{"id":1750,"date":"2018-03-18T11:14:08","date_gmt":"2018-03-18T11:14:08","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=1750"},"modified":"2018-03-18T11:14:08","modified_gmt":"2018-03-18T11:14:08","slug":"wassertag-weiterhin-zu-hohe-naehrstoffeintraege-in-schleswig-holsteins-grundwasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2018\/03\/18\/wassertag-weiterhin-zu-hohe-naehrstoffeintraege-in-schleswig-holsteins-grundwasser\/","title":{"rendered":"Wassertag: Weiterhin zu hohe N\u00e4hrstoffeintr\u00e4ge in Schleswig-Holsteins Grundwasser"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kiel (pm).<\/strong> In Schleswig-Holstein fallen j\u00e4hrlich rund 27 Millionen Tonnen an G\u00fclle und G\u00e4rresten an. Das f\u00fchrt in bestimmten Regionen zu deutlich zu hohen N\u00e4hrstoff\u00fcbersch\u00fcssen und belastet weiterhin das Grundwasser, wie aus dem neuen N\u00e4hrstoffbericht hervorgeht, der derzeit im Auftrag des Landwirtschafts- und Umweltministeriums an der Universit\u00e4t Kiel erstellt wird.<\/p>\n<p>\u201eDie 27 Millionen Tonnen sind einfach zu viel. Dort, wo hohe Viehbest\u00e4nde und viele Biogasanlagen zusammenkommen, passt der N\u00e4hrstoffanfall nicht mehr mit den Ausbringungsfl\u00e4chen zusammen. Es wird schlicht weg zu viel ged\u00fcngt. Das hat dramatische Folgen f\u00fcr unser Grundwasser \u2013 und damit f\u00fcr das Trinkwasser k\u00fcnftiger Generationen\u201c, sagte Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck heute (16. M\u00e4rz 2018) beim Wassertag des Landes in Kiel, wo sich 370 Interessierte trafen, um \u00fcber den Schutz des Wassers zu beraten.<\/p>\n<p>Nach wie vor halten 23 von 55 Grundwasserk\u00f6rpern aufgrund der Nitratgehalte die Anforderungen der Wasserrahmenrichtlinie nicht ein. \u201eWir sehen \u00fcber all die Jahre trotz gro\u00dfer Anstrengungen seitens des Landes keine Verbesserungen. Bei einzelnen Betrieben kommen wir \u00fcber unsere Beratung weiter und haben Erfolge. Das gilt gelingt jedoch nicht in der Fl\u00e4che \u2013 letztlich k\u00f6nnen so nur gegen die Symptome ank\u00e4mpfen, aber nicht gegen die Ursache. Die neue Bundeslandwirtschaftsministerin ist deshalb gefordert, endlich Alternativen f\u00fcr die Landwirtschaft zu entwickeln, die ein wirtschaftliches Auskommen ohne immer gr\u00f6\u00dfere Tierbest\u00e4nde erm\u00f6glichen. Ohne diesen Weitblick und grunds\u00e4tzliche \u00c4nderungen kommen wir nicht weiter\u201c, betonte der Minister.<br \/>\nAktuelle D\u00fcngeverordnung rechnet Probleme blo\u00df weg<\/p>\n<p>Die neue D\u00fcngeverordnung, mit der die Bundesregierung die N\u00e4hrstoffeintr\u00e4ge senken wollte, hilft nach Ansicht des Ministers kaum weiter. \u201eDer Bund rechnet die Probleme nur weg. Durch die neue Verordnung d\u00fcrfen Verluste bei den Bilanzen angesetzt werden. Dadurch k\u00f6nnen wir rein rechnerisch mit einem Bilanzsaldo von 41 Kilogramm Stickstoff pro Hektar im Landesdurchschnitt den Zielwert von 50 Kilogramm Stickstoff pro Hektar erreichen. Aber in Wahrheit liegen die \u00dcbersch\u00fcsse inklusive der Ammoniakverluste zum Teil bei \u00fcber 100 Kilogramm. Mit den zul\u00e4ssigen Abschl\u00e4gen wird gegen\u00fcber den Landwirten das falsche Signal gesetzt. Durchs Wegrechnen wird das Problem nicht gel\u00f6st\u201c, kritisierte Habeck.<\/p>\n<p>Ein anderes Problem, das die Wasserversorger im Land umtreibt, entsteht aus dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. So zeigen die Untersuchungen des Landesamtes f\u00fcr Landwirtschaft, Umwelt und l\u00e4ndliche R\u00e4ume, dass Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe und Abbauprodukte in nahezu allen Regionen des Landes im Hauptgrundwasserleiter festgestellt werden. H\u00f6he und H\u00e4ufigkeit der Befunde lassen allerdings nicht auf ein massives fl\u00e4chendeckendes Problem schlie\u00dfen, denn nur in 11 von 235 Messstellen oder 4,7 Prozent liegen die Werte \u00fcber dem Trinkwassergrenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter.<\/p>\n<p>\u201eSorge aber macht mir, dass wir immer h\u00e4ufiger die sogenannten nicht relevanten Metaboliten im Grundwasser finden. In 72 Prozent der Grundwassermessstellen des Wasserrahmenrichtlinien-Messnetzes k\u00f6nnen wir diese Abbauprodukte nachweisen. Auch wenn sie nicht so gef\u00e4hrlich sind wie die Wirkstoffe, geh\u00f6ren sie unter Vorsorgegesichtspunkten nicht ins Grundwasser&#8220;, stellte Habeck fest. \u201eWir m\u00fcssen den Einsatz von Pestiziden konsequent reduzieren.\u201c<\/p>\n<p><strong>Hintergrund<\/strong><\/p>\n<p>Seit nunmehr 26 Jahren steht der 22. M\u00e4rz weltweit im Zeichen des Wassers. Nachdem die UN-Generalversammlung im Dezember 1992 einen entsprechenden Beschluss gefasst hatte, wurde im M\u00e4rz 1993 der erste Weltwassertag ausgerufen. Die Vereinten Nationen wollen damit auf die Bedeutung des Wassers als Lebensgrundlage der Menschheit aufmerksam machen und ein gr\u00f6\u00dferes Engagement zum Erhalt von sauberem Wasser wecken. In diesem Jahr steht der Weltwassertag unter dem Motto \u201eNature for Water\u201c. Aufgrund der Probleme mit stofflichen Belastungen des Grundwassers hat sich das schleswig-holsteinische Umweltministerium f\u00fcr eine andere Schwerpunktsetzung entschieden und im Vorfeld des Weltwassertages zu einer eigenen Fachveranstaltung nach Kiel eingeladen.<\/p>\n<p>Dr. Robert Habeck: &#8222;Wir m\u00fcssen dankbar sein, dass wir zu jeder Zeit den Wasserhahn aufdrehen k\u00f6nnen und Wasser in sehr guter Qualit\u00e4t zur Verf\u00fcgung haben. Dieses Privileg sollten wir nicht durch Stoffeintr\u00e4ge aus der wirtschaftlichen Nutzung unseres Landes in Gefahr bringen.&#8220;<\/p>\n<p>Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Auch wenn wir weltweit genug S\u00fc\u00dfwasser zur Versorgung der Menschen und f\u00fcr wirtschaftliche Zwecke haben, sind die nutzbaren Wasserressourcen extrem ungleichm\u00e4\u00dfig verteilt. WHO und UNICEF gehen davon aus, dass weltweit \u00fcber 800 Millionen Menschen keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Wasser haben. Schleswig-Holstein selbst ist ein wasserreiches Land. Das Wasserdargebot \u00fcbersteigt die Entnahmemenge deutlich, und das Trinkwasser wird zu 100 Prozent aus dem Grundwasser gewonnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kiel (pm). In Schleswig-Holstein fallen j\u00e4hrlich rund 27 Millionen Tonnen an G\u00fclle und G\u00e4rresten an. 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