{"id":17422,"date":"2019-09-16T09:38:25","date_gmt":"2019-09-16T07:38:25","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=17422"},"modified":"2019-09-16T09:38:25","modified_gmt":"2019-09-16T07:38:25","slug":"leserbrief-mehr-zusammen-weniger-im-alter-allein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2019\/09\/16\/leserbrief-mehr-zusammen-weniger-im-alter-allein\/","title":{"rendered":"Leserbrief: Mehr zusammen, weniger im Alter allein"},"content":{"rendered":"<p>Hallo, Ratzeburger!<\/p>\n<p>In einem Film habe ich vor ein paar Jahren gesehen, wie ein Museumsdirektor versuchte, die tr\u00e4ge B\u00fcrgerschaft in seiner Stadt mittels moderner Kunst aufzur\u00fctteln. Auf einem beliebten Platz rund um ein Monument wurde mit einer leuchtende Linie ein quasi kleines Territorium abgegrenzt. Da konnte sich jeder B\u00fcrger mit einem Plakat hinstellen wie z.B.: &#8222;K\u00f6nnte jemand mit mir eine halbe Stunde reden? Mein Vater ist gestern gestorben.&#8220; oder &#8222;K\u00f6nnte mich jemand zum Essen einladen?&#8220; Es wurden auch Videos gezeigt, deren Ziel war, die Menschen f\u00fcr`s Mitgef\u00fchl mit Leidenden auf dieser Welt anzusprechen.<\/p>\n<p>Gerade eben ist in Ratzeburg eine Serie von Gespr\u00e4chen mit Nachbarn in der Vorstadt, auf der Insel und auf St. Georgsberg gelaufen zum Thema \u201e<a href=\"https:\/\/2021.herzogtum-direkt.de\/index.php\/2019\/08\/16\/warum-allein\/\">Warum allein?<\/a>&#8222;. Die Infobl\u00e4tter waren zahlreich \u00fcberall in der Stadt verteilt worden. Richtig erreicht haben sie leider nicht viele &#8211; am 09.09 in der St. Ansverus Kirche waren es zirka 20 Personen zusammen mit den Organisatoren der Initiative, dem Moderator und dem B\u00fcrgermeister Gunnar Koech. Von den Bewohnern von der Insel und von St. Georgsberg kamen dann zur Gespr\u00e4chen noch weniger.<\/p>\n<p>Gerade deswegen wurde klar, wie notwendig es ist, die Leute in diesen drei Stadtteilen zum Aufeinandergehen aufzumuntern, damit die Vereinsamung der Menschen nicht voranschreitet. In verschiedenen Studien aus vielen Bundesl\u00e4ndern kommt das traurige Bild ans Licht: wegen des demografischen Wandels, das hei\u00dft Alterung der Gesellschaft, wird eine zunehmende Zahl der B\u00fcrger allein ihren Alltag bew\u00e4ltigen m\u00fcssen. Unter den j\u00fcngeren gibt es auch eine zunehmende Zahl einsamer Menschen. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind nicht nur, dass die Jugend den direkten soziale Umgang durch die massive Digitalisierung (Computer- und Handysucht) gar nicht erst erlernt. Die Gr\u00fcnde gehen noch tiefer und werden in den Medien nun endlich diskutiert.<\/p>\n<p>&#8222;Wie erreichen wir die einsamen Menschen, die sich nicht trauen, aus ihren vier W\u00e4nden rauszukommen?&#8220; &#8222;Wie f\u00f6rdern wir nachbarschaftliches Engagement?&#8220;<br \/>\n&#8222;Wo gibt es einen gemeinsamen Ort, wenn man nicht an die Kirchen angebunden sein will?&#8220; Es wurden Orten in den Stadtteilen genannt, wo Menschen eigentlich zusammen kommen k\u00f6nnten &#8211; zum Reden und einander Kennenlernen, erstaunlich viele Orte, aber nur in der Theorie: Au\u00dfer Kirchen und deren Einrichtungen auch Sporthallen (nicht gerade f\u00fcr die \u00c4lteren), Spielhallen (auch nicht), Kleingartenkolonien, &#8222;Der Anger&#8220; am Barkenkamp, Badestellen, Restaurants und Caf\u00e9s, gr\u00fcne Freizeitfl\u00e4chen etc. Blo\u00df mit einer entspannten und spontanen Kommunikation (au\u00dferhalb der Gastronomie) klappt es doch nicht.<\/p>\n<p>Es ist Tatsache, dass 36 Prozent der Ratzeburger \u00fcber 60 sind. Fr\u00fcher kannten Gemeindeschwestern die N\u00f6te der Einsamen, heute sind das meist Pflegekr\u00e4fte. &#8222;Das WIR-Gef\u00fchl fehlt&#8220;, war zu h\u00f6ren, &#8222;Kulturleben fehlt&#8220;. &#8222;Busse fahren zu selten und am Wochenenden muss man ein Taxi nehmen &#8211; falls man Geld daf\u00fcr hat und falls man ein Taxi findet&#8220;. Auf der Insel zieht zwar der Filmclub mit tollen Filmen im Burgtheater oft viele Menschen an; f\u00fcr Gespr\u00e4che danach aber gibt es keine passende Ecke. Filme wirken zwar gerade kommunikationsf\u00f6rdernd, aber im Herbst und Winter k\u00f6nnen nur Inselbewohner das Burgtheater leicht erreichen. W\u00e4ren Pendelbusse zum Kino vielleicht die L\u00f6sung?<\/p>\n<p>Die J\u00fcngeren in der Stadt haben nat\u00fcrlich eine andere Art der Kommunikation und andere Ziele. Gut, dass es die Bewegung &#8222;Friday f\u00fcr Future&#8220; mit ihren vielen &#8222;gr\u00fcnen Enthusiasten&#8220; gibt als Hoffnung, dass die Einsamen einbezogen werden. Am 20.9 erwartet die Bewegung, dass ihr Appell an die Erwachsenen, mitzumachen, geh\u00f6rt wird und die Klimademos auf dem Globus (&#8222;Global Climate Strike&#8220;) Generationen zusammenbringen.<\/p>\n<p>Bei den drei ersten Treffen des Projekts (\u201eWarum allein?\u201c) sind einige Ideen zusammengeflossen. Ratzeburger sollen nicht einsam oder unbeachtet bleiben. &#8222;Wir, die \u00c4lteren, &#8211; sagte eine Teilnehmerin, &#8211; k\u00f6nnen und wollen auch mal zusammen tanzen!&#8220; Die kommunalen Politiker sollen die Mobilit\u00e4t verbessern. Wenn das Leben in der Stadt allgemein belebt wird, werden alle zufriedener und entspannter: das w\u00fcrde sich auch auf die Kommunikation zwischen Generationen auswirken.<\/p>\n<p>&#8222;Warum allein?&#8220; &#8211; eines von 100 Dialogprojekten bundesweit &#8211; ist an die Umfrage gebunden. Ein Holzkasten wird in der Stadt &#8222;herumgehen&#8220;, wo B\u00fcrger ihre Zettel einwerfen k\u00f6nnen. Die Auswertung wird Ende September stattfinden und weitere Treffen sind geplant. Das Projekt l\u00e4uft im Rahmen des Programms &#8222;MITEINANDER REDEN&#8220; der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung. Die tolle Initiative &#8222;politische Kl\u00f6nb\u00e4nke&#8220; in Ratzeburg k\u00f6nnte durch aktive und neugierige Nachbarn belebt werden.<\/p>\n<p>Man h\u00f6rt manchmal: &#8222;die verkrusteten Eliten in Ratzeburg schotten sich ab&#8220;. Mal sehen, ob das stimmt und ob aus den &#8222;Eliten&#8220; auch Menschen kommen, die an MITEINANDER REDEN Interesse haben. Ob wirklich &#8222;Standesd\u00fcnkel&#8220; in Ratzeburg verbreitet ist oder die Ratzeburger aufgeschlossene und kluge Menschen sind, die blo\u00df auf einen Ansto\u00df zum &#8222;Mehr zusammen!&#8220; gewartet haben.<\/p>\n<p>Der &#8222;Global Climate Strike&#8220; wird f\u00fcr die heutige Jugend auch ein Ansto\u00df zum &#8222;mehr zusammen&#8220; sein. &#8222;Werde aktiv f\u00fcr deine Zukunft!&#8220;, sagen aktive junge Menschen. Auch wenn die L\u00e4nge der Zukunft sich krass unterscheidet, ist es immer noch eine Strecke f\u00fcr die \u00c4lteren, die sinnvoller und fr\u00f6hlicher gestalten werden kann&#8230;<\/p>\n<p><strong>Vera Bade, Ratzeburg<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo, Ratzeburger! In einem Film habe ich vor ein paar Jahren gesehen, wie ein Museumsdirektor versuchte, die tr\u00e4ge B\u00fcrgerschaft in seiner Stadt mittels moderner Kunst aufzur\u00fctteln. 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