{"id":17722,"date":"2019-09-28T10:31:14","date_gmt":"2019-09-28T08:31:14","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=17722"},"modified":"2019-09-28T10:32:41","modified_gmt":"2019-09-28T08:32:41","slug":"sonderbericht-des-weltklimarats-meeresspiegel-koennte-noch-staerker-steigen-als-bislang-angenommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2019\/09\/28\/sonderbericht-des-weltklimarats-meeresspiegel-koennte-noch-staerker-steigen-als-bislang-angenommen\/","title":{"rendered":"Sonderbericht des Weltklimarats: Meeresspiegel k\u00f6nnte noch st\u00e4rker steigen als bislang angenommen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kiel (pm).<\/strong> Der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) hat heute den neuen Sonderbericht \u00fcber den Ozean und die Kryosph\u00e4re (Eismassen an Land) in einem sich wandelnden Klima vorgelegt. Demnach ist zu erwarten, dass der Meeresspiegel global deutlich st\u00e4rker steigt als bislang angenommen. Im aktuellen Bericht geht der Weltklimarat von einem Anstieg zwischen 0,61 Meter und 1,10 Meter als wahrscheinliche Spannweite bis zum Jahr 2100 aus. Im letzten Bericht von 2013 hatten die Experten noch einen Anstieg zwischen 0,26 und 0,82 Metern als wahrscheinliche Spannweite abgeleitet.<\/p>\n<p>Umweltminister Jan Philipp Albrecht: &#8222;Der aktuelle IPCC-Bericht best\u00e4tigt unsere schlimmsten Bef\u00fcrchtungen. Klimawandel und Erderw\u00e4rmung schreiten dramatisch voran. Die Eismassen an den Polen schmelzen noch schneller als bislang angenommen und die Meeresspiegel steigen noch deutlicher. F\u00fcr Schleswig-Holstein als Land zwischen den Meeren ist das eine besonders schlechte Botschaft. Das zeigt, dass wir dringend heute handeln m\u00fcssen, um morgen noch Chancen auf ein intaktes Klima zu haben. So alarmierend das Szenario ist \u2013 mit unserer K\u00fcstenschutzstrategie sind wir grunds\u00e4tzlich darauf vorbereitet.&#8220;<\/p>\n<p>Angesichts der IPCC-Projektionen und der Stagnation in den internationalen Bem\u00fchungen, den CO2-Ausstoss zu reduzieren, gehen Bund und K\u00fcstenl\u00e4nder f\u00fcr Vorsorgezwecke vom einem &#8222;Weiter-wie-bisher-Szenario&#8220; aus (RCP8.5-Szenario des IPCC). Dieses setzt voraus, dass es bis 2100 global zu keiner ma\u00dfgeblichen Absenkung des CO2-Gehalts in der Atmosph\u00e4re kommen wird.<\/p>\n<p>Der Bericht bildet wie bereits die vorherigen IPCC-Berichte die wesentliche Grundlage f\u00fcr die Fortentwicklung der schleswig-holsteinischen Anpassungsstrategien an den sich beschleunigenden Klimawandel. Die Sturmflutwasserst\u00e4nde an den deutschen K\u00fcsten werden entsprechend dem mittleren Meeresspiegelanstieg h\u00f6her ausfallen. &#8222;Wir m\u00fcssen und wir werden die Erkenntnisse des IPCC in unseren Planungen f\u00fcr den K\u00fcstenschutz ber\u00fccksichtigen. Mit dem derzeitigen Klimazuschlag und dem Konzept des Klimadeiches sind wir in der Lage, in zwei bis drei Bauphasen die Sturmflutsicherheit auch bei einem Meeresspiegelanstieg von bis zu zwei Metern erhalten zu k\u00f6nnen. Schleswig-Holstein ist im Bereich K\u00fcstenhochwasserschutz damit sehr gut aufgestellt. Die Sturmflutsicherheit an unseren K\u00fcsten ist nach derzeitigem Stand bis zum Ende dieses Jahrhunderts gew\u00e4hrleistet&#8220;, sagte Albrecht.<\/p>\n<p>In Schleswig-Holstein wird bereits seit 2001 ein Klimazuschlag von 0,5 Metern bei der Verst\u00e4rkung der Landesschutzdeiche ber\u00fccksichtigt. Seit 2009 wird zus\u00e4tzlich eine Baureserve f\u00fcr sp\u00e4tere Verst\u00e4rkungen eingef\u00fchrt, die 2018 schlie\u00dflich zum Konzept des Klimadeiches erweitert wurde. Gleichwohl werden in Folge des beschleunigten Meeresspiegelanstiegs das Wattenmeer und die sandigen K\u00fcsten langfristig zunehmend von Erosion und K\u00fcstenabbruch betroffen sein. In der zweiten H\u00e4lfte dieses Jahrhunderts ist mit Sedimentdefiziten im Wattenmeer und dadurch zur\u00fcckgehenden Wattfl\u00e4chen und Salzwiesen zu rechnen. F\u00fcr den K\u00fcsten- und den Naturschutz hat das Wattenmeer eine \u00fcberragende Bedeutung. Die 2015 von der Landesregierung verabschiedete &#8222;Strategie Wattenmeer 2100&#8220; sieht als eine in Betracht zu ziehende Anpassungsoption das Ausgleichen dieser Defizite durch Einbringen von Material zum Beispiel aus der Nordsee an geeigneten Stellen vor. An der sandigen Ostseek\u00fcste ist infolge des beschleunigten Meeresspiegelanstiegs mit st\u00e4rkeren K\u00fcstenabbr\u00fcchen zu rechnen \u2013 dann auch an Stellen, die heute noch stabil sind. Im Sommer dieses Jahres hat die Landesregierung erg\u00e4nzend die Erstellung einer Anpassungsstrategie f\u00fcr die Ostseek\u00fcste beschlossen. Da in der schleswig-holsteinischen Ostsee anders als in der Nordsee keine gewinnbaren Sedimentvorkommen vorhanden sind, ist das Einbringen von Material als Anpassungsstrategie regelm\u00e4\u00dfig nicht zielf\u00fchrend. Hier gilt es, anderweitige Anpassungsoptionen \u2013 zum Beispiel raumordnerische Ma\u00dfnahmen \u2013 zu entwickeln.<\/p>\n<p>&#8222;Neben diesen strategischen Grundlagen und den bereits entwickelten Anpassungsma\u00dfnahmen wird Erhaltung und Unterhaltung unserer K\u00fcstenschutzanlagen aufgrund der zunehmenden Belastungen zuk\u00fcnftig einen h\u00f6heren personellen und finanziellen Aufwand nach sich ziehen. Dem werden wir uns sowohl innerhalb der Landesregierung wie auch in der Gesellschaft zu stellen haben und festlegen m\u00fcssen, was uns die Sicherheit an unseren K\u00fcsten Wert ist&#8220;, so Minister Albrecht.<br \/>\nHintergrund K\u00fcstenschutz:<\/p>\n<p>Der durchschnittliche Mittelansatz f\u00fcr den K\u00fcstenschutz in Schleswig-Holstein bel\u00e4uft sich auf zirka 70 Millionen Euro j\u00e4hrlich. Hiervon entfallen zirka 47 Millionen Euro auf investive Ma\u00dfnahmen (Deichverst\u00e4rkungen, Sandvorsp\u00fclungen, Vorlandaufbau und Verst\u00e4rkung der konstruktiven Bauwerke wie Sperrwerke und Siele sowie F\u00f6rderma\u00dfnahmen in der Tr\u00e4gerschaft von Gemeinden und Wasser- und Bodenverb\u00e4nden) sowie zirka 23 Millionen Euro auf die Unterhaltung der K\u00fcstenschutzanlagen in der Tr\u00e4gerschaft des Landes. In der K\u00fcstenschutzverwaltung des Landes sind rund 450 Mitarbeiter besch\u00e4ftigt. Der Landesbetrieb f\u00fcr K\u00fcstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN.SH) h\u00e4lt f\u00fcr die Versorgung der Baustellen des Landes auf den Inseln und Halligen eine Schiffsflotte vor.<\/p>\n<p>2019 sind f\u00fcr die K\u00fcstenschutzma\u00dfnahmen inklusive Unterhaltung der Anlagen insgesamt rund 77 Millionen Euro eingeplant. Neben den bereits laufenden und in diesem Jahr fertig zu stellenden Arbeiten zur Deichverst\u00e4rkung Dageb\u00fcll Nord und Seesterm\u00fcher Marsch laufen noch die mehrj\u00e4hrigen Deichverst\u00e4rkungen Hauke-Haien-Koog und Eiderdamm S\u00fcd. Angelaufen sind 2019 die Arbeiten f\u00fcr die Verst\u00e4rkung der Hanswarft auf Hooge, der Treubergwarft auf Langene\u00df und Norderwarft auf Nordstrandischmoor. Des Weiteren laufen die Planungen f\u00fcr die in den Folgejahren anzugehenden Deichverst\u00e4rkungen (unter anderen Eiderdamm Nord, im n\u00f6dlichen Eiderstedt (Simonsberger Koog, Uelvesb\u00fcller Koog und Adolfskoog), Dunsum \/ Utersum auf F\u00f6hr sowie die N\u00f6rdliche Seeniederung auf Fehmarn), f\u00fcr die die Zulassungsverfahren nach Abschluss der Planungen noch durchzuf\u00fchren sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kiel (pm). Der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) hat heute den neuen Sonderbericht \u00fcber den Ozean und die Kryosph\u00e4re (Eismassen an Land) in einem sich wandelnden Klima vorgelegt. Demnach ist zu erwarten, dass der Meeresspiegel global deutlich st\u00e4rker steigt als bislang angenommen. 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