{"id":18740,"date":"2019-11-07T10:15:51","date_gmt":"2019-11-07T08:15:51","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=18740"},"modified":"2019-11-07T10:15:51","modified_gmt":"2019-11-07T08:15:51","slug":"30-jahre-nach-dem-fall-der-berliner-mauer-gemeinsam-werte-entwickeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2019\/11\/07\/30-jahre-nach-dem-fall-der-berliner-mauer-gemeinsam-werte-entwickeln\/","title":{"rendered":"30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer: Gemeinsam Werte entwickeln"},"content":{"rendered":"<p><strong>L\u00fcbeck (pm).<\/strong> \u201eDrei Jahrzehnte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs k\u00f6nnen wir feststellen, dass die Wiedervereinigung Deutschlands vor allem in unserer Region ein Erfolg gewesen ist. Der 9. November 1989 war daher vor allem auch f\u00fcr unsere Region ein Schicksalstag\u201c, sagte Friederike C. K\u00fchn, Pr\u00e4ses der IHK zu L\u00fcbeck, in einer gemeinsamen Veranstaltung mit der IHK zu Schwerin. \u201eHeute nennen wir die Region HanseBelt, denn hier sind der Bezirk der IHK zu L\u00fcbeck sowie der Landkreis Nordwestmecklenburg mit der Hansestadt Wismar und der Landeshauptstadt Schwerin zu einem gro\u00dfen Wirtschaftsraum verschmolzen\u201c, erg\u00e4nzte die Pr\u00e4ses vor mehr als 100 Vertretern aus Wirtschaft und Politik im Restaurant der Euroimmun AG in L\u00fcbeck.<\/p>\n<p>Die IHKs hatten die Zentrale des Labordiagnostikherstellers f\u00fcr die Veranstaltung gew\u00e4hlt, weil sie in unmittelbarer N\u00e4he der ehemaligen innerdeutschen Grenze liegt und Euroimmun schon kurz nach der Wende Standorte in den neuen Bundesl\u00e4ndern aufgebaut hatte. \u201eDer Mauerfall war daher f\u00fcr uns ein gro\u00dfes Ereignis. Unsere Mitarbeiter in der Region haben ihre Wurzeln in L\u00fcbeck und Nordwestmecklenburg. Sie arbeiten gut zusammen. Das haben wir geschafft\u201c, sagte Euroimmun-Vorstand Dirk Beecker.<\/p>\n<p>Als die innerdeutsche Grenze fiel, sei die Euphorie im Osten gro\u00df gewesen, erinnert sich Matthias Belke, Pr\u00e4sident der IHK zu Schwerin. \u201eGerade f\u00fcr uns junge Menschen standen auf einmal alle T\u00fcren offen. Die neu gewonnene Freiheit war f\u00fcr mich vor allem die M\u00f6glichkeit, ein eigenes Unternehmen in meiner Heimat zu gr\u00fcnden.\u201c Nach 30 Jahren stelle die Selbst\u00e4ndigkeit eher die M\u00f6glichkeit dar, sich beruflich zu verwirklichen als eine Existenzgrundlage zu schaffen. Pr\u00e4sident Belke: \u201eDas ist auch ein Resultat der positiven Entwicklung, die unser gemeinsamer Wirtschaftsraum genommen hat. Die Metropolregion Hamburg, in der Westmecklenburg gut angekommen ist, gibt hier den gemeinsamen Rahmen vor.\u201c<\/p>\n<p>In der ehemaligen DDR habe damals Goldgr\u00e4berstimmung geherrscht, sagte der NDR-Journalist Christopher Scheffelmeier, der die Veranstaltung moderierte. Ein in den letzten Wochen der DDR gegr\u00fcndetes Unternehmen geh\u00f6rt heute zu den f\u00fchrenden Herstellern von B\u00fcrom\u00f6beln in Deutschland. Uwe Blaumann, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der PALMBERG B\u00fcroeinrichtungen + Service GmbH in Sch\u00f6nberg, sprach \u00fcber die bewegende Zeit: \u201eWir geh\u00f6rten damals zu einem volkseigenen Kombinat. Um nicht von der Treuhand verwaltet zu werden, haben die Kollegen mich beauftragt, unsere Interessen zu wahren und unseren Betrieb in die Selbstst\u00e4ndigkeit zu f\u00fchren. Wir sind mit 68 Mitarbeitern gestartet, mussten Entwicklung, Vertrieb und Logistik neu aufbauen. Nach schwierigen Phasen zu Beginn der 1990er Jahre erwirtschaftet unser Unternehmen heute mit rund 600 Besch\u00e4ftigten einen Jahresumsatz von 100 Millionen Euro.\u201c<\/p>\n<p>Mittlerweile sind Blaumanns Tochter Nicole Eggert und Julianne Utz-Preu\u00dfing, Tochter von Mitgr\u00fcnder Torsten Utz, in die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung eingestiegen. Beide stellten fest, dass Palmberg als ostdeutscher Hersteller l\u00e4ngst kein Exot mehr auf dem B\u00fcrom\u00f6belmarkt ist. Eine Trennung von Ost und West gebe es nicht, die Mitarbeiter arbeiteten eng zusammen. \u201eDie Zweite Generation will die Werte bewahren, die unser Unternehmen ausmachen\u201c, sagte Julianne Utz-Preu\u00dfing.<\/p>\n<p>Auch bei der STERAC Transport &amp; Logistik GmbH in Braak gibt es keine Trennung von Mitarbeitern aus dem Osten und dem Westen. \u201eWir sind ein international t\u00e4tiges Unternehmen\u201c, sagte Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Nicola Rackebrandt. Ihr Vater Gerald hatte die \u00d6ffnung der M\u00e4rkte im Osten als neues Gesch\u00e4ftsfeld entdeckt, allerdings sei es eine Umstellung gewesen, denn alle Lieferketten waren bis zur Wende nach Westen ausgerichtet. Heute seien die osteurop\u00e4ischen L\u00e4nder ein wichtiger Markt f\u00fcr STERAC.<\/p>\n<p>Der sich verst\u00e4rkende Fachkr\u00e4ftemangel trage ohnehin dazu bei, dass Unterschiede in der \u00f6rtlichen Herkunft der Mitarbeiter unwichtig werden. Gerald Rackebrandt sieht eine gro\u00dfe Herausforderung darin, die Einheit Europas zu bewahren. \u201eIch bin traurig, dass das Europa, an dem unsere Vorfahren gearbeitet haben, nicht mehr funktioniert. Am Ende k\u00f6nnen wir uns nicht mehr frei bewegen. Ich habe Angst, dass wir den falschen Weg gehen. Europa ist das Beste, was uns passiert ist\u201c, sagte er und erhielt daf\u00fcr Applaus. Seine Tochter erg\u00e4nzte, dass sie eine \u00fcberzeugte Europ\u00e4erin sei. Sie rief dazu auf, nicht zu sehr in die Vergangenheit zu schauen, diese aber auch nicht zu vergessen. Wichtig sei es, das, was in den vergangenen 30 Jahren entstanden sei, nicht mit F\u00fc\u00dfen zu treten.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich sieht es Birgit Hesse, Pr\u00e4sidentin des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern. Sie erinnerte daran, dass vor 30 Jahren in der DDR und in anderen L\u00e4ndern die Menschen aufgestanden waren, um Dinge zu ver\u00e4ndern. \u201eDer Fall der Mauer war das sch\u00f6nste Ereignis der deutschen Geschichte\u201c, sagte sie unter Applaus der Zuh\u00f6rer. \u201eDiesen Geist, der damals geherrscht hat, m\u00fcssten wir bewahren. Wir m\u00fcssen aber auch nach vorn sehen. Ost oder West ist heute egal. Ich empfinde mich als Norddeutsche. Es kommt jetzt darauf an, dass wir unsere St\u00e4rken im norddeutschen Raum nach vorn stellen.\u201c<\/p>\n<p>Ein wichtiger Zeitzeuge der damaligen Ereignisse ist Bj\u00f6rn Engholm. Der L\u00fcbecker war 1989 Ministerpr\u00e4sident des Landes Schleswig-Holstein und hat nach dem Fall der Mauer an der Einheit mitgearbeitet. Einen Grund f\u00fcr eine gewisse Unzufriedenheit in den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern sieht er durchaus in Fehlern der Vergangenheit. \u201eDie alte Bundesrepublik hat sich die DDR einverleibt, ohne das Land verstanden zu haben. Das haben Menschen entschieden, die nicht wussten, wie die B\u00fcrger damals gelebt hatten. Wir haben die pers\u00f6nliche Leistung von Menschen nicht wahrgenommen. Das hat politische Nachwirkungen bis heute, vor allem bei den \u00c4lteren\u201c, sagte Engholm und erhielt daf\u00fcr Applaus. So ein Vorgehen d\u00fcrfe sich nicht wiederholen.<\/p>\n<p>Die enge Zusammenarbeit zwischen den L\u00e4ndern Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hatte Engholm damals eingeleitet. Politiker berieten an einem runden Tisch \u00fcber Kooperationen, auch die IHKs und Handwerkskammern h\u00e4tten beim Aufbau der Markwirtschaft unterst\u00fctzt. Ein gro\u00dfer Erfolg ist, dass die einstige Grenze in der l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit heute keine Rolle mehr spiele, wie Schleswig-Holsteins Minister f\u00fcr Inneres, l\u00e4ndliche R\u00e4ume und Integration, Hans-Joachim Grote, betonte. \u201eWir werden an dieser Grenze unsere Denkprozesse nicht beende und beim Landesentwicklungsplan oder der Gefahrenabwehr kooperieren.\u201c<\/p>\n<p>Er geht davon aus, dass der Norden noch enger zusammenwachsen werde. Dann geht es nicht mehr um Ost oder West. \u201eDann wird es nicht mehr um Regionen gehen. Schon jetzt erstreckt sich die Metropolregion Hamburg auf vier Bundesl\u00e4ndern und reicht tief nach Mecklenburg-Vorpommern. Darauf sollten wir stolz sein.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L\u00fcbeck (pm). \u201eDrei Jahrzehnte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs k\u00f6nnen wir feststellen, dass die Wiedervereinigung Deutschlands vor allem in unserer Region ein Erfolg gewesen ist. Der 9. November 1989 war daher vor allem auch f\u00fcr unsere Region ein Schicksalstag\u201c, sagte Friederike C. 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