{"id":18469,"date":"2019-10-27T11:45:16","date_gmt":"2019-10-27T09:45:16","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=18469"},"modified":"2019-10-27T11:47:38","modified_gmt":"2019-10-27T09:47:38","slug":"gaensehaut-und-weltgeschichte-in-der-bank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2019\/10\/27\/gaensehaut-und-weltgeschichte-in-der-bank\/","title":{"rendered":"G\u00e4nsehaut und Weltgeschichte in der Bank"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ratzeburg (pm\/aa).<\/strong> &#8222;Gegen das Vergessen&#8220; lautet das Unterthema der Fotodokumentation, deren Bilder in der Gesch\u00e4ftsstelle der Raiffeisenbank S\u00fcdstormarn-M\u00f6lln ausgestellt werden. Die Genossenschaftsbank lud aus Anlass des 30. Jahrestags der Grenz\u00f6ffnung in ihre Filliale in der Ratzeburger Herrenstra\u00dfe zu einer Vernissage ein. Bankvorstand Kai Schubert begr\u00fc\u00dfte am Freitag (25. Oktober) die G\u00e4ste und f\u00fchrte in die Fotoausstellung von Heike und Hartwig Fischer ein.<\/p>\n<p>Am 9. November j\u00e4hrt sich der \u00fcberraschende Fall der Berliner Mauer mit der \u00d6ffnung der innerdeutschen Grenzen zum 30. Mal. Nur drei Tage sp\u00e4ter wurde am 12. November 1989 die bislang hermetisch geschlossene Grenze an der Bundesstra\u00dfe 208 nahe Mustin ge\u00f6ffnet. Tausende B\u00fcrger aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg haben den DDR-B\u00fcrgern bei deren Fahrt in den Westen einen begeisterten Empfang bereitet. Kein Zeitzeuge wird diesen bewegenden Tag je in seinem Leben vergessen. &#8222;Ich habe heute noch G\u00e4nsehaut, wenn ich an diese Tage denke&#8220;, sagte Schubert.<\/p>\n<p>Unmittelbar nach der Grenz\u00f6ffnung wurden die menschenverachtenden Elemente der Grenzsperranlagen wie Wacht\u00fcrme, Metallgitterz\u00e4une, Beobachtungsbunker, Panzersperren und Hundelaufanlagen innerhalb weniger Monate aus verst\u00e4ndlichen Gr\u00fcnden fast vollst\u00e4ndig abgebaut. Aus zeitgeschichtlicher Perspektive w\u00e4re es sinnvoll gewesen, wenn heute noch weitere Elemente der Sperranlagen als Relikte einer inhumanen Politik f\u00fcr die Nachwelt erhalten geblieben w\u00e4ren. &#8222;Ende 1990 war kaum noch etwas zu sehen&#8220;, wei\u00df Heike Fischer zu berichten.<\/p>\n<p>Die Ratzeburgerin Heike Fischer war damals als Redakteurin bei den Grenz\u00f6ffnungen unter anderem bei Mustin, Wietingsbek und Kittlitz mit ihrer Kamera dabei. &#8222;Es waren tolle Augenblicke&#8220;, erinnert sich die Journalistin. So zeigt sie in der Ausstellung zahlreiche eindrucksvolle Fotos von den ehemaligen Grenzsperranlagen sowie den unvergesslichen Momenten der Grenz\u00f6ffnung. Sie hatte sich zusammen mit ihrem Mann Hartwig intensiv auf Spurensuche an der ehemaligen innerdeutschen Grenze begeben und erl\u00e4utert anhand von zahlreichen &#8222;Damals-Heute&#8220;-Fotos, wie stark die Natur sich ehemals markante Grenzpunkte innerhalb von drei Jahrzehnten als &#8222;Gr\u00fcnes Band&#8220; zur\u00fcckerobert hat. &#8222;Die Fischers haben die Zeit der Grenz\u00f6ffnung dokumentiert. Das ist wichtig, um es nachfolgenden Generationen noch anschaulich machen zu k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen den nachfolgenden Generationen diese Bilder nahe bringen und was es bedeutet in einem Unrechtsstaat gro\u00df zu werden&#8220;, so Kai Schubert. Er w\u00fcnsche sich, dass auch viele Schulen die Gelegenheit nutzen und die Ausstellung besuchen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_18471\" aria-describedby=\"caption-attachment-18471\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/2021.herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Raiba-Fotoausstellung-01.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-18471\" src=\"https:\/\/2021.herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Raiba-Fotoausstellung-01.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"667\" srcset=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Raiba-Fotoausstellung-01.jpg 1000w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Raiba-Fotoausstellung-01-300x200.jpg 300w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Raiba-Fotoausstellung-01-768x512.jpg 768w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Raiba-Fotoausstellung-01-696x464.jpg 696w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Raiba-Fotoausstellung-01-630x420.jpg 630w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-18471\" class=\"wp-caption-text\">Vernissage zur Fotoausstellung &#8222;30 Jahre Mauerfall&#8220; mit (v.li.) Raiffeisenbankvorstand Kai Schubert, Fillialleiter Em\u00fcllah Akan, Heike Fischer, Hartwig Fischer und B\u00fcrgermeister Gunnar Koech. Foto: Anders<\/figcaption><\/figure>\n<p>Historiker Hartwig Fischer stellte in einem kurzen \u00dcberblick dar, warum dem SED-Staatssekret\u00e4t G\u00fcnter Schabowski bei dessen legend\u00e4rer Pressekonferenz am Abend vom 9. November 1989 in Berlin mit dem verklausulierten Satz zur neuen DDR-Reiseregelung &#8222;Das tritt nach meiner Kenntnis &#8230; ist das sofort, unverz\u00fcglich&#8220; ein folgenreicher Fehler unterlief. &#8222;Es war ein Ereignis nicht nur lokaler Bedeutung, sondern von weltpolitischer Bedeutung. Seit der Einheit 1990 ist Deutschlands erstmals kein Zankapfel der Geschichte mehr&#8220;, f\u00fchrte Hartwig Fischer aus, der zuvor an den Dreizigj\u00e4hrigen Krieg, die deutsch-franz\u00f6ischen Kriege, sowie den ersten und zweiten Weltkrieg erinnerte. &#8222;Es ist eine historische Revolution gewesen und wir alle sind Zeitzeugen&#8220;, so Fischer weiter, &#8222;Es war zudem eine Revolution ohne Schuss und Tote, das ist einmalig.&#8220; Die Angst und aber auch der Mut der w\u00e4ren riesengro\u00df gewesen, w\u00fcrdigte Fischer den Verdienst der B\u00fcrgerrechtler der DDR.<\/p>\n<p>Heike und Hartwig Fischer haben die historischen Monate vom Fall der Berliner Mauer bis zur Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 hautnah miterlebt. Viele der jetzt ausgestellten Fotos sind auch in ihrem <a href=\"https:\/\/2021.herzogtum-direkt.de\/index.php\/2018\/07\/11\/weltgeschichte-vor-der-haustuer-jetzt-in-vierter-auflage-erschienen\/\">Buch &#8222;Weltgeschichte vor der Haust\u00fcr&#8220;<\/a> (ISBN: 978 \u2013 3 \u2013 00 \u2013 047379 \u2013 1) zu finden, welches inzwischen in der f\u00fcnften Auflage erschienen ist.<\/p>\n<p>Die Fotos der Ausstellung sind im Foyer der Raiffeisenbank in der Herrenstra\u00dfe w\u00e4hrend der \u00d6ffnungszeiten bis zum 13. November 2019 zu sehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ratzeburg (pm\/aa). &#8222;Gegen das Vergessen&#8220; lautet das Unterthema der Fotodokumentation, deren Bilder in der Gesch\u00e4ftsstelle der Raiffeisenbank S\u00fcdstormarn-M\u00f6lln ausgestellt werden. Die Genossenschaftsbank lud aus Anlass des 30. Jahrestags der Grenz\u00f6ffnung in ihre Filliale in der Ratzeburger Herrenstra\u00dfe zu einer Vernissage ein. 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