{"id":17025,"date":"2019-09-02T08:44:28","date_gmt":"2019-09-02T06:44:28","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=17025"},"modified":"2019-09-02T08:44:57","modified_gmt":"2019-09-02T06:44:57","slug":"auf-den-spuren-alfred-nobels-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2019\/09\/02\/auf-den-spuren-alfred-nobels-3\/","title":{"rendered":"Auf den Spuren Alfred Nobels&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Geesthacht (pm).<\/strong> Der Historische Spaziergang f\u00fchrt \u00fcber das Gel\u00e4nde der ehemaligen Dynamitfabrik Kr\u00fcmmel, die 1865 von Alfred Nobel als Nitroglycerinfabrik gegr\u00fcndet wurde.<br \/>\nSchwedische Gesch\u00e4ftsleute in Hamburg schufen die Verbindung zu dem schwedischen Erfinder und Industriellen Nobel. F\u00fcr den Bau einer Nitroglycerinproduktion erwarb er zun\u00e4chst ein 42 Hektar gro\u00dfes Gel\u00e4nde und wenig sp\u00e4ter auch die Konzession zur Herstellung des Spreng\u00f6ls.<\/p>\n<p>Die Hoffnung der \u201eK\u00f6niglich-Preu\u00dfisch-Herzoglichen Lauenburger Regierung\u201c, auf dem Kr\u00fcmmel eine eintr\u00e4chtige Industrieansiedlung zu schaffen, schien sich wenige Monate sp\u00e4ter mit einem schweren Explosionsungl\u00fcck auf dem Fabrikgel\u00e4nde zu zerst\u00f6ren. Das Gegenteil war der Fall: Nobel setzte eine Reihe serieller Versuche zur D\u00e4mpfung des Nitroglycerin erfolgreich fort und erfand in seiner Kr\u00fcmmeler Fabrik das Dynamit.<br \/>\nDer neue Sprengstoff war verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sicher f\u00fcr den Transport und in der Handhabung, so dass er sich schnell im zivilen Sprengmittelmarkt f\u00fcr Bergbau-, Eisenbahnbau-, und Tunnelbau durchsetzte.<\/p>\n<p>Mit dem Erfolg des Dynamits weltweit expandierte auch Geesthacht &#8211; 1865 ein gro\u00dfes Dorf elbabw\u00e4rts mit etwa 1.450 Einwohnern \u2013 zu einem bedeutenden Industriestandort. Auf dem Kr\u00fcmmel legte Nobel mit der \u201eErsten Dynamitfabrik der Welt\u201c den Grundstein f\u00fcr die beeindruckende Industriegeschichte Geesthachts und f\u00fcr sein Verm\u00f6gen, aus dessen Zinsen noch heute die Nobelpreise vergeben werden.\u00a0 Als historische Nachfolger befinden sich auf dem Kr\u00fcmmel heute das Helmholtz Zentrum, das GITZ und das Kernkraftwerk Kr\u00fcmmel.<\/p>\n<p>Der Historische Spaziergang f\u00fchrt \u00fcber teilweise verschlungene Wege durch den Wald zum Kr\u00fcmmeler Wasserturm, einem Geb\u00e4ude aus dem Kriegsjahr 1916. Das Geb\u00e4ude zur Wasserversorgung einer Nitrozellulosefabrik ist eines der letzten Original-Bauwerke der ehemaligen Sprengstofffabrik. Die drei\u00dfig Meter hohe, verklinkerte Stahlbetonkonstruktion des Turmes mit klarer Fassadengliederung und Kuppeldach, das sich heute malerisch und weithin sichtbar \u00fcber den Wipfeln des Geestwaldes erhebt, gilt als herausragende Architekturleistung f\u00fcr ein Industriegeb\u00e4ude ihrer Zeit.<\/p>\n<p>Erst 2011 wurde entdeckt, dass es sich um ein Geb\u00e4ude des zu seiner Zeit sehr beachteten Architekten Hermann Distel (1875 bis 1945) handelt. Hermann Distel lebte mehrere Jahrzehnte in Bergedorf und hatte dort auch sein B\u00fcro, das lange als \u201eDistel und Grubitz\u201c firmierte. Zahlreiche Villen in Bergedorf gehen auf die Architektenpartner zur\u00fcck. Distel wurde mit einem Schlag bekannt, weil er die Ausschreibung zum Bau des H\u00f6rsaalgeb\u00e4udes der Hamburger Universit\u00e4t gewann, dem heutigen Bibliotheksgeb\u00e4ude. Es folgten weitere Preise f\u00fcr gro\u00dfangelegte Zweckbauten und Distel konzentrierte sich schlie\u00dflich auf den modernen Krankenhausbau. Seine Errungenschaften f\u00fcr diesen Bereich werden bis heute international sehr gesch\u00e4tzt. Wann genau Distel in Kontakt mit der Dynamit Actien Gesellschaft kam, ist nicht bekannt. Beide Verwaltungsgeb\u00e4ude der ehemaligen Sprengstofffabriken ( Alfred Nobel Platz und Lichterfelder Stra\u00dfe) sind Arbeiten von ihm. Erst nach dem Ersten Weltkrieg, 1923, stellte Hermann Distel die Nitrozellulosefabrik mit dem Wasserturm in der Zeitschrift f\u00fcr die Bauverwaltung vor. Im Rahmen des gr\u00f6\u00dfenwahnsinnigen st\u00e4dtebaulichen Vorhabens der Nationalsozialisten f\u00fcr eine neue Hauptstadt \u201eGermania\u201c des \u201etausendj\u00e4hrigen Reiches\u201c war Distel f\u00fcr den Bau des Universit\u00e4tsklinikums beauftragt. 1945 &#8211; als das \u201etausendj\u00e4hrige Reich\u201c nach 12 Jahren beendet wurde &#8211; wurde das Bergedorfer Architekturb\u00fcro Distels von einer Bombe zerst\u00f6rt, Distel selber erlitt wenig sp\u00e4ter einen Schlaganfall.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2980\" aria-describedby=\"caption-attachment-2980\" style=\"width: 320px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/2021.herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/0003-Kr\u00fcmmeler-Wasserturm-von-oben.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2980\" src=\"https:\/\/2021.herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/0003-Kr\u00fcmmeler-Wasserturm-von-oben-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/0003-Kr\u00fcmmeler-Wasserturm-von-oben-225x300.jpg 225w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/0003-Kr\u00fcmmeler-Wasserturm-von-oben-315x420.jpg 315w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/0003-Kr\u00fcmmeler-Wasserturm-von-oben.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2980\" class=\"wp-caption-text\">Auffnahme des Kr\u00fcmmeler Wasserturmes im Jahre 2003 w\u00e4hrend einer Unrtersuchung zur Standfestigkeit von einem Kran-Korb aus. Foto: Jochen Meder<\/figcaption><\/figure>\n<p>Insgesamt besitzt die Stadt Geesthacht mit dem Kr\u00fcmmeler Wasserturm mindestens 7 Geb\u00e4ude von Hermann Distel. Durch die Unterschutzstellung der Distelgeb\u00e4ude durch die Denkmalbeh\u00f6rde und die Bewilligung von Sanierungsgeldern f\u00fcr den \u201eKr\u00fcmmeler Wasserturm\u201c haben das Land Schleswig-Holstein und der Bund dem historischen Geb\u00e4udebestand der Industriestadt Geesthacht einige Wertsch\u00e4tzung gezollt. Der F\u00f6rderkreis Industriemuseum Geesthacht bedauert um so mehr, dass eine Sicherung des \u201eKr\u00fcmmeler Wasserturms\u201c trotzdem nicht zustande kam. \u201eDer ausgesprochen interessante historische Geb\u00e4udebestand der Stadt Geesthacht ist sicher auch ein wichtiger Faktor f\u00fcr den Tourismus\u201c, sagt Ulrike Neidh\u00f6fer vom F\u00f6rderkreis Industriemuseum Geesthacht. Aus Sicht des F\u00f6rderkreises gewinnt durch die neu gebaute Treppe vor St. Salvatoris das dort angesetzte Distelgeb\u00e4ude (Pastorenhaus) an erfreulicher Bedeutung. \u201cSch\u00f6n w\u00e4re jetzt noch eine W\u00fcrdigung der Industriegeb\u00e4ude Distels, auch wenn sie zur leidvollen Kriegsgeschichte geh\u00f6ren. Sie geh\u00f6ren im Weitesten auch zu Geesthachts Geschichte, die mit Alfred Nobel verbindet,\u201c so Neidh\u00f6fer.<\/p>\n<p>Der historische Spaziergang f\u00fchrt an Geb\u00e4uderuinen vorbei, an denen Erkl\u00e4rungen \u00fcber die Produktion im Werk gegeben werden. Am Geesthang oberhalb des Kernkraftwerkes entlang geht die F\u00fchrung vorbei bis zum \u201eGartenplatz des fr\u00fcheren Direktorenwohnhauses\u201c, der vor einigen Jahren wiederentdeckt wurde. Das Direktorenwohnhaus aus dem 19. Jahrhundert wurde 1924 \u201er\u00fcckgebaut&#8220; und an seine Stelle trat ein neues Verwaltungsgeb\u00e4ude, das im Zentrum des Nobelplatzes zu sehen ist.<\/p>\n<p>Anhand von alten Pl\u00e4nen und Fotos f\u00fchrt der F\u00f6rderkreis Industriemuseum Geesthacht e. V. in die Entwicklung der Sprengstofffabrik bis 1945 ein.\u00a0 Der Spaziergang dauert etwa zwei Stunden. Bitte dem Wetter angemessene Kleidung und Schuhwerk beachten!<br \/>\nDie Teilnahme ist kostenfrei, der F\u00f6rderkreis Industriemuseum Geesthacht e. V. freut sich \u00fcber eine Spende zur Unterst\u00fctzung seiner Arbeit.<\/p>\n<p>Treffpunkt: Hotel elb-matrose\/ehemaliger Kr\u00fcmmeler Bahnhof, Elbuferstr. 72<br \/>\nOrtsteil Kr\u00fcmmel, 11 bis zirka 13 Uhr<\/p>\n<p>Anmeldung erforderlich unter 04152-8877840 \u2013 es wird nur zur\u00fcckgerufen, wenn der Spaziergang voll ist!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geesthacht (pm). Der Historische Spaziergang f\u00fchrt \u00fcber das Gel\u00e4nde der ehemaligen Dynamitfabrik Kr\u00fcmmel, die 1865 von Alfred Nobel als Nitroglycerinfabrik gegr\u00fcndet wurde. Schwedische Gesch\u00e4ftsleute in Hamburg schufen die Verbindung zu dem schwedischen Erfinder und Industriellen Nobel. 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