{"id":25491,"date":"2020-09-06T10:56:03","date_gmt":"2020-09-06T08:56:03","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=25491"},"modified":"2020-09-06T10:56:03","modified_gmt":"2020-09-06T08:56:03","slug":"gleichstellung-in-zeiten-von-corona","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2020\/09\/06\/gleichstellung-in-zeiten-von-corona\/","title":{"rendered":"Gleichstellung in Zeiten von Corona"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dassendorf (pm).<\/strong> Wie in allen Bereichen gesellschaftlichen Lebens hat die Corona-Pandemie auch Auswirkungen auf die T\u00e4tigkeiten der hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten. Nina Stiewink nimmt seit Mai 2014 diese Aufgabe im Amt Hohe Elbgeest wahr und legt jetzt ihren sechsten T\u00e4tigkeitsbericht vor.<\/p>\n<p>\u201eLange geplante Veranstaltungen sind ausgefallen, aber die Beratungszahlen sind trotz oder wegen Corona gestiegen. Vor allem aber wurden Themen, die vorher schon gleichstellungsrelevant waren, wie im Vergr\u00f6\u00dferungsglas sichtbar\u201c, blickt Nina Stiewink in ihrem Jahresbericht Juli 2019 bis August 2020 zur\u00fcck. Dabei steht der Zeitraum seit M\u00e4rz 2020 im Mittelpunkt. In 40 Beratungen wurde Nina Stiewink doppelt so oft wie im Vorjahreszeitraum aufgesucht in ihrem B\u00fcro im Amtsgeb\u00e4ude in Dassendorf oder konnte am Telefon Hilfestellung geben.<\/p>\n<p><strong>Schlie\u00dfungen von Kitas und Schulen<\/strong><\/p>\n<p>Zu Beginn der Schlie\u00dfungen von Schulen und Kitas sowie des Home-Office vieler Eltern r\u00fcckten die Themen wie Aggressivit\u00e4t, h\u00e4usliche Gewalt sowie m\u00f6gliche Kindeswohlgef\u00e4hrdungen in den Vordergrund. \u201eAm 24. M\u00e4rz verfasste ich aufgrund der 8. Allgemeinverf\u00fcgung des Landes Schleswig-Holstein eine Mail an die Schul- und Kita-Leitungen, in der ich auf das Thema hinwies und auf die M\u00f6glichkeit, \u201ebesonders schutzbed\u00fcrftige Kinder\u201c in die Notfallbetreuung aufzunehmen.\u201c<\/p>\n<p>Die hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragen im Kreis Herzogtum Lauenburg haben sich dem Aufruf \u201eWann, wenn nicht jetzt!\u201c angeschlossen, mit dem sich 20 deutschlandweit t\u00e4tige Organisationen und Verb\u00e4nde an die \u00d6ffentlichkeit gewandt haben. Dieser Aufruf verdeutlicht die entscheidenden Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Geschlechtergerechtigkeit. So macht er deutlich, welche Jobs systemrelevant sind. Nina Stiewink: \u201eEs sind Kranken- und Altenpfleger*innen, Verk\u00e4ufer*innen, Arzthelfer*innen, Erzieher*innen und viele, deren Arbeit in der \u00d6ffentlichkeit gar nicht wahrgenommen wird.\u201c Meist werden diese Berufe von Frauen ausge\u00fcbt, die den Laden am Laufen halten und die der erh\u00f6hten Ansteckungsgefahr trotzen. Trotzdem werden sie schlecht bezahlt in diesen typischen Frauenberufen. \u201eGesellschaftlich notwendige Arbeit muss jetzt und f\u00fcr die Zukunft neu bewertet werden\u201c, betont Nina Stiewink.<\/p>\n<p>Wann, wenn nicht jetzt, werde deutlich, dass Minijobs, in denen \u00fcberwiegend (62 Prozent) Frauen arbeiten, in die (Alters-)Armut f\u00fchren. Von den Regelungen des Kurzarbeitergeldes k\u00f6nnen Minijobberinnen nicht profitieren, da sie nicht in die Arbeitslosenversicherung einzahlen. Seit Jahrzehnten fordern die Gleichstellungsbeauftragten, Minijobs in sozialversicherungspflichtige Besch\u00e4ftigung umzuwandeln.<\/p>\n<p>Wann, wenn nicht jetzt, werde deutlich, dass die eigenen vier W\u00e4nde f\u00fcr einige Frauen ein gef\u00e4hrlicher Ort sind. Unter den eingeschr\u00e4nkten Lebensumst\u00e4nden wachsen Spannungen und Stress. F\u00e4lle von partnerschaftlicher Gewalt haben bereits wenige Wochen nach den pandemiebedingten Einschr\u00e4nkungen zugenommen.<\/p>\n<p>Wann, wenn nicht jetzt, werde deutlich, dass Care-Arbeit \u00fcberwiegend von Frauen geleistet wird. Frauen sind es, die wegen der geschlossenen Kitas und Schulen haupts\u00e4chlich die Kinder betreuen und die Versorgung der Familie \u00fcbernehmen &#8211; neben ihrem systemrelevanten Beruf oder im Homeoffice.<\/p>\n<p>Besonders schwierig sei die Alltagssituation f\u00fcr Alleinerziehende, wenn die Betreuungseinrichtungen geschlossen sind und vom Arbeitgeber Homeoffice angeordnet wird. Stiewink: \u201eIn Alleinverantwortung mit Kindern zu Hause zu arbeiten, ist eine ma\u00dflose \u00dcberforderung. Finanzielle und strukturelle Rahmenbedingungen f\u00fcr Alleinerziehende m\u00fcssen verbessert werden.\u201c<\/p>\n<p>Wann, wenn nicht jetzt, werde deutlich, dass gefl\u00fcchtete Frauen und Kinder in ganz besonderer Weise betroffen sind durch die beengten Wohnverh\u00e4ltnisse in Gemeinschaftsunterk\u00fcnften und isolierten Sammellagern. \u201eBei der Umsetzung der Forderungen nach finanzieller Aufwertung und besseren Strukturen f\u00fcr die Familien auch in Pandemiezeiten erwarten wir von Politik, Arbeitgeber*innen und allen Verantwortungstr\u00e4ger*innen ein ebenso engagiertes, sachbezogenes, mutiges und zeitnahes Handeln wie jetzt in der Zeit der Corona-Pandemie\u201c, betont Gleichstellungsbeauftragte Nina Stiewink.<\/p>\n<p>Mehr Beratungen, mehr Informationen und mehr Netzwerkarbeit, auch digital, sollen helfen, die Lage der Betroffenen kurzfristig zu verbessern. Dazu geh\u00f6rt auch die Information \u00fcber die Aktion Codewort \u201eMaske 19\u201c. \u201eWenn eine Frau dieses Codewort nennt, dr\u00fcckt sie damit aus, dass sie von h\u00e4uslicher Gewalt betroffen ist. Das kann sie in Apotheken, bei \u00c4rzten oder an anderer Stelle im \u00f6ffentlichen Raum tun \u2013 bitte seien Sie aufmerksam!\u201c, wendet sich Nina Stiewink an die \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p><strong>Home-Office war im Amt eine gro\u00dfe Herausforderung<\/strong><\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die Mitarbeiter im Amt Hohe Elbgeest war die Schlie\u00dfung von Kitas und Schulen eine gro\u00dfe Herausforderung. \u201eMehrfach habe ich intern Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu beraten\u201c; berichtet Nina Stiewink. \u201eGute Absprachen innerhalb des Hauses zwischen Dienststelle und Fachamtsleitungen, Personalamt, Personalrat und Gleichstellungsbeauftragter haben zu guten L\u00f6sungen gef\u00fchrt.\u201c Diese Absprachen waren so erfolgreich, dass der Home-Office-Bereich im Amt Hohe Elbgeest auch nach dem \u201eLock-Down\u201c weitergef\u00fchrt wird, angepasst an die Service-Dienstleistungen f\u00fcr die B\u00fcrger.<\/p>\n<p><strong>Ausblick auf Herbst 2020<\/strong><\/p>\n<p>In Kooperation mit der Frauenberatung Herzogtum Lauenburg \u201eFrauen in Not e. V.\u201c bietet Nina Stiewink im Amtsgebiet seit September 2019 kostenlos und anonym Beratungen an. Ab September 2020 werden wieder an jedem 1. Dienstag im Monat pers\u00f6nliche Beratungen in der Au\u00dfenstelle Dassendorf stattfinden. Ein Termin kann bei der Beratungsstelle vertraulich unter 04151- 8 13 06 vereinbart werden.<\/p>\n<p>\u201eMit Hygiene-Konzepten versuche ich in der zweiten Jahresh\u00e4lfte eine R\u00fcckkehr zu Veranstaltungen. So findet am 22. September von 17 bis 20 Uhr eine Infoveranstaltung zu \u201ePflegebed\u00fcrftigkeit\u201c statt. Am 27. Oktober, 17 bis 20 Uhr zu \u201eDemenz\u201c. Am 28. November von 10.30 bis 16.30 Uhr findet in Wohltorf das n\u00e4chste \u201eWenDo-Training\u201c statt. Alles steht unter dem Vorbehalt, dass die Landesverordnungen dieses zulassen. Die Beratung von FRAU &amp; BERUF ist weiterhin nur telefonisch und digital m\u00f6glich. Anmeldung \u00fcber Sandra Hansen unter der Rufnummer 0160\/240 50 22.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dassendorf (pm). Wie in allen Bereichen gesellschaftlichen Lebens hat die Corona-Pandemie auch Auswirkungen auf die T\u00e4tigkeiten der hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten. Nina Stiewink nimmt seit Mai 2014 diese Aufgabe im Amt Hohe Elbgeest wahr und legt jetzt ihren sechsten T\u00e4tigkeitsbericht vor. \u201eLange geplante Veranstaltungen sind ausgefallen, aber die Beratungszahlen sind trotz oder wegen Corona gestiegen. 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