{"id":11518,"date":"2016-10-05T11:22:02","date_gmt":"2016-10-05T10:22:02","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=11518"},"modified":"2019-02-05T11:25:55","modified_gmt":"2019-02-05T10:25:55","slug":"nachruf-zum-tod-von-eduard-wehmeier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2016\/10\/05\/nachruf-zum-tod-von-eduard-wehmeier\/","title":{"rendered":"Nachruf zum Tod von Eduard Wehmeier"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_11519\" aria-describedby=\"caption-attachment-11519\" style=\"width: 202px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/EduardWehmeier.jpeg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-11519\" src=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/EduardWehmeier-150x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"202\" height=\"404\" srcset=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/EduardWehmeier-150x300.jpeg 150w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/EduardWehmeier.jpeg 321w\" sizes=\"(max-width: 202px) 100vw, 202px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-11519\" class=\"wp-caption-text\">Eduard Wehmeier. Foto: Fiebig<\/figcaption><\/figure>\n<p>Einer der Gro\u00dfen hat die B\u00fchne verlassen.<\/p>\n<p>Herr Wehmeier, mit seinem silbrigen Haar, einem Gesicht, das dem eines Boxers glich, und der markant runden Brille, stand zwischen Klasse und unbeschriebener Tafel wie ein Bildhauer vor rohem Stein, der sich nicht scherte, dass am Ende einer Unterrichtsstunde seine mit Kreide bedeckten Finger deutliche Spuren an der stets dunklen Kombination aus Polohemd und Sakko hinterlie\u00dfen. Gut acht Jahre ist es her, dass wir seinen Unterricht in Mathematik, Geschichte und Wirtschaft\/Politik erleben durften. Jede Einheit von Wehmeier war dabei konzentrierte, verdichtete Begeisterung am Lehren.<\/p>\n<p>Er war ein kantiger Charakter mit unerm\u00fcdlichem Elan, der die Sehns\u00fcchte angehender Schulabg\u00e4nger nach der gro\u00dfen Welt jenseits des Ratzeburger Sees mit Empfindsamkeit zu bedienen verstand. Er bereitete Appetit auf das bundesweite und internationale Politik- und Wirtschaftsgeschehen und schuf in seinen Stunden ein Forum, manchmal eine Arena gemeinsamer Diskussion. Herr Wehmeier polemisierte mit einem verschmitzten Grinsen, provozierte und lockte uns aus der Reserve. In regelrechten verbalen Gefechten haben wir nebenbei gelernt, eine Meinung zu bilden und den Herausforderungen des Lebens zu begegnen.<\/p>\n<p>Herr Wehmeier war ein Lehrer, dessen unerm\u00fcdlicher Kraftaufwand weit \u00fcber seine Lehrerpflicht hinausging. Egal welche Idee, welches Projekt oder welche Veranstaltung \u2013 mit Wehmeier konnte man\u2019s durchziehen. Selten erlebten wir so enthusiastische Lehrer, die ihr Wissen und ihre M\u00f6glichkeiten auch voll aussch\u00f6pften. Sei es mit technischen Raffinessen oder humorvollen Anekdoten mit einem herzlichen Wehmeier-Lachen.<\/p>\n<p>F\u00fcr seine Sch\u00fclerschaft organisierte er Podiumsveranstaltungen, Besuche in der Medienlandschaft, der Industrie und der Politik. Herr Wehmeier konnte auf eine Vielzahl ehemaliger Sch\u00fcler zur\u00fcckgreifen, welche dankbar in seinen Hafen zur\u00fcckkehrten und von der \u201eWelt da drau\u00dfen\u201c berichteten. Er vermochte es zudem, einzelne Entwicklungen im globalen geschichtlichen Kontext zu verorten. Gr\u00f6\u00dfere Weisheit sch\u00f6pfte er dabei immer wieder mit einem Augenzwinkern aus der Welt Entenhausens als exemplarischer Gesellschaftsstudie. Die versteckte Chiffre an seinem Wagen war ein offenes Geheimnis.<\/p>\n<p>Seine wahre Leidenschaft galt dem Medium \u201aFilm\u2019. Mit der Etablierung des Ratzeburger Filmfestivals \u00fcber zehn Jahre, und, au\u00dferschulisch, des Ratzeburger Filmclubs und Open-Air-Sommerkinos schuf er regionale Institutionen, die auch au\u00dferhalb des Herzogtums Beachtung fanden. Herr Wehmeiers Leidenschaft hat Spuren sowohl in der deutschen Kinolandschaft, als auch bei seinen ehemaligen Sch\u00fclern hinterlassen.<\/p>\n<p>Wehmeier oder von vielen respektvoll Edu genannt, war eine Marke, ein Pr\u00e4dikat, das ber\u00fchmt und auch ber\u00fcchtigt war. Bei aller Unber\u00fchrbarkeit, die er ausstrahlte, hat er in den wichtigen Momenten des Lebens Anteilnahme gezeigt. Seine Aufmerksamkeit, seine Aufrichtigkeit, seine Authentizit\u00e4t machten Herrn Wehmeier zu einem warmen Menschen.<\/p>\n<p>In tiefer Betroffenheit \u00fcber seinen pl\u00f6tzlichen Tod erinnern wir uns in Gedanken an die Schulzeit an einen Lehrer, der herausragte, uns vieles an die Hand gab, einen, der die Seele der Lauenburgischen Gelehrtenschule aber gerade auch uns ma\u00dfgeblich gepr\u00e4gt und viele Weichen gestellt hat. Wir danken f\u00fcr die St\u00e4rke, an der wir wachsen durften und werden uns noch in so mancher Stunde freudig an ihn erinnern.<\/p>\n<p>Einer der Gro\u00dfen hat die B\u00fchne verlassen. Einer der ganz Gro\u00dfen. Spot aus.<\/p>\n<p>Steffen Regis, Moritz Th\u00f6rner, Ren\u00e9 Wagner, Jan Kalle Wulf (Abiturjahrgang 2008)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer der Gro\u00dfen hat die B\u00fchne verlassen. 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