{"id":11194,"date":"2012-07-01T09:56:07","date_gmt":"2012-07-01T08:56:07","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=11194"},"modified":"2019-01-29T10:15:34","modified_gmt":"2019-01-29T09:15:34","slug":"geschichten-und-anekdoten-aus-dem-alten-ratzeburg-teil-3-schooster-dau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2012\/07\/01\/geschichten-und-anekdoten-aus-dem-alten-ratzeburg-teil-3-schooster-dau\/","title":{"rendered":"Geschichten und Anekdoten aus dem alten Ratzeburg &#8211; Teil 3: &#8218;Schooster Dau&#8216;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ratzeburg (pm).<\/strong> In diesem Jahr feiert Ratzeburg den 950. Jahrestag seiner ersten urkundlichen Erw\u00e4hnung. Zu diesem Anlass planten drei M\u00e4nner vor etwa einem Jahr die <a href=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2012\/02\/18\/geschichten-aus-dem-alten-ratzeburg\/\">Sammlung und Ver\u00f6ffentlichung von Geschichten<\/a>: Klaus-J\u00fcrgen Mohr, Vorsitzender des Senioren-Beirats, Christian Lopau, Archivar der Stadt, und Hans-Joachim H\u00f6hne, langj\u00e4hriger Schulmeister. Im vergangenen Sommer suchte die kleine Redaktionsgruppe \u00fcber die Presse nach passenden Beitr\u00e4gen. Die Geschichten sollen die heutige und kommende Generationen an Menschen erinnern, die man mit dem Namen \u201eRatzeburg\u201c verbindet und deren Ged\u00e4chtnis es wert ist, bewahrt zu werden. Mit freundlicher Genehmigung der Initiatoren werden diese jetzt auch auf Herzogtum direkt zu lesen sein. Im dritten Teil lesen Sie von &#8222;Schooster Dau&#8220;.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Schooster Dau&#8220;<\/strong><br \/>\n(07.04.1864 &#8211; 31.01.1945)<\/p>\n<p>Johann Jochen Hinrich Dau, auf dem St. Georgsberg wohl nur als \u201eSchooster Dau\u201c bekannt, lebte und arbeitete in seinem Haus in der L\u00fcbecker Stra\u00dfe. Er wurde am 7. April 1864 auf dem St. Georgsberg geboren und starb dort auch am 31. Januar 1945. Mancher erinnert sich noch heute an dieses Ratzeburger Original. Walter Fischer (Jahrgang 1932) schreibt:<\/p>\n<p>\u201eHerr Dau war ja nicht nur einfacher Schuster. Er war meiner Erinnerung nach ein richtiger handwerklicher Schuhmacher. Ich meine, dass sein Meisterbrief an der Wand seines Raumes, wo er arbeitete, wohnte und auch schlief, hing.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich an die Anfangszeit in unserer neuen Heimat hier in Ratzeburg. Im Januar 1942, bei eisiger K\u00e4lte, -29\u00b0 C und hohem Schnee, zogen wir nach Ratzeburg in die L\u00fcbecker Stra\u00dfe 33. In der L\u00fcbecker Stra\u00dfe wohnte und arbeitete auch Schuster Dau. Zwischen ihm und mir, dem zehnj\u00e4hrigen Jungen, entwickelte sich eine kurze Freundschaft. Das kam folgenderma\u00dfen zustande.<\/p>\n<p>Schuhe wurden durch den Krieg langsam zur Mangelware. Wir bekamen f\u00fcr die w\u00e4rmere Jahreszeit f\u00fcr unsere Freizeit Sandalen mit Holzsohlen. Die Halteriemen waren an die Holzsohlen genagelt worden. Lebensdauer, na ja, nicht besonders lang. Die N\u00e4gel lockerten sich schnell. Die Riemen l\u00f6sten sich. Was nun? \u00c4rger mit Vater oder Mutter. Aber Schuster Dau wohnte ja in der N\u00e4he. Als ich das erste Mal bei ihm anklopfte und eintrat, bekam ich doch einen leichten Schrecken. Ein alter Mann mit langem wei\u00dfem Bart und einem langen wei\u00dfen Haarschopf sa\u00df auf seinem Hocker inmitten allerhand Ger\u00e4tschaften vor dem Fenster, von wo er einen freien Ausblick auf den Ratzeburger See hatte. Eine breite verl\u00e4ngerte Fensterbank diente als Arbeitsfl\u00e4che und lag voll mit allerlei Ger\u00e4tschaften. Bis an die Decke reichten die Regale. Belegt mit Schuhen aller Art.<\/p>\n<p>Es standen viele andere Dinge im Raum. Im hinteren Teil des Raumes stand sein Bett. Es sah recht abenteuerlich aus. Es war so, dass er gleich sah, warum ich zu ihm gekommen war, und den Schaden an meinen Holzlatschen umgehend behob. Ich durfte mich auf einen leeren alten Stuhl setzen. Dabei plauderten wir und ich hatte langsam Vertrauen zu ihm. Ich glaubte, dass er auch mich auf Anhieb mochte. Es war f\u00fcr ihn selbstverst\u00e4ndlich, mir geholfen zu haben. Er sagte gleich, dass er daf\u00fcr keine Bezahlung erwartete.<\/p>\n<p>In der Folgezeit war ich dann \u00f6fter bei ihm in der Werkstatt und sah ihm bei seiner Arbeit zu. Er erz\u00e4hlte viel aus seinem Leben. Ich war davon \u00fcberzeugt, dass er sich freute, wenn ich mal zu ihm kam. Nachdem wir dann auf die Insel zogen, hatte ich keine Gelegenheit mehr, Schuster Dau zu besuchen. F\u00fcr mich ist Schuster Dau ein echtes Ratzeburger Original.\u201c<\/p>\n<p>1909, vor \u00fcber hundert Jahren begann Johann Dau an seiner \u201eEntdeckung \u00fcber nat\u00fcrliche Ereignisse\u201c zu arbeiten. 1932 wurde die Schrift in Ratzeburg ver\u00f6ffentlicht. Sie tr\u00e4gt den Untertitel \u201eNachweis, wie die Erde, ihre Bewegung, fortbesteht; wie Lebewesen und Gew\u00e4chs ihr Wachstum erh\u00e4lt usw. \u2013 Erforscht im Jahr 1909 von J. Dau, St. Georgsberg, Ratzeburg i. Lbg. \u2013 Gepr\u00fcft ist diese Entdeckung an der Natur von der Erforschung her, bis jetzt 1932; sie ist daher ein gewissenhafter Nachweis.\u201c<\/p>\n<p>In seinem Vorwort erz\u00e4hlt der Verfasser, was ihn veranlasst hat, seine Naturbeobachtung anzustellen und schlie\u00dflich zu ver\u00f6ffentlichen:<\/p>\n<p>\u201eBesuchte nur gew\u00f6hnliche Landschule und die letzten Schuljahre h\u00fctete ich im Sommer die K\u00fche; hatte dabei nur sechs Schulstunden in der Woche und bitte, meine Ausdrucksweise nicht als Fehler f\u00fcr den Nachweis anzuerkennen, denn den habe ich \u00fcber 22 Jahre an der Natur genau gepr\u00fcft. K\u00fche h\u00fcten ist nun zwar eine einsame Besch\u00e4ftigung, aber in der Einsamkeit findet man Beobachtungen an der Natur mit ihren Wirkungen, die man dort in der Einsamkeit sich in Ruhe \u00fcberlegen kann, was demnach auch sein gutes im Lernen hat.<\/p>\n<p>1884 kann ich als Schuhmachergeselle nach Hamburg und lernte dort erst Ebbe und Flut kennen. Als keiner wusste, wie der Mond solches erzeugte, so fing ich ein Forschen danach an. 1890 fing ich hier selbst\u00e4ndig an, machte nach der langen Sitzarbeit des Sonntags einsame Landtouren mit, zugleich forschte ich in B\u00fcchern, wie \u201aDie Erforschung der Welt\u2019 und dgl. mehr. Versuchte Vieles, als aber alles nichts nutzte, so kam ich auf den Gedanken eines Wasserm\u00fchlrades, welches ohne Ende l\u00e4uft bei gen\u00fcgend Wasser zum Antrieb. F\u00fcr den Mond sein Wirken zur Flut passte es nicht, aber f\u00fcr Erde ihrer Bewegungen zur Sonne schien es zu passen. Ich setzte daher mein Forschen darin fort und fand dann die Wirkungen von Sonne und Mond f\u00fcr die Fluten auf dem Meere. Luft und Wasserstr\u00f6me, Wachstum f\u00fcr Lebewesen, Gew\u00e4chs usw. stimmte alles einheitlich. Nach dieser Entdeckung fragte ich bei der Seewarte in Hamburg an, was \u00fcber Ebbe und Flut bekannt sei. Sonne und Mond seien daf\u00fcr bedingt, weiteres sei unbekannt, dies wurde mir mitgeteilt.<\/p>\n<p>1911 warnte ich vier Tage vorher die Marine in Kiel vor starkem Sturm, der von Portugal nach Norden ziehe. Nach dem Eintreffen ersuchte die Marine mich, die Daten der vorausgesagten St\u00fcrme ihr mitzuteilen. Um dieses etwas nach der wissenschaftlichen Seite und Annahme ausfertigen zu k\u00f6nnen, schaffte ich mir Koppe-Husmann, Physik f\u00fcr Oberstufe an und pr\u00fcfte es darnach. Erkenne an, die Physik ist genau nach dem Aussehen beschrieben, aber leider t\u00e4uscht das Aussehen mich mein Pr\u00fcfen an der Natur. Um Vielen ihrem Wunsch nachzukommen, meinen Mitmenschen es doch zu ver\u00f6ffentlichen, erf\u00fclle ich nun mit diesem Druck.\u201c<\/p>\n<p><strong>Bisher erschienen:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2012\/06\/17\/geschichten-und-anekdoten-aus-dem-alten-ratzeburg-teil-1-august-gluth\/\">Teil 1 &#8222;August Gluth&#8220;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2012\/06\/24\/geschichten-und-anekdoten-aus-dem-alten-ratzeburg-teil-2-vadder-gluth\/\">Teil 2 &#8222;Vadder Gluth&#8220;<\/a><\/p>\n<p>Mehr auf <a href=\"http:\/\/www.ratzeburg.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.ratzeburg.de<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ratzeburg (pm). In diesem Jahr feiert Ratzeburg den 950. Jahrestag seiner ersten urkundlichen Erw\u00e4hnung. 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