{"id":18410,"date":"2019-10-24T10:25:36","date_gmt":"2019-10-24T08:25:36","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=18410"},"modified":"2019-10-24T10:25:36","modified_gmt":"2019-10-24T08:25:36","slug":"ratzeburger-kinder-und-jugendbeirat-auf-europaexkursion-im-polnischen-sopot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2019\/10\/24\/ratzeburger-kinder-und-jugendbeirat-auf-europaexkursion-im-polnischen-sopot\/","title":{"rendered":"Ratzeburger Kinder- und Jugendbeirat auf Europaexkursion im polnischen Sopot"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ratzeburg\/Sopot (pm).<\/strong> Mit vielen Eindr\u00fccken von proeurop\u00e4ischer Begeisterung und ganz unterschiedlichen Formen von Zivilcourage ist der Ratzeburger Kinder- und Jugendbeirat von seiner Europaexkursion in die polnische Partnerstadt Sopot zur\u00fcckgekehrt. 20 Teilnehmer*innen hatten in Eigenregie diesen viert\u00e4gigen Besuch vor den Herbstferien geplant und im Rahmen des Jugendfonds der &#8222;Partnerschaft f\u00fcr Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen&#8220; selbst\u00e4ndig umgesetzt.<\/p>\n<p>Empfangen wurden sie in Sopot mit offenen Armen und der Zusicherung, das jedwede Form des partnerschaftlichen Austausches dort hoch willkommen ist. B\u00fcrgermeister Jacek Karnowski betonte auf einem Empfang der Ratzeburger Jugendlichen im Sopoter Rathaus, wie wichtig es ist, diese partnerschaftlichen Bande zu pflegen, gerade auch in einer Zeit, in der nationalistische Haltungen in Europa populistisch wieder Einzug halten in Politik und Gesellschaft. Wozu dies f\u00fchren kann, erl\u00e4uterte Karnowski am Beispiel der Ermordung seines Freundes, des B\u00fcrgermeisters von Danzig, Pawel Adamowicz, der im Januar diesen Jahres von einem verwirrten T\u00e4ter unter mutma\u00dflich nationalistischen Motiven get\u00f6tet wurde. Vorangegangen war eine mediale Hetzkampagne gegen den B\u00fcrgermeister und dessen eindeutig proeurop\u00e4ischen und liberalen Haltung, an denen sich auch h\u00f6chste politische W\u00fcrdentr\u00e4ger aktiv beteiligten. Karnowski, der am Tage dieser Empfangs zusammen mit der Witwe des Ermordeten eine \u00f6ffentliche Petition wider der Hasssprache in Politik und Gesellschaft gestartet hatte, warnte eindringlich davor, mit b\u00f6sen Worten die Grundlage f\u00fcr noch b\u00f6sere Taten zu legen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_18414\" aria-describedby=\"caption-attachment-18414\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/2021.herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Austausch-Sopot-0.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-18414\" src=\"https:\/\/2021.herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Austausch-Sopot-0.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"667\" srcset=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Austausch-Sopot-0.jpg 1000w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Austausch-Sopot-0-300x200.jpg 300w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Austausch-Sopot-0-768x512.jpg 768w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Austausch-Sopot-0-696x464.jpg 696w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Austausch-Sopot-0-630x420.jpg 630w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-18414\" class=\"wp-caption-text\">Die Kinder- und Jugenddelegation aus Ratzeburg beim Empfang im Sopoter Ratssaal &#8211; B\u00fcrgermeister Jacek Karnowski (Bildmitte) \u00fcberreicht der zweiten stellvertretenden B\u00fcrgermeisterin B\u00e4rbel Kersten ein Gastgeschenk der Stadt Sopot. Foto: Katarczyna Choczaj<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Geist eines solchen Dialoges und der europ\u00e4ischen Kooperation, trafen die Ratzeburger Jugendlichen auch Sopoter Sch\u00fcler zu einer gemeinsamen Diskussionsrunde zum Thema &#8222;Unsere Zukunft in Europa&#8220;. In polnisch-deutschen Kleingruppen wurde \u00fcber Zukunftsfragen, Verbindendes und Trennendes sowie L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten zu Problemen, die eher global als national zu beantworten sind, engagiert auf Englisch miteinander gesprochen und Ideen, wie Anregungen dokumentiert. Dabei zeigten sich durchaus Unterschiede, was die Sch\u00fcler von Europa erwarten. W\u00e4hrend aus Ratzeburger Sicht Europa gerade bei dr\u00e4ngenden globalen Fragen, wie dem Klimawandel eine hohe Bedeutung zu kommt, wurde aus polnischer Sicht zuvorderst das Thema Sicherheit mit Blick auf den russischen Nachbarn genannt. Einig war man sich darin, dass Nationalismus keine Antwort, sondern ein Problem ist und dass Rassismus wie auch Hass in den sozialen Medien gerade darin gedeiht.<\/p>\n<p>Wie tief die polnische Gesellschaft selbst gespalten ist, konnten die Ratzeburger Jugendlichen w\u00e4hrend einer Stadtf\u00fchrung durch das benachbarte Danzig erfahren. Stadtf\u00fchrer Andreas Kasperski beschrieb einen Stadt-Land-Konflikt, der in Polen durchaus bewusst gesch\u00fcrt werde. Die St\u00e4dte, so Kasperski, w\u00fcrden sich fast durchweg proeurop\u00e4isch, liberal zeigen und den nationalistischen Bestrebungen der Zentralregierung massiv widersprechen. Er zeigte dies eindrucksvoll am Beispiel der Geschichtsaufarbeitung in Danzig, eine Stadt, die sich zunehmend auf ihre deutschen Wurzeln besinnt, ohne dabei ihre polnische Identit\u00e4t in Frage zu stellen. &#8222;Es geht in Danzig vor allem um geschichtliche Wahrheit, die wir wieder hervorbringen. Damit ziehen wir aber den Zorn der Zentralregierung auf uns, die Danzig als urpolnisch darstellen m\u00f6chte&#8220;, so Kasperski. Er zeigte auch, wie intensiv dieser Streit inzwischen ausgefochten wird, beispielsweise wenn die Zentralregierung versucht, \u00fcber die Drohung, staatliche Zusch\u00fcsse zu streichen, Einfluss auf die inhaltliche Arbeit von Museen, wie die dem renommierten Europ\u00e4ischen Solidarit\u00e4tsmuseum zu bekommen. Die Antwort darauf sei, so Kasperski, engagierte und kreative Zivilcourage. So h\u00e4tten Danzigs B\u00fcrger in kurzer Zeit \u00fcber ein Crowdfunding die fehlenden Mittel selbst aufgebracht, um einen unabh\u00e4ngigen Museumsbetrieb aufrecht zu erhalten. Das Museum der &#8222;Westerplatte&#8220;, dem Ausbruchsort des zweiten Weltkrieges, verlor Danzig hingegen nach einer Gesetzes\u00e4nderung an die polnische Zentralregierung, die dort eine patriotische Geschichtsdarstellung installieren m\u00f6chte. So wurde w\u00e4hrend dieses Stadtrundganges auch deutlich, warum an so vielen \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden oder Pl\u00e4tzen die Europaflagge zu sehen ist, zuvorderst immer als Zeichen des Widerstandes gegen einen bewusst gesch\u00fcrten und instrumentalisierten polnischen Nationalismus. Durch diese Eindr\u00fccke stellte sich f\u00fcr die Ratzeburger Jugendlichen das in den Medien von Polen gezeichnete nationalistische Bild sehr in Frage. Danzig und Sopot zeigten sich offen, tolerant und sehr lebensfroh, Orte die man gerne besucht und an denen man auch seine Freizeit mit vielen spannenden Aktivit\u00e4ten gestalten kann. Katarzyna Choczaj, vom Stab des Sopoter B\u00fcrgermeister, begleitete die Jugendlichen hier zur Seebr\u00fccke, zum Bowlen und sogar zum Basketballbundesliga zwischen Sopot und Stettin in der beeindruckenden ERGO Arena.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ratzeburg\/Sopot (pm). 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