{"id":21236,"date":"2020-03-02T10:08:44","date_gmt":"2020-03-02T09:08:44","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=21236"},"modified":"2020-03-02T10:08:44","modified_gmt":"2020-03-02T09:08:44","slug":"erstes-moelln-form-mehr-staatliches-engagement-bei-der-pflege-gefordert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2020\/03\/02\/erstes-moelln-form-mehr-staatliches-engagement-bei-der-pflege-gefordert\/","title":{"rendered":"Erstes &#8218;M\u00f6lln Form&#8216;: \u00a0Mehr staatliches Engagement bei der Pflege gefordert"},"content":{"rendered":"<p><strong>M\u00f6lln (pm).<\/strong> Das <a href=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2020\/02\/25\/pflege-in-moelln-finanzieller-albtraum-oder-humane-perspektive\/\">erste &#8218;M\u00f6lln Forum&#8216;<\/a> der M\u00f6llner SPD mit dem Thema &#8222;Pflege in M\u00f6lln &#8211; Finanzieller Albtraum oder Humane Perspektive&#8220; fand gro\u00dfe Resonanz. Experten und Praktiker des Pflegesektor haben zun\u00e4chst den Sachstand zusammengefasst. Im gut besuchten Gemeinschaftshaus Heilig-Geist Hospital in M\u00f6lln musste das Plenum der Veranstaltung vier Gewissheiten zur Kenntnis nehmen:<\/p>\n<p>1. Der Bedarf an Pflegepl\u00e4tzen wird steigen.<br \/>\n2. Die Kapazit\u00e4ten reichen nicht aus<br \/>\n3. Die Kosten explodieren<br \/>\n4. Es gibt zu wenig Pflegekr\u00e4fte<\/p>\n<p>Unmittelbarer Anlass f\u00fcr die Veranstaltung waren k\u00fcrzliche Erh\u00f6hungen der Eigenbeteiligung von in Pflegeheimen betreuten Bewohnern bis zu 70 Prozent. So erkl\u00e4rbar und nachvollziehbar die Erh\u00f6hungen in jedem Einzelfall auch sein m\u00f6gen, bedeutet es doch f\u00fcr die Betroffenen und ihre Angeh\u00f6rigen einen schmerzlichen Einschnitt. Die Eigenbeteiligung betr\u00e4gt bundesweit im Durchschnitt zurzeit 1.930 Euro. Sollten Rente, andere Eink\u00fcnfte oder erspartes Verm\u00f6gen nicht ausreichen, muss staatliche Hilfe das Defizit ausgleichen. Die Betroffenen in den Heimen d\u00fcrfen dann nur noch \u00fcber eine Art Taschengeld in H\u00f6he von 117 Euro frei verf\u00fcgen. Um diesen entw\u00fcrdigenden Zustand nicht weiter ausufern zu lassen, sei laut SPD eine Deckelung der Eigenbeitr\u00e4ge geboten. Im Gegenzug sollten die tendenziell eingefrorenen Kassenleistungen den realen Kostensteigerungen angepasst werden. F\u00fcr die Angeh\u00f6rigen habe sich die ihnen bislang drohende finanzielle Belastung verringert oder sei g\u00e4nzlich entfallen.<\/p>\n<p>Seit dem 1. Januar 2020 sei gesetzlich geregelt, dass Kinder von in Pflegeheimen lebenden M\u00fcttern oder V\u00e4tern erst ab einem Bruttoeinkommen von \u00fcber 100.000 Euro zu finanziellen Leistungen herangezogen werden d\u00fcrfen, um ein Defizit in den Pflegekosten auszugleichen.<br \/>\nUngeachtet dieser finanziellen Entlastung der Angeh\u00f6rigen blieben die Probleme der Pflege in Deutschland dramatisch. Im Plenum wurde von einem Pflegekollaps gesprochen.<\/p>\n<p>Aktuell fehlten in Deutschland 80.000 Pflegekr\u00e4fte. Finanziell w\u00e4ren 30 Milliarden notwendig, um diese L\u00fccke zu f\u00fcllen. Aber selbst, wenn das Geld zu mobilisieren w\u00e4re, st\u00fcnde nicht genug Pflegepersonal zur Verf\u00fcgung. Importe aus der EU oder anderen L\u00e4ndern helfen in der Gr\u00f6\u00dfenordnung nicht. Der Pflegenotstand sei total.<\/p>\n<p>Die Anwesenden waren sich in der Aussprache einig, dass der drohende Untergang des gegenw\u00e4rtigen Pflegesystems nur durch eine umfassende nationale politische Anstrengung abgewendet werden kann. Der Pflegeberuf m\u00fcsse in jeder Hinsicht aufgewertet werden. Die Lasten d\u00fcrften nicht allein auf die Pflegeversicherung und die zu Pflegenden abgew\u00e4lzt werden. Der Staat m\u00fcsse sich st\u00e4rker engagieren.<\/p>\n<p>In Deutschland gingen 1,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in die Alten- und Krankenpflege. Die Nachbarl\u00e4nder Niederlande, D\u00e4nemark, Schweden und Norwegen steckten 2, 5 Prozent in die Versorgung von Alten und Kranken.<\/p>\n<p>Am Ende der Veranstaltung stand der Dank an Frau Schemmerling und Herrn Kartz vom Fachbereich \u00a0des Kreises Jugend, Familie, Schule und Soziales, die Herren Ke\u00dfler und Pfl\u00fcgge vom Seniorenheim Uhlenspeegel \u00a0und an Herrn Kossyk vom Pflegest\u00fctzpunkt M\u00f6lln, einem wichtigen Informationsknotenpunkt f\u00fcr alle Hilfesuchenden. Sie alle h\u00e4tten mit ihrer Expertise zur fachlichen Vertiefung der Aussprache beigetragen. Die SPD M\u00f6lln gelobte, das Thema Pflege und W\u00fcrde im Alter intensiv in den Diskurs der Parteien und der \u00d6ffentlichkeit hineinzutragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00f6lln (pm). 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