{"id":1784,"date":"2018-03-19T13:27:06","date_gmt":"2018-03-19T13:27:06","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=1784"},"modified":"2018-03-19T13:27:06","modified_gmt":"2018-03-19T13:27:06","slug":"lauenburg-der-marienleuchter-strahlt-wieder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2018\/03\/19\/lauenburg-der-marienleuchter-strahlt-wieder\/","title":{"rendered":"Lauenburg: Der Marienleuchter strahlt wieder"},"content":{"rendered":"<p><strong>Lauenburg (pm).<\/strong> Der sp\u00e4tgotische Marienleuchter der Maria-Magdalenen-Kirche in Lauenburg wurde seit Sommer 2017 restauriert &#8211; am Sonntag, 18. M\u00e4rz 2018, feierte die Kirchengemeinde Lauenburg seine Wiedereinweihung im Gottesdienst. Pastor Philip Graffam hatte f\u00fcr Freude gesorgt, so sangen vier junge Damen vom Jugendchor \u201etaCH\u201c in Klavierbegleitung.<\/p>\n<p>Auch die Gemeinde bekam \u201eGro\u00dfer Gott, wir loben dich\u201c und \u201eIch lobe meinen Gott\u201c zu singen. Die \u201eDialogpredigt\u201c wechselte zwischen Kanzel und Pult, wo die Kirchenkreis-Archivarin und Historikerin Dr. Claudia Tanck aus der Legende \u00fcber den Fund im eisigen Elbstrom, zur Kunstgeschichte des Leuchters und von der Verehrung der Maria berichtete. Maria aus der Mitte schien aufmerksam zuzuh\u00f6ren, \u201esie behielt all diese Worte und bewegte sie still in ihrem Herzen\u201c, wie es so sch\u00f6n im Lukas-Evangelium hei\u00dft. Nach dem Segen konnten sich die mit Dank bedachten Spender und Freunde der Kirche untereinander austauschen. Neben der Hauptperson konnte der bescheiden im Hintergrund gebliebene wichtigste Mann aus seiner Arbeit \u00fcber viele Wochen berichten \u2013 Restaurator Gerold Ahrens aus der Lauenburger Elbstra\u00dfe.<\/p>\n<p>Ahrends hatte die schwierige Aufgabe, die vier \u00fcbereinander liegenden Malschichten zu analysieren. Mit den Fachleuten aus der Denkmalpflege von Land, Landeskirche und Kirchenkreis kam man \u00fcberein, die gotische Farbfassung wieder herzustellen. Aber nicht wie viele erwartet h\u00e4tten, indem er alle neueren Farbschichten entfernte, sondern indem er eine weitere, die sogar schon sechste, Farbschicht auftrug. Als kleines Geheimnis verriet er, beim Gesicht der Maria auf dem einer anderen Madonna, der auf einem Vollmond stehenden aus Gudow, nachgeschaut zu haben. Die Dokumentation der umfangreichen Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Untersuchung des Leuchters aus dem sp\u00e4ten 15. Jahrhundert werden Gerold Ahrends und seine Partnerin Yvonne Erdmann in f\u00fcnffacher Ausfertigung an Archive des Landes und der Kirche \u00fcbergeben, wo sie hoffentlich in vielleicht hundert Jahren bei der n\u00e4chsten Restaurierung auffindbar sein m\u00f6ge.<\/p>\n<p>Die Besucher im Gottesdienst und alle kunstinteressierten G\u00e4ste m\u00fcssen sich an eine neue Sichtweise gew\u00f6hnen: Viel Gold, vor allem am Obergewand der Hl. Anna \u2013 quasi im R\u00fccken der Gottesmutter \u2013 aber auch bei der Maria mit dem Jesuskind, sticht ins Auge. Auch der Halbmond unter beiden F\u00fc\u00dfe gl\u00e4nzt \u2013 in einem tiefen Silberschein. Die Farben der Mantel-Innenseite und des Unterkleides sind viel dunkler und kr\u00e4ftiger, ein dunkler Rotton herrscht vor und setzt sich auf den Tragstangen aus Schmiedeeisen fort. Maria hat jetzt dunkles Haar, sowohl als \u201egro\u00dfes Kind\u201c auf dem Arm ihrer Mutter Anna als auch als Mutter des Jesuskindes, nur die Gesichter erscheinen wieder in blassen Pastellt\u00f6nen. Alle freuen sich \u00fcber dieses gelungene Werk.<\/p>\n<p>Wie geht es weiter? Ein zweiter Marienleuchter wartet etwas versteckt neben der Orgel. Eine langj\u00e4hrige Dame aus dem Kirchengemeinderat \u00e4u\u00dferte spontan die Idee, sich als n\u00e4chstem Vorhaben des Christus am Kreuz anzunehmen \u2013 dieser leidet wahrlich und bedarf dringend einer Auffrischung.<\/p>\n<p><strong>Hintergrund<\/strong><br \/>\nDie Restaurierungswerkstatt Erdmann und Ahrends f\u00fchrte die Arbeiten am schmiedeeisernen Leuchter mit goldener Blatt- und Geweih-Verzierung sowie der Doppelfigur aus Eichenholz &#8211; auf der einen Seite Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm; auf der anderen Seite Anna Selbdritt, die Gro\u00dfmutter von Jesus, Mutter Maria und ihr Kind Jesus \u2013 beide Seiten sind umgeben von einem g\u00fcldenen Strahlenkranz. Datiert wird das Schmuckst\u00fcck, das gute drei Meter hoch und 120 Kilogramm schwer ist, auf das Jahr 1599. Denkmalpflegerisch wurde sich f\u00fcr die Wiederherstellung dieser ersten Farbfassung in Gelb, Rot und Blau entschieden.<\/p>\n<p>\u201eDie letzte Farbfassung erhielt der Leuchter zuletzt 1959, sie wies etliche Sch\u00e4den auf und war in der Farbgebung nicht stimmig\u201c, so Gerold Ahrends, der seine Werkstatt in unmittelbarer N\u00e4he zur Kirche hat und hier gemeinsam mit seiner Frau historische Sch\u00e4tze restauriert. Davor gab es vier weitere \u2013 immer unterschiedliche \u2013 Fassungen, unter anderem 1677 und 1799, wie es in der Signatur am Fu\u00dfe der Skulptur hinterlassen wurde. Auch Sch\u00e4den am Metallleuchter sowie lose Skulpturfassungen erforderten die restauratorische Bearbeitung.<\/p>\n<p>Im Auftrag der Kirchengemeinde Lauenburg, des Freundeskreises der Maria-Magdalenen-Kirche und des Landesdenkmalamtes analysierte Restaurator Ahrends die Sch\u00e4den und behob sie. Die Gesamtkosten der Restauration beliefen sich auf knapp 14.000 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lauenburg (pm). Der sp\u00e4tgotische Marienleuchter der Maria-Magdalenen-Kirche in Lauenburg wurde seit Sommer 2017 restauriert &#8211; am Sonntag, 18. M\u00e4rz 2018, feierte die Kirchengemeinde Lauenburg seine Wiedereinweihung im Gottesdienst. Pastor Philip Graffam hatte f\u00fcr Freude gesorgt, so sangen vier junge Damen vom Jugendchor \u201etaCH\u201c in Klavierbegleitung. 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