{"id":16804,"date":"2019-08-24T10:13:33","date_gmt":"2019-08-24T08:13:33","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=16804"},"modified":"2019-08-24T10:13:33","modified_gmt":"2019-08-24T08:13:33","slug":"nachbarn-muessen-kinderlaerm-im-mietshaus-tolerieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2019\/08\/24\/nachbarn-muessen-kinderlaerm-im-mietshaus-tolerieren\/","title":{"rendered":"Nachbarn m\u00fcssen Kinderl\u00e4rm im Mietshaus tolerieren"},"content":{"rendered":"<p><strong>Herzogtum Lauenburg (pm).<\/strong> Ein Mieter im Mehrfamilienhaus kann von seinen Nachbarn durchaus verlangen, \u00fcberm\u00e4\u00dfigen L\u00e4rm zu vermeiden. Dass Kinder L\u00e4rm machen, ist jedoch normal. Nachbarn m\u00fcssen dies hinnehmen, solange der L\u00e4rm nicht unzumutbare Formen annimmt. Dabei kommt es sehr auf den Einzelfall an. Dies geht laut Michaela Rassat, Juristin der D.A.S. Rechtsschutz Leistungs-GmbH (D.A.S. Leistungsservice), aus einem Urteil des Amtsgerichts M\u00fcnchen hervor.<\/p>\n<p>Worum ging es bei Gericht?<\/p>\n<p>Ein Ehepaar wohnte in einer Mietwohnung direkt unter einer Familie mit zwei Kindern im Alter von 14 und 16 Jahren. Das 1962 gebaute Haus verf\u00fcgte nicht \u00fcber die heute \u00fcbliche Trittschalld\u00e4mmung. Das Paar f\u00fchlte sich immer wieder durch Ger\u00e4usche aus der oberen Wohnung gest\u00f6rt \u2013 lautes Herumtrampeln, T\u00fcren schlagen und Gepolter. Ein von ihnen erstelltes L\u00e4rmprotokoll wies t\u00e4glich bis zu acht L\u00e4rmbel\u00e4stigungen aus, meist nachmittags bis abends etwa um 22:30 Uhr, aber auch in der Zeit der Mittagsruhe. Nachdem Absprachen auf Dauer keine Wirkung zeigten, verklagten sie die Familie auf Unterlassung. Diese widersprach: Die Behauptungen k\u00f6nnten nicht der Wahrheit entsprechen. Die Eltern seien bis 16 Uhr beziehungsweise 22 Uhr arbeiten, die Kinder k\u00e4men erst um 17 Uhr aus der Schule. Die Kinder trauten sich nicht mehr auf den Balkon, weil der Nachbar darunter sie dann sofort anschreie. Die Eltern trauten sich kaum noch, Hausarbeiten durchzuf\u00fchren, da diese L\u00e4rm verursachen k\u00f6nnten. Der Kl\u00e4ger sitze den ganzen Tag da und mache sich Notizen \u00fcber das Kommen und Gehen seiner Nachbarn, weshalb er mit dem ganzen Haus zerstritten sei.<\/p>\n<p>Das Urteil<\/p>\n<p>\u201eDas Amtsgericht M\u00fcnchen sah hier keinen Raum f\u00fcr ein Unterlassungsurteil\u201c, kommentiert Michaela Rassat die Entscheidung. In Altbauten sei mit erh\u00f6hter L\u00e4rmbelastung zu rechnen. Kinderl\u00e4rm sei als Ausdruck der nat\u00fcrlichen Entfaltung von Kindern \u00fcblich und von den Nachbarn grunds\u00e4tzlich hinzunehmen. Zwar m\u00fcssten die Eltern so gut wie m\u00f6glich daf\u00fcr sorgen, dass ihre Kinder nicht durch L\u00e4rm andere Mieter bel\u00e4stigten. Gerade Jugendliche im Alter von 14 bis 16 lie\u00dfen sich aber nicht mehr unbedingt alles von den Eltern vorschreiben. F\u00fcr vereinzelte L\u00e4rmbel\u00e4stigungen nach 22 Uhr seien die Eltern deshalb nicht haftbar zu machen. Das Gericht sah es nicht als bewiesen an, dass der L\u00e4rm im vorliegenden Fall ein unzumutbares Ma\u00df erreicht habe. Die Kl\u00e4ger legten gegen das Urteil Berufung ein. Das Berufungsgericht veranlasste \u00fcber 14 Tage eine Dauerl\u00e4rmmessung durch einen Sachverst\u00e4ndigen. Die Messung ergab, dass die Trittger\u00e4usche meist zwischen 22 und 33 Dezibel lagen und 37 Dezibel nicht \u00fcberschritten. Bis zu 40 Dezibel gelten f\u00fcr Trittschall als normal. Die Kl\u00e4ger nahmen ihre Berufung daraufhin zur\u00fcck. Die Kosten f\u00fcr Messung und Gutachten in H\u00f6he von 8.440 Euro mussten sie \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Was bedeutet das f\u00fcr Mieter?<\/p>\n<p>Deutsche Gerichte sind beim Thema Kinderl\u00e4rm meist eher liberal eingestellt. Nat\u00fcrlich gibt es auch hier Grenzen \u2013 etwa, wenn das L\u00e4rmen mutwillig erfolgt, um andere zu st\u00f6ren. \u201eEs kommt auch auf die Art, Dauer und Lautst\u00e4rke der Ger\u00e4usche an, auf die Tageszeit, auf das Alter und die Entwicklung der Kinder sowie auf die M\u00f6glichkeiten der Eltern, Einfluss auf den L\u00e4rmpegel zu nehmen\u201c, erkl\u00e4rt Rassat und r\u00e4t: \u201eDer erste Schritt sollte immer ein ruhiges Gespr\u00e4ch sein \u2013 kein \u00e4rgerliches Geschrei zum Nachbarn hin. So l\u00e4sst sich vielleicht auch trotz Differenzen ein gutnachbarschaftliches Verh\u00e4ltnis bewahren.\u201c<\/p>\n<p>Amtsgericht M\u00fcnchen, Urteil vom 23. Mai 2019, Az. 283 C 1132\/17<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzogtum Lauenburg (pm). Ein Mieter im Mehrfamilienhaus kann von seinen Nachbarn durchaus verlangen, \u00fcberm\u00e4\u00dfigen L\u00e4rm zu vermeiden. Dass Kinder L\u00e4rm machen, ist jedoch normal. Nachbarn m\u00fcssen dies hinnehmen, solange der L\u00e4rm nicht unzumutbare Formen annimmt. Dabei kommt es sehr auf den Einzelfall an. Dies geht laut Michaela Rassat, Juristin der D.A.S. Rechtsschutz Leistungs-GmbH (D.A.S. Leistungsservice), [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":16805,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jnews-multi-image_gallery":[],"jnews_single_post":[],"jnews_primary_category":[],"jnews_social_meta":[],"jnews_override_counter":[],"jnews_post_split":[],"footnotes":""},"categories":[96],"tags":[1503],"class_list":["post-16804","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-immobilien","tag-mietrecht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16804","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16804"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16804\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16806,"href":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16804\/revisions\/16806"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/16805"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16804"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16804"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16804"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}