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Grusskarten-2-192x300.jpg 192w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Grusskarten-2-269x420.jpg 269w\" sizes=\"(max-width: 362px) 100vw, 362px\" \/><\/a>Karten mit deutlich sichtbarem Ausfall von Silbernitrat beweisen, dass es sich bei den meisten Schwarz-wei\u00df-Karten um echte Fotographien, also Einzelst\u00fccke, handelt, die oft von Hand koloriert wurden. Sp\u00e4ter wurden die meisten Karten als Chromolithographien seriell gedruckt.<\/p>\n<p>Erstaunlich gro\u00df war das Angebot an Gru\u00dfkarten zum 1. Schultag. Lustige oder r\u00fchrselige Kinderszenen \u2013 fotografiert oder gemalt \u2013 waren ein beliebtes Kartenmotiv. H\u00e4ufig wurden sie in umfangreichen Serien produziert. Eine ganze Industrie lebte von Herstellung und Vertrieb sogenannte \u201eKunstpostkarten\u201c, die nicht etwa bekannte Gem\u00e4lde abbildeten, sondern serienweise eigens f\u00fcr die Karten gemalte Motive von gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher \u201eBreitenwirkung\u201c zeigten. Hunderte solcher Motive malte der Dresdner Akademiek\u00fcnstler Alfred Mailick (1869-1946).<\/p>\n<p>Am h\u00e4ufigsten wurden Gru\u00dfpostkarten zum Geburtstag verschickt. In der Zeit zwischen 1890 und 1910 waren Blumenmotive besonders beliebt. Manche Karten sind kleine Kunstwerke des Jugendstils &#8211; manche banaler Kitsch. Die Zahl der damals produzierten Motive ist gewaltig. Neben zahllosen Karten mit Portr\u00e4ts und Darstellungen \u201enamenloser\u201c Sch\u00f6nheiten, die einfach nur Ausdruck des herrschenden Sch\u00f6nheitsideals waren, gab es auch \u201eFan-Postkarten\u201c von ber\u00fchmten Schauspielerinnen und Schauspielern der jungen Filmindustrie, wie etwa von Henny Porten, die nach dem Krieg in Ratzeburg gelebt hat und von der mehr als 800 unter-schiedliche Postkartenmotive bekannt sind.<\/p>\n<p>Die Ausstellung im Kreismuseum in Ratzeburg, Domhof 12, ist t\u00e4glich, au\u00dfer montags, von 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr ge\u00f6ffnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ratzeburg (pm). Das Kreismuseum Herzogtum Lauenburg in Ratzeburg zeigt in der Zeit vom 20. Oktober bis zum 18. November die neue Sonderausstellung \u201eDie sch\u00f6nsten Gru\u00dfpostkarten aus alter Zeit\u201c. Es sind zirka 900 Postkarten aus den Jahren von 1890 bis 1918 zu sehen. In dieser Zeit erlebte die Bild-Postkarte einen absoluten Boom. 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