{"id":11172,"date":"2012-10-06T09:36:14","date_gmt":"2012-10-06T08:36:14","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=11172"},"modified":"2019-01-29T10:18:29","modified_gmt":"2019-01-29T09:18:29","slug":"geschichten-und-anekdoten-aus-dem-alten-ratzeburg-teil-6-karl-adam-rudertrainer-ehrenbuerger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2012\/10\/06\/geschichten-und-anekdoten-aus-dem-alten-ratzeburg-teil-6-karl-adam-rudertrainer-ehrenbuerger\/","title":{"rendered":"Geschichten und Anekdoten aus dem alten Ratzeburg &#8211; Teil 6: Karl Adam, Rudertrainer, Ehrenb\u00fcrger"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ratzeburg (pm).<\/strong> In diesem Jahr feiert Ratzeburg den 950. Jahrestag seiner ersten urkundlichen Erw\u00e4hnung. Zu diesem Anlass planten drei M\u00e4nner vor etwa einem Jahr die <a href=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2012\/02\/18\/geschichten-aus-dem-alten-ratzeburg\/\">Sammlung und Ver\u00f6ffentlichung von Geschichten<\/a>: Klaus-J\u00fcrgen Mohr, Vorsitzender des Senioren-Beirats, Christian Lopau, Archivar der Stadt, und Hans-Joachim H\u00f6hne, langj\u00e4hriger Schulmeister. Im vergangenen Sommer suchte die kleine Redaktionsgruppe \u00fcber die Presse nach passenden Beitr\u00e4gen. Die Geschichten sollen die heutige und kommende Generationen an Menschen erinnern, die man mit dem Namen \u201eRatzeburg\u201c verbindet und deren Ged\u00e4chtnis es wert ist, bewahrt zu werden. Mit freundlicher Genehmigung der Initiatoren werden diese jetzt auch auf Herzogtum direkt zu lesen sein. Im sechsten Teil lesen Sie etwas \u00fcber Rudertrainer und Ehrenb\u00fcrger der Stadt.<\/p>\n<p>Mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen ist in diesem Jahr an den 100. Geburtstag des \u201cRuderprofessors\u201d Karl Adam (2. Mai 1912 &#8211; 18. Juni 1976) erinnert worden. Karl Adam, der in Hagen geboren wurde, studierte in M\u00fcnster, Wien und Innsbruck Mathematik, Physik, Sport und Philosophie f\u00fcr das Lehramt an Gymnasien. Nach einer schweren Verwundung im Zweiten Weltkrieg kam Karl Adam nach Ratzeburg und unterrichtete hier seit 1948 an der Lauenburgischen Gelehrtenschule.<\/p>\n<p>Ende der 1950er Jahre entwickelte Adam spezielle Trainingsmethoden, die zusammen mit Verbesserungen im Bootsbau zur Grundlage hervorragender Erfolge es deutschen Rudersports wurden. Sieben Titel des Deutschland-Achters bei Welt- und Europameisterschaften in den Jahren 1959 bis 1967 sowie die Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen in Rom (1960) und Mexiko (1968) machten Ratzeburg als Zentrum des Rudersports weltweit bekannt.<\/p>\n<p>Drei Pers\u00f6nlichkeiten, die \u201eKalli\u201c, wie er oft kurz genannt wurde, pers\u00f6nlich und im Sport nahe standen, haben mit eigenen Beitr\u00e4gen geholfen, unser Bild vom \u201eOriginal Kalli\u201c zu zeichnen: Die \u00e4lteste Tochter des Ehepaars Karl und Ursula Adam, Dr. Gisela Adam, sowie die beiden Mitglieder des Ratze-\/Kieler Achters von 1960, der auf dem Lago Albano bei Rom olympisches Gold gewann, Professor Walter Schr\u00f6der und Professor Dr. Hans Lenk. Alle drei haben nat\u00fcrlich ihr Abitur an der Lauenburgischen Gelehrtenschule in Ratzeburg gemacht!<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich spielen die geradezu unglaublichen sportlichen Leistungen Adams bei jeder W\u00fcrdigung seines Lebensweges eine herausragende Rolle. Wir werden jedoch mit einigen Erinnerungen aus der privaten Sph\u00e4re anfangen, die Gisela Adam auf typische \u201eKalli-Manier\u201c beginnt:<\/p>\n<p>\u201eHimmel, Arsch und Zwirn!\u201c<\/p>\n<p>Minutenlange Schimpf- und Fluchtiraden, auch aus geringem Anlass, &#8211; stundenlange Erz\u00e4hlungen selbsterdachter Fortsetzungsgeschichten von \u201eD\u00e4umelinchen\u201c oder \u201eAnnemarie\u201c \u2013 unser cholerischer, knuddeliger, gef\u00fcrchteter und geliebter Vater Kalli hatte vieles drauf &#8230; \u2013 nur das mit dem Y-Chromosom &#8230; wir sollten ja eigentlich alle Jungs geworden sein &#8230; na, egal.<\/p>\n<p>Gravitation<\/p>\n<p>Eine Orange war immer die Sonne, was Kleines, eine Erbse die Erde, wenn unser Vater das Sonnensystem erkl\u00e4rte, meistens um Weihnachten herum, wegen der Verf\u00fcgbarkeit von S\u00fcdfr\u00fcchten. Den samtschwarzen Wintersternenhimmel mit seinen Tausenden Blinklichtern ordnete er uns in Sternbilder. Geheimnisvoll war (und ist) das mit der Schwerkraft: Je schwerer, desto anziehend, hat man lebenslang was zum Gr\u00fcbeln.<\/p>\n<p>Radfahren<\/p>\n<p>Als Kleinkind im vorne befestigten blechernen Schalensitz hockend, erfuhr ich eine der ersten, beeindruckenden Demonstrationen der Wut- und Wortgewalt (s. \u00dcberschrift 1) meines Vaters, als dieser unaufmerksam steuernd mit Wucht gegen den Kantstein fuhr, wobei sich der zwischen Felge und Mantel hervortretende, platzende Fahrradschlauch in meiner Erinnerung riesig aufbl\u00e4hte, Kalli dann auch.<\/p>\n<p>Eis<\/p>\n<p>Der Test, ob der zugefrorene See gefahrlos zu betreten war, wurde auf unseren besonderen Wunsch immer von Kalli und nicht beh\u00f6rdlicherseits durchgef\u00fchrt: Mehrere Spr\u00fcnge auf der Eisfl\u00e4che von dem gewichtigsten uns bekannten Mann, ohne einzubrechen, und es konnte losgehen mit dem Schlittschuhlaufen.<\/p>\n<p>Wassersport<\/p>\n<p>Unsere Mutter, wegen l\u00e4ngerer Abwesenheit des Ern\u00e4hrers vor\u00fcbergehend wieder allein erziehend (nicht so schwer bei drei braven, angepassten mittlerweile sieben-, neun- und zehnj\u00e4hrigen T\u00f6chtern), wollte auch unbedingt das bevorstehende olympische Rennen SEHEN, nur wo und wie? Die Zahl der Fernsehger\u00e4te im damaligen Ratzeburg war begrenzt. Dann f\u00fcgte sich alles wunderbar: Wir fuhren mit unserem alten st\u00e4hlernen Paddelboot an das gegen\u00fcber liegende Domseeufer zur freundlichen Familie Lemmert (unserem sp\u00e4teren Musiklehrer an der LG), erlebten dort den gro\u00dfen Medaillengewinn in kleinen schwarz-wei\u00df-Bildern, und paddelten bei Dunkelheit beschwingt zur\u00fcck. Von allen Rudersiegen war dieser selbst erpaddelte f\u00fcr mich der sch\u00f6nste!<\/p>\n<p>Hunger<\/p>\n<p>Oft klapperten die Tasten der alten Olympia Schreibmaschine, fingerfertig bearbeitet von unserer Mutter, bis in die sp\u00e4te Nacht hinein, schlie\u00dflich musste der theoretische Unterbau f\u00fcr die erstaunlichen Erfolgsgeschichten zu Papier gebracht werden. Bevor dann das alte Schlafsofa auseinander geklappt wurde, erlitt sie h\u00e4ufig eine n\u00e4chtliche Hungerattacke, der ihr diktierender Gatte mit einem rasch gebrutzelten Spiegelei abhalf. Dieses \u2013 am Bett serviert \u2013 verzehrte sie dann gen\u00fcsslich, das Gelbe (im ganzen!) zuletzt.<\/p>\n<p>Soweit ein paar Erinnerungen der \u00e4ltesten Tochter.<\/p>\n<p>Zum 100. Geburtstag Karl Adams ver\u00f6ffentlichte Walter Schr\u00f6der 2012 eine Schrift: Die Entwicklung von Rudertechnik, -ausbildung und -training mit einer Spiegelung im Ratzeburger K\u00fcchensee. Walter Schr\u00f6der wurde schon 1957 zusammen mit Manfred Rulffs Deutscher Meister im Zweier ohne Steuermann. 1959 begann der Siegeszug des Achters mit Ruderern des Ratzeburger Ruder-Clubs und von Ditmarsia Kiel, der seinen H\u00f6hepunkt beim olympischen Rennen von Rom fand. Die Schrift zum 2. Mai 2012 widmete Schr\u00f6der seinem Lehrer, Trainer und Freund. Der Goldmedaillen-Gewinner arbeitete nach seiner sportlichen Laufbahn als Ruderlehrer und Dozent an der Universit\u00e4t Hamburg, erhielt dort eine Professur im Fachbereich Sport; gern erinnert er sich an die Gelegenheiten, bei denen er mit seine Trainer-Mentor zusammen arbeiten durfte.<\/p>\n<p>Zitate aus der oben genannten Schrift:<\/p>\n<p>\u201eIn der Nordwestecke des Ratzeburger K\u00fcchensees spiegelt sich im h\u00e4ufig traumhaft glatten Wasser das Bootshaus des Ratzeburger Ruder-Clubs (RRC). Hier wurde das Ruderwunder vom K\u00fcchensee geboren. \u2026 Das Wunder hatte einen Namen: Karl Adam.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Trainingsprogramme vom K\u00fcchensee blieben nicht geheim. Karl Adam selbst verbreitete die neuen Erkenntnisse zum Rudertraining in Vortr\u00e4gen und Schriften. Er pl\u00e4dierte daf\u00fcr, die Erfahrung und die Ergebnisse von Untersuchungen im Training, wie in der Wissenschaft \u00fcblich, zu ver\u00f6ffentlichen und dadurch die Gesamtentwicklung optimal zu f\u00f6rdern und nicht, wie in der Wehrforschung \u00fcblich, vor dem Konkurrenten zu verheimlichen. 1959 \u00e4u\u00dferte er sich dazu. &#8218;Ich lehne jede Geheimhaltung aus folgenden Gr\u00fcnden ab:<br \/>\nDie Ausbreitung moderner Methoden ist doch nicht aufzuhalten.<br \/>\nDie Verbesserung der Leistung kommt in erster Linie dem Deutschen Ruderverband zugute.<br \/>\nJede Geheimniskr\u00e4merei erscheint mir unsportlich, unfair und ist mir ganz einfach zuwider.&#8216;<\/p>\n<p>F\u00fcr die Umsetzung seiner neuen Ideen hatte er mit den Ratzeburger Seen ein ideales Trainingsrevier und in dem neugegr\u00fcndeten Club ein ideales Arbeitsfeld, wobei ihm hier keine &#8218;Altmeister&#8216; in die Trainingsarbeit reinredeten. Die Reformen von Karl Adam f\u00fchrten sehr bald zu einer nationalen \u00dcberlegenheit. Als Folge der erfolgreichen Trainingsarbeit von Karl Adam entwickelte sich eine magnetischen Kr\u00e4ften \u00e4hnliche Sogwirkung zum &#8218;Ruder-Nordpol&#8216; auf dem Ratzeburger K\u00fcchensee.\u201c<\/p>\n<p>Walter Schr\u00f6der nennt beeindruckende Zahlen: \u201eBei den deutschen Meisterschaften des Jahres 1960 wurden von den Ruderern, die beim RRC auf dem K\u00fcchensee trainierten, f\u00fcnf von sieben m\u00f6glichen Titeln in der offenen M\u00e4nnerklasse errungen. \u2026 Die von Karl Adam trainierten Ruderer erreichten insgesamt 29 internationale Medaillen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas war das Geheimnis vom Adam&#8217;schen Trainingskonzept? Seine Ruderer machten die richtigen Ma\u00dfnahmen zur rechten Zeit und immer etwas fr\u00fcher als die Konkurrenz. \u2026 Als leistungsbestimmende Faktoren im Rudern nannte Karl Adam: die Technik, die Ausdauer, die Kraft und die Motivation.\u201c<\/p>\n<p>Die ehemalige Turnhalle der Lauenburgischen Gelehrtenschule steht unter Denkmalsschutz und beherbergt heute die Stadtb\u00fccherei. Kaum jemand, der dort ein- und ausgeht, wird wissen, dass Karl Adam an vielen Tagen seine Leistungsruderer morgens um sieben Uhr (vor dem Unterricht) zum Krafttraining zusammenrief! Dabei verstand er es, seine Athleten durch die Art der Trainingsgestaltung hoch zu motivieren. Nat\u00fcrlich spielte die Hantel eine hervorragende Rolle. Walter Schr\u00f6der erinnert sich aber gern: \u201eSpa\u00df am Erfolgserlebnis hatten wir auch bei folgender \u00dcbung: &#8217;20 mal den Medizinball (3 kg) aus tiefer Hocke durch Beinstreckung beidh\u00e4ndig an die Hallendecke werfen.&#8216; Die Turnhalle aus &#8218;Turnvater Jahns Zeiten&#8216; (erbaut 1882) \u2026 hatte eine Deckenverkleidung aus soliden Holzbrettern. Diese Decke konnte einen &#8218;Treffer&#8216; mit dem Medizinball vertragen. Dieser &#8218;Treffer&#8216; war aber nur mit maximalem Krafteinsatz der Beinstrecker zu erreichen. Jeder Ruderer versuchte nat\u00fcrlich in jeder Serie die H\u00f6chstzahl von &#8218;Treffern&#8216; zu erzielen, das ergab dann einen maximalen Trainingsreiz und einen maximalen Spa\u00df. \u2026 In der Trainingsschule von Karl Adam wurden Reize gesetzt, die an der oberen Grenze lagen und beim Gelingen einen nachhaltigen Erlebniswert brachten.\u201c<\/p>\n<p>Der \u201em\u00fcndige Athlet\u201c: Dieses h\u00f6chste Ziel aller Arbeit mit seinen Sch\u00fctzlingen konnte der geniale Trainer nur auf eine Art und Weise erreichen. Walter Schr\u00f6der zitiert ihn:\u201eF\u00fcr die F\u00fchrung von Athleten im Training und Wettkampf gibt es zwei extreme ideale M\u00f6glichkeiten: den autorit\u00e4ren oder autokratischen und den demokratischen Stil. Beim autorit\u00e4ren Stil wird jede Ma\u00dfnahme vom Trainer angeordnet, im extremen Fall ohne Begr\u00fcndungspflicht: der Athlet hat lediglich zu tun, was ihm gesagt wird. Beim demokratischen Stil wird jede Ma\u00dfnahme in der Gruppe von Athleten und Trainer ausdiskutiert, wobei der Trainer die Rolle des Diskussionsleiters spielt. \u2026 Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile. \u2026 Insgesamt scheinen mir die Vorteile des demokratischen Stils zu \u00fcberwiegen.\u201c<\/p>\n<p>Seine Erfolge haben ihm Recht gegeben. Walter Schr\u00f6der erkl\u00e4rt: \u201eDas Wort Motivation haben wir in den Gespr\u00e4chen im Bootshaus wenig benutzt. Es war nicht n\u00f6tig, \u00fcber Motivation lange zu reden. Karl Adam war ein P\u00e4dagoge, der seine Sch\u00fcler begeistern konnte. Er selbst stand mit dem ganzen Gewicht seiner Person hinter seinen Vorschl\u00e4gen und brannte vor Begeisterung. Und wer selbst brennt, kann andere entz\u00fcnden. Wir waren leicht zu entz\u00fcnden, denn wir verfolgten nicht fremde Ziele, sondern unsere in Selbstbestimmung gefundenen Ziele. Wir waren durch seine demokratische oder partizipatorische Trainingsf\u00fchrung zu m\u00fcndigen Athleten geworden.\u201c<\/p>\n<p>Am Ende seiner Ausf\u00fchrungen erinnert sein Sch\u00fcler und Freund: \u201eBei diesen \u00fcberragenden Erfolge der von ihm trainierten Mannschaften konnten pers\u00f6nliche Ehrungen nicht ausbleiben, auch wenn Karl Adam solchen Ehrungen eher abhold gegen\u00fcber stand. 1962 wurde er Ehrenb\u00fcrger der Stadt Ratzeburg. 1972 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Au\u00dferdem verlieh ihm die Fakult\u00e4t f\u00fcr Geistes- und Sozialwissenschaften der Universit\u00e4t Karlsruhe die Ehrendoktorw\u00fcrde. 1976 wurde er Ehrenmitglied des Deutschen Ruderverbandes.\u201c<\/p>\n<p>Im Jahre 2008 gr\u00fcndete die Stiftung Deutsche Sporthilfe im Deutschen Historischen Museum in Berlin die Hall of Fame (Ruhmeshalle) des deutschen Sports, in die inzwischen (bis Mitte 2012) etwa 75 gro\u00dfe deutsche Sport-Pers\u00f6nlichkeiten aufgenommen wurden, unter ihnen Karl Adam. Unter ihnen seit Beginn 2012 aber auch Hans Lenk, Bugmann des legend\u00e4ren Achters von 1960, Dr. und Professor der Philosophie \u2013 einer der f\u00fchrenden deutschen Philosophen unserer Zeit. Er wurde 2005 als erster Deutscher zum Pr\u00e4sidenten des Institut International de Philosophie gew\u00e4hlt. Hans Lenk hat 2010 eine Schrift ver\u00f6ffentlicht: \u201eGoldachter \u2013 50 Jahre Olympiasieg\u201c. In seiner W\u00fcrdigung der Adam&#8217;schen Leistungen spielen ebenfalls die \u201em\u00fcndigen Athleten\u201c und das \u201edemokratische Training\u201c wichtige Rollen.<\/p>\n<p>\u201eDie sportliche Leistung bedeutete f\u00fcr Adam ein und nur ein Symbol und Gleichnis f\u00fcr aktives engagiertes Leben. Sport ist ein Erziehungsmittel, ein Experimentierfeld f\u00fcr planm\u00e4\u00dfig gestaltetes, das Selbst disziplinierendes Handeln, f\u00fcr zielstrebige eigenmotivierte Leistung und Leistungssteigerung \u00fcberhaupt; denn \u201edie Struktur der Leistung ist auf allen Gebieten gleich\u201c &#8211; so der seine Auffassung ebenso kennzeichnende wie seine Strategien als Lehrer und Trainer begr\u00fcndende Kernspruch, der nun auf dem Karl-Adam-Gedenkstein am Ratzeburger K\u00fcchensee steht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNichtgewinnen ist kein Scheitern.\u201c &#8211; \u201e\u00dcber die Bedeutung dieses Nachlasssatzes \u2026 gr\u00fcble ich schon lange nach. Dieser l\u00e4sst sich durchaus in seine Leistungsphilosophie einordnen, wenn man sich an Coubertins bekannten Satz erinnert, es komme nicht darauf an, unter allen Bedingungen, koste es, was es wolle, zu siegen, sondern darauf, ehrlich und engagiert \u2013 mit vollem Einsatz \u2013 sein Bestes gegeben, &#8218;gut gek\u00e4mpft&#8216; zu haben. Auch dies hat uns Karl Adam vorgelebt.\u201c<\/p>\n<p>Hans Lenk liefert in seiner Schrift auch etwas zum Schmunzeln! An ihrem Ende bietet er dem geneigten Leser ein \u201ekleines Satyrspiel\u201c; daraus m\u00f6gen hier Szenen (Bilder bei Lenk) aus dem zweiten und dritten Akt das Kapitel \u201eKarl Adam\u201c beenden. Man mag dabei bedenken, dass es damals, Ende der 50er Jahre, am K\u00fcchensee noch keinen \u201eKurpark\u201c gab; der Uferweg verlief ganz gerade am Ufer entlang und diente au\u00dfer dem Vergn\u00fcgen \u201elustwandelnder\u201c B\u00fcrger auch unserem Kalli, der auf seinem Fahrrad seine Ruderer beim Training begleitete. Die Hauptrolle spielt \u201eDer ausgebesserte Holzschuh\u201c, ein breiter Sperrholzzweier, der als Trainingsger\u00e4t dienen musste. Er erhielt den Namen &#8218;ARES&#8216;, und hier also Teile von einem \u201eEntwurf einer Tragikom\u00f6die in drei Akten \u2013 nach wahren Begebenheiten\u201c.<\/p>\n<p>ZWEITER AKT \u2013 1957 \u2026<\/p>\n<p>3. Bild Gr\u00fcnfl\u00e4che am Ratzeburger See<br \/>\nHintergrund: der Zweier auf der Strecke (Riemenzweier jetzt)<br \/>\nErkennbar: der Mann mit der eigenwilligen Ruderhaltung im Boot (Walter Schr\u00f6der).<\/p>\n<p>Vordergrund: homo faber (Kalli!) tritt hin und wieder in die Pedalen.<br \/>\nAdam: &#8218;Neunundf\u00fcnfzig! &#8211; In Bewegung bleiben!&#8216;<br \/>\nPl\u00f6tzlich: Mittelgrund: homo faber abgesprungen. Polizist. Gestikulationen.<br \/>\nErregte Diskussion. Laute unverst\u00e4ndlich \u2013 \u00fcbert\u00f6nt vom Streckenger\u00e4usch des Zweiers.<br \/>\nPolizist schreibt in Notizbuch.<br \/>\nGammel (Manfred Rulffs) (weit \u00fcbers Wasser schallend): &#8218;Kaa&#8212;lliiiiiii!!&#8216;<br \/>\nAdam (w\u00fctend): &#8218;Fahrt nach Hause !!!!&#8216; (Bei der Kollision mit Kallis Fahrrad soll einmal ein Hund zu Schaden gekommen sein.)<\/p>\n<p>DRITTER AKT \u2013 1959 &#8230;<\/p>\n<p>1. Bild Gr\u00fcnfl\u00e4che am Ratzeburger See<br \/>\nVordergrund: friedliche Spazierg\u00e4nger \u2013 wandelnd.<br \/>\nFern: Rufen: &#8218;Zweiundf\u00fcnfzig!&#8216; &#8211; &#8218;In Bewegung bleiben!&#8216;<br \/>\nPause.<br \/>\n&#8218;Sind Sie bereit? Los!&#8216; Schnelles Knallen der Rollsitze. Hohe Schlagzahl.<br \/>\nGer\u00e4usche n\u00e4hern sich.<br \/>\nDie beiden unausgegorenen Jugendlich-Heldischen im Boot (Ingo Kliefoth, Bernd Kruse?).<br \/>\nEwiges Intervall.<br \/>\nHomo faber auf dem Rade. Kreischende Wandler.<br \/>\nEin Wandler umgefahren.<br \/>\nB\u00f6sartig-entsetztes Geschnatter: &#8218;Was f\u00e4llt Ihnen ein!&#8216; &#8211; &#8218;Wo haben Sie denn Ihre Augen !&#8216; &#8212; &#8218;Idiot!&#8216; &#8212;<br \/>\nHomo faber ab.<br \/>\nVon weitem: Adam: &#8218;Hab&#8216; die Zeit nicht mitbekommen.&#8216;<\/p>\n<p>Karl Adam starb am 18. Juni 1976 in Bad Salzuflen. Sein Grab befindet sich auf dem St. Georgsberger Friedhof. In Ratzeburg erinnern heute eine Gedenktafel auf dem Gel\u00e4nde des Ruderclubs und ein Bronzekopf in der Lauenburgischen Gelehrtenschule an diesen herausragenden Trainer und Lehrer. Der Uferweg vom alten Bootshaus der Gelehrtenschule zur Ruderakademie tr\u00e4gt den Namen \u201eKarl-Adam-Weg\u201c.<\/p>\n<p><strong>Bisher erschienen:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2012\/06\/17\/geschichten-und-anekdoten-aus-dem-alten-ratzeburg-teil-1-august-gluth\/\">Teil 1 &#8222;August Gluth&#8220;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2012\/06\/24\/geschichten-und-anekdoten-aus-dem-alten-ratzeburg-teil-2-vadder-gluth\/\">Teil 2 &#8222;Vadder Gluth&#8220;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2012\/07\/01\/geschichten-und-anekdoten-aus-dem-alten-ratzeburg-teil-3-schooster-dau\/\">Teil 3 &#8222;Schooster Dau&#8220;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2012\/08\/22\/geschichten-und-anekdoten-aus-dem-alten-ratzeburg-teil-4-erinnerungen-an-den-ratskeller\/\">Teil 4 &#8222;Erinnerungen an den Ratskeller&#8220;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2012\/09\/01\/geschichten-und-anekdoten-aus-dem-alten-ratzeburg-teil-5-originale-an-der-lauenburgischen-gelehrtenschule\/\">Teil 5 &#8222;Originale an der Lauenburgischen Gelehrtenschule&#8220;<\/a><\/p>\n<p>Mehr auf <a href=\"http:\/\/www.ratzeburg.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.ratzeburg.de<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ratzeburg (pm). In diesem Jahr feiert Ratzeburg den 950. Jahrestag seiner ersten urkundlichen Erw\u00e4hnung. Zu diesem Anlass planten drei M\u00e4nner vor etwa einem Jahr die Sammlung und Ver\u00f6ffentlichung von Geschichten: Klaus-J\u00fcrgen Mohr, Vorsitzender des Senioren-Beirats, Christian Lopau, Archivar der Stadt, und Hans-Joachim H\u00f6hne, langj\u00e4hriger Schulmeister. 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