{"id":16605,"date":"2019-08-17T09:13:39","date_gmt":"2019-08-17T07:13:39","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=16605"},"modified":"2019-08-17T09:13:39","modified_gmt":"2019-08-17T07:13:39","slug":"alte-buchen-hueter-der-artenvielfalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2019\/08\/17\/alte-buchen-hueter-der-artenvielfalt\/","title":{"rendered":"Alte Buchen \u2013 H\u00fcter der Artenvielfalt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ratzeburg (pm).<\/strong> Einen kenntnisreichen, anschaulichen Einblick in die Flora der W\u00e4lder in Schleswig Holstein gew\u00e4hrte Dr. Katrin Romahn am 13. August im Kreishaus. Auf Einladung des Ausschusses f\u00fcr Forsten, Energie, Umwelt- und Klimaschutz pr\u00e4sentierte die Kieler Botanikerin Forschungsergebnisse zum aktuellen Zustand der W\u00e4lder in unserem Bundesland. \u00dcber 100 davon hat sich Romahn sehr gr\u00fcndlich und umfassend angeschaut \u2013 zusammen mit ihren Kollegen von der AG Geobotanik in S-H &amp; HH mit Sitz an der Universit\u00e4t Kiel.<\/p>\n<p>Auch einige W\u00e4lder im Herzogtum Lauenburg waren Teil der Untersuchung. Durch genaue Beobachtung und Kartierung fanden Katrin Romahn und ihre Kollegen heraus, wo es in Schleswig-Holstein besondere Vegetationsgemeinschaften gibt \u2013 sogenannte \u201aHot spots\u2019 der Artenvielfalt. Auch wollten die Forscher wissen, wie die Strukturen dieser besonderen Waldgemeinschaften beschaffen sind \u2013 im Unterschied zu weniger artenreichen W\u00e4ldern. Welche Lebensraumqualit\u00e4ten erm\u00f6glichen das \u00dcberleben gef\u00e4hrdeter Arten im Wald? Wie gelingt es solchen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Pflanzengemeinschaften so relativ vital zu bleiben \u2013 dem Klimawandel zum Trotz?<\/p>\n<figure id=\"attachment_16607\" aria-describedby=\"caption-attachment-16607\" style=\"width: 182px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/2021.herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KathrinRohman.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-16607\" src=\"https:\/\/2021.herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KathrinRohman-182x300.jpg\" alt=\"\" width=\"182\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KathrinRohman-182x300.jpg 182w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KathrinRohman-254x420.jpg 254w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/KathrinRohman.jpg 495w\" sizes=\"(max-width: 182px) 100vw, 182px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16607\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Katrin Romahn. Foto: hfr<\/figcaption><\/figure>\n<p>Quellen und naturnahe B\u00e4che schaffen gute Grundvoraussetzungen daf\u00fcr, so Romahn, weil sie den Wald wie eine Klimaanlage k\u00fchlen und den Boden feucht halten. Unter anderem mithilfe dieser beiden strukturellen Voraussetzungen k\u00f6nnen zum Beispiel die Schl\u00fcsselblumen im Fliegenberg-Wald bei Berkenthin so besonders \u00fcppig gedeihen. Enorm wichtig seien auch m\u00f6glichst naturnahe Bodenverh\u00e4ltnisse ohne gro\u00dfe St\u00f6rungen und Verdichtungen, damit die typische Waldflora mit gro\u00dfen Teppichen von Buschwindr\u00f6schen, Goldnessel und Waldmeister erhalten werden kann.<\/p>\n<p>Solche typischen Zeigerpflanzen w\u00fcrden allerdings, so die \u00d6kosystemforscherin Romahn, vor allem durch den Einschlag von \u00e4lteren Buchen auch bei uns im Kreis immer h\u00e4ufiger von ihren Standorten verdr\u00e4ngt. Diese Verluste seien aber nicht nur mit dem Klimawandel zu erkl\u00e4ren, sondern auch mit anderen menschlichen Einwirkungen. Etwa der weltweit seltene Gelbstern, der so gern am Fu\u00df von alten Buchen lebt, unter anderem in einem Waldst\u00fcck bei Siebenb\u00e4umen: Er werde, so Dr. Romahn, in vielen Forsten durch den Einschlag vor allem von \u00e4lteren Buchen immer weiter reduziert.<\/p>\n<p>Sie pl\u00e4dierte daf\u00fcr, diese invasive Forst-Praxis zu beenden, da sie das \u00d6kosystem Wald in Zeiten des Klimawandels zu stark belaste. Denn nach dem Einschlag gerade der gro\u00dfen schattenspendenden Buchen trockne der nun st\u00e4ndig der Sonne ausgesetzte Waldboden aus. Er werde schon bald von gro\u00dfen Brombeerkolonien besiedelt, welche die Verj\u00fcngung des Waldes erschweren, da sie alle Laubbaum-Samen unter sich begraben. Solche Brombeer-Invasionen, die das Waldinnenklima verschlechtern, seien auch bei uns im Kreis schon zu finden, so Romahn. Sie empfahl, den industriellen Einschlag von Laubh\u00f6lzern einzustellen, da er eine starke Bodenverdichtung nach sich ziehe, sprich eine Beeintr\u00e4chtigung des Boden-Sauerstoffgehaltes, verursacht durch die mittlerweile riesigen, tonnenschweren Baum-Ernte-Maschinen auf viel zu vielen und breiten R\u00fcckegassen.<\/p>\n<p>Stattdessen sollte eine schonendere Bewirtschaftung der W\u00e4lder die unz\u00e4hligen Verflechtungen der einzelnen Arten ber\u00fccksichtigen. Wie zum Beispiel die gegenseitige Abh\u00e4ngigkeit der Buche von den Mykorrhiza-Pilzen. Denn in ihrer Gesamtheit machen diese wechselseitigen Abh\u00e4ngigkeiten das \u00d6kosystem Wald aus. Zudem sollte es sich der Kreis leisten, mehr alte B\u00e4ume stehen zu lassen, denn diese seien f\u00fcr die Stabilit\u00e4t des Waldes und f\u00fcr die Artenvielfalt extrem wichtig. Einen \u201aWaldbau mit K\u00f6pfchen\u2019 br\u00e4uchten wir jetzt, meinte die Forscherin. Abschlie\u00dfend zitierte sie Franz Alt: \u201eDie Zukunft ist kein Schicksalsschlag, sondern die Folge der Entscheidungen, die wir heute treffen\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ratzeburg (pm). Einen kenntnisreichen, anschaulichen Einblick in die Flora der W\u00e4lder in Schleswig Holstein gew\u00e4hrte Dr. Katrin Romahn am 13. August im Kreishaus. 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