{"id":22852,"date":"2020-05-09T09:51:53","date_gmt":"2020-05-09T08:51:53","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=22852"},"modified":"2020-05-09T09:51:53","modified_gmt":"2020-05-09T08:51:53","slug":"corona-droht-zur-armutsfalle-zu-werden-verbaende-schlagen-alarm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2020\/05\/09\/corona-droht-zur-armutsfalle-zu-werden-verbaende-schlagen-alarm\/","title":{"rendered":"Corona droht zur Armutsfalle zu werden \u2013 Verb\u00e4nde schlagen Alarm"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kiel (pm).<\/strong> Die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen in Armut lebende Menschen ungleich h\u00e4rter als den \u00fcbrigen Teil der Gesellschaft. In einer gemeinsamen Presseerkl\u00e4rung fordern die schleswig-holsteinischen Landesverb\u00e4nde von AWO, DGB, Kinderschutzbund, PARIT\u00c4TISCHER und Sozialverband die Politik auf, w\u00e4hrend und nach der Krise nachhaltige Ma\u00dfnahmen zur Armutsbek\u00e4mpfung zu ergreifen.<\/p>\n<p>Wie durch ein Brennglas werden durch die Corona-Krise die strukturellen Defizite in unserer Gesellschaft sichtbar. Erst jetzt nehmen viele wahr, dass offensichtlich nicht nur Banken und Autohersteller systemrelevant sind, sondern vielmehr Pflegekr\u00e4fte, Verk\u00e4ufer*innen, Erzieher*innen und viele weitere Berufsgruppen, die bisher weitestgehend unter den Radar von Politik und Gesellschaft fielen.<\/p>\n<p>Trotz dieser Erkenntnis werden weder \u201ePflegegipfel\u201c noch \u201eBildungsgipfel\u201c abgehalten, in den Medien wird l\u00e4nger \u00fcber Geisterspiele in der Bundesliga als \u00fcber die Unvereinbarkeit von Homeoffice, Homeschooling und Kinderbetreuung diskutiert. Und diejenigen, die keine Lobby haben, kommen in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung kaum vor und werden von der Politik vergessen: Menschen, die bereits vor der Corona-Krise in prek\u00e4ren Lebens- oder Arbeitsverh\u00e4ltnissen lebten und nun an ihr finanzielles, physisches und psychisches Limit geraten. Kurzarbeit und die Sorge um den Verlust des Arbeitsplatzes verst\u00e4rken die Situation noch.<\/p>\n<p>Uwe Polkaehn, Vorsitzender DGB Nord: \u201eSchleswig-Holstein ist bundesweit Spitzenreiter bei prek\u00e4rer Besch\u00e4ftigung. 46 % aller Besch\u00e4ftigten arbeiten prek\u00e4r! 22 % der Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse sind Minijobs \u2013 vor allen von Frauen besetzt \u2013 mit schlechter sozialer Absicherung. Das wird jetzt in der Krise besonders deutlich: Kein Arbeitslosengeld, kein Kurzarbeitergeld! Zus\u00e4tzlich werden in Schleswig-Holstein die niedrigsten L\u00f6hne der westlichen Bundesl\u00e4nder gezahlt, und nur noch 44 % der Besch\u00e4ftigten fallen \u00fcberhaupt unter den Schutz von Tarifvertr\u00e4gen! Damit ist klar: Der ohnehin dringende Handlungsbedarf hat sich durch die aktuellen Folgen von Corona noch einmal deutlich versch\u00e4rft. Deshalb fordern wir einen sozialen Schutzschirm f\u00fcr Menschen in prek\u00e4rer Besch\u00e4ftigung und Niedriglohn.\u201c<\/p>\n<p>\u201eArme Menschen haben in dieser Krise das Nachsehen. Familien, die sowieso wenig haben, treffen die Auswirkungen mit existenzieller Wucht. Es ist an uns allen, jetzt als Gesellschaft Solidarit\u00e4t zu zeigen. Wir fordern 100 Euro monatliche Soforthilfe f\u00fcr Menschen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind und f\u00fcr Kinder aus sozialschwachen Familien eine F\u00f6rderung der digitalen Ausstattung f\u00fcr den Schulunterricht durch das Land mit 150 Euro. Au\u00dferdem m\u00fcssen wir uns vergegenw\u00e4rtigen, welche Arbeitskr\u00e4fte das R\u00fcckgrat der Gesellschaft sind und das auch finanziell anerkennen. Es sind vor allem die Menschen, die tagt\u00e4glich die Sorge f\u00fcr andere tragen, in deren Geh\u00e4ltern sich dieses gesellschaftliche Engagement in keiner Weise niederschl\u00e4gt\u201c, sagt der AWO Pr\u00e4sidiumsvorsitzende Wolfgang Baasch.<\/p>\n<p>Michael Saitner, gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Vorstand des PARIT\u00c4TISCHEN SH, erg\u00e4nzt: \u201eBereits vor der Pandemie war die Chancenungerechtigkeit in einem so reichen Land wie Deutschland besch\u00e4mend gro\u00df. Der wochenlange Schulausfall hat die Bildungsungleichheit verst\u00e4rkt, f\u00fcr viele Kinder ist die Wahrscheinlichkeit, eine h\u00f6here Schulbildung als ihre Eltern zu erfahren, noch weiter gesunken. Wir fordern das Bildungsministerium auf, endlich diese Kinder verst\u00e4rkt in den Fokus zu nehmen, um Armutskarrieren zu verhindern. Daf\u00fcr braucht es eine Reform hin zu einem Schulsystem, das einen hohen Anteil an sozialp\u00e4dagogischer Betreuung beinhaltet und arme Kinder st\u00e4rker f\u00f6rdert. Durch das jetzige System wird soziale Ungleichheit zementiert, Kinder aus finanziell schwachen Familien werden abgeh\u00e4ngt.\u201c<\/p>\n<p>Irene Johns, Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein f\u00fcgt hinzu, dass es neben der abnehmenden Bildungsgerechtigkeit f\u00fcr arme Kinder in Zeiten von Corona zudem um ganz existenzielle Probleme gehe: \u201eSo f\u00e4llt f\u00fcr Kinder aus einkommensschwachen Familien das beitragsfreie Mittagessen in Kita und Schule weg. Die Familien erhalten aber keine zus\u00e4tzlichen Mittel, um das auszugleichen\u201c, erinnert die DKSB SH Landesvorsitzende Irene Johns. \u201eSo geraten gering verdienende oder erwerbslose Eltern zunehmend in die belastende Situation, dass die Versorgung ihrer Kinder f\u00fcr sie noch schwieriger wird als bisher \u2013 das ist nicht hinnehmbar.<\/p>\n<p>Der Kinderschutzbund fordert daher ihnen als Ausgleich f\u00fcr das wegfallende kostenlose Mittagessen eine unb\u00fcrokratische Soforthilfe zu zahlen. Die Gelder aus dem Bildungs- und Teilhabepaket werden aktuell ohnehin nicht ausgegeben und k\u00f6nnten so zumindest diese Not lindern.\u201c Der Sozialverband macht auf das Schicksal vieler Rentner*innen w\u00e4hrend der Corona-Krise aufmerksam: \u201eSeit jeher werden Erwerbsminderungsrentner*innen finanziell daf\u00fcr bestraft, dass sie aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden nicht mehr arbeiten k\u00f6nnen. Denn die karge Rente wird durch Abschl\u00e4ge von bis zu 10,8 Prozent noch weiter verringert. Durch die Krise steigen nun die Preise f\u00fcr frische Lebensmittel. Gleichzeitig fehlen in vielen Superm\u00e4rkten immer noch g\u00fcnstige Grundnahrungsmittel durch Hamsterk\u00e4ufe. Jetzt ist schnelles Handeln gefordert, die ungerechten Abschl\u00e4ge in der Erwerbsminderungsrente m\u00fcssen dringend abgeschafft werden\u201c, fordert Jutta K\u00fchl, Landesvorsitzende des Sozialverbands Schleswig-Holstein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kiel (pm). Die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen in Armut lebende Menschen ungleich h\u00e4rter als den \u00fcbrigen Teil der Gesellschaft. In einer gemeinsamen Presseerkl\u00e4rung fordern die schleswig-holsteinischen Landesverb\u00e4nde von AWO, DGB, Kinderschutzbund, PARIT\u00c4TISCHER und Sozialverband die Politik auf, w\u00e4hrend und nach der Krise nachhaltige Ma\u00dfnahmen zur Armutsbek\u00e4mpfung zu ergreifen. 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