{"id":10502,"date":"2019-01-10T10:14:48","date_gmt":"2019-01-10T09:14:48","guid":{"rendered":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/?p=10502"},"modified":"2019-01-10T10:14:48","modified_gmt":"2019-01-10T09:14:48","slug":"antibiotika-in-guelle-biogasanlage-keine-barriere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/index.php\/2019\/01\/10\/antibiotika-in-guelle-biogasanlage-keine-barriere\/","title":{"rendered":"Antibiotika in G\u00fclle: Biogasanlage keine Barriere"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gie\u00dfen (pm).<\/strong> Viele in der Tiermedizin verwendete Antibiotika, die \u00fcber Urin und Kot in die G\u00fclle gelangen, lassen sich in Biogasanlagen nicht beseitigen. Das ist das Ergebnis eines Projektes der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen, das die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fachlich und finanziell mit rund 343.800 Euro gef\u00f6rdert hat. In Deutschland werden in der Tierhaltung tonnenweise Antibiotika eingesetzt. Ein Gro\u00dfteil davon gelangt \u00fcber das D\u00fcngen landwirtschaftlicher Fl\u00e4chen mit G\u00fclle ungefiltert in die B\u00f6den. Dort k\u00f6nnen sich Bakterien entwickeln, auf die die Arzneien keine Wirkung mehr haben \u2013 sogenannte resistente Keime. Da G\u00fclle auch in Biogasanlagen verwendet wird, wurde gepr\u00fcft, ob Antibiotika dort beseitigt werden k\u00f6nnen, um den Eintrag in die Umwelt zu verringern. Dieser Weg sei nach Darstellung der Projekt beteiligten f\u00fcr wichtige Verbindungen nicht m\u00f6glich. DBU-Generalsekret\u00e4r Alexander Bonde: \u201eAntibiotika m\u00fcssen schon bei der Vergabe im Stall verringert werden, um Mensch, Tier und Umwelt zu sch\u00fctzen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Entwicklung von Antibiotika-resistenten Bakterien weltweites Problem<\/strong><\/p>\n<p>2017 wurden nach Angaben des <a href=\"https:\/\/www.bvl.bund.de\/DE\/Home\/homepage_node.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bundesamtes f\u00fcr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit<\/a> in Deutschland 733 Tonnen Antibiotika an Tier\u00e4rzte abgegeben, der Gro\u00dfteil davon werde in Nutztierst\u00e4llen eingesetzt. Da nicht alles von den Tieren aufgenommen wird, gelangen R\u00fcckst\u00e4nde der Antibiotika und ihrer Stoffwechselprodukte in die G\u00fclle. Diese wird entweder direkt oder nach der Verg\u00e4rung in Biogasanlagen auf den \u00c4ckern verteilt. \u201eWeltweit finden sich Antibiotika in G\u00fclleproben und in G\u00e4rresten von Biogasanlagen wieder\u201c, stellt Projektleiterin Dr. Astrid Spielmeyer vom<a href=\"https:\/\/www.uni-giessen.de\/fbz\/fb08\/Inst\/lcb\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Institut f\u00fcr Lebensmittelchemie und Lebensmittelbiotechnologie<\/a> an der Universit\u00e4t Gie\u00dfen das globale Problem dar. In Deutschland seien Biogasanlagen vor allem i n Gebieten mit intensiver Landwirtschaft weit verbreitet. Gleichzeitig seien dies die Regionen mit hohen Antibiotikaabgaben an die Tier\u00e4rzte. \u201eEs gibt verschiedene Studien, die einen R\u00fcckgang der Arzneimittel-Konzentration durch das Verg\u00e4ren von G\u00fclle in den Biogasanlagen beschreiben\u201c, erl\u00e4utert Spielmeyer. Jedoch seien die genauen Vorg\u00e4nge bisher nicht eindeutig bekannt gewesen. Ziel des Projektes war es deswegen zu pr\u00fcfen, ob der Prozess in Biogasanlagen einen Beitrag zum Verringern des Antibiotikaeintrages in die Umwelt leisten k\u00f6nne.<\/p>\n<p><strong>Breitbandantibiotika wie Tetrazyklin wirken bei einer Vielzahl von Bakterien<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_10505\" aria-describedby=\"caption-attachment-10505\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/dbu-Biogasanlage.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10505 size-medium\" src=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/dbu-Biogasanlage-300x188.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"188\" srcset=\"https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/dbu-Biogasanlage-300x188.jpg 300w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/dbu-Biogasanlage-768x480.jpg 768w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/dbu-Biogasanlage-696x435.jpg 696w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/dbu-Biogasanlage-672x420.jpg 672w, https:\/\/herzogtum-direkt.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/dbu-Biogasanlage.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-10505\" class=\"wp-caption-text\">Da G\u00fclle auch in Biogasanlagen verwendet wird, wurde gepr\u00fcft, ob Antibiotika dort beseitigt werden k\u00f6nnen, um den Eintrag in die Umwelt zu verringern. Dieser Weg ist nach Darstellung der Projektbeteiligten f\u00fcr wichtige antibiotische Verbindungen nicht m\u00f6glich. Foto: Dirk Grasse\/piclease<\/figcaption><\/figure>\n<p>Spielmeyer: \u201eRund ein Drittel der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika geh\u00f6ren zu den antibakteriell wirkenden Sulfonamiden und Tetrazyklinen, die wir untersucht haben.\u201c Der Wirkstoff Tetrazyklin wird bei Menschen und Tieren als Breitbandantibiotikum verwendet. Das hei\u00dft, er wirkt gegen eine Vielzahl von Bakterien und kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn der Krankheitserreger nicht genau bestimmt werden kann. F\u00fcr die beiden genannten Antibiotika-Gruppen sind bereits resistente Keime nachgewiesen worden. Der R\u00fcckgang von Antibiotika in G\u00fcllebehandlungsverfahren, wie das Lagern oder das Kompostieren, war in mehreren Studien bereits beschrieben worden \u2013 allerdings mit ganz verschiedenen Ergebnissen.<\/p>\n<p><strong>Stabilisierung durch Bindung \u2013 Erneutes Freisetzen durch Auswaschen<\/strong><\/p>\n<p>Im Projekt stellte sich in Zusammenarbeit mit dem <a href=\"https:\/\/lhl.hessen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Landesbetrieb Hessisches Landeslabor<\/a> (Bad Hersfeld) heraus, dass unterschiedliche Temperaturen, S\u00e4ure- und Salzgehalte kaum Einfluss auf die Wirkstoffe hatten. Bei Zusatz von einem Feststoff wie Maissilage, der auch in Biogasanlagen erfolgt, sei es allerdings zu einem R\u00fcckgang der Antibiotika-Konzentration gekommen. \u201eEin derartiger R\u00fcckgang, wie er auch in vorherigen Studien festgestellt wurde, hei\u00dft nicht unbedingt, dass die chemischen Strukturen zerst\u00f6rt und unwirksam werden\u201c, erkl\u00e4rt Spielmeyer die Zusammenh\u00e4nge. Wenn sich zum Beispiel Bestandteile der G\u00fclle mit den Wirkstoffen verbinden, k\u00f6nnten die einzelnen Antibiotika zwar nicht mehr nachgewiesen werden, befinden sich aber noch \u2013 stabilisiert durch die Bindung \u2013 in der G\u00fclle oder den G\u00e4rresten. Spielmeyer: \u201eWenn Wirkstoffe gebunden werden, k\u00f6nnen sie sich sp\u00e4ter auch wieder l\u00f6sen, sodass es zu einem erneuten Freisetzen der Antibiotika in der G\u00fclle oder auch im Boden kommen kann.\u201c Das h\u00e4tten die nun ver\u00f6ffentlichten Projektergebnisse gezeigt. Zwar werde oftmals nur ein geringer Teil wieder freigesetzt, dies k\u00f6nne jedoch stetig \u00fcber einen langen Zeitraum erfolgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gie\u00dfen (pm). Viele in der Tiermedizin verwendete Antibiotika, die \u00fcber Urin und Kot in die G\u00fclle gelangen, lassen sich in Biogasanlagen nicht beseitigen. Das ist das Ergebnis eines Projektes der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen, das die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fachlich und finanziell mit rund 343.800 Euro gef\u00f6rdert hat. 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